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Die neuen Abenteuer des Captain Kork

Die Bundesliga, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018. Dies sind die neuen Abenteuer des Captain Kork, der mit dem VfB 1893 unterwegs ist, um fremde Bundesligastadien zu erforschen und neue Taktiken und Herausforderungen zu entdecken. Er ist den anderen Trainerkollegen dabei Lichtjahre voraus und übernimmt auch Missionen, die nie zuvor ein Bundesligatrainer angenommen hat.

Captain Kork zeichnet sich durch großen Mut und edlen Charakter aus, er ist der Erfinder der außerirdischen Sternenflotte Gomez-Ginczek-Thommy. Er gilt als Anti-Guardiola, als der neue Trapattoni, sein Matchplan lässt die Gegner aussehen wie Flasche leer, zuletzt Köln. Nirgendwo lag so viel Leere als im Blick von Keeper Timo Horn. Captain Kork, den manche schon Korky nennen, hat die Teamdynamik und Hierarchie im Kader messerscharf analysiert und erkannt, dass er nur mit den Routiniers gewinnen kann. Sie sind es, die die Statik im Team verändern können, im Guten wie im Schlechten. Seine oberste Direktive: Keine Rotation.

Das Ergebnis: 4 Siege, 1 Unentschieden, eine astronomische Bilanz. Nicht mal ein Weltklasse-Trainer hätte das geschafft. So wie er viel zu früh kritisiert wurde, wird er nun viel zu früh in den Himmel gelobt. Alle sind der Meinung, Captain Kork sei auf der VfB-Brücke verschenkt, nachdem er das schwäbische Flaggschiff in Lichtgeschwindigkeit in die obere Tabellenhälfte gebeamt hat. Sie fordern, dass er sich neuen Abenteuern und größeren Aufgaben widmen soll:

Der FC Bayern München
Nicht nur seine überragenden Ergebnisse machen Kork zum idealen Heynckes-Nachfolger. Denn, wer unter Wolfgang Dietrich und Michael Reschke diente, wird sich auch mit Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß arrangieren. Sein Faible für ältere Spieler stärkt außerdem die Achse der Ü30-Fraktion Neuer, Hummels, Boateng und Martinez, dazu erhalten Robben, Ribery, Rafinha und Vidal neue Verträge, zusätzlich werden Raffael (33) und Naldo (35) verpflichtet. Mit Captain Korkuts gefürchteter 1:0-Taktik werden die Bayern auf Jahre unschlagbar sein. Fußball-Europa spricht voller Ehrfurcht von den „Galaktischen Greisen“.

Der HSV
Oder übernimmt Captain Korkut das Himmelfahrtskommando beim nordischen Traditionsverein und wird der erste Trainer, der in einer Saison gleich zwei Vereine vor dem Abstieg rettet? Zuzutrauen wäre es ihm – aber nur mit Raffael van der Vaart als erstem Offizier!

Die Anstosszeiten
Aber warum sollte nur ein einziger Verein von Captain Korks Qualitäten profitieren und nicht die gesamte Liga? Warum wird er nicht DFL-Berater und vermittelt im Streit mit der aktiven Fanszene? Auch hier beweist er ein gutes Gefühl für zwischenmenschliche Beziehungen und persönlichen Eitelkeiten. Er schafft es dank kluger Moderation, die Anstosszeiten fanfreundlicher zu gestalten. Der Montag entfällt, es gibt künftig nur ein Sonntagsspiel und sechs Samstagsspiele um 15.30 Uhr. Alkoholfreies Bier in Fußballstadien lässt Kork überdies rigoros verbieten. Von den Fans wird er deshalb nur noch „King Kork“ genannt.

Der Feinstaub
Doch vielleicht sollte Captain Kork auf noch größere Missionen geschickt werden? Warum nicht Kork statt Kuhn, um endlich das leidige Feinstaubproblem in Stuttgart zu lösen? Auch er wird zwar kein serientaugliches Elektro-Auto bauen, aber Kork reduziert den Feinstaub und verzichtet dabei auf Fahrverbote. Sein Plan: Er führt die dunkelrote Brustring-Plakette ein und verschafft allen VfB-Mitgliedern freie Fahrt und Präsident Dietrich gleichzeitig 150.000 neue Mitglieder. Dank seiner guten Verbindungen (Dieter Zetsche ist sein Nachbar) zu Ankerinvestor Mercedes-Benz schafft Kork es, dass Diesel-Motoren auf Kosten des Sterns nachgerüstet werden und die anderen Automobil-Hersteller nachziehen müssen.

Die Digitalisierung Deutschlands
Nachdem Captain Kork mehr Tempo bei der Digitalisierung Deutschlands angemahnt hat, wird ihm prompt das Staatsministerium für Digitales überantwortet. „Wir sollten nicht von Flugtaxis träumen, sondern erstmal eine stabile Defen …, äh, Netzinfrastruktur aufbauen“, so Captain Kork bei seiner ersten Pressekonferenz. Seine erste Amtshandlung: Viererkette statt Blockchain. Außerdem sorgt Captain Kork mit seinen Statements immer wieder für gute Laune im tristen Regierungsalltag in Berlin: „Früher musste die Null stehen; heute ist eine Eins auch okay“.

Niemand zweifelt mehr daran, dass Captain Kork den VfB spätestens Ende März zum sicheren Klassenerhalt kommandiert hat. Im Sinne des Allgemeinwohls sollte man ihm dann die Möglichkeit geben, sich um größere Aufgaben zu kümmern.

Oder ist die größte Aufgabe für ihn in Wirklichkeit, auch die nächste Saison so erfolgreich zu bestreiten wie die aktuelle?

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6 Kommentare

  1. Florian Götze sagt

    Mal wieder großartig, Vertikalpass! Deshalb liebe ich Euch. Nach „Schrotty und Captain Kork“ jetzt die Fortsetzung, leider ohne Schrotty. Ich freue mich auf die nächste Folge! Und was kommt dann? „Killeshills Cop“ mit Michael „Eddie“ Reschke in der Hauptrolle als Fortsetzung von „Die Glücksritter“?

    • @buzze sagt

      Vielen Dank! :-) Wir müssen erstmal abwarten, wohin sich das VfB-Format entwickelt. Tragödie wie 2016? Oder doch ein furioses Happy End? Dann beginnen wir mit dem Casting.

  2. Peter sagt

    Liebe Vertikalpassler, im Unterschied zu euren sonstigen Stücken finde ich dieses scheinbar witzig-ironische, aber in Wirklichkeit ziemlich gegen Korkut polemisierende Stück recht billig. Wo wird er denn allerorten in den Himmel gelobt und ernsthaft für größere Aufgaben ins Spiel gebracht? Und selbst wenn, wäre er selbst doch der letzte gewesen, der das befeuert hätte. Er ist bestimmt kein Pep Guardiola und die Mannschaft spielt unter ihm sicherlich genauso wenig berauschenden Fußball wie leider in den letzten Wochen unter seinem Vorgänger. Aber er ist pragmatisch, nutzt das vorhandene Potenzial klug aus und holt damit (endlich mal!) Punkte. Warum muss sich ein über fachliche und charakterliche Zweifel erhabener Mann dieser Häme aus dem eigenen Lager aussetzen? Nur weil er von den falschen Leuten geholt wurde? Ich bekomme bei Reschke und Dietrich auch Hautausschlag – aber ich stelle mich vor den Trainer, der sein bestes gibt und damit Erfolg hat. Natürlich wird er sich später auch daran messen lassen müssen, ob er die Mannschaft langfristig entwickeln und nach vorne bringen kann.

    • @buzze sagt

      Lieber Peter,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Der Text richtet sich nicht gegen Tayfun Korkut. Wenn er sich überhaupt gegen jemanden richtet, dann gegen alle, die glauben, nach 13 Punkten aus fünf Spielen sei der VfB auf dem Weg in eine goldene Zukunft.

      Aber eigentlich soll er nur ein wenig Spaß machen.

      Grüßle
      Sebastian vom Vertikalpass

      • Peter sagt

        Naja, wer angesichts der Art und Weise wie diese 13 Punkte zusammengekratzt wurden eine goldene Zukunft vor sich sieht, dem ist eh nicht mehr zu helfen…;-)
        Lese euch sehr gerne, keep up the good work!
        Peter

      • Chris3003 sagt

        Ich habe den Artikel auch nicht so empfungen, er sei gegen Tyfun Korkut gerichtet. Es ist ein ironisch gemeinter und netter Beitrag, der durchaus den einen oder anderen Lacher bei mir hervorgerufen hat. Deshalb lesen wir euch! Und an den lieben Peter gerichtet: Bitte sei nicht so streng gegenüber Leuten, die Nettes verbreiten wollen, sei allenfalls streng gegenüber dir selbst. (Ohne auch das böse zu meinen)

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