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Die Mission Impossible für Captain Kork

Tayfun Korkut hat in der Rückrunde einen Megajob gemacht: Acht Spiele ungeschlagen, Platz 2 in der Rückrundentabelle – und dann auch noch Bayern München mit 4:1 aus dem eigenen Stadion geschossen. Mit dem Kader und unter den Voraussetzungen hätte das niemand besser hinbekommen als Korkut. Kein Pep Guardiola, kein Didier Deschamps, selbst Jupp Heynckes nicht und Tom Cruise erst recht nicht. Mit Pragmatismus und Spielglück, mit einer eingespielten Formation und einer simplen, aber effektiven Taktik hat Korkut aus dem Kader das Optimum herausgeholt.

Und jetzt? Jetzt stellt ihm Michael Reschke einen besseren Kader hin. Alle Problemzonen sind behoben: Außenverteidigung, defensives Mittelfeld, offensive Mittelfeldzentrale – auf jeder Position kamen entweder hochambitionierte und entwicklungsfähige Talente oder in vielen Spielen gestählte und erfahrene Bundesligaprofis. Und das Ganze quasi auch noch zum Trainingsauftakt: ein absoluter Wahninn. Die Euphorie ist groß, Captain Kork ist deshalb auf einer heiklen Mission: Unter dem Codenamen „Wahler“ soll er den VfB möglichst schon diese Saison in die Champions League führen. So wollen es nicht nur viele Fans, auch sogenannte „Experten“ sehen den VfB auf einem guten Weg. Das Publikum erwartet zudem jede Menge Action auf dem Spielfeld und waghalsige Stunts.  Natürlich nur in der Offensive, in der Captain Kork nach der Verpflichtung von Daniel Didavi und Nicolas Gonzalez mit Chadrac Akolo, Tassos Donis, Erik Thommy und Mario Gomez ein schlagkräftiges Personal zur Verfügung steht. Magere 36 Tore wie in der vergangenen Saison dürften vielen zu wenig sein. Ein bisschen mehr fast & furious im gegnerischen Strafraum darf es schon sein.

Das bringt Korkut in Schwierigkeiten, denn eigentlich befindet er sich auf einer Mission Impossible, er kann nur verlieren. Der VfB soll zum absoluten Action-Hammer in der neuen Saison werden, doch was soll nach Platz 2 in der Rückrundentabelle kommen? Was ist, wenn es auch mit diesem Kader spielerisch ein bisschen rumpelt? Darf Korkut auch einmal zwei Spiele in Folge verlieren? Wird nach acht Spieltagen und Platz 12 bereits über seinen Nachfolger diskutiert? Es ist der Fluch seiner guten Tat in der Rückrunde der letzten Saison.

Wahrscheinlich wäre es besser für Korkut gewesen, er hätte nach dieser wahrlich grandiosen Rückrunde gesagt „Danke Leute, das wars, mehr geht nicht!“. Denn nun ist es ungleich schwieriger, VfB-Trainer zu sein. Da sind zum einen die (überzogenen) Erwartungen, zum anderen ein Kader, bei dem es aufgrund der Leistungsdichte zu unzufriedenen Spielern kommen wird. Spieler, die glauben, spielen zu müssen. Denn auf so gut wie jeder Position kann Captain Kork mit einem Team aus Doppelagenten arbeiten: Sosa/Insua, Beck/Maffeo, Badstuber/Baumgartl, Pavard/Kempf, Aogo/Castro, das werden wilde Verfolgungsjagden werden um die Stammplätze im Team. Neben der nötigen (Weiter-)Entwicklung eines Spielsystems, das ein bisschen ambitionierter sein sollte als das des letzten Jahres, wird es auf die Moderation dieser Härtefällen ankommen. Niemand zurücklassen, alle mitnehmen, Spannung hoch halten. Darauf wird es ankommen. Die unsichere Situation rund um Top-Agent Benschamäh Pavard wird das Team erst einmal nicht beeinflussen, die Stimmung im Publikum kann aber schnell umschlagen und aus Euphorie wird Frust und die Leistungen der Mannschaft werden eher kritischer als wohlwollender verfolgt

Korkut muss in der neuen Saison nicht mehr Retter sein (hoffentlich!), sondern Regisseur und Drehbuchautor in einem. Ob er das kann? Noch hat er nicht gezeigt, dass er Blockbuster in Serie produzieren kann. Aber er sollte die Zeit bekommen, sich zu beweisen.

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