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Willkommen an Bord der Stuttyacht

Dank kessel.tv wissen wir: Es heißt “Stuttgart”, nicht “Stuggi”. Doch seit Michael Reschke beim VfB am Ruder ist und seine Vorliebe für Pressekonferenzen entdeckt hat, ist auch immer häufiger von „Stuttyacht“ die Rede.

Sechs Wochen vor dem ersten Saisonspiel in Mainz ist es an der Zeit, sich an Bord dieser Stuttyacht mal gründlich umzugucken.

Aber vorher ein Blick zurück: Vor 24 Monaten war der VfB Stuttgart in den stürmischen Gewässern des Abstiegskampfs aus dem Ruder gelaufen und krachend an den Klippen des Klassenerhalts zerschellt. Anschließend trieb das Geisterschiff ohne sportliche Führung und ohne klaren Kurs durch die Vorbereitung auf die zweite Liga.

Erst nachdem Jan Schindelmeiser angeheuert hatte und man Jos Luhukay über die Planke geschickt hatte, hatte der VfB wieder einen klaren Kurs: Junge Matrosen mit viel Potenzial sollten gemeinsam mit erfahrenen Seemännern wie Gentner und Insua nicht nur den Aufstieg klarmachen, sondern auch für eine rosige Zukunft stehen.

Zurück im Jetzt: Weder Jan Schindelmeiser noch Hannes Wolf sind noch an Bord, aber trotzdem ist der VfB Stuttgart klar auf Erfolgskurs. Dafür sorgte natürlich auch der aktuelle Sportvorstand Michael Reschke. Es scheint fast so, als hätten sein Vorgänger und er aus einem Wrack eine echtes Traumschiff gemacht.

Das spricht sich natürlich rum. Und so heuern mittlerweile talentierte Leichtmatrosen aus Übersee wie Maffeo und Gonzalez an und sogar erfahrene Seebären wie Holger Badstuber bleiben lieber an Bord anstatt unter fremder Fahne auf Titelbeutezug zu gehen. Die Mischung stimmt in der Crew. Die Lecks im Kader wurden frühzeitig erkannt und dank der erfolgreichen Rückrunde geht man mit viel Rückenwind in die neue Saison.

Doch als leidgeprüfter VfB-Fan weiß man: Immer, wenn der VfB mit maximaler Geschwindigkeit auf Erfolgskurs fährt, ist der nächste Eisberg nicht weit. Und wenn es selbst kritische VfB-Fans nur mit größter Mühe schaffen, als Saisonziel “möglichst früh 40 Punkte” auszugeben, obwohl sie eigentlich “Champions League” schreien möchten, dann ist es höchste Zeit für die Euphorie-Bremse.

Ja, Michael Reschke hat geliefert – und wie. Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit liegt die Stuttyacht bereits zum Trainingsauftakt mit kompletter Mannschaft im Hafen. Blitzblank und in der Sonne glitzernd. Mit an Bord: Entweder ein WM-Finalist oder eine Schatztruhe mit seiner Ablöse.

Die personellen Schwachstellen im Kader, die Außenverteidigerpositionen, wurden mit Sosa und Maffeo perfekt gestärkt, mit Daniel Didavi kam die Kreativkraft, die letzte Saison vermisst wurde. Der Abgang von Ginczek wurde jüngst mit Gonzalez kompensiert und dank der Wiederverpflichtung von Holger Badstuber kann man sogar ganz gelassen zugucken, wie sich die Causa Pavard entwickelt. Achja und Gonzalo Castro mit der Erfahrung aus über 350 Bundesligaspielen ist ja auch noch gekommen.

Auf der anderen Seite haben wir Maffeo, Sosa und Gonzalez nie spielen sehen. Außer vielen Vorschusslorbeeren besitzen die Jungs erstmal  nichts. Gonzalo Castros letztes richtig gutes Spiel ist schon eine Weile her und genauso wie Daniel Didavi eilt ihm nicht gerade der Ruf voraus, ein „Mentalitätsmonster“ zu sein. Das ist bei Holger Badstuber anders.  Aber wie sich seine „Ich kann sowieso alles besser als Ihr“-Attitüde mit der Tatsache verträgt, dass er hinter Pavard und Baumgartl vielleicht nur Innenverteidiger Nummer 3 ist?

Übrigens: Schon einmal war ein Kader recht früh zusammen: das war 2013 der mit den Neuzugängen Rausch, Schwaab, Rojas, Sararer, Leitner und Abdellaoue plus Nachzügler Haggui nach dem Verkauf.

Bild: Mein VfB

Alle Positionen sind doppelt besetzt, so dass der VfB eigentlich mit zwei Mannschaften starten könnte, wie die Kollegen von “Mein VfB” schön illustriert haben. Und an dieser Stelle sollten wir uns erinnern, wie Tayfun Korkut in der Rückrunde spielen ließ: Genau, mit Ausnahme der letzten zwei Partien eigentlich immer mit den gleichen 15 Spielern. Ja, das hat wunderbar funktioniert und ist sicherlich auch eine legitime Strategie, wenn man durch die raue See rund um die Abstiegsplätze schippert.

Größerer Kader, größere Erwartungen

Doch, wenn die Stuttyacht Ende August wieder in See sticht, muss sich Kapitän Kork definitiv etwas anderes ausdenken. Dass sich Spieler wie Akolo und Donis noch einmal ohne zu klagen hinten anstellen, ist unwahrscheinlich. Und auch in der Innenverteidigung herrscht mit Baumgartl, Badstuber, Kaminski, Kempf und Pavard (sollte er bleiben) ein enormer Konkurrenzdruck. Das gleiche gilt für die Außenverteidigerpositionen, auf denen Sosa und Maffeo den arrivierten Insua und Beck sicherlich hoffentlich im Nacken sitzen werden. Jeder möchte an Deck stehen – und das ist auch gut so. Diese neue Konkurrenzsituation in sportlichen Erfolg umzuwandeln und Härtefälle zu moderieren ist die Aufgabe von Tayfun Korkut. Und es ist eine grundsätzlich andere als die der vergangenen Rückrunde, die er so brillant meisterte.

Als Korkut im Februar nach Stuttgart kam, war das für viele (ja, auch für uns) gleichbedeutend mit dem sicheren Abstieg. Und so war bereits das Unentschieden zum Auftakt in Wolfsburg ein großer Erfolg, die Serie von acht Spielen ohne Niederlage ungeheuerlich und das 4:1 in München nur noch surreal. Alles erreicht mit einem Kader, der sich in der Hinrunde so schwer getan hatte – punktuell verstärkt durch Mario Gomez und Erik Thommy.

Jetzt ist die Ausgangslage eine komplett andere. Nach Platz zwei in der Rückrunden-Tabelle hoffen viele Fans auf eine ähnlich erfolgreiche Hinrunde in der neuen Saison. Schließlich gab es keine gravierenden Abgänge und auf der anderen Seite kamen einige vielversprechende Neuzugänge – und das auch noch frühzeitig. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein 4:2 gegen Atletico Madrid.

Klar ist: Tayfun Korkut wird nicht so weitermachen können wie in der vergangenen Saison. Weder personell noch taktisch. Denn der minimalistische Ergebnisfußball Marke „Darmstadt“ dürfte den Fans – gemessen am aktuellen Kader – schnell zu wenig sein, wenn die Ergebnisse nicht mehr so überragend sind wie in der vergangenen Saison – und das können sie eigentlich nicht.

Klar ist auch: Tayfun Korkut hat einen großen Vertrauensvorsprung verdient. Durch harte Arbeit, richtige Entscheidung und auch eine gehörige Portion Spielglück hat er uns eine wunderbare Rückrunde beschert.

Wir sind gespannt, wohin er die Stuttyacht mit ihrer neuer Mannschaft steuert.

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