Mini-Feature, Spielbericht, VfB
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The Spirit of 2017

Am Anfang hielt ich ja die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Pellegrino Matarazzo für eine Schnapsidee und reine Symbolpolitik: Das Symbol, dass Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat Eier haben. Dass sie das Sagen haben. Dass sie vorgeben, wo es lang geht und allen signalisieren: Mit unserem Trainer lassen wir nicht Hugoles machen. Denn das war keine Belohnung für gute Leistungen nach vier Spielen ohne Sieg. Aber gut, das ist VfB-like, remember Bruno, remember Captain Kork.

Dann kommt die erste Halbzeit gegen den HSV und mir war klar. Die Vertragsverlängerung war genau richtig.

Die Matchpläne von Matarazzo gehen auf, wie Mislintat bei der Vertragsverlängerung sagte?
Ja, wenn der Plan ist, ängstlich, mut-, leb- und emotionslos zu spielen.

Matarazzo will all-in spielen?
Ja, wenn gedacht ist, sich komplett zu ergeben und dem HSV das Spiel und die Punkte zu überlassen. Einem HSV, der zwar ballsicher und souverän auftritt, der locker und flockig dominiert. Aber dem es sehr leicht gemacht wird durch eine hasenfüßige erste Halbzeit.

„Extrem viel Feuer“
Das hatte Matarazzo vor dem Spiel angekündigt. Für solche Aussagen wurde womöglich sein Vertrag verlängert. In der ersten Halbzeit liefen die Spieler aber maximal mit einem Feuerzeug rum. Und das ging ihnen auch noch immer wieder aus. Zu wenig Gas.

Die erste Halbzeit oh je oh je, die zweite Halbzeit olé olé

Halbzeitansprachen von Matarazzo?
Müssen der Knaller sein, denn wie der VfB aus der Halbzeit kommt, ist phänomenal. 15 Minuten Bambule, 15 Minuten Wut. Warum erst nach 45 Minuten?

Taktische Ideen von Mathematiker Pelle?
Hat er total drauf, Matarazzo berechnet jeden Spielverlauf. Ja klar, das können Hitzlsperger und Mislintat behaupten. Really? Nicht nur ich dachte wohl in der Schlussphase: Was bringt der jetzt den Gonzalo Castro? Einen technisch guten Spieler, der aber nicht dafür bekannt ist, mit Emotion einem Spiel den letzten und entscheidenden Kick zu geben. Und was passiert? Der Kerle macht den 3:2-Siegtreffer. Und er kann lachen! Schön!

Geht es nur mir so?
Das Spiel gegen den HSV erinnert an den Aufstieg 2017. Die Aufholjagd gegen Dresden nach 0:3. Der epische Sieg in Nürnberg nach 0:2. Der Sieg in Bielefeld mit der Bogenlampe von Alexandru Maxim und dem Messi-Moment von Simon Terodde. The Spirit of 2017. Yo klar, nach diesem Spiel jetzt ein bisschen übertrieben. Aber irgendwie bin ich doch ein Spieler und die Akteure auf dem Feld – wie auch immer sie heißen – sind nur Stellvertreter von mir und nach den zwei ernüchternden Auftritten gegen Wiesbaden und Kiel ist das jetzt ein Hallo-wach-Moment für alle: Spieler, Trainingsteam, Führungskräfte, Mitarbeiter, Fans. Jetzt stellt Euch vor, dieses Spiel hätte vor Publikum statt gefunden. Das Neckarstadion hätte renoviert werden müssen, es wären Bilder für die Ewigkeit entstanden. Immerhin können sich die Reaktionen im Internet sehen lassen:

Wer solche Spiele gewinnt, der steigt auch auf.
Aber wer den VfB kennt, der befürchtet: Der VfB verliert gegen Dynamo Dresden. Gegen eine Mannschaft, die durch Corona-Infizierungen drei Wochen länger aus dem Spielbetrieb raus ist.

Aber das wird Matarazzo schon anders berechnen. Schließlich haben die Herren Hitzlsperger und Mislintat seinen Vertrag bis 2022 verlängert.

Foto: Matthias Hangst (Getty Images)

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9 Kommentare

  1. Mozy sagt

    Der VfB ist und bleibt die berühmte Katze im Sack. Du weißt nie was drin ist: aggressiver Deckkater oder verhuschte Mietze. Meine Nerven!

    • Der Groundhopper sagt

      Man könnte es sich nun leicht machen und sagen: Es war eben ein Heimspiel! ;-)
      Unfassbar, dass sich das mit den „zwei Gesichtern“ trotz der Corona-Pause und Geisterspielen nun einfach munter weiterhin fortsetzt.
      Der Verweis im Text auf Dresden am kommenden Sonntag ist daher mehr als angebracht – leider…

      Ich frage mich übrigens, ob man sich als HSV-Fan jetzt so fühlt, wie als VfB-Fan nach Spielen in Wiesbaden und Kiel?
      Die Antwort kann eigentlich nur „JA!!!“ heißen

      • Clemens sagt

        Wie sich gerade die HSV Fans fühlen? Einfach mal nach rautenperle googeln und unter der sehr guten Taktikanalyse die Kommentare lesen. Was man dort findet, dürfte den meisten hier sehr vertraut vorkommen. Man tausche Pellegrino Matarazzo gegen Hecking und den Vereinsnamen Hamburger SV gegen VfB Stuttgart, der Rest ist nahezu identisch. In dieser Analyse werden im übrigen die taktischen Fehler, aber auch die gute Reaktion von Materazzo beleuchtet. In diesem Kontext sollte man vielleicht auch noch mal berücksichtigen, dass unserem Trainer eine echte Saisonvorbereitung und das Einspielen der Mannschaft bislang (auch aufgrund der äußeren Umstände) natürlich noch nicht bis ins letzte Detail gelungen sein kann. Ich habe daher noch Hoffnung auf Besserung. Indes wird den meisten klar sein, dass man einen solchen Kraftakt wie gestern nicht beliebig wiederholen kann. Sollte der glückliche Ausgang von gestern für den Saison Endspurt Rückenwind geben, wird uns das allen recht sein.

  2. Freddy sagt

    „den Hugoles machen“ – das habe ich das letzte Mal als Anschiss von meinem Vater vor 30 Jahren gehört. Herrlich!!!

  3. Jörn Neugebauer sagt

    Mein Freund Jogi hat zur Halbzeit gesagt:….in der 2. Hz spielen wir auf unsere Kurve….das wird schon

  4. Fritzo62 sagt

    Bin nicht soooo ganz bei Euch. Die 1. Halbzeit war nicht so schlecht wie viele Halbzeiten vorher. Ja, klar, die Herren haben sich an das Schneckentempo von Duda und Gomez gewohnt, aber eigentlich sind die Hamburger die harmloseste Truppe seit mehreren Spieltagen gewesen – schließlich hat der VfB gestern 5 Tore gemacht, selbst hätten die null auf die Reihe gebracht. Ich habe mehr „Angst“ vor Darmstadt als dass uns der HSV noch überholt. Zur Mannschaft: So langsam finden sich die Jungs – der einzige Spieler mit Niveau ist und bleibt Badstuber. Für Dida, Gomez, Klement und Alga ist kein Platz, die sollten in den Sommerurlaub gehen ohne Rückfahrticket. Karazor müssen wir sehen, da sein Überblick schon gut ist, und wenn er endlich seine Handbremse löst. Und dann sollte man auch alle die Leute nicht mehr berücksichtigen, die zurück müssen: Vor allem Kobel ist maximal Ligadurchschnitt, das Tor von Kiel war eine Frechheit, rauskommen in so einer Situation lernt man in der F-Jugend. Ach ja: was hat der VfB für Torwarte gehabt… Stenzel und Philipps müssen back? Dann sollten sie nicht mehr spielen oder Mislintat macht endlich mal seinen Job richtig.

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