Autor: @abiszet

Unsere große Bundesliga-Vorschau

Ulreich steht überraschend im Bayern-Tor, Daniel & Daniel schaffen es in die Nationalmannschaft, Volksmusik im „Aktuellen Sportstudio” und es fällt das erste Bart-Tor in der Bundesliga-Geschichte. Ein paar tollkühne Prognosen zur neuen Saison. 1. Spieltag Pep Guardiola überrascht vor dem ersten Spieltag mit der Aussage: „Abklatschen lassen is’ super-super!“ und entdeckt in den Fangproblemen des neu verpflichteten Sven Ulreich eine besondere Qualität. In dem der Ex-Stuttgarter die Bälle nach vorne abprallen lässt, mache er das Spiel der Bayern schneller, so der spanische Meistertrainer. Deshalb steht überraschend Ulreich statt Manuel Neuer zum Saisonstart im Tor. Aber Ulreich und Abwehr sind noch nicht eingespielt und der HSV geht nach einem Abpraller Ulreichs durch Sven Schipplock in Führung. Bayern schießt in der Folge 54x aufs Tor, aber sowohl ein Elfmeter als auch zwei reguläre Tore werden nicht gegeben. Alle sprechen bereits vom HSV-Dusel bis Joshua Kimmich in der 92. und Douglas Costa in der 97. Minute das Spiel drehen. Das Spiel des VfB ist so wild wie von Trainer Zorniger angekündigt. Das chronisch abschlussschwache Köln trifft zweimal in …

Danke VfB, für das langweilige Spiel!

Ich meine das echt so. Das schont meine Nerven, wegen mir kann die ganze Saison so werden. Selbst der Nachbar über mir, der immer jubelt oder flucht, weit bevor der Sky-Stream endlich an mich ausliefert, war ganz ruhig. Das ist so gar nicht seine Art, er ist immer voll dabei, eigentlich muss ich das Spiel gar nicht anschauen, er ist mein persönlicher Sky-Reporter, auch wenn sein Stil sehr emotional ist. Ok, eine ganze Saison Langweile wäre auch zu viel, so ein paar eingestreute funky 5:4, ein paar Aufholjagden, Trainer Zorniger jagt ja gerne, würde ich schon mitnehmen. Alexander Zorniger ist in den letzten Wochen ein bisschen ein Fussball-Hipster geworden. Das Spiel seiner Mannschaft gegen Holstein Kiel war aber nicht Glitzer-Glitzer, sondern eher bieder. So ist das, wenn man seine Philosophie vor sich her trägt und jedem Fragesteller geduldig erklärt. Man konnte meinen, der VfB-Trainer überlegt, ob er mit seinem Selbstbewusstsein an die Börse geht. Ein verhinderter Zweitligist konnte aber nun sein Spielsystem dechiffrieren. Einfach lange Bälle, die den Ball-Jägern über die Köpfe fliegen und schon …

Immer auf die 12!

Mir ist aufgefallen, dass ich in letzter Zeit eine unerklärliche das-dass-Schwäche habe, obwohl mir der Unterschied durchaus geläufig ist. Ich kann nicht Konjunktion und Pronomen und so sprachliche Spitzfindigkeiten benennen, aber intuitiv richtig gemacht habe ich es immer meistens. Ein Flüchtigkeitsfehler also. Ich komme mir ein bisschen vor wie Adam Hlousek. Der kann auch Fußball spielen, ihm unterlaufen aber immer wieder geradezu lächerliche Fehler. Was ich in meinen Texten zuletzt ebenfalls feststellen musste, ist – gerade in der Vergangenheitsform – der vermehrte und alleinige Einsatz von Hilfsverben anstatt auf Verben ohne ihrer Helfershelfer zu setzen, was die Formulierungen insgesamt aktiver und bildhafter macht. Stattdessen liest es sich nicht so flüssig und abwechslungsreich, ich möchte es an manchen Stellen sogar monoton und uninspiriert nennen. Bei diesen beiden Adjektiven fällt mir auch wieder Hlousek ein. Ich hege wohl wegen meiner persönlichen Fehlerquote im tiefsten Innern eine gewissen Sympathie für ihn. Gut, ich mag es generell nicht, wenn Spieler der eigenen Mannschaft ausgepfiffen werden, da kommt gleich mein Helfersyndrom raus. Selbst wenn die sportliche Leistung mal nicht stimmen …

Die tragischen Meister von 2007

Kevin Kuranyi kommt zurück in die Bundesliga, das wird allenthalben gefeiert, zu allererst von ihm, denn er ist eine tragische Figur im deutschen Fussball. Einst hochgelobt als Stürmerhoffnung in der Post-Rumpelfuß-Ära, wurde er von Jürgen Klinsmann rasiert vor der WM 2006. Zwei Jahre später wurde er während des Länderspiels gegen Russland auf der Tribüne bepöbelt und floh wortlos aus dem Stadion. Joachim Löw hatte wenig Verständnis dafür und suspendierte ihn. Und als schliesslich sein Heimatverein VfB Stuttgart 2007 Meister wurde, war Kuranyi zwei Saisons vorher nach Gelsenkirchen gewechselt, vermeintlich wegen der besseren sportlichen Aussichten und Zahlen, die in der Gehaltsabrechnung auf Schalke ein bisschen größer waren als im Kessel. Als Stuttgarter Homeboy, der gerne am Waranga und abseits cornert, hätte Kuranyi auch nach Stuttgart gepasst; weniger sportlich, denn an Daniel Ginczek, Martin Harnik und Timo Werner käme er nicht vorbei, eher folkloristisch, denn Karrieren verlaufen beim VfB oft tragisch. Besonders auffällig ist dies bei der Meisterschaftmannschaft 2007. Timo Hildebrand: Irritierte durch seinen Vertragspoker und verließ nach überragenden Leistungen (Bochum!) den VfB nach der Meisterschaft in …

Die Lederhose steht ihm gut

Der FC Bayern München hat jetzt also seinen Drecksack. Oder wie Die ZEIT Arturo Vidal nennt, ein “fußballerisches Arschloch”, dagegen wirken Stefan Effenberg und Mark van Bommel wie artige Backgroundsänger einer gecasteten Girl-Band. Dass sich der Proll-Fashion-Store “Pool” in der Maximilianstraße freut, ist klar, ebenso die Coiffeure und Tattookünstler, aber passt Vidal wirklich zum Stern des Südens? Systemisch sollen die Möglichkeiten erhöht worden sein, meint der spielverlagerung.de-Autor Tobias Escher bei 11Freunde und Vidal fügt dem Bayern-Spiel, das manchmal sehr pflichtbewusst und beamtenmäßig daher kommt, wohl tatsächlich zwei neue Aspekte hinzu: Wildheit und Geschwindigkeit, Vidal ist ein Pressing-Krieger, terrorisiert die Gegner im Mittelfeld und generiert so Ballgewinne und Überraschungsmomente. Das erinnert mich ein bisschen an den Wechsel von Serey Dié zum VfB. Nicht nur, dass beide absolute Siegertypen sind – Diè als Afrikameister, Vidal als Südamerikameister – auch bei Dié gab es kritische Stimmen, ob einer, der Balljungen ohrfeigt, sich mit dem Trainer anlegt und immer am Rande einer roten Karte wandelt, der Richtige sei. Nach wenigen Spielen war klar: Diè gibt dem gutmütigen Christian Gentner …

Das System ist der Star!

Wahrscheinlich gehöre ich zu den ein, zwei Deutschen, die Berti Vogts gut finden. Das liegt wohl auch mit daran, dass meine Eltern mir ein Buch über ihn geschenkt haben als ich so sieben oder acht Jahre alt war und fiktive Fussballreportagen schrieb, in denen er hinten rechts gegen Kevin Keegan verteidigte, aber gegen den VfB immer unglücklich verlor. Es war mehr ein Bildband, Berti am Strand, Berti mit Schlaghosen, Berti grätschend auf überflutetem Rasen, Berti mit Günter Netzer, dazu ein einfühlsamer Text von Hans Blickensdörfer, der die Rolle von Hennes Weisweiler als Ersatzvater beleuchtet. Viel später schrieb Stefan Raab auf dem Rücken von Berti einen Top-10-Hit (“Böörti Böörti Vogts”) und Vogts hatte einen Tatort-Kurzauftritt, wo er in 30 Sekunden eine Familie vor dem sicheren Tod durch eine Gasexplosion rettet. Neben seinem kulturellen Wirken ist er auch als Fussball-Philosoph in Erscheinung getreten, obwohl manche meinen, er hätte viel eher das Genre des Comedians begründet und somit überhaupt die Karriere von Mario Barth erst ermöglicht. Vogts sagte “Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie …

Was kann Alex Zorniger außer schwäbisch?

Das neue VfB-Trikot ist der Burner, der Trainer scheint ein Fuchs zu sein und erste Tests liefen verheißungsvoll. Aber es ist Zeit, die Euphorie-Bremse zu ziehen! Diese Woche saßen Vertikalpass-Kollege Sebastian und ich beim Mittagessen und spielten unser Spiel. Es ist so etwas wie das Quiz, das Trainer Baade regelmäßig drüben auf Twitter veranstaltet (unbedingt @trainerbaade folgen!), nur nicht so gut wie seins. Meistens stellt mir Sebastian Fragen wie “Wie heißen die vier Spieler, die Franz Beckenbauer vor der WM 1990 aussortiert hat?” oder fordert “Nenne mir acht Trainerstationen von Peter Neururer” oder er zeigt mir alte Mannschaftsbilder aus den 70ern und ich muss 11 von 22 Spielern erkennen. Wenn ich es nicht schaffe, dann muss ich manchmal einen Text schreiben. Also, diese Woche saß Sebastian mit Hot Pants und Flip-Flops und mir beim Mittagessen und nach nur einer Frage wechselte Sebastian das Thema und sagte: “Ich bin ja immer am Anfang der Saison euphorisch. Trainer, Neuzugänge und dann noch das neue Trikot – Weltklasse!”. Dabei lachte er. Etwas, was im Zusammenhang mit dem VfB …

Brauch’sch was?

What goes, Stuttgart? Ich will die Hände sehen! Und der Oberbürgermeister Fritz Kuhn (by the way: Alles Gute zum 60sten, Fritzi!) ist dabei und streckt sich. Die Stadt luchst Investoren die denkmalgeschützte Villa Berg wieder ab, sie schaut zu wie die Hip-Hop-Open sterben und Bayern-Fan Kuhn fühlt sich dazu berufen, via Pressemitteliung zu betonen, dass die “Tatort”-Farce zu S21 nicht der Wahrheit entspräche – und warum? Weil sie so realistisch wirkte und es genauso sein könnte. Und genauso stelle ich mir auch das Transferbusiness vor. Geschäftlemacher, Kick-back-Jäger, ambitionierte Verwandte als Karriereplaner, Spielerberater mit Knastvergangenheit, Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Gegengeschäfte wie bei der Villa Berg: Gib’ Du mir die Villa zurück und ich gebe Dir dafür ein Grundstück im Stuttgarter Osten, mit dem Du Millionen machen kannst. “Nimm Du mir den Rupp ab, dann besorg ich Dir nen Innenverteidiger“, oder so ähnlich. So läufts Business, raunt man sich zu und es ist immer gut, wenn man jemand kennt, der jemand kennt. Mittendrin ist Robin Dutt. Er kennt von seinen früheren Stationen viele und noch viel mehr kennen …

Troy, so vereins-troy!

Let’s talk about Vereinstreue: In Stuttgart ist man troy, so troy: Die Fantastischen Vier findet man in deren Rentenalter noch ganz ok und man geht auch noch mit über 40 in den Perkins Park und die Boa. “Bisch oimol beim Doimler, haschs g’schafft“, hat mein Vater mir mal vor langer, langer Zeit gesagt und heute verstehe ich ihn: 13 und mehr Monatsgehälter, Urlaub hat man in Möhringen und Untertürkheim auch nicht wenig, überraschende Prämien, weil es dem Daimler gut geht, 35-Stunden-Woche, Konfirmationsgeld und immer den neusten Karren vor dem Haus. Warum soll man da weggehen? Komfortabel war es lange Jahre beim VfB, wenn man alles so glaubt, was man zum Thema Leistungskultur, Jahresgehälter und Wohlfühl-Atmosphäre beim Verein so liest. Die Vereinstreue finden die Stuttgarter Fans bei Spielern wie Koka Rausch, Vedad Ibisevic, Adam Hlousek nicht so prall, obwohl sich diese Spieler außer durchaus diskutablen Leistungen nichts zu Schulden kommen ließen. Nicht mal zu schnell gefahren sind sie. Bei einem Verein zu bleiben, hat aber nicht immer nur finanzielle Gründe. Wie beim Doimler auch. Einmal Daimler, immer …

Rüdiger weg, Maxim weg, Didavi weg

Und Harnik weg, kann ich auch gleich ergänzen. Und, ach ja, Kostic geht zu den Bayern, wie man mir ganz atemlos übermittelte. Alles natürlich nur, wenn man den aufgeregten Wechselgerüchten Glauben schenkt. Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber die spielfreie Zeit ist für mich genauso spannend wie ein Relegationsspiel. Wenn es darum geht, welcher Spieler wo im Gespräch ist und angeblich irgendwohin wechselt, dann fange ich sogar an, L’Equipe zu lesen und mich durch die Gazzetta dello Sport zu kämpfen. Aber nicht dass ich italienisch oder französisch könnte. Es war wohl 2009, als der VfB einen Nachfolger von Mario Gomez suchte und mit 30 Millionen wedelte, als ich wochenlang im Browser refresh drückte und nach dem Sommer die Tastatur ausgetauscht werden musste. Klaas-Jan Huntelaar war im Gespräch, eigentlich war es so gut wie sicher, dass er kommt, manche hatten ihn am Flughafen oder im Amici gesehen. Alles war geklärt: Ablöse, Gehalt, Laufzeit, Mercedes-Modell, alles. Da platzte der Wechsel, wenn ich mich recht erinnere, war sich der Holländer dann doch zu fein für Stuttgart …