Autor: @abiszet

Endlich! Der Bock ist umgestoßen!

Ich weiss nicht, ob Ihr es wusstet, ich bin ja Head of ausgelagerter Optimismusabteilung des VfB. Mich haut so schnell nix um, nicht mal 100 vergebene Torchancen, alberne Texte von Spiegel Online (siehe hier) oder fundamentalkritische Posts (siehe hier). Man darf mich aber nicht verwechseln mit dem Chief Executive Officer of Schönreden-Abteilung, dessen Ehrenpräsident Fredi Bobic ist. Aber nach dem Schalke-Spiel muss ich zugeben, ins Grübeln gekommen zu sein, denn der Erfolg ist schon ein saumäßig sturer Bock. Fünf Spiele hat er sich dem VfB verweigert. Bis endlich der Bock umgestoßen wurde in Hannover. Zur (etymologischen) Herleitung der Redewendung bitte ich bei Heinz Kamke nachzufragen. Genau deshalb muss der Mann bleiben !! Wir werden den Bock umstoßen mit AZ ! #VfB https://t.co/lwJry2b3jB — Kinimod (@DK187) September 21, 2015 Ebenso stur wie der Erfolgs-Bock ist Alexander Zorniger. Das werfen ihm manche vor, dass er als Bundesliga-Novize so geflasht auftritt, als hätte er sich schon im Champions League-Achtelfinale mit Jose Mourinho gebattlet. Andere finden das gut, weil er seine Emotion auf der Zunge trägt. Es gibt einen …

Die Null steht (Teil 5)

Ok, sagen wir mal ganz offen, wie es ist: Alexander Zorniger ist schuld. Sein System ist schuld, dass Schalkes Keeper Ralf Fährmann eine Weltklasse-Leistung zeigt. Zorniger ist schuld, dass Martin Harnik aus drei Metern übers Tor schießt. Zorniger ist schuld, dass Daniel Ginczek aus sechs Metern Fährmann ins Gesicht schießt. Zorniger ist schuld, dass Christian Gentner zweimal aufs kurze Ecke zielt. Zorniger ist schuld, dass sich Florian Klein im Zweikampf extrem dümmlich anstellt. Zorniger ist schuld, dass Ginczek ein Ball über den Schlappen rutscht, den er letzte Saison blind reingemacht hätte. Zorniger ist schuld, dass der schlechteste Schalker – Leroy Sané – das entscheidende Tor schießt. Robin Dutt ist schuld, dass Pommes Tyton nicht Manuel Neuer ist. Und Präsident Bernd Wahler, der ist sowieso schuld. Irgendeinen Grund werden wir dafür schon finden. Und dann stellt sich auch noch Schalkes Coach André Breitenreiter hin und sagt, dass die Knappen das Spiel völlig unverdient gewonnen hätten. Ja, was soll das denn? Will der die VfB-Fans ärgern, hätte er sich nicht mal so richtig hämisch freuen können, zusammen …

Der VfB in der Champions League

Ich gehöre nicht zu den überdrehten Typen, die Bio-Zigaretten rauchen und sich einen ansaufen am handgemachtem Bier und dann nicht mehr Traum und Wirklichkeit voneinander unterscheiden können. Was hat der VfB also mit der Champions League zu tun? Es stimmt schon, dass er in der Königsklasse spielt, ist in etwa so realistisch wie ein Spieler-Porträt von mir in einem Panini-Album. Trotzdem ist der VfB ganz nah dran an der Königsklasse. „Faraway, so close“ nennt das Wim Wenders. Close deshalb, weil einige ehemalige Stuttgarter nun in den aktuellen Wettbewerb starten. Es sind ganz zufällig elf Spieler: Philipp Lahm (Bayern München) Manche halten den Kapitän des FC Bayern für langweilig. In einer Zeit, in der jeder Fußballer, der etwas auf sich hält, seinen Körper von oben bis unten kalligrafisch zutextet und in der man meint, ein Fussballspiel sei optisch eine reine Freak-Show, ist Philip Lahm so normal, dass es fast schon weh tut. In Stuttgart ist man der Meinung, ohne den VfB hätte es Lahm nie so weit gebracht, hier hat er das Fußball spielen auf hohem …

Die Null steht (Teil 4)

Null Siege. Null Punkte. Null Selbstvertrauen. Null Konsequenz. Null Mut. Null Bock auf eine weitere Saison im Abstiegskampf. Mich wundert, dass der Kick nicht ein Auswärtsspiel für die Hertha war, sollen doch so viele Schwaben die Hauptstadt unsicher machen. Aber im Stadion waren dann nur die mitgereisten Fans, die anderen Stuggi-Hipster saßen wohl bei Craft Beer und Chai Latte in irgendeinem hochangesagten Stadtteil und machten … ja was? Sie saßen und schwäbelten und treiben damit die Mietpreise nach oben, finden die Berliner, allein durch ihre Anwesenheit. Schon toll, wie das die Schwaben können, die ja bekanntlich alles können. Nur ein Bundesligaspiel gewinnen, das können sie nicht. Auch wenn das Auftaktprogramm mit Köln und Hertha zwei vermeintliche Angstgegner beinhaltete, und Frankfurt und Hamburg keine Kirmestruppen sind, null Punkte gegen diese biederen Teams sind recht überschaubar. Einige VfB-Fans bekamen letzte Woche Schnappatmung: „Ich war an Pizarro dran“, blubberte Bobic in irgendein Mikro, aber in der Bundesliga käme neben den Bayern nur Werder Bremen für den Stammgast im Münchener H’ugo’s in Frage. Es war jedenfalls kurz davor, dass …

Bauch rein, Brustring raus!

Nachdem Robin Dutt sich beharrlich einem Kostic-Transfer verweigerte, wandte sich Schalke 04 offensichtlich dem VfB-Finanzvorstand zu. Der müsse doch offene Ohren haben für ein 25+x Millionen-Angebot für den Serben. Horst Heldt sollte es ja wissen, lange genug musste er sich in Stuttgart mit dem Finanz-Klüngel rumschlagen. Aber fürs Geld ist nicht mehr Ulrich Ruf verantwortlich, sondern Stefan Heim. Und auch der blieb hart, durchgehend geschlossene Reihen also beim VfB (siehe Text hier in der Süddeutschen Zeitung), nicht nur ein durchgehender Brustring. Aber Heim trauert den entgangenen Millionen hinterher und fordert Kompensation. Wie, das sei egal. Wie wäre es mit ein bisschen Kreativität? Im aktuellen Vereinsblättle „Dunkelrot“ gibts so allerlei Merchandising, aber ausser dem “Polo Third” im Ausweichtrikot-Look haut mir so gar nichts mein Craft Beer aus der Hand. Wird Zeit, das ein bisschen aufzubohren. Was man so hört, ist die Mercedes Bank beim Sponsoring auch so a bissle knausrig und da bietet sich eigentlich eine Merchandising-Serie mit spendablen Stuttgarter Residents an. Credibile Institutionen, die mit eigenen Trikotserien die Kasse ein bisschen aufbessern, damit Robin Dutt …

Verliebt in Filip

Ich habe ja noch auf die Ginczek-Bombe am Deadline Day gewartet, über ihn wurde viel zu wenig spekuliert: Der Stürmer für 35 Millionen nach Arsenal, in London heißen sie Daniel Ginczek willkommen als Ginni-Goal! Oder so ne rührselige Geschichte, eine Rückkehr nach Dortmund, wo er in der Jugend spielte, nachdem die Borussia Adrian Ramos an den FC Bournemouth für 15 Millionen verscherbelt hatte. Und was passierte? Nichts. Keiner der “Big 3” verließ den VfB. Auch Filip Kostic nicht, der dem Vernehmen nach mit Schalke einig war, Vorstand Robin Dutt sich aber quer stellte und keine 20 Millionen einsacken wollte. Der VfB Stuttgart schafft es zwei Top-Spieler trotz Wechselwunsch zu halten – wir müssen #Draxler ohne Chance auf Ersatz abgeben. Komisch. — Philipp (@8SAP) August 31, 2015 So wie Schalke einer der Verlierer der Transferperiode ist, so bin ich einer der Gewinner. Denn seit Ende der letzten Saison leide ich an einer massiven, fast schon kindlichen Kostic-Schwärmerei. Kreisch! Ich sehe ihn einfach gerne im VfB-Trikot: Sein hohles Kreuz, die durchgedrückte Brust, die Andeutung von X-Beinen, die …

Auf der Jagd nach einem Innenverteidiger

Alexander Zorniger spricht gerne von „Wir wollen wild sein“ und sein Team solle „den Gegner jagen“. Er hat nicht nur auf dem Spielfeld zur Jagd geblasen, sondern auch seinen Vorstand Robin Dutt auf die Pirsch geschickt. Ihm sollte möglichst ein hochkarätiger Innenverteidiger vor die Flinte laufen. Das war schon so, als Antonio Rüdiger noch in Schonzeit war, erst recht aber, nachdem ihn der AS Rom aufs Korn genommen hat. Zorniger macht den VfB auf und neben dem Feld zum Hunting Club, zum Verein für Jagdspiele. Aber bei V J D S I V („VfB jagt den Super Innenverteidiger“) gingen Moreno, Astori, Douglas und andere in Deckung, keiner wollte kommen, was wohl weniger an Dutt lag, als vielmehr an der gesunkenen Attraktivität des Vereins. Zwei Jahre fetter Abstiegskampf, jetzt auch schon wieder am Tabellenende – wer will sich das schon geben? Jetzt also Toni Sunjic, er ist ein Dutt-Transfer der Marke Caldirola, Garcia, Galvez – wenn wir ehrlich sind, kannte doch keiner von uns den Bosnier, oder? Der 26-jährige geht tendenziell in Richtung Wundertüte: Dass er …

Timo Werner: Zu lieb für die Liga?

Farbbeutel, die aus Hochhäusern der Gropiusstadt in Neukölln fliegen. Geplatzte Träume. Enttäuschung. Hoffnung. Verzweiflung. Zertrümmerte Fußgelenke. Arschgeigen. Ich lese zur Zeit Ronald Rengs Buch „Mroskos Talente: Die erstaunliche Geschichte eines Bundesliga-Scouts“. Es ist nicht nur die Geschichte eines Scouts, es ist auch eine Geschichte mit Felix Magath und seinem hintergründigen Lächeln. Ich sehe ihn jetzt anders. Ein bisschen zumindest. Es ist eine Geschichte mit Mirko Slomka, der sich merklich verändert hat auf seinem Weg vom Jugend- zum Profi-Trainer. Und es ist eine Geschichte vom Scheitern zahlreicher Talente. Wie zum Beispiel von Shergo Bilan, genannt Shergoal, 271 Spiele, 118 Tore für 13 Vereine in 14 Jahren in Liga 2 bis Liga 6. Beim Lesen kam mir Manuel Fischer in den Sinn. Ein Riesentalent war er, das Fischerle. Er gab in der Champions League gegen den FC Barcelona im Camp Nou sein Profidebüt, in seinem zweiten Bundesligaeinsatz erzielte er gegen Arminia Bielefeld seinen ersten Ligatreffer. Er war eine Verheißung für die Zukunft, enorme Erwartungen lasteten auf seinen Schultern. Zu große und so begann er durch die Provinz …

Attacke! Auch auf dem Transfermarkt?

Zwei Spieltage und schon wieder am Tabellenende – hört das denn nicht mehr auf? Eine große MV-Gedächtnis-Woche in München liegt hinter mir: Nachdem das Wetter in der bayerischen Hauptstadt wieder schlechter war als in Stuttgart, liebäugelte ich damit, jede Menge Bräunungscreme aufzutragen, um wenigstens ein bisschen erholt auszusehen. Aber habe mich dann dagegen entschieden. Weiß is the new red. Viel Weißwein gabs auf MV und Schampus, ok ja, ein bisschen Prosecco und Augustiner war auch dabei. Aber ich habe versucht, Gerhard Mayer-Vorfelder in Ehren zu halten (toller Text: hier). Viel erzählt, viel getrunken habe ich, aufbrausend und väterlich und leutselig war ich, was gar nicht meine Art ist und vieles besser gewusst habe ich auch. In MVs Rolle als letzter großer Reaktionär habe ich allerdings nicht wirklich überzeugen können. Die Münchener hams mich alle ausg’lacht, die haben andere, die es besser können. Aber auch Antonio Rüdiger habe ich in München gefeiert: Seit seinem ersten Spiel gegen Gladbach 2012 hatte ich Rüdi adoptiert und als einen aus der VfB-Jugend angesehen, obwohl er aus der U19 von …

10 Fragen nach dem 1:3 gegen Köln

77. Minute im Spiel VfB Stuttgart gegen Köln: Gerade hat Simon Zoller das 0:2 für Köln erzielt. Kölns Trainer Peter Stöger steht in seiner Coaching-Zone mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck, er lehnt Glückwünsche ab, es ist unklar, ob er überrascht oder peinlich berührt ist. Sein Team hat soeben das Spiel entschieden. Es war deutlich unterlegen, es hat lediglich auf die Fehler des VfB gewartet, der ein mitreissendes Spiel geliefert hat, aber seine Torchancen nicht nutzte. 1893 davon hatte der VfB, Köln vielleicht drei. Das passive Team, das gut organisierte, das taktisch reifere Team blieb cool und abgezockt und das reichte, um in Stuttgart drei Punkte mitzunehmen. Gegen den 1. FC Köln, den der VfB im eigenen Stadion zum letzten Mal mit Jogi Löw auf der Bank besiegt hat, sahen die Zuschauer ein Spiel, das teilweise von der Sitzen riß. Emotional war es, es läßt aber einige Fragen offen: Keiner kann's wie Jogi. #vfbkoe — Christian Prechtl (@ChrisPrech) August 16, 2015 Gibt es noch jemand, der Sorge hat, dass im neuen taktischen System von Alexander Zorniger ein Platz …