Autor: @buzze

Raus mit Applaus

“Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen” ist eine im Fußball gerne genutzte Floskel. Im Falle des VfB kann man sie allerdings hervorragend mit Substanz füllen, indem man auf den letzten Stuttgarter Auftritt in Leverkusen blickt. Der war im Novemer 2022, an der Seitenlinie stand Michael Wimmer und der VfB verlor chancenlos mit 0:2 (das entscheidende Tor erzielte übrigens Jonathan Tah) und beendete das Kalenderjahr ohne einen einzigen Auswärtssieg in der Liga und verabschiedete sich auf Platz 16 in die längste Winterpause aller Zeiten – und kam mit Bruno Labbadia als Trainer wieder heraus. 15 Monate später sind Leverkusen und Stuttgart die spannendsten Mannschaft der Liga und die beiden Aufeinandertreffen der Teams wurden diesem Anspruch auch gerecht. Aber auch, wenn man sich sehr wohl bewusst ist, wo der VfB herkommt, nämlich aus spielerischer Armut und akuter Abstiegsgefahr, so ist die Niederlage im Pokalviertelfinale mehr als ärgerlich, denn die Chance auf den ersten Titel seit 2007 war historisch groß. Ärgern muss man sich über: Jens Nowotny, der als “Losfee” überhaupt erst dafür sorgte, dass es bereits …

VertikalGIF #SCFVfB: Downfall der Breisgauner

Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Es war ein Freitagabend im März 2018. Genau genommen der 16. März. Der VfB spielte damals im Freiburger Dreisam-Stadion und nach nur vier Minuten ereignete sich laut kicker-Ticker folgendes: “Eine Freistoßflanke aus dem Mittelfeld beschert den VfB die frühe Führung! Aogo schlenzt den Ball aus dem rechten Mittelfeld an den Fünfmeterraum. Gomez, aus gleicher Höhe gestartet, kommt in zentraler Position sechs Meter vor dem Tor völlig frei zum Kopfball und bugsiert die Kugel an Schwolow, der zu spät kommt, vorbei ins Tor!” Nils Petersen konnte damals ausgleichen, aber in der 75. Minute machte Mario Gomez nach guter Vorarbeit von Andi Beck den Sack zu und der VfB kletterte unter Tayfun Korkut auf Platz 8 der Tabelle.   Das 2:1 damals war der letzte Sieg des VfB in Freiburg. Die Bilanz seitdem: 3:3, 1:2, 0:2, 1:2. Mittlerweile liegt der letzte Sieg soweit zurück, dass man in Freiburg sogar ein neues Stadion gebaut hat – übrigens für etwas mehr als halb so viel Geld, wie für den Umbau der Stuttgarter …

VertikalGIF #VfBRBL: Beflügelt!

Sind wir ehrlich: Nach dem verpatzten Jahresauftakt, der Abwesenheit von Guirassy, Silas, Ito und Jeong und der Gelbsperre von Atakan Karazor waren wir nicht allzu optimistisch, dass es den ersten Sieg im zwöflten Spiel gegen die Marketingmaßnahme des Brauseherstellers aus Fuschl am See geben würde.   Dabei war der Tag wie gemacht für ein Fußballfest: Bestes Januarwetter beim ersten Heimspiel des Jahres, trotz des Bahnstreiks volle Hütte und wie angekündigt auch wieder ein Protest gegen den Einstieg eines Investors bei der DFL.   Der VfB kam jedenfalls gut ins Spiel, während die Leipziger fahrig wirkten und bereits nach 16 Minuten zwei gelbe Karten kassiert hatten. Das Stuttgarter Spiel zeigte wieder viel von den Qualitäten der Hinrunde: Gute Passschärfe, viel Bewegung und mit Führich und Vagnoman ordentlich Tempo auf den Flügeln. Fehlten nur noch die Torchancen.   Aber auch die folgten ab Minute 20. Erst ein Distanzschuss von Mittelstädt, dann eine Ecke und ein Kopfball von Zagadou, der an den Arm von Simakan sprang. Absicht? Sicher nicht. Elfmeter?   Doch wer würde ihn schießen? Wir erinnern …

Der VfB spielt auf Zeit

Als es schlecht lief, ergab die Saisonanalyse: „Wir brauchen dringend einen Sportvorstand“. Nachdem es gut läuft, meint der VfB: „Wir haben keine Eile, vielleicht brauchen wir gar keinen Sportvorstand“. Aber darf das Tagesgeschäft und eine (vielleicht) kurze Phase des sportlichen Erfolgs so starken Einfluss auf langfristig strategische Entscheidungen haben? Die Besetzung dieser wichtigen Position sollte keinesfalls von Siegen oder Niederlagen abhängig gemacht werden. Klar ist: Der VfB will den augenblicklichen Flow nicht durch einen externen Neuzugang auf Vorstandsebene in Gefahr bringen. Denn dessen (neue) Vorstellungen könnten einiges durcheinander bringen. Er könnte das Binnenklima stören. Das bestehende Führungspersonal – von Fabian Wohlgemuth und Sebastian Hoeneß bis hin zu Markus Rüdt – scheint aktuell sehr gut zu funktionieren und harmonieren. “Wir wollen keine möglichst schnelle Entscheidung, um die Position zu besetzen, sondern die für den VfB bestmögliche Entscheidung“, wiederholt Präsident Claus Vogt bei jeder Gelegenheit, angesprochen darauf, warum die Suche nach einem Sportvorstand so lange dauert. Das liegt eventuell daran, dass man sich intern über Wege und das Anforderungsprofil nicht einig ist. Das verdeutlichen die Namen derer, …

VertikalGIF #BOCVfB: Torsch(l)usspanik

Der VfB startet das Jahr 2024 mit einer kleinen NRW-Tour. Nach dem missglückten Auftakt in Gladbach sollte gegen Bochum alles wieder besser werden. Spoiler: Wurde es nicht. Doch eins nach dem anderem. Sebastian Hoeneß hatte wenig überraschend das Experiment mit Stenzel und Vagnoman auf der rechten Seite beendet und schickte letzteren mit Jamie Leweling als Offensivkraft auf der rechten Seite ins Rennen. Ansonsten spielte die gleiche Startelf wie am vorherigen Sonntag. Kein Wunder, denn wie viele Optionen hat Hoeneß aktuell? Der VfB startete mit Elan in die Partie und Deniz Undav hätte bereits nach fünf Minuten die Führung erzielen können, scheiterte jedoch an Riemann. Auch in der Folgezeit war es immer Undav, der gut in Szene gesetzt wurde, aber sich nur Halbchancen herausarbeiten konnte. Nach 45 Minuten kam der VfB folgerichtig auf 0,48 expected Goals und Bochum auf spektakuläre 0,01 – vermutlich eine Messungenauigkeit. Einziger echter Aufreger: Die gelbe Karte für Atakan Karazor in der 35. Minute. Nicht, weil sie unberechtigt war, sondern weil es seine fünfte der Saison war. Karazor fehlt also gegen Leipzig …

Geschichten, die nur der Fußball schreibt: Der MBJC 2024

Die 32. Auflage des Mercedes Benz Junior Cups war ein Turnier, das viele Geschichten erzählte. Schon jetzt überstrapaziert, aber trotzdem die größte Story ist natürlich der erste Heimsieg der U19 des VfB Stuttgart seit 2007 – damals hieß das Turnier übrigens “DaimlerChrysler Junior Cup”. Wo die Profis, die übrigens auch damals zu Jahresbeginn Dritter der Bundesliga-Tabelle waren, am Saisonende landeten, ist bekannt. Wird 2024 das neue 2007? Wir hätten nichts dagegen. 🏆⚪️🔴#VfBU19 | #MBJC | #jungundwild pic.twitter.com/M6DucYBWRr — VfB Nachwuchs (@jungundwild) January 7, 2024 pic.twitter.com/IN10Rzu50l — Seriouz (@Seriouz1893) January 8, 2024 Eine andere, weitaus kleinere aber nicht weniger schöne Geschichte ist die von Timo Ulpins. Der Keeper der VfB U19 bewahrte sein Team im Finale nicht nur mit einem Monstersave vor dem Rückstand und wurde zum besten Torwart des Tuniers gekürt, sondern erzielte auch das erste Tor des Turniers. 2024 ist beim VfB einfach alles möglich! Es ist offiziell: 2024 wird ein großartiges #VfB Jahr! #MBJC pic.twitter.com/n5UjtErDLA — Vertikalpass (@vertikalpass) January 7, 2024 Die schönste und noch nicht erzählte Geschichte ist aber vermutlich die von …

VertikalGIF #VfBFCA: Das Weihnachtswunder von Cannstatt

Ich bin ehrlich: Nach der sensationellen ersten Halbzeit gegen Leverkusen, dem Kraftakt zur Verteidigung des Unentschiedens in der zweiten Hälfte und dem chancenlosen 0:3 in München hatte ich die Befürchtung, dass beim VfB ein wenig die Luft raus ist. Das wäre auch völlig verständlich gewesen: Nach zehn Siegen in 15 Spielen und sensationellen 31 Punkten hatten sich die Spieler die Pause absolut verdient.   Doch ein Spiel stand bekanntermaßen noch an bevor wir einen Haken an das Fußballjahr 2023 machen können. Und das ausgerechnet gegen den ehemaligen VfB-Trainer-Killer Augsburg, das unter Jess Thorup seit dem achten Spieltag nur einmal verloren hatten.   Was dann am Mittwochabend ab 20:30 im Neckarstadion passierte, grenzte schon an ein Weihnachtswunder. Von Spannungsabfall keine Spur. Stattdessen sorgen die heiligen drei VfB-Könige Undav, Guirassy und Führich für ein ungefährdetes 3:0 und statt Gold, Myrrhe und Weihrauch gab es den elften Saisonsieg, die Punkte 31 bis 34 und Platz 3 zur Winterpause!   Die Entstehung des Sieges war allerdings weniger ein Wunder, sondern vielmehr der Lohn der konsequenten Arbeit von Team und …

VertikalGIF #FCBVfB: Playing home for Christmas!

An einem Dezember-Sonntag um 19:30 in der Allianz-Arena. Und wir haben ernsthaft gedacht, das könne gut werden? So weit hat uns das Team mit seiner attraktiven Spielweise schon gebracht: Wir haben unseren VfB-Bruddler-Instinkt verloren! Immerhin währte die trügerische Hoffnung in München ganze 82 Sekunden. Dann traf so ein Stürmer aus England und das Spiel war gelaufen. Eigentlich hätte man auch postwendend abpfeifen und sich den Rest sparen können. VAR-Fehlentscheidungen und weitere zwei Bayern-Tore und so. Kurz gesagt: Es war ein Termin am dritten Advent, den man sich gerne geschenkt hätte. Apropos geschenkt: Wichtig ist jetzt, dass sich das Team von Sebastian Hoeneß am Mittwoch im letzten Spiel des Jahres für die überragende Hinrunde belohnt. Mit einem Sieg gegen den FC Augsburg hätte der VfB nach 16 Spieltagen unfassbare 34 Zähler auf dem Konto. Zum Vergleich: In den letzten beiden Spielzeiten waren es 33 – allerdings am Ende der Saison! Statt uns darüber auzuregen, dass der Fastabsteiger der letzten zwei Jahre beim Meister der letzten zehn Jahre keine Chance hatte, freuen wir uns lieber darüber, dass …

VertikalGIF #VfBB04: Risiken und Nebenwirkungen

Drei Heimspiele in acht Tagen. Vor zwölf Monaten hätten wir uns noch eine Ausrede gesucht, um nicht drei Mal ins Stadion gehen zu müssen. Im Dezember 2023 hingegen ist man froh, im Stadion gewesen zu sein. Beim souveränen 2:0 gegen Werder Bremen. Beim dominanten 2:0 gegen Borussia Dortmund. Und vor allem beim spektakulären 1:1 gegen Tabellenführer Bayer Leverkusen. Der schwäbische Hypetrain rollt unaufhaltsam und in der ersten Halbzeit kann nicht mal Bayer Leverkusen ihn aufhalten. Und schon nach sieben Minuten hätte der VfB eigentlich die Weichen auf Heimsieg stellen müssen: Nach einem Guirassy-Freistoß und Konfusion im Bayer-Strafraum landete der Ball bei Vagnoman. Doch dessen Abschluss war leider viel zu unpräzise. In der Folgezeit wurde die Partie dem Titel “Spitzenspiel” mehr als gerecht. Leverkusen war sehr gut, der VfB noch besser. Und nicht wenige Stuttgarter Fans rieben sich verwundert die Augen: Die Auftritte gegen Bremen und Dortmund waren überzeugend gewesen, aber was das Team von Sebastian Hoeneß gegen Leverkusen zeigte, war noch einmal ein Level drüber – mindestens! In der 26. Minute hätte Guirassy das 1:0 …

VertikalGIF #VfBBVB: Nikolaus, Nikolaus, Dortmund raus!

Die Pokalauslosung war eine schöne Bescherung gewesen: Nach Champions League Teilnehmer Union Berlin (ja, ja!) hieß der nächste Gegner Champions League Teilnehmer Dortmund – und das nur 3,5 Wochen nach dem Ligaspiel gegen die Terzic-Truppe. Aber es hilft ja nichts: Wer nach Berlin will, muss auch die dicken Bretter bohren. Wobei man bei der Borussia nicht erst seit dem 1:2 in Stuttgart durchaus skeptisch sein darf, ob die Mannschaft wirklich Massiv- oder doch eher Sperrholz ist. Nach dem wenig überzeugenden Autritt in Stuttgart am 11. Spieltag hatte Dortmund Einiges wiedergutzumachen und alle waren sich sicher: Die Borussia würde ein ganz anderes Gesicht zeigen als bei der Niederlage. Und tat sie das? Ohne Brandt und Füllkrug in der Startelf sah es fast so aus, als wolle Terzic erstmal Beton anrühren und dann über die schnellen Offensivkräfte kontern. Der Fastmeister wollte wirklich Underdog-Fußball beim Fastabsteiger spielen? Klar ist aber auch: Nach dem bisherigen Saisonverlauf strotzt der VfB nur so vor Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und das sah man auch am Mittwochabend: Abgesehen von Sabitzers Lattentreffer rollte …