Alle Artikel mit dem Schlagwort: Hans Blickensdörfer

Sag's Zorniger

Sag’s Zorniger!

Der legendäre Stuttgarter Sportjournalist Hans Blickensdörfer hätte VfB-Trainer Alexander Zorniger einen „Maulhelden“ genannt. Horst Schimanksi hätte gesagt „Noch keine Haare am Sack, aber im Puff nach vorne drängeln“. Zorni schlägt verbal um sich und bekommt seine Aussagen recht schnell wieder um die Ohren gehauen. Man möchte ihm zurufen „Du musch mehr Spiele g’winna – dann bisch’n Großer. Sonscht bisch halt an Zweitliga-Trainer.“ Dass Probleme klar angesprochen werden, auch gerne mal mit einem Schuss Süffisanz, das ist man beim VfB offensichtlich nicht gewohnt. Trotz nun jahrelangem Abstiegskampf gibt es wohl immer noch Spieler, die sich schnell in der Komfortzone einrichten und auch das Management soll es sich dann und wann bequem im roten Haus in der Mercedesstraße machen. Da ist einer, der aufrüttelt durchaus gefragt. Nur: Hören will das keiner so Recht. „Der Ton macht die Musik“, hat meine Mutter immer gesagt. Denn es gibt keinen Grund, persönlich oder gar verletzend zu werden und dies auch öffentlich zu tun. Aber Blickensdörfer und Schimanski hätte die Sprache von Zorniger gefallen. Beide nahmen selten ein Blatt vor den …

Dragan Holcer

Dragan Holcer: Gegangen, um zu bleiben

Dragan Holcer ist gestorben. Bei Holcer muss ich erst an Hermann Ohlicher denken und dann an Roland Hattenberger und dann an KSV Baunatal, Röchling Völklingen und FK Pirmasens. Zweite Liga. So wenig Zuschauer, dass auf Ordner verzichtet werden konnte, in der Halbzeit wechselten die Zuschauer von der Cannstatter in die Untertürkheimer Kurve, um näher dran zu sein, falls ein VfB-Tor fallen sollte. Das war natürlich nix für meinen Vater. Er hatte eine Dauerkarte, Gegengerade Mitte. Bruddler-Ghetto. Um sich nicht vor jedem Spiel ein Sitzkissen zu leihen, hatte er ein eigenes, das stilecht in einer Ledertasche transportiert wurde. Als zentrale Figur in der Abwehr hatte Holcer maßgeblichen Anteil am Wiederaufstieg 1977. 100 Tore wurden eben gegen Baunatal, Pirmasens und Völklingen geschossen. Aufbruch lag in der Luft. Wie vor dieser Saison. Der Aufbruch 1977 endete auf Platz 4, das wird diese Saison knapp. Von 1976 bis 1978 hat Holcer beim VfB 82 Spiele am Stück bestritten, ohne auch nur eine Minute zu fehlen. Manche sagen, Holcer hatte seinen Namen nicht von ungefähr, aber Holcer war kein Holzer, …

Das System ist der Star!

Wahrscheinlich gehöre ich zu den ein, zwei Deutschen, die Berti Vogts gut finden. Das liegt wohl auch mit daran, dass meine Eltern mir ein Buch über ihn geschenkt haben als ich so sieben oder acht Jahre alt war und fiktive Fussballreportagen schrieb, in denen er hinten rechts gegen Kevin Keegan verteidigte, aber gegen den VfB immer unglücklich verlor. Es war mehr ein Bildband, Berti am Strand, Berti mit Schlaghosen, Berti grätschend auf überflutetem Rasen, Berti mit Günter Netzer, dazu ein einfühlsamer Text von Hans Blickensdörfer, der die Rolle von Hennes Weisweiler als Ersatzvater beleuchtet. Viel später schrieb Stefan Raab auf dem Rücken von Berti einen Top-10-Hit („Böörti Böörti Vogts“) und Vogts hatte einen Tatort-Kurzauftritt, wo er in 30 Sekunden eine Familie vor dem sicheren Tod durch eine Gasexplosion rettet. Neben seinem kulturellen Wirken ist er auch als Fussball-Philosoph in Erscheinung getreten, obwohl manche meinen, er hätte viel eher das Genre des Comedians begründet und somit überhaupt die Karriere von Mario Barth erst ermöglicht. Vogts sagte „Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie …