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Walterball: Krawall & Remmidemmi

Sind wir ehrlich: Mit einem weniger hibbeligen Stürmer als Silvère Ganvoula hätte der VfB gegen den VfL Bochum verloren.

Diese Erkenntnis ist nichts neues. Es ist ein Muster, dass sich konsequent durch die bisherige Saison zieht: Der VfB ist überlegen, nutzt aber seine Torchancen nicht bzw. zu selten, macht zu wenig aus seinem Ballbesitz und ist hinten offen wie ein Scheunentor.

In der Offensive sorgen zwei überragende, individuelle Momente von Philipp Klement/Daniel Didavi und Nicolas Gonzalez für Remmidemmi und entscheiden am Ende das Spiel. Aber die Krawall-Abwehr! Nathaniel Philips zeigt bei seinem ersten schlechteren Auftritt im VfB-Trikot extreme Schwierigkeiten im Spielaufbau, wenn er mal ein bisschen Druck bekommt, Holger Badstuber trotz 100 Prozent Passquote mit einigen Schildkrötenmomenten. Dazu Abspielfehler beim kleinsten Pressing. Andere Mannschaften – beispielsweise in der Bundesliga – nutzen das gnadenlos aus. Wir müssen also froh sein, dass die Entwicklung des Walter-Fußballs im Unterhaus stattfindet, wo Fehler nicht (immer) gnadenlos bestraft werden.

Natürlich erwartet niemand, dass der VfB jeden Gegner aus dem Stadion schießt. Natürlich muss jeder Sieg hart erarbeitet werden. Aber ein bisschen mehr Souveränität wäre wünschenswert. Aber sehen wir die ganze Geschichte mal von ihrer positiven Seite: Obwohl es noch hin und wieder mächtig knirscht im Walterball, obwohl eine komplett neu zusammengestellte Truppe auf dem Feld steht, obwohl Innenverteidiger 1 verletzt und Innenverteidiger 2 langzeitverletzt ist, obwohl die Hoffnung im Sturm einen Totalschaden im Knie erlitten hat und obwohl Tim Walters Metronomspieler noch zu oft aus dem Takt gerät, ist der VfB Stuttgart eines von drei noch ungeschlagenen Teams in der zweiten Liga. Platz 2 hinter dem HSV und mit elf Punkten absolut im Soll. Nur zur Erinnerung: In der letzten Zweitliga-Saison hatte der VfB nach fünf Spieltagen bereits zwei Niederlagen einstecken müssen und mit Olaf Janßen saß schon der zweite Trainer auf der Bank.

Drei Jahre später sieht die Tabellensituation souveräner aus als die zugrunde liegenden Ergebnisse. Nach fünf Spieltagen der Eingewöhnung gegen mitspielende Gegner (Hannover, Heidenheim) und gegen Mannschaften, die den Bus im Strafraum parken (Sankt Pauli, Aue) ist klar, was den VfB an den nächsten 29 Spieltagen erwartet. Und nachdem auch das Transferfenster endlich geschlossen ist, weiß Tim Walter auch, welche Optionen ihm zur Verfügung stehen (Gonzalez, Ascacibar, Förster) und welche nicht (Donis).

Jetzt ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen: Offensiv muss der Ballbesitz öfter zu Toren führen und defensiv muss der VfB besser stehen. Weniger Krawall vor dem eigenen Tor, noch mehr Remmidemmi vor dem des Gegners. Ganz einfach, oder? Aber bis es soweit ist, haben wir Fans immerhin etwas, das wir lange vermisst haben: Freude am Spiel des VfB.

Das VertikalGIF zum Heimspiel gegen Bochum findet ihr hier.

Titelbild: Getty Images / Bongarts

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14 Kommentare

  1. Roman sagt

    Walter hat doch immer betont, dass ihm ein 5:4 lieber als ein 1:0 ist. Also was regt ihr euch über die Abwehr auf. ;)

  2. Renntiger sagt

    Sind wir ehrlich: Einem weniger hibbeliger Stürmer als Silvère Ganvoula würde nicht beim VfL Bochum in der zweiten Liga spielen..
    So gesehen dann auch völlig legitim die Freiräume zu nutzen um eine eingespielte Mannschaft in die erste Liga zu führen *träum*

  3. Barry sagt

    Es ist trotz des sagenhaften Unvermögens diverser 2. Liga Teams lediglich eine Frage der Zeit, bis der VfB bei der eigenen hochriskanten Spielweise und gleichzeitig nicht vorhandenen Absicherung mal mächtig einen eingeschenkt bekommt.

    In anderen Worten: Der VfB ist von 5 eigenen Toren in einem Spiel derzeit Galaxien-weit entfernt. Der Gegner andererseits nur einen Steinwurf von 3,4,5 Toren. Und was wirklich Angst macht, das trifft sogar auf so extrem ersatzgeschwächte Gurken-Gegner wie den VfL Bochum zu.

    Lernkurve beim VfB nach 5 Spieltagen: geht gegen null. Leider.

    • @abiszet sagt

      @Renntiger
      Guter Punkt mit Ganvoula ;-)

      @Barry
      Ist in der Tat zu befürchten, dass wir mal 3 oder 4 Dinger bekommen. Wenn ich an die letzte VfB-Zweitligasaison denke, dann waren da auch viele enge Spiele und Last-Minute-Siege drin (u.a. Bielefeld, Nürnberg, Dresden, Sandhausen, 1860), aber in der Tat: noch lernt das Team nicht aus seinen eigenen Auftritten – und das muss sich ändern. Wobei immerhin eine relative Ruhe herrscht, im Gegensatz zu 2016/2017.

  4. Joachim Leuze sagt

    @ Barry,
    als ich Deinen Kommentar lesen hier in mich aufnahm, bekam ich Schnappatmung! Das ist typisches Stammtisch-Gelaber! Aber stell Dir folgendes Szenario vor: Du hättest das wirklich an einem Stammtisch gesagt und ich hätte Dir daraufhin aber laut wie folgt geantwortet:“Die Mannschaft wurde fast komplett ausgewechselt! 20 Spieler sind gegangen und 21 Spieler sind gekommen. Ja, meinst Du das Spielverständnis geht von heute auf morgen? Das bedarf Zeit und diese Zeit muss man dem Trainer sowie dem Team zugestehen! Das mal zum Einen. Zum anderen ist es absolut respektlos, wie Du über den Gegner VfL Bochum schreibst bzw. redest! Bochum ist eine erfahrene Zweitliga-Mannschaft, die wenn sie topfit und alle an Bord haben eine gute Zweitliga-Mannschaft sind, die jeden Gegner weh tun kann! Hier von einer „Gurkenmannschaft“ zu schreiben ist mehr als arrogant und überheblich! “
    Hier von einer Lernkurve die auf „null“ steht, das ist eine Frechheit, welches seines Gleichen sucht. Der VfB hat aus meiner Sicht ein absolut gutes und souveränes Spiel am Montagabend gezeigt. Dass der Gegner Torchancen bei der Art des Spieles erhält, das ist völlig normal! Aber jetzt kommt es: „Der VfB hat das Spiel hochverdient gewonnen und das ist maßgebend.“
    Ich schaue die Spiele des VfB mit sehr viel Liebe und Leidenschaft gerne an und das jetzt tausendmal lieber als noch vor einem Jahr. Endlich spielt der VfB „Fußball“. Und das sollte uns allen Freude bereiten! Das und nichts anderes. Dieses ewige Jammern, Bruddeln, Lamentieren und Klagen bestimmter Fans bin ich leid! Haber fertig!
    Mit rot-weißen Grüßen Joachim Leuze

  5. Barry sagt

    @Joachim Leuze:
    Ich habe Deinen Kommentar amüsiert zur Kenntnis genommen. Würden wir uns kennen, wüsstest Du, dass ich ganz sicher kein Stammtisch-Gelaber von mir gebe, ganz im Gegenteil, ich werde häufiger zitiert, wie Du Dir das vorstellen kannst. Zum Kennenlernen wird aber wahrscheinlich nie kommen, mit so einem fachlich schwachen Kommentar wie Deinem hast Du Dich zu 100% dafür disqualifiziert.

    Zu den Fakten:
    – Bochum hat den schlechtesten Saisonstart seiner Historie hingelegt. Der Historie! Der Tabellenvorletzte war also beim VfB Gast und hat ausser Langholz größtenteils keinen vernünfigen Fussball gespielt. Der Begriff „ersatzgeschwächte Gurken-Gegner“ ist somit absolut gerechtfertigt.
    – Die sog. Lernkurve wird von den Spielern als auch vom Trainer selbst immer wieder sehr kritisch thematisiert. Wer das Hannover-Spiel mit dem Bochum-Spiel vergleicht, sieht leider absolut keine Entwicklung, ganz im Gegenteil.
    – Das der VfB aus Deiner Sicht ein souveränes Spiel abgeliefert hat, ist eine Erkenntnis, die Dir ganz exklusiv vorbehalten bleibt. Während Bochum locker 4-5 absolute Top-Chancen hatte, warst Du sicher Bier holen, anders kann man sich so eine Wahrnehmung nicht erklären.

    Wir freuen uns alle, dass der VfB wieder Punkte holt. Das ist trotz des Budgets und der „Rahmenbedingungen“ nicht ganz selbstverständlich, immerhin hat man wahnsinnig viele Neuzugänge. Das man aber in jedem Spiel extrem nahe an einem Gegentor-Hagel vorbeischrammt, weil im Mittelfeld keine defensive Absicherung gegeben ist und man darum bei nahezu jedem Gegenangriff einen Offenbarungseid leisten muss, ist weder akzeptabel noch zielführend.

    Weiss-rote-Grüße
    Barry

  6. Joachim Leuze sagt

    @Barry,

    es ist dennoch unterste Schubladen und Stammtischgeschwafel! Tut mir leid, Diskussion ist für mich beendet!
    Weiß-Rote Grüße

    Ps. Geh zu den Bayern, die freuen sich auf jeden der in die Hände klatschen kann.

  7. Das Problem ist, dass sowohl Barry, als auch Joachim Recht haben: Kader so gut wie neu, Punkte im Soll, aber nur durch Dusel und das schlechtere Moment auf Seiten des Gegners. Ob sich jetzt eine Lernkurve entwickelt, bleibt zu hoffen und abzuwarten…

  8. Clemens sagt

    An Barry und Joachim:

    Lasst uns vielleicht mal einen Quervergleich ziehen, damit wir die Leistung des VfB gegen Bochum besser einordnen können. Vor zwei Wochen spielte der HSV (seines Zeichens souveräner Tabellenführer mit der aktuell besten Tordifferenz und immerhin den meisten geschossenen Toren) sein Heimspiel gegen Bochum. Das Ergebnis war ein 1:0 in einem Spiel mit extrem wenig Tor-Chancen auf beiden Seiten. Die Bochumer waren bereits in dieser Partie extrem ersatzgeschwächt und konnten dennoch lange das 0:0 halten. Obwohl der HSV bislang im Schnitt 2,6 Tore im Schnitt schießen konnte, hatte es gegen Bochum nur zu einem Tor gereicht.

    Was sagt das über den VfB? Der VfB hat deutlich mehr Chancen gegen Bochum herausgespielt und im Gegensatz zum HSV zweifach getroffen. Im Gegensatz zum Spiel in Hamburg konnte Bochum den VFB aber auch 5 mal in Verlegenheit bringen, was am Ende aber auch nur zu einem Treffer gereicht hat.

    Es stimmt also was Barry sagt, der VfB ist hinten deutlich anfälliger als der HSV. Im Vergleich dazu ist das Spiel des VfB wie von Joachim beschrieben aber auch deutlich attraktiver. Dies kann man an der Anzahl der Torchancen festmachen oder an dem gepflegten Kurzpassspiel mit teils feinen Kabinettstückchen und zwei tollen Toren. Jeder kann sich jetzt aussuchen, was ihm besser gefällt: Technokratischer Ergebnisfußball a la Hecking oder Remmidemmi a la Walter. Ich halte es da eher mit Joachim, denn ich habe dieses Defensiv-Gemurkse von Korkut, Weinzierl und teils auch von Wolf so satt. Der HSV wird sich gegen tief stehende Gegner in Zukunft ebenfalls schwer tun und Punkte liegen lassen. Ob der VfB das nutzen kann, werden die kommenden Monate zeigen. Aber ich habe Vertrauen darauf, dass sich Hitzlsperger, Mislintat und Walter nicht alle drei irren können.

  9. drausvomlande sagt

    Also im Gegensatz zu früheren Jahren freue ich mich wieder auf VfB-Spiele.
    Weil einfach wieder Spiel ist und nicht was auch immer das war letztes Jahr.
    Und besser weil eingespielter kann ja auch noch kommen.
    Und das ist wichtiger als das Ergebnis.
    Auch wenn mein Bauch sagt, dass wir diese Saison nicht aufsteigen werden.

    Und bitte schickt mir Zeit und Ort wenn die beiden sich am Stammtisch gegenüber sitzen, dafür könnte ich glatt Eintritt zahlen …

    Und jetzt Spass beiseite: Einem VfBler zu empfehlen, sich doch den Bayern anzuschliessen, das hat ein ganz eigenes Niveau …

  10. Bacardihardy sagt

    Lasst die Bazis weg.

    Hoffe natürlich auch auf eine Lernkurve der Mannschaft und des Trainers..
    2. Hälfte war ja schon besser, also defensiv stabiler, als die 1.Hälfte, insofern hat die Halbzeitansprache von Tim Walter gegen Bochum schon gefruchtet.
    In der 1.Hälfte waren die Aussenverteidiger meines Erachtens Totalausfälle und dem Walterschen Offensivspiel nicht gewachsen. Weder Stenzel noch Insua. Die Viertelstunde vor Pausenpfiff war vogelwild.
    Natürlich hat Insua die Spielpraxis gefehlt und er hat sich nach der Pause deutlich gesteigert.. In der 2.Hälfte stand der Vfb in der Defensive besser. Karazor hat in der 2.Hälfte aus meiner Sicht nach hinten ein überragendes Spiel gemacht. Auch Mangala bringt viel Dynamik ins Mittelfeld und wird nicht so schnell überlaufen, weil körperlich stark.
    Bin leider noch etwas pessimistisch was die Waltersche Spielweise betrifft. Wie hiess der alte Spruch „Meisterschaften werden in der Defensive gewonnen“. Aber es reicht ja auch der 2.Platz.

  11. Barry sagt

    …gute Diskussion, die hier entstanden ist. Interessant finde ich den quervergleich zum HSV – Bochum Spiel. Wenig Chancen, 1:0 Sieg HSV. VfB hingegen mit einigen guten eigenen Chancen und einem Haufen Bochumer Tor-Chancen. Die schwarz-weiss Betrachtung im Sinne von Korkut-Weinzierl Fussball vs. Walter-Remmi-Demmi teile ich dennoch nicht. Ein Spitzenteam muss egal in welcher Liga in der Lage sein, eine gute Balance im Spiel zu halten. Da muss, sollte und darf man meiner Meinung nach nicht zwischen 5-4 vs. 1-0 Spielweise entscheiden. Denn sowas ist eher hypothetisch. Oder hat jemals einer hier eine Mannschaft gesehen, die regelmässig 6-4, 7-5 oder 4-3 gewinnt? Es geht also darum, vorne viele Chancen zu kreieren und hinten insgesamt gut zu stehen. Und da ist offensichtlich der HSV dem VfB insgesamt nicht nur in Punkten sondern auch in Sachen Stabilität klar voraus. Der HSV steht hinten deutlich besser und macht aus seinen wenigen Chancen ausreichend Tore. Der VfB kreiert eigene Chancen und hat nur deshalb hinten nicht schon eine 2-stellige Anzahl an Gegentoren, weil die Gegner einfach sagenhaft wenig Qualität im Abschluss haben.

    Mal sehen, ob der HSV dem VfB auch bis zum 34. Spieltag in der Defensiv-Offensiv Balance entsprechend voraus sein wird…

    Und zu dem Knallkopf, der mir Stammtisch-Geschwafel unterstellt: immerhin führe ich Fakten in meiner Argumentation auf. Und jemanden, der in seiner aktiven Zeit teilweise mit Profis gekickt hat, im Nachwuchs-Team eines zu der Zeit 1. Ligisten stand und gebürtiger Cannstatter ist, einen Wechsel zu den Bayern nahe zu legen: Das hat seine ganz eigene hoch-unqualifizierte Qualität von wahrem Stammtisch-Geschwätz. Dafür muss man erst noch einen Begriff erfinden.

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