Autor: @abiszet

Keine Aufbruchstimmung

Es sind 45.000 Zuschauer bei äußerst unangenehmen Temperaturen gekommen, die sich fragten: Wie wird der Neuanfang unter Bruno Labbadia? Im Stadion herrscht eher Zurückhaltung, alle wollen erst einmal abwarten, wie der neue VfB sich unter Labbadia präsentiert. Spoiler: Deutlich tiefer stehend als noch unter Pellegrino Matarazzo und Michael Wimmer, dafür kompakt, brav zum Ball verschiebend, mit großen Schwierigkeiten beim Tempo und im Spielaufbau. Lieber zurück und quer als nach vorne. Die Angst vor einem Fehler ist fast jedem anzumerken. Die Spieler sind gegen Mainz vielfach seltsam passiv, fast unsicher. Der überraschend aufgebotene Nicolas Nartey nimmt in der ersten Halbzeit auf seiner linken Seite selbst in der eigenen Hälfte jeden Ball mit dem Rücken zum gegnerischen Tor an, um einen sicheren Pass nach hinten spielen zu können. Der VfB agiert ohne Mut und ohne Risiko im Spielaufbau. Zudem ist die Ballannahme bei fast allen eine Herausforderung, nicht selten springt der Ball drei Meter vom Fuß. Überrascht das? Eher nicht. Der VfB ist ein bisschen nervös und will nicht schon wieder in den ersten Minuten ein Gegentor …

Es könnt’ alles so einfach sein, isses aber nicht

Bruno Labbadia kommt gut an in Stuttgart. Nicht unbedingt bei allen Fans, aber offenbar bei allen anderen. Beim VfB intern sowieso, bei der Mannschaft, bei den Medien, überhaupt bei allen Gefährten aus dem Fußball-Business. Labbadia ist kommunikativ und ein umgänglicher Typ, kommt sympathisch rüber und steht für das, was im Schwabenland angeblich das Wichtigste ist: Schaffe, schaffe, Abstiege vermeide.   Kein Tweet und kein Text über das Trainingsprogramm ohne einen Hinweis auf Labbadias Fleiß und Akribie. Der neue VfB-Trainer steht für Teamgeist, Geschlossenheit, Fitness. Doch ist der Fußball so einfach, dass man nur mit diesen Faktoren den Klassenerhalt schaffen kann? Xabi Alonso, Welt/-Europameister, Champions League-Sieger, mehrfacher nationaler Meister und nun Trainer von Bayer Leverkusen, meint: „Der Fußball hat sich verändert“. Bruno Labbadia hat sich offenbar nicht verändert. Seine Aussagen und Maßnahmen sind noch dieselben wie vor zehn Jahren. Man weiß, was man bei Labbadia bekommt: die Fokussierung auf die Basics, keine komplizierten Spielsysteme, keine verkopften Matchpläne, einfache Sprache. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum er vor allem bei den Medien so gut ankommt: Es gibt …

Lasst uns froh und munter sein!

“Bei einem Traditionsverein ist es immer so, dass Emotionen und Leidenschaft im Spiel sind“, antwortete Alexander Wehrle auf die Frage, wie er mit der Kritik der Fans an den letzten Personalentscheidungen umgehe. Achselzuckend und lapidar seine Aussage, und sie kratzt maximal an der Oberfläche. Oberflächlichkeiten scheinen die Stärke von Wehrle zu sein und seine Aussage zeigt auch, wie er mit Kritik umgeht: gar nicht. Sollen die Fans doch leiden, sollen sie sich doch aufregen, ärgern und protestieren, “am Ende entscheide ich”, sagt sich wohl der Vorstandsvorsitzende. Das erinnert ein bisschen an die “ahnungslosen Vollidioten” von Michael Reschke. Dabei machen alle Fans, egal ob auf der Tribüne, in der Kurve oder im Netz, die Identität des VfB aus. Der Brustring verbindet alle und hält alle zusammen. Der VfB ist unser Verein und unsere Heimat, jeder hat eine ganz eigene Geschichte, wie er oder sie mit dem Club in Verbindung steht. Wir alle können etwas erzählen, warum sich der VfB tief in unser Herz eingegraben hat. Die Summe dieser Geschichten macht den VfB aus. Der VfB ist …

Wie es unter Labbadia laufen wird

Nach der offiziellen Vorstellung von Bruno Labbadia und Fabian Wohlgemuth gibt der neue Trainer danach gleich richtig Gas mit bis zu drei Trainings am Tag. Viele fragen sich: Wie wird die zweite Amtszeit von Labbadia laufen? Wir sagen es euch! Nach einer knallharten Analyse des Kaders überredet Labbadia den eigentlich als Leiter der Lizenzspielerabteilung verpflichteten Christian Gentner noch eineinhalb Jahre an seine Karriere dran zu hängen. “Seine Erfahrung tut uns gut”, frohlockt der VfB Trainer und macht ihn zum neuen Kapitän. „Wataru Endo ist von der WM noch ausgelaugt und hat Rückstand. Wir werden ihn in aller Ruhe im Verlauf der Rückrunde wieder an die Mannschaft heran führen“, so Labbadia. Das neue Jahr beginnt mit einem Paukenschlag: Der VfB verpflichtet Josuha Guilavogui (32) ablösefrei und stattet ihn mit einem Vertrag bis 2025 aus: „Wir sind froh, dass wir diesen erfahrenen Spieler für den VfB begeistern konnten“, freut sich Alexander Wehrle und sieht den Club auf einem guten Weg. Was denn genau dieser Weg sei, fragt ihn Dirk Preiss, Sport-Chef bei StZ/StN. „Der Stuttgarter Weg“, antwortet …

Alles auf Null gestellt

Der VfB steht im Moment bei Null. Die Aufbruchstimmung nach dem Last-Minute-Klassenerhalt: dahin. Der unbequeme Sport-Direktor: entsorgt. Das Vertrauen in die handelnden Personen: nicht existent. Eine Sport-Strategie: nicht zu erkennen. Fingerspitzengefühl: nicht vorhanden. Dazu eine bemitleidenswerte Kommunikation, jede Menge Ungereimtheiten in AG und Verein und drei ehemalige VfB-Spieler, mit denen man sich schmücken kann, die aber keinerlei Expertise im operativen Geschäft haben. Es gibt in der Tat Gründe, warum der Vertrag mit Sven Mislintat nicht verlängert wird. Es gibt wahrscheinlich auch gute Gründe, den bisherigen Weg (teilweise) zu verlassen. Aber Bruno Labbadia? Hat Alexander Wehrle das alte Telefonbüchle von Fredi Bobic gefunden? Und warum nicht Christian Gross oder Felix Magath? Ist das das Ergebnis der neuen Sportkompetenz, der Beratungen mit Philipp Lahm, Sami Khedira und Christian Gentner? Womöglich ist der Name Labbadia ein Vorschlag von Rainer Adrion, er scheint in seiner Sicht auf den Profi-Fußball Anfang/Mitte der 2000er Jahre stehen geblieben zu sein. Labbadia ist eine Verpflichtung wie 2017 Andi Beck: Man weiß, was man bekommt, allzu große Erwartungen darf man aber nicht haben. Und …

Danke, Dude!

“Der Dude ist nicht mehr da. Nachricht nach dem Piep. Peace Mann …“: Sven Mislintat ist nicht mehr für den VfB tätig, in den Vertragsverhandlungen wurden sich der Dude und Alex Wehrle nicht einig. Einig wurde man sich dagegen, das Arbeitsverhältnis sofort zu beenden. Natürlich gab es am Ende warme Worte von beiden Seiten, aber wir wissen ja, was wir davon halten können: nichts. Es ist keine Trennung im Guten. Denn immerhin verkniff sich der VfB diesen Absatz in seiner Pressemeldung nicht: “Ein aus Sicht des VfB absolut marktgerechtes Angebot zur Vertragsverlängerung hat Sven Mislintat abgelehnt.” Sven Mislintat wird gerne auf seine Transfers reduziert. Da waren schon einige dabei, mit denen er Fans und Fachleute beeindruckte und die den Kader verstärkt haben und zugleich auch Werte für die Bilanz geschaffen haben: Gregor Kobel, Sasa Kalajdzic, Silas, Dinos Mavropanos, Hiroki Ito, Wataru Endo. Dann gibt’s welche, bei denen er wohl eher daneben gelegen ist, wie bei Wahid Faghir, Teto Klimowicz, Momo Cissé, Maxim Awoudja oder Ömer Beyaz. Aber er hat auch solide Transfers auf dem Zettel: …

Khedira ante portas?

Glaubt eigentlich noch jemand, dass der im Sommer 2023 auslaufende Vertrag von Sven Mislintat verlängert wird? Immer wieder neue Zeitpläne und verschobene Vertragsverhandlungen, eine unterirdische Kommunikation und ein angeblich irreparabel gestörtes Verhältnis zwischen Vorstandsberater Sami Khedira und Mislintat sprechen eigentlich eine deutliche Sprache. Alexander Wehrle ging es seit seinem Amtsantritt darum, Claims abzustecken und die Machtfülle von Sven Mislintat zu beschränken, der vom ehemaligen CEO Thomas Hitzlsperger mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet wurde. Die Installation der drei Supernasen Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner und die Vorgehensweise dabei waren ein klares Zeichen. Khedira, der bei der Antritts-PK sagte, dass er in erster Linie lernen wolle, ist seitdem omnipräsent beim VfB und hat sich als eine Art Gegenpart zu Mislintat positioniert. Es ist natürlich völlig legitim, dass sich Alex Wehrle fragt, ob es für den VfB so gesund ist, dass der Sport-Direktor eine in der Bundesliga wohl einmalige Machtfülle besitzt. Es ist seine Aufgabe, die Arbeit Mislintats kritisch zu betrachten, vor allem vor dem Hintergrund, dass der VfB die letzten 18 Monate nicht gerade das Blaue vom …

Der VfB wollte gar nicht gewinnen

“Mutig auftreten”, ich kann’s nicht mehr hören. Denn es wird immer nur darüber gesprochen. Auf dem Feld sieht man davon auswärts nichts. Leverkusen ist nicht gut, ähnlich verunsichert wie Gladbach letzte Woche, spielt trotz hoher individueller Klasse einen Angsthasenfußball, weil Xabi Alonso maximale Kontrolle möchte und keinerlei Risiko eingehen will. Mit welchen Leistungen Gladbach und Leverkusen gegen uns drei Punkte holen darfst eigentlich keinem erzählen. #B04VfB — Kuranyi sei Oma (@KuranyiSeiOma) November 12, 2022 Der VfB bleibt sieglos auswärts im Jahr 2022, tritt ohne Überzeugung, ohne Spannung auf, keiner beim VfB hat daran geglaubt, in Leverkusen etwas mitzunehmen. Mehr noch: Der VfB wollte gar nicht gewinnen, was wenig erstaunlich ist, nach Sven Mislintats Interview nach dem Sieg gegen Hertha BSC, als er eine Niederlage als selbstverständlich oder zumindest als sehr wahrscheinlich ansah. Er war zu diesem Zeitpunkt schon zufrieden damit, dass sein Interimstrainer bei einer Niederlage gegen Leverkusen 1,5 Punkte pro Spiel holt, hochgerechnet ein sicherer Klassenerhalt. Eine hanebüchene Rechnung und wenig leistungsfördernd vier Tage vor dem letzten Spiel des Jahres 2022. Sicher wird wieder …

Ein Sieg für Endo

Beim Verlassen des Stadions sagte jemand hinter mir: „Fußball ist wie das Leben: Es geht auf und ab und Du wirst meistens belohnt, wenn Du es immer wieder probierst“. Das Auftreten des VfB im allgemeinen und das Spiel gegen Hertha BSC in einem Satz zusammen gefasst. Der VfB nicht mit seinem besten Spiel, oft geht etwas knapp daneben: Da kommt hier ein Zuspiel zu spät, da wird dort ein Ball vertändelt. Der eine übersieht einen Gegenspieler, der andere schließt einen Angriff viel zu früh ab. Es gelingt bei weitem nicht alles, aber man hat nie den Eindruck, als ob der VfB daran verzweifelt. Auch wenn die Verletzung von Wataru Endo einen deutlichen Bruch im Spiel nach sich zieht, in der Schlussphase ist der Willen erkennbar, unbedingt gewinnen zu wollen. Diese Zehntelsekunde, in der die Kurve das Geschehene realisiert um dann zu explodieren. Unbezahlbar. #VfB — Frank (@teufelszeug1893) November 9, 2022 Trainer Michi Wimmer jetzt mit drei Bundesligaheimsiegen in Folge und Sven Mislintats Favorit auf eine Festanstellung als Chefcoach, weil Dinos Mavropanos erst auf der Linie …

Love Borna, hate VfB-Finanzen

Ich war am Dienstag im Stadion, weil ich Borna Sosa zum letzten Mal in einem Heimspiel erleben wollte. Es dürfte bekannt sein, dass ich ein absoluter Borna-Fanboy bin. Ich habe das gesamte Spiel fast nur auf ihn geachtet, schließlich könnte es sein Abschieds-Heimspiel gewesen sein. Denn es müsste viel passieren, damit Sosa nicht den VfB verlässt. Denn der VfB braucht Geld. Wieder einmal. Zunächst: Sollte Borna Sosa im Winter wechseln wollen, sollte ihm das niemand verübeln. Er blieb schon im letzten Winter, obwohl er andere Möglichkeiten hatte und wollte mithelfen, dass der VfB erstklassig bleibt. Aber immer nur gegen den Abstieg zu spielen, ist ätzend, geht mir ja auch schon so. Sosa ist im augenblicklichen Kader der Dienstälteste beim VfB. Und wenn er in Form ist, ist er zu groß für den VfB. Es sollte also niemand überraschen, wenn Sosa den VfB verlässt. Was anderes ist, wenn der VfB den Unterschiedspieler aufgrund finanzieller Zwänge verkaufen muss. Schon im Sommer wäre es der VfB 1893 AG viel lieber gewesen, wenn auch Sosa verkauft worden wäre, jedenfalls …