Autor: @abiszet

Historisch schlecht

Nach Mislintat-Kult und Wehrle-Bashing, nach einer lächerlichen Pressekonferenz und über 10.000 Unterschriften für eine Vertragsverlängerung des Sportdirektors passte sich die Mannschaft dem Niveau der Führungskräfte an: Sie legte einen desaströsen Auftritt hin. Eigentlich ist es keine große Sache gegen einen Champions League-Teilnehmer wie Eintracht Frankfurt 1:3 zu verlieren. Aber nur dann, wenn der VfB gegen Gegner auf vermeintlicher Augenhöhe dreifach punktet. Deshalb schmerzen die fehlenden Punkte gegen Schalke 04, Werder Bremen und den 1. FC Köln, auch wenn die Leistungen teilweise recht ordentlich waren (oder wurden sie schön geredet?). Nur in der Tabelle werden keine Blumensträuße aufgeführt, sondern Punkte. In 24 Spielen in 2022 lediglich drei Siege, in 25 Heimspielen in Serie jeweils mindestens ein Gegentor, nach sieben Spielen der Saison 2022/20023 noch ohne Sieg. Nicht nur außerhalb des Spielfelds, auch im Kerngeschäft Bundesliga liefert der VfB eine Horror-Show. Wahrscheinlich hilft jetzt nur nur eine Online-Petition, damit der VfB endlich den ersten Dreier einfährt. Der VfB ist also im Moment historisch schlecht – warum das so ist, hat man gegen Frankfurt gut gesehen: Versprungene Bälle, …

Die drei ??? und das Diamantenauge

Nicht das übliche Pressegespräch hinter verschlossenen Türen, keine aufgezeichnete Pressekonferenz, sondern ein Livestream: Es war eine große Show, in der die zwei Ex-Weltmeister Sami Khedira und Philipp Lahm sowie der ehemalige Meisterspieler Christian Gentner vorgestellt wurden. Die Personalien machen die besseren Zeiten des VfB sofort wieder lebendig. Wer jetzt nicht Manchester United und Cottbus vor sich sieht, dem ist nicht zu helfen. Aber was genau dieser Nostalgie-Move soll, was genau dahinter steckt und was genau die drei konkret zum zukünftigen Erfolg beitragen sollen, ist weiterhin unklar. Letztlich blieben nach dieser Veranstaltung in erster Linie Fragezeichen – mehr als nur drei: Braucht der erfahrene Vorstandsvorsitzende wirklich gleich zwei Berater? Wird der VfB Stuttgart zum Ausbildungsverein für Managementkräfte? Warum investiert man offenbar viel Zeit und Energie in diese Personalien, während andere Entscheidungen dringender sind? Warum erweitert man ohne offensichtlichen Grund ein offenbar gut funktionierendes Team? Welchen Einfluss hat die Verpflichtung der Legenden auf Mislintat? Stellvertretend für manch gut klingende, aber dann doch substanzlose Aussage während der Show, hier ein Statement von Philipp Lahm: “Was wir verbessern und …

Ein gefühlter Sieg

Es ist 17 Uhr 30 und ich hol’ die große Flasche aus dem Schrank. Dass das ein guter Plan ist, weiß ich, heut’ füll’ ich die Gläser bis zum Rand. Der VfB mit einem 4:2 Sieg in München, Serhou Guirassy mit einem hervorragenden Startelfdebüt, mit drei Toren, einer guten Ausstrahlung, ohne jede Ehrfurcht vor den großen Bayern. Wirklich ein sehr guter Grund zum Feiern. Aber es ist natürlich kein 4:2 Sieg, weil zwei Tore von Guirassy wieder einkassiert wurden, aber immerhin ein gefühlter Sieg. Der Bayern-Kader war teuer, die Überheblichkeit bekommt man gratis mit dazu. Stark ausgenutzt vom VfB. #FCBVfB — Max-Jacob Ost (@GNetzer) September 10, 2022 Mein neues Lieblingsvideo ist übrigens Rinos Reaktion 😂😂 pic.twitter.com/MEke8NZD7i — Philipp (@Philipp43131445) September 10, 2022 Was mich stört, dass es die Bayern Spieler als Majestätsbeleidigung empfinden, wenn man sie nur anschaut – und das auch wild gestikulierend beim Schiri beanstanden. Wie beim vermeintlichen 1:1 durch Guirassy, als Chris Führich bei der Balleroberung im Strafraum den ehemaligen Stuttgarter Joshua Kimmich zärtlich berührt. Wir haben das zu Hause nachgestellt, kein …

Fehlstart!

Champions League Starter, Europa League Starter, von der Quali ermatteter Conference League Starter und zwei Aufsteiger. Die ersten fünf Spiele boten ein abwechslungsreiches Auftaktprogramm, an dessen Ende nun vier Punkte stehen. Deutlich zu wenig, wenn man die Spiele nochmal Paroli passieren lässt. Viel zu wenig, wenn man an die nächsten Aufgaben gegen München, Frankfurt, Wolfsburg und Union Berlin denkt. Ein klassischer Fehlstart, nach neun Spielen könnte der VfB sogar immer noch bei vier Punkten stehen. Gegen Schalke 04 musste der VfB froh sein, immerhin noch einen Punkt gerettet zu haben. Aufgrund von Dummheit, Planlosigkeit und mangelnder Präzision in allen Mannschaftsteilen ist das Remis sogar noch schmeichelhaft gegen einen Aufsteiger, der vor einer Woche noch zuhause ein 1:6 auf die Mütze bekam und nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzte. Doch Schalke wurde im Verlauf des Spiels immer sicherer und überlegener, auch schon vor dem Platzverweis von Josha Vagnoman. Dem VfB fehlte vor allem im Zentrum der Zugriff, Borna Sosa wurde von Schalke gedoppelt und aus dem Spiel genommen, Wataru Endo zugestellt. Das Spiel war insgesamt zu langsam, …

Love hurts

Zu glauben, dass Spieler ihre ganze Profi-Karriere beim VfB bleiben wie Helmut Roleder oder Hermann Ohlicher, ist romantisch und naiv. Der Fußball hat sich verändert. Wie die gesamte Gesellschaft. Früher hat man beim Daimler eine Lehre gemacht und arbeitete dann ein ganzes Leben beim Unternehmen mit dem Stern. Heute ist ein Job-Wechsel an der Tagesordnung und im Fußball soll das anders sein? Wir sollten uns die Romantik natürlich erhalten, denn es ist schön, in einen Spieler verliebt zu sein. Bei mir ist es bekanntlich Borna Sosa. Seine Augen, sein Lächeln, sein linker Fuß, seine gebutterten und gezuckerten Flanken, seine Surfer-Attitüde haben mich eben voll erwischt. Den Rest gegeben haben mir seine Jubelszenen nach dem Klassenerhalt, als er nur noch in Shorts bekleidet das Spielfeld verließ. Bin ich froh, dass sein Transfer zu Atalanta Bergamo nicht geklappt hat? Natürlich, denn ich wünsche ihm einen Verein der Kategorie Mailand, Chelsea, City oder Madrid. Dass er den VfB jetzt nicht verlässt – obwohl er sich angeblich mit Atalanta einig war – freut mich natürlich. Schon in der Winterpause …

Auseinandergehen ist schwer …

… jeder beim VfB weiß das zu sehr. Auseinandergehn tut weh. Obwohl man zuletzt den Eindruck in der Causa Kalajdzic gewinnen konnte, dass der Trennungsschmerz von keiner Seite mehr ausging. Sven Mislintat war genervt, die Fans entsetzt und enttäuscht. Und Sasa Kalajdzic? Bei allem sympathischen Auftreten in der Vergangenheit, er ist zu sehr abgezockter Profi. Aber kann man ihm vorwerfen, dass er Falco nacheifert? “Der Mensch, der mir am nächsten ist, bin ich, ich bin ein Egoist“. Tja, so ist er nun mal, der Profifußball. In diesem Sommer ist Kalajdzic schon zu so gut wie jedem Verein gewechselt. Bei Bayern München hat er sich angeboten, mit Borussia Dortmund hat er geliebäugelt, es gab Gerüchte um die Mailänder Vereine und um fast alle englische Vereine. Zuletzt Leeds und Manchester United, wobei man ihm einen Wechsel zur größten Lachnummer Europas nicht wünschen sollte. Geworden sind es für um die 20 Millionen Euro die Wolverhampton Wanderers, letztes Jahr Tabellenzehnter der Premier League. Ich hätte ihm und dem VfB einen Club in einem oberem Regal gewünscht, er und vor …

Gemischte Gefühle, die wo man schwer beschreiben kann

Der 1. FC Köln wird immer mit uns verbunden sein. Wie Cottbus und Manchester United. Immer wenn ich Köln höre, erinnere ich mich an den Nachmittag des 14. Mai, als das gesamte Stadion beschlossen hatte, gemeinsam das entscheidende Tor zum Klassenerhalt zu schießen. Danke Wataru, für den Kopfball und die Tränen, ich träume heute noch davon. Vom Feeling her hatte ich gleich ein gutes Gefühl beim Spiel in Köln. Der VfB, Klasse eingestellt von Pellegrino Matarazzo, sofort im Spiel, will eventuelle Kraftverluste und Müdigkeit der Kölner vom Spiel unter der Woche in der Conference League ausnutzen, will überhaupt keine Euphorie aufkommen lassen bei den Domstädtern. Das gelingt hervorragend, aber es entwickelt sich dann fast dasselbe Spiel wie am 34. Spieltag der letzten Saison. VfB gegen Marvin Schwäbe. Scheiterten zuletzt Endo, Tiago Tomas, Dinos Mavropanos und Sasa Kalajdzic, ist es jetzt Silas. Silas gegen Schwäbe, mit dem besseren Ende für den Kölner Keeper. Zwei Mal läuft der Stuttgarter Stürmer alleine auf den Schlussmann zu, zwei Mal scheitert er an Schwäbe. Zwei hundertprozentige Torchancen, nach tollen Vertikalpässen …

Ich wäre so gerne Optimist

Der VfB hat 1:0 gegen Freiburg verloren und Sportdirektor Sven Mislintat ist zufrieden: “Wir haben ein extrem gutes Spiel gemacht. Je länger das Spiel dauerte, desto dominanter wurden wir.“ Denn der VfB verlor nicht wegen fehlender eigener Leistung, sondern wegen Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der einen glasklaren Elfmeter verweigert. Wegen Freiburgs Trainer Christian Streich, der den Schiri beeinflusste und wegen des Standings von Freiburg als Europapokalteilnehmer. An der Leistung des VfB lag es nicht. Das Tor in der 11.Minute fällt nach einer Flanke aus dem Halbfeld von Kiliann Sildillia, nicht weil der VfB fast schon traditionell vergesslich am zweiten Pfosten ist, sondern wegen der hohen individuellen Qualität von Vincenzo Grifo. War auch schwer, unbehelligt von Dinos Mavropanos und Josh Vagnoman den Ball aus zwei Metern über die Linie zu drücken. Gegentore verhindert der überragende Freiburger Mark Flekken, der nahezu unhaltbare Kopfbälle von Mavropanos und Sasa Kalajdzic aus der Ecke fischt und einen Schuss von Borna Sosa nach einem Konter abwehrt, der ungedeckte Vagnoman in der Mitte hätte den Ball sowieso nicht versenkt. Der VfB hat …

Zu früh gefreut

Ich stehe Werder Bremen schon immer wohlwollend gegenüber, Völler, Le Chef Micoud, Diego, Klose und mein Opa kam aus der Nähe, aus der Sarah Connor-Stadt Delmenhorst. Er auch ein Werder-Fan, aber gelassen, unaufgeregt, so wie heute der Trainer Ole Werner wirkt. Und mit Werder gab’s immer Spektakel und Drama. Muss ich hier nicht ausführen, kennt Ihr alles von 1984, über das Einwurfeigentor von Borna Sosa und Ron-Robert Zieler 2018 bis zum Trödeltor von Silas 2020. Vor dem Spiel dachte ich: Macht’s wie früher, das war viel geiler, mit vielen Toren, Spannung und so weiter. So wie früher, das war so krass. Am Ende hat’s halt nicht sollen sein, kann nicht immer die Sonne scheinen. Das Unentschieden ist kein Weltuntergang aber es sind genau diese Spiele die darüber entscheiden werden ob wir eine ruhigere Saison haben und früher ans Ziel kommen werden. Bremen will bis auf die Anfangsphase garnix, viele solche Teams kriegst nicht. Schade, weiter geht’s. #VfB — Kuranyi sei Oma (@KuranyiSeiOma) August 13, 2022 Ich wollte es Vintage, ich wollte es Retro, den Anfang …

Es ist schön, Dich zu sehen, Love, …

… hab Dich vermisst. Ich hab fast vergessen, wie ich mag, wie Du bist. Kenn’ Dich schon seit dem ich klein war, wir hingen immer zusammen. Über Dich lernte ich viele neue Leute kennen, wir lachen meistens, wenn wir uns sehn’. Am Sonntag können wir lachen und müssen leiden. Tolle Stimmung, leidenschaftliches Spiel, aber ein drückend überlegener Gegner. Nur in der ersten Halbzeit gibt es rund 25 Minuten, in denen der VfB sich vom Druck befreit und den Gegner in Schwierigkeiten bringt. In dieser Phase fällt der Ausgleich durch Naouirou Ahamada, nachdem Sasa Kalajdzic einen Ball an der Strafraumgrenze klatschen lässt. Sogar die Führung ist drin, nach einem dieser hammerharten Dino Mavropanos-Solos, wahrscheinlich hat der Grieche zu Hause ein Lucio-Plakat über dem Bett hängen. Oder wie die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Mavropanos erzielt Tore mit dem Kopf, mit rechts, mit links und nach grimmigen Sololäufen, er schießt diese Tore nicht, weil er es kann, sondern weil er es will“. Am Wille liegt es nicht, Mavropanos steht der Pfosten kurz vor dem Halbzeitpfiff im Weg. Was schon …