Autor: @abiszet

Bonne chance, Benschamäh!

In seinem letzten Heimspiel gegen Union ging Benjamin Pavard nach Spielende zögernd auf die Cannstatter Kurve zu. Jeder merkte: Da will sich einer verabschieden, da will einer Danke sagen für den Support und sich auch seinen Applaus abholen. Nur nach dem 2:2 im Relegationshinspiel war niemandem mehr nach Beifall zumute. Der Weltmeister hat den Absteiger nun durch die Hintertür verlassen. Auch wenn Pavard eine alles andere als gute Saison gespielt hat, wäre ihm (wie auch Christian Gentner übrigens) eine würdigerer Abschied zu wünschen gewesen. So gibts keine offizielle Verabschiedung, keinen Blumenstrauß im Mittelkreis und kein Best-of-Video. Schade, zumal Pavard mit den 35 Millionen der Rekord-Transfer in der Geschichte des VfB ist und genau diese Millionen dem VfB auch den nötigen finanziellen Spielraum nach dem Abstieg geben. Aber vielleicht wollte man in der Mercedesstraße nicht zurück schauen, sondern sich voll auf die neue Saison konzentrieren. Das Kapitel Pavard ist Vergangenheit und die möchte der VfB aus nachvollziehbaren Gründen hinter sich lassen. Natürlich hat Pavard auch seinen Anteil am Abstieg. Es gab Spiele, da konnten alle in …

Der schlaue Herr Reschke

Es ist eigentlich keine große Sache, dass “Rookie of the year” Ozan Kabak den VfB verlässt. Niedrige Ausstiegsklausel (15 Millionen), ambitionierter Spieler, große Karriere in Aussicht. So einer will nicht in der zweiten Liga spielen, verständlich. Dass seine Wahl auf den FC Schalke 04 fällt, überrascht dann doch etwas, nachdem ganz andere Hausnummern (Mailand, Bayern, England) im Raum standen. Womöglich haben nicht nur sportliche Gründe entschieden. Soll ja angeblich mal vorkommen im Profifußball. Dass es Schalke wird, schmerzt außerdem sehr. Schließlich ist dort der ehemalige VfB-Vorstand Michael Reschke nun tätig und angelt sich den Spieler, den er selbst im Winter zum VfB holte – obwohl der abstiegsbedrohte Club viel dringender einen Stürmer benötigt hätte. Besonders absurd ist, dass Reschke von seiner eigenen Unfähigkeit profitiert. Erst führt seine völlig misslungene Kaderplanung zum Abstieg des VfB und dann angelt er sich aus seinem Trümmerhaufen für derzeitige Marktverhältnisse äußerst günstig den einzigen wirklichen Volltreffer, den er nach Marc-Oliver Kempf in Stuttgart gelandet hat. Reschkes Kabak-Coup: Von langer Hand geplant!😉 pic.twitter.com/4GcmY45j1s — FussballTransfers (@FT_Redaktion) 27. Juni 2019 Das ist …

Die neuen Trikots: eine Stilkritik

Man kann sich über vieles aufregen, das ist schon klar: Zu viele Burger-Läden in der Stadt, zu warmes Bier, zu viele parkende G-Klasse auf dem Gehweg. Aber das neue VfB-Trikot ist traditionell ein Aufreger. Nicht, weil es nur ein (überteuertes) Stück Stoff ist, sondern weil es so etwas wie das Gesicht des Vereins ist, das die Supporter mit Stolz tragen wollen – und das mindestens eine Saison lang. Mit dem Fahrrad zukünftig ins Stadion! 😉 #VfB pic.twitter.com/Fv3dQ3xUIg — RoterBrustring (@Roter_Brustring) June 19, 2019 Albern und hässlich wie Gladbachs neues Trikot, das eine Art grüne Desigual-Kotze ziert, ist keines der beiden Heimtrikots geworden. Beide Heimtrikots? Ja, genau, denn das Motto der Saison heißt „Immer Heimspiel“. Ich dachte, das bezieht sich auf den Support, der so gut ist, dass sich auch ein Auswärtsspiel für die Spieler wie ein Heimspiel anfühlt. Aber im roten (Auswärts-)Trikot sollen sich Designelemente des Neckarstadions befinden, so dass die Spieler auswärts das eigene Stadion am Mann tragen. Schönes Konzept. Aber, ob die Spieler das auch wissen? Nun ja, mich erinnert das Trikot ohnehin …

No country for old men

Wir haben da so eine Vermutung: Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat hatten während der letzten Saison unseren Vertikalplatz mit einem Richtmikrofon im Visier. Denn direkt hinter uns schimpfte während der kompletten Spielzeit ein Fan auf einzelne Spieler. Immer lautstark und leidenschaftlich und oft noch unter dem spielerischen Niveau der Begegnungen. Bevorzugte Ziele seiner Tiraden: Andreas Beck („Kauf Dir ein Fahrrad!“), Christian Gentner (“Du Blinder!”), Dennis Aogo (“Du kansch nix!”) und Alexander Esswein (“Du kannsch gar nix, Essi!”). Alle vier wird er in der nächsten Saison nicht mehr sehen. Andreas Beck ist der dritte Spieler, mit dem der Vertrag nicht verlängert wird. Thomas Hitzlsperger macht den Anti-Reschke: Verkündete der ehemalige Sportvorstand gleich nach dem 34. Spieltag der Saison 17/18 gleich fünf Neuzugänge in seiner legendären Pressekonferenz, so ist sein Nachfolger bemüht, einen Kader zu bauen, der möglichst schnell wieder aufsteigen soll. Dass weder Gentner, Aogo noch Beck dabei eine Rolle spielen sollen, verwundert. Zumindest bei einem der drei Routiniers hatte man insgeheim eine Vertragsverlängerung vermutet. Der Favorit: Andreas Beck. Bei Andreas Beck wusste man, was man …

Time to (Ao)go

Sorry, dass ich mich hier oute und es ist ein bisschen peinlich: Aber ich mag Ina Aogo. Sie ist die Queen aller Spielerfrauen, sie erfüllt einfach jedes Klischee. Mit ihrem Styling, mit ihrem Podcast und wenn sie völlig überzogen, gekünstelt und scheinbar hot für ihre Instagram-Bilder posiert. Sie entlarvt sich ständig selbst, ohne es zu merken. Sie ist das Sinnbild der ganzen Entrücktheit des Fußballs und der völligen Überschätzung der eigenen Person. Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich ihre Bilder im Bikini mag. Und unser Autor für Boulevard-Themen hat erst kürzlich gesagt: „Aktuell geht nix über Ina, sie killed alles“ Nächstes Outing: Ich mag auch Dennis Aogo. Es ist seine ruhige, reflektierte Art, seine klugen Statements zum Thema „Druck im Fußball“, sein soziales Engagement. Unter anderem spendet er ein Prozent seines Gehalts bei „Common Goal“. So offensiv und mutig sich Aogo kleidet, so hätte ich ihn gerne auch einmal auf dem Platz gesehen. Denn er hat eigentlich alles, was man im Fußball braucht: Technik, Spielverständnis, Athletik, eine gewisse Geschwindigkeit und ein Gespür für Räume. …

Das Ende von LeGente …

373 Pflichtspiele für den VfB, Meister 2007, Zweitligameister 2017, zwei Abstiege, unzählige Abstiegskämpfe: Manche sprechen bei Christian Gentner von einer Vereins-Ikone. Eine Ikone ist laut Definition ein Kult- oder Heiligenbild und beides trifft auf den langjährigen Kapitän eher nicht zu. Er ist weder Kultspieler und alles andere als ein Heiliger, viele sehen in ihm sogar das Gesicht des Stuttgarter Niedergangs. Seit er 2013 Kapitän wurde, ging es sportlich bergab. Es nur an ihm fest zu machen, ist allerdings unfair, unsachlich und wird ihm nicht gerecht. Gentner hat beim VfB Spuren hinterlassen. Er war eine Identifikationsfigur, einer, der sich mit dem VfB identifizierte und mit dem sich viele Fans identifizieren konnten. Aber auch einer, der Politik nach innen machte und der stets kritisch gesehen wurde, wenn es sportlich einmal nicht so lief. Kurz: Christian Gentners Rolle beim VfB war ambivalent. Er war einer, der stets seine Knochen (und sein Gesicht!) hingehalten hat. Er hat auch gespielt, als kurz zuvor sein Vater verstorben ist. Er war auf dem Feld stets ein Mannschaftspieler und alles andere als ein …

Der Märchen-Präsident

Baron Hieronymus Wolfgang Freiherr von Dietrich ist ein deutscher Sport-Funktionär und Finanzinvestor. Im Moment ist er noch Präsident des VfB Stuttgart e.V., Aufsichtsratsvorsitzender der VfB 1893 AG und war beteiligt an verschiedenen Unternehmen (u.a. der Quattrex Finance GmbH), die sich in der Finanzierung von Profi-Fußball-Clubs engagieren. Freiherr von Dietrich ist ein spannender Geschichtenerzähler, der gerne Freunde, Untergebene und Medien mit gebeugten Wahrheiten und sehr selbstbezogenen Einschätzungen unterhält, das Ganze an einer opulenten Tafel sitzend, die gedeckt ist mit Ausreden, Phrasen und Märchen. So hören sich seine Ausführungen zu seinen Finanzbeteiligungen ganz harmlos an und die schlechteste Saison seines Vereins trotz der höchsten Investitionen ist für ihn nur eine kleine sportliche Delle. In Wirklichkeit hat er den VfB auf einer Kanonenkugel reitend in die zweite Liga katapultiert. Aber das macht Dietrich nichts, denn seine größte Stärke ist, dass er unbeirr- und unbelehrbar ist und seine tollkühnen Geschichten selbst glaubt. Dietrich interpretiert das „Ehrenamt“ des VfB-Präsidenten auf seine ganz eigene Art. Das Amt ist ihm wichtig, es mit Ehre auszufüllen dagegen anscheinend weniger. Manche seiner Zuhörer bekommen …

Beim zweiten Mal tut’s nicht mehr so weh

Die Mannschaft hat uns bis zum Schluss gequält. Denn sie gab uns irgendwie noch Hoffnung, dass der zweite Abstieg in drei Jahren doch noch verhindert werden könnte. Eine Einzel- oder Willensleistung in der 85. Minute, ein Zufallstor in der Nachspielspielzeit? Nein, das zweite Relegationsspiel war ein Abbild der gesamten Saison: Die Mannschaft kann es nicht und man hat den Eindruck, als ob sie nur so tut, als würde sie sich einsetzen, kämpfen und alles versuchen. Nach 2:2 und 0:0 in den Relegationsspielen gegen Union Berlin steht am Ende ein absolut verdienter Bundesligaabstieg. Wer so eine verheerende Saison spielt mit drei Trainern, lediglich 28 Punkten und nur 32 Tore erzielt, der muss einfach runter. Auch wenn der VfB noch die Chance erhielt, in zwei Spielen alles zu retten: Es ist ein Abstieg, auf den wir uns einstellen konnten und der seit Wochen absehbar war. Spielerisch unter aller Sau, defensiv vielfach lächerlich und von der Mentalität durfte man beim VfB noch nie viel erwarten. im august gegen eine hasentruppe null plan und raus im pokal. fast ein …

It ain’t over til it’s over

Ich wartete nach dem Spiel neben einem Getränkestand. Ich muss wohl einen recht erbämlichen Eindruck gemacht haben. Jedenfalls kam ein Fan im langärmeligen, roten Canon-Shirt (wo gibts denn die?) auf mich zu und sagte: „Hätte auch schlimmer werden können ohne die überragenden Paraden Zielers“. Einer mit 3 Würsten in der einen Hand, klopfte mir mit der anderen auf die Schulter, dass ich mir ein wenig Sorgen machte, dass er mir Senfflecken auf mein Frottesana-Trikot macht, er sagte: „Die packen das in Berlin … vielleicht“. Ich weiss nicht, was mein Gesicht gemacht hat, ich sehe es ja so selten, aber nach dem Spiel fragte ich durchaus gefasst: „Hat jemand etwas anderes erwartet?“ Das erste Relegationsspiel spiegelt die jeweilige Saison der beiden Mannschaften wieder: Der VfB zaghaft, unsicher und fehlerhaft. Union cool, abgezockt und mit besserer Spielanlage. Die Berliner spielten, ja man muss es so sagen, wie ein Bundesligist. Und der VfB wie ein Abstiegskandidat, der nicht so recht an sich selbst glaubt. Ich habe 55000 Signalspieler gesehen. Hat jemand die 11 Signalspieler auf dem Platz gesehen? …

Das erste Mal Relegation? Von wegen!

Das letzte und zugleich einzige Relegationsspiel, das ich live im Stadion verfolgt habe, war 1991 das Rückspiel der Stuttgarter Kickers gegen den FC St. Pauli. Ein herrlicher Sonntagnachmittag, mein Kumpel Thomas und ich hatten Langeweile und sind in erster Linie als Schaulustige ins Stadion gegangen. Nein, nicht auf die Waldau, sondern ins Neckarstadion. Denn dort wurde das zweite Spiel ausgetragen, “hochverlegt” würde man heute vermutlich sagen. Durchaus sympathisierend wollten wir mal schauen, wie sich die „kleinen Blauen“ schlagen. Dazu ein paar Bier und ‘ne Rote – sounds like a plan. Das Stadion war einigermaßen gut gefüllt, zwischen 32.000 und 40.000 Zuschauer sollen es gewesen sein, und wir saßen, vielmehr standen, in der ersten Reihe der Gegengerade, und rüttelten immer am Zaun, wenn die Kickers eine Chance hatten. Wir hatten einiges zu tun, denn Torchancen gab es viele, die Kickers legten ein mitreissendes Spiel hin und nahmen die Zuschauer mit, so wie es der VfB gegen Union Berlin gelingen sollte. Die Spieler, die Trikots, die Frisuren und der junge Johannes B. Kerner. Man beachte auch die …