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Steiger vs. Vogt in der Schwemme

Es war das Wort des Abends. „Nochmal“. Pierre-Enric Steiger verwendete es in jedem zweiten Wortbeitrag, sichtlich genervt davon, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern seine Konzepte erneut zu erläutern. Und sicher auch von sich selbst genervt, weil ihm das mit zunehmender Veranstaltungsdauer nicht gelang. Das VfB-Fanprojekt hatte in den Gourmet-Tempel „Schwemme“ in Bad Cannstatt geladen, dort gab es ein sogenanntes „Duell“ zwischen Amtsinhaber Claus Vogt und Herausforderer Steiger. Überdies stellten sich die Präsidiumskandidaten Rainer Adrion, Hubert Deutsch, Christian Riethmüller und Markus Scheurer vor. Die Moderatoren des Abends, Autor Bernd Sautter und Vertikalpass-Blogger und STR-Podcaster Sebastian, hatten den Abend thematisch eingeteilt in die vier Blöcke „Stimmung“, Datenskandal“, “Gesellschaft“ und „Wahlprogramm“. Nach Steigers angriffslustigen Interview in der Stuttgarter Zeitung hatten nicht wenige einen harten Schlagabtausch zwischen Vogt und seinem Herausforderer erwartet. Ein bisschen in den Infight gingen die Kontrahenten jedoch erst in der zweiten Hälfte des Abends. „Ich weiß nicht, was Sie in Mathe hatten, bei mir war es gut bis sehr gut“, kommentierte Vogt die Ideen seines Widersachers zur Neubesetzung des Aufsichtsrats. „Sich flapsig als “Mindestlohn-Präsident“ zu bezeichnen, …

Die Wahlphase ist tot. Lang lebe der Wahlkampf!

Am 11. November 2019 fand in der Soccer Lounge im Neckarstadion eine Auflage der “Dunkelroten Tische” statt. Damals stellten sich die beiden Präsidentschaftskandidaten Christian Riethmüller und Claus Vogt den 300 anwesenden Mitgliedern vor. Fast forward zum 24. Juni 2021: Vogt wurde am 15.12.2019 zum VfB-Präsidenten gewählt, hat die zweite Liga, die Geisterspiel-Saison und den Datenskandal inkl. Machtkampf überstanden und wirbt vor 100 getesteten, geimpften oder genesenen Zuschauern für das Vertrauen für eine weitere, diesmal vollständige Amtszeit. Sein “Widersacher” von 2019, der längst keiner mehr ist, steht auch auf der Bühne – quasi als Vorprogramm: Christian Riethmüller kandidiert im direkten Duell gegen Hubert Deutsch um einen Platz im verwaisten Präsidium. Das gleiche gilt für Rainer Adrion, der gegen Markus Scheurer, Vorstandsmitglied des Freundeskreises, antritt. Die Stimmung in der Soccer-Lounge bestätigt das Bauchgefühl: Auf Deutsch und Scheurer würden nur beinharte Glücksritter wetten. Weitaus interessanter ist da das präsidiale Duell zwischen Amtsinhaber Vogt und Herausforderer Steiger. Denn schnell wird deutlich, dass die ausgerufene Wahlphase mittlerweile ein Wahlkampf ist – endlich! Wo bleibt denn auch der Spaß, wenn beide …

Zu geil für diese Welt?

Eins hat Pierre-Enric Steiger seinem Mitbewerber Claus Vogt, dem Ex-Kandidaten Christian Riethmüller, dem abgelehnten Bewerber Volker Zeh und vielen Ex-Präsidenten voraus: Er hat ein Konzept. Schriftlich fixiert auf 18 Seiten, juristisch geprüft und abgesegnet und für jedermann nachlesbar veröffentlicht. Das ist weit mehr als ein schnell herunter gerotztes 11-Punkte-Programm und konkreter als wolkige Absichtserklärungen, die flüchtig in Interviews und Podcasts geäußert werden. Hier ist das Strategiepapier nachzulesen, damit sich alle ein Bild davon machen können. Steigers Kernpunkte: Er will die Mitgliederinteressen und das Mitbestimmungsrecht stärken. Das hört sich erst einmal gut und ein bisschen populistisch an. Sein Konzept erfüllt dies nicht unbedingt, im Gegenteil. Auch die Stärkung des Vereins im AG-Aufsichtsrat wirkt für mich wie eine Luftnummer. Oder verstehe ich es nur nicht? Das sagte Steiger bei Danny Galm und Simeon Kramer in deren Podcast des ZVW. Die Fans würden sein geiles Konzept nicht verstehen, er fühlt sich unverstanden, von Teilen der Fans und Mitglieder vorverurteilt, es scheint, als meine er, er sei zu geil für diese (VfB-)Welt. Dein Konzept ist Deine Party, die Dir …

11Freunde live: Ticketverlosung!

Die Inzidenzen sinken, die Stadien füllen sich – zumindest bei der EM. Aktuell sieht es fast so aus, als könne dieser Sommer doch noch ein guter werden. Der VfB startet bereits am 2. Juli in die Saisonvorbereitung und ebenso groß wie die Sorge, dass neben Gregor Kobel noch weitere Leistungs- und Sympathieträger nicht aus dem Sommerurlaub zurückkehren, ist die Vorfreude, endlich wieder ins Stadion zu dürfen. Und das nicht erst am 18. Juli, wenn bei einer vermutlich episch langen Mitgliederversammlung zum ersten Mal seit dem 3. Oktober 2020 wieder Fans im Neckarstadion sein werden. Denn schon am 10. Juli testet der VfB gegen den Schweizer Erstligisten FC St. Gallen, am 15. Juli spielt man gegen Darmstadt 98. Beide Begegnungen werden im Robert-Schlienz-Stadion ausgetragen – hoffentlich vor Fans. Damit ihr nach monatelanger Einsamkeit keinen Schock bekommt, wenn ihr wieder unter Menschen seid, haben wir etwas für euch. Quasi ein Schonprogramm, um langsam wieder reinzukommen. Wie wäre es mit einer fußballlastigen Open Air Veranstaltung in Sichtweite des Neckarstadions? Achja: Die Tickets könnt ihr auch noch gewinnen! Worum …

Gregor Kobel: Der Shouter

Das einzig Gute an den Geisterspielen ist: Wir können jeden Spieltag dabei zuhören, wie Gregor Kobel Impulsvorträge zum Thema „Motivation“ im Strafraum hält. Er lobt, er muntert auf, er feuert seine Kollegen an. Nebenher hält er auch noch den einen oder anderen Ball. Aber nicht nur mit seinem lauten Organ und seinen Motivationssprüchen, sondern durch seine fast schon beängstigende Präsenz gibt er dem Team Sicherheit und Orientierung. Mir übrigens auch. Bei vielen Keepern in der Vergangenheit hatte ich Angst, wenn eine Flanke in den Strafraum fliegt. Bei Kobel mache ich mir ein Bier auf. Der Schweizer ist das Alpha-Männchen im Tor des VfB, ohne dabei so lächerlich zu wirken wie einst Oliver Kahn. Nach dem Spiel gegen Schalke 04 schrieben wir: “Dann in der 82. Minute eine Parade wie ein Kunstwerk. Der eingewechselte Allessandro Schöpf mit einem fein gezirkelten Fernschuss: Kobel fliegt, er steht in der Luft, aus seiner Körperspannung lässt sich der Strom für ein Einfamilienhaus speisen, mit der rechten Hand lenkt er den Ball ans Lattenkreuz.“ Timo Hildebrand hatte zu Beginn seiner Karriere …

Silas: Der Spektakelspieler

In der Zweitligasaison konnte einem Silas manchmal auf die Nerven gehen: Zu unkonzentriert beim ersten Kontakt, zu ausufernd seine Dribblings, zu hektisch und unberechenbar sein Spiel für Kollegen und Zuschauer. In der ersten Bundesliga wurde Silas dann zum nächsten heißen Scheiß. 16 Scorerpunkte verbuchte er in 25 Spielen. Es schien keine Grenzen zu geben für ihn – bis ihm beim Spiel gegen Bayern München das Kreuzband riss. Silas hatte sich von Kinshasa über Paris in Stuttgart in die Notizbücher der Scouts großer Vereine in den großen Ligen gespielt. Dort steht er noch, sicher recht weit oben, aber die Verletzung hat seine phänomenale Entwicklung erst einmal gestoppt. Auch wenn es abgedroschen klingt, wenn einer jung und wild ist, dann Silas. Ein echter Draufgänger, er dribbelt auch dann, wenn ein Abspiel angebracht wäre. Vor einem Jahr hat er das noch übertrieben und verzettelte sich in Einzelaktionen. Aber es zeichnet ihn immer noch aus, dass er das Unerwartete macht und so plötzlich Situationen kreiert, die zu Torgefahr führen. Er ist der Prototyp eines Straßenfußballers, er kam erst mit …

Der VfB Stuttgart gibt nicht auf

Wir kennen das vom VfB aus der Vergangenheit: Gut mitspielen, ohne wirklich gefährlich zu sein. Defensiv weitgehend stabil stehen, ohne große Chancen zuzulassen. Um dann doch noch ein Tor zu bekommen. Ein blödes dazu. Das Spiel ist zu, der VfB kommt nicht zurück, ist zwar bemüht, aber frisst dann noch ein zweites und gar drittes Tor. Nicht so in dieser Saison. Die Mannschaft gibt nicht auf. Auch in der B- oder C-Besetzung nicht. Wir dürfen nicht vergessen: Der VfB hat mit vielen verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen und befindet sich im Niemandsland der Tabelle, eine Steilvorlage für einen Spannungsabfall für eine VfB-Mannschaft der letzten Jahr(zehnte)e. Trainer Pellegrino Matarazzo wechselt dann die Wende ein. Gonzalo Castro kommt für Erik Thommy und die Offensivaktionen werden durch den Kapitän zielstrebiger, strukturierter und gefährlicher. Die Hektik ist raus, die Ungenauigkeiten passé, Castro strahlt sofort Ruhe mit seiner Passsicherheit aus. Der Ausgleich ist eine überragende Einzelaktion von Wataru Endo, der der Spieler der Saison beim VfB ist. Er ist der Stabilisator im defensiven Mittelfeld, die Ruhe selbst, selbst wenn er in …

VertikalGIF #BMGVfB: You have a grandios Saison gespielt!

Im siebzehnten Auswärtsspiel der Saison der siebte Sieg. Spiel gedreht, Marco Rose den Abschied versaut. Und das alles in einem Spiel, in dem es für den VfB Stuttgart um nichts mehr ging. Mehr muss man über den VfB der Saison 20/21 eigentlich nicht wissen. Dabei waren die VfB-Fans schon vor Anpfiff absolut glücklich. Während Fans aus Köln, Bremen, Bielefeld , Mainz und Berlin um ihre Teams bangen mussten, gingen die Stuttgarter Anhänger tiefenentspannt in den 33. Spieltag.   Und hätte man neben der Partie in Mönchengladbach nicht auch noch die Konferenz geschaut, hätte man vermutlich Probleme gehabt, wach zu bleiben. Das Spiel war ehrlich gesagt nicht besonders spannend.   Ein “Highlight” gab es dann aber doch noch vor der Halbzeitpause. Leider muss man aus Stuttgarter Sicht sagen, denn der ewige Lars Stindl bestrafte die Schlafmützigkeit in der Stuttgarter Defensive mit dem Führungstreffer.   Erwähnenswert war in den ersten 45 Minuten nur noch das verletzungsbedingte Aus von Dinos Mavropanos, für den Pascal Stenzel kam. Und wie viele Defensivspieler saßen danach noch auf der Stuttgarter Bank?   …

Der Stimmungsmacher

Seit 2014 hat er alles mitgemacht und mitverantwortet: zwei Abstiege, zwei Aufstiege, die Ausgliederung, den Datenskandal, elf Trainer, fünf Sportvorstände. Seit der Ausgliederung 2017 ist er Mitglied der schnellen Eingreiftruppe namens „Präsidialausschuss“, bestehend aus Präsident, einem Altgedienten mit Sportkompetenz (zuletzt Hermann Ohlicher, aktuell Rainer Adrion) und eben Mister Wilfried Porth himself. Wilfried Porth ist der Vertreter des Anteilseigners Daimler im VfB AG-Aufsichtsrat, er schaut nach dem Rechten und soll dafür sorgen, dass nichts dem Erfolg im Wege steht, schließlich soll die Marke Mercedes nicht beschädigt werden, sondern im besten Fall vom Engagement beim VfB profitieren. Ob ihm das mit seinem Verhalten und seiner Politik bisher gelungen ist? Ein unanständiger Wolfgang Dietrich als Präsident, zwei Abstiege, die Mitgliederverarsche und die Schlammschlacht Anfang des Jahres zwischen Verein und AG: Genau das sollte wohl der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollorgans Aufsichtsrat eher verhindern, oder? Wilfried Porth ist der Förderer und Einflüsterer von Thomas Hitzlsperger. Oder um 11Freunde zu zitieren: „… (Porth) war die trei­bende Kraft hinter dem Anteils­ver­kauf an die Daimler AG und war auch maß­geb­lich daran betei­ligt, Thomas …

VertikalGIF #VfBWOB: Schlagerparade mit Heavy Rotation

Beim VfB Stuttgart geht’s aktuell rund. Keine Sorge, es geht (noch) nicht um Vereinspolitik, sondern um die Heavy Rotation, die Pellegrino Matarazzo seinem Team verordnet hat. Gleich fünf neue Spieler kamen im Vergleich zur Niederlage gegen Union Berlin in die Startelf. Besonders spannend war die Situation in der Innenverteidigung. Marc-Oliver Kempf kehrte zwar zurück, aber dafür fehlten der gesperrte Dinos Mavropanos und Marcin Kaminski, der Aufgrund eines Corona-Falls im Kindergarten seines Nachwuchs in Quarantäne musste. Eine Veränderung gab es auch auf der Bank: Pellegrino Matarazzo trug Brille! Das war in Pressekonferenzen und Interviews zwar schon häufiger der Fall gewesen, aber an der Seitenlinie hatte man ihn so noch nie gesehen. Vermutlich ein genialer Kniff, um bei den vielen Umstellungen den Überblick zu behalten! Apropos Überblick: Den hatte auch Philipp Förster – zumindest in der 9. Minute. Denn da spielte er den freistehenden Kalajdzic an, doch dessen Abschluss war ungewohnt kraftlos. Nur vier Minuten später klingelte es auf der anderen Seite. Weil Kempf eine ungefährliche Flanke von der linken Seite völlig unbedrängt in die Mitte klärte …