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VertikalGIF #BFCVfB: Ganz großes Tennis!

Da sind wir wieder: Das erste Pflichtspiel der Saison stand an. Völlig überraschend ging es in der ersten Pokalrunde nicht nach Rostock, aber immerhn zum fünften Mal in Folge in den Osten der Republik. Und wir erinnern uns: Die letzten drei Erstrundenpartien im Ostseestadion wurden entweder nur knapp gewonnen und einmal sogar verloren, gegen Cottbus musste der VfB ins Elfmeterschießen. Man durfte also gespannt sein, wie sich der VfB im Sportforum Hohenschönhausen gegen Dynamo Berlin schlagen würde. Spannend war natürlich auch die Frage, mit welcher Formation Pellegrino Matarazzo antreten würde. Insbesondere auch deshalb, weil immer noch viele Spieler fehlen: Corona, Verletzungen, Olympia, dies das. Erkenntnis Nr 1: Fabian Bredlow bleibt der Copa-Keeper und darf sich über Einsätze im Pokal freuen. Florian Müller werden wir dann sicher gegen Fürth sehen, obwohl sein Stellvertreter im Pokal ein sehr gute Figur machte. Erkenntnis Nummer 2: In Abwesenheit von Sasa Kalajdzic heißt der Stürmer Nummer Eins Hamadi Al Ghaddioui. Kein Wunder, dass sich Matarazzo für ihn entschied, denn schließlich war es gewesen, der vor zwei Jahren dafür sorgte, dass …

Die neue Lässigkeit?

Es sieht nicht gut aus zum Saisonstart für den VfB Stuttgart. Sasa Kalajdzic ist zunächst corona-bedingt raus und hat bei seinem Wiedereinstieg gerade mal eine einwöchige Vorbereitung in den Beinen. Neu-Kapitän Wataru Endo stößt nach dem strapaziösen olympischen Turnier erst kurz vor dem ersten Spieltag zur Mannschaft, der neue Keeper Florian Müller kam zwar ein paar Tage früher aus Tokio zurück, konnte sich aber mit seiner Abwehr noch nicht wirklich einspielen. Orel Mangala ist ebenso verletzt wie Neuzugang Chris Führich und natürlich Silas, der vor November nicht zurückerwartet wird. Dazu gibt es zwei weitere Corona-Fälle (Tanguy Coulibaly und Nikolas Nartey) beim VfB, Trainer Pellegrino Matarazzo muss zum Saisonstart also stark improvisieren. Und muss vielleicht sogar Jungspund Jordan Meyer und Altrocker Hamadi Al Ghaddoui gleichzeitig reinwerfen. Bei beiden spielt die Hoffnung mit, dass sie sofort performen. Auf anderen Schultern, wie beispielsweise denen von Roberto Massimo, Teto Klimowicz, Philipp Förster, Atakan Karazor und Borna Sosa liegt deutlich mehr Verantwortung als noch in der vergangenen Saison. Kein Wunder, schließlich muss man im Kollektiv auch noch den Abgang von …

Zocker mit Vision

Wataru Endo kann alles: Zweikämpfe, Kopfbälle, Vertikalpässe, Tore.  Vielleicht ist er sogar dafür verantwortlich, dass der VfB aktuell dort steht, wo er ist. Rückblende in den Mai 2020: Für den VfB Stuttgart lief es im Aufstiegsrennen eher schlecht als recht. Trotzdem wurde der Vertrag mit Pellegrino Matarazzo vorzeitig verlängert. Sportvorstand Thomas Hitzlsperger damals: “Mit der seit mehreren Wochen geplanten Vertragsverlängerung möchten wir deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir Kontinuität leben wollen. Nach der bisherigen Zusammenarbeit mit Pellegrino Matarazzo sind wir der festen Überzeugung, dass er alle fachlichen und persönlichen Fähigkeiten in sich trägt, die eine lange Zusammenarbeit möglich machen.” Nicht wenige von frühzeitigen Vertragsverlängerungen traumatisierte VfB-Fans hielten diesen Move für unnötige Symbolpolitik und sahen sich nur einen Tag später bestätigt, als der VfB im vorentscheidenden Spiel gegen den HSV zur Halbzeit mit 0:2 zurücklag. Das Projekt “Mislintatarazzo-VfB” schien gescheitert. Aber wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Endo her. So auch in diesem Spiel, als der Japaner gleich nach der Pause den Anschluss-Treffer erzielte – sein einziges Tor in dieser Saison. …

VertikalGIF #VfBFCSG: Ali G. regelt

Irgendwie wäre es schön, wenn man St. Gallen als Bielefeld der Schweiz bezeichnen könnte, um den Bogen zum letzten “echten” Heimspiel zu spannen. Aber die Stadt unweit des südlichen Bodenseeufers hat gerade mal 75.000 Einwohner. Andererseits hat die Schweiz auch nur halb so viele Einwohner wie Nordrhein-Westfalen. Ach, worum es eigentlich geht: Erstmals seit Ende März spielte der VfB Stuttgart mal wieder vor vollem Haus!   Sind wir ehrlich: Das Spiel war den meisten erstmal egal. Viel wichtiger war es, zum ersten Mal seit ewigen Zeiten wieder gemeinsam den VfB kicken zu sehen. Bei bestem Sommerwetter im Robert-Schlienz-Stadion, mit einem Hofbräu in der Hand – und mit Menschen, die man schon ewig schon nicht mehr gesehen hatte.   Aber kommen wir zum Sportlichen: Die Abwehrreihe des VfB bestand aus Mavropanos, Anton, Ito und Mola. Im Mittelfeld tummelten sich u.a. Förster, Ahamada und Beyaz, ganz vorne wirbelte Mo Sankoh. Das Potenzial stets erkennbar, war der Ertrag meist überschaubar. Und das Team von Pellegrino Matarazzo hatte auch noch Glück, dass der Schiedsrichter kurz vor der Halbzeitpause auf …

Steiger vs. Vogt in der Schwemme

Es war das Wort des Abends. „Nochmal“. Pierre-Enric Steiger verwendete es in jedem zweiten Wortbeitrag, sichtlich genervt davon, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern seine Konzepte erneut zu erläutern. Und sicher auch von sich selbst genervt, weil ihm das mit zunehmender Veranstaltungsdauer nicht gelang. Das VfB-Fanprojekt hatte in den Gourmet-Tempel „Schwemme“ in Bad Cannstatt geladen, dort gab es ein sogenanntes „Duell“ zwischen Amtsinhaber Claus Vogt und Herausforderer Steiger. Überdies stellten sich die Präsidiumskandidaten Rainer Adrion, Hubert Deutsch, Christian Riethmüller und Markus Scheurer vor. Die Moderatoren des Abends, Autor Bernd Sautter und Vertikalpass-Blogger und STR-Podcaster Sebastian, hatten den Abend thematisch eingeteilt in die vier Blöcke „Stimmung“, Datenskandal“, “Gesellschaft“ und „Wahlprogramm“. Nach Steigers angriffslustigen Interview in der Stuttgarter Zeitung hatten nicht wenige einen harten Schlagabtausch zwischen Vogt und seinem Herausforderer erwartet. Ein bisschen in den Infight gingen die Kontrahenten jedoch erst in der zweiten Hälfte des Abends. „Ich weiß nicht, was Sie in Mathe hatten, bei mir war es gut bis sehr gut“, kommentierte Vogt die Ideen seines Widersachers zur Neubesetzung des Aufsichtsrats. „Sich flapsig als “Mindestlohn-Präsident“ zu bezeichnen, …

Silas bleibt Silas

Silas hatte den Traum vor Augen, in Europa Profi-Fußballer zu werden. Wollte aus seinem prekären Umfeld fliehen. Wollte als Profifußballer in Europa für seine Familie sorgen können. Eine einmalige Chance. Um seinen Traum wahr werden zu lassen, hat er seinem Berater vertraut. Sich sogar abhängig gemacht von ihm. So weit, dass er bereit war, seine Identität zu ändern, um die Chance seines Lebens nicht verstreichen zu lassen. Ein Fehler. Vermutlich sogar eine Straftat. In Anbetracht seines jungen Alters und seiner mangelnden Lebenserfahrung jedoch nachvollziehbar, zumal er von seinem Berater offenbar unter Druck gesetzt wurde. Silas hatte zeitweise keinen Zugriff auf seinen Reisepass und sein Bankkonto, war komplett abhängig von seinem damaligen Berater. Vermutlich kein Einzelfall, sondern die Regel. Das Transferbusiness im Fußball ist skrupellos. Junge Spieler werden oft nicht als Menschen betrachtet, sondern als Kapitalanlage. Sven Mislintat sagte dazu in einer Presserunde: “Er wurde unter falschen Versprechungen nach Frankreich gelockt und dort wurde ihm gesagt, dass es nur weitergehen könne, wenn er seinen Namen ändere und dann entsprechende Dokumente bekommen würde. Silas lebte im Haus …

Sven Mislintat: Der Zocker mit dem Diamantenauge

Ob Sven Mislintat von Wolfgang Dietrich oder doch von Thomas Hitzlsperger zum VfB Stuttgart geholt, wurde, variiert je nach nach Erzählung und Erzähler. Nach zwei Spielzeiten kann man festhalten: Hauptsache, er ist da! In Bad Cannstatt wurde viel zu lange nach Gutsherren-Art gehandelt: Schnell wechselnde Sportdirektoren holten Spieler, mit denen die noch schneller wechselnden Trainer viel zu oft nichts anfangen konnten. Entwicklung? Nachhaltigkeit? Keine Chance. Das änderte sich mit Sven Mislintat. Vom Sportvorstand Hitzlsperger mit allen Freiheiten ausgestattet, hat er es sich zum Projekt gemacht, den neuen VfB zu bauen. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass der nice Dude nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschreckt. Für Andreas Beck, Dennis Aogo, Christian Gentner und Holger Badstuber war kein Platz auf Mislintats Baustelle. Für Tim Walter auch nicht. Riskante Entscheidungen, die belohnt wurden. Sven Mislintat ist ein Zocker: Er wettete darauf, dass der unbekannte Matarazzo der richtige Coach sei, um das junge Team in der zweiten Liga weiterzuentwickeln und gleichzeitig aufzusteigen. Er gewann diese Wette denkbar knapp. Man denke da nur an seinen Auftritt bei SWR Sport nach …

Philipp Förster: Der Spalter mit dem Schnauzer

Was spaltet die VfB-Fans am meisten? Wolfgang Dietrich? Hitz vs. Vogt? Linsen vs. Spätzle? Nein, es ist natürlich Philipp Förster! Die einen halten ihn nach wie vor für nicht bundesligatauglich, die anderen feiern seine Laufstärke, sein Pressingverhalten und den vorletzten Pass vor dem Torabschluss. Klar ist: Philipp Förster hat sich im Windschatten von Überfliegern wie Silas, Sosa und Sasa heimlich, still und leise von einem unauffälligen Zweitliga-Kicker zu einem Spieler entwickelt, der zweifelsohne Bundesliga-Startelf-Potenzial hat. 24 Spiele, 3 Tore und 200 Laufkilometer stehen für den Mann zubuche, der schon früh vom KSC in die Stuttgarter Jugend flüchtete wechselte und über die Stationen Waldhof Mannheim, Nürnberg und Sandhausen wieder dort gelandet ist, wo er schon von 2010 bis 2014 für die U17 und U19 spielte. Förster ist kein Mittelfeldstratege wie Endo und Mangala, kein Spektakelspieler wie Silas, kein Vollstrecker wie Sasa Kalajdzic. Philipp Förster ist genau der Spieler, der in Matarazzos Ensemble noch fehlt: Ein fleißiger Arbeiter, der die taktischen Anweisungen des Trainers zuverlässig umsetzt. Sind Endo und Mangala die Kommandozentrale, ist Förster der Maschinenraum. An …

Pellegrino Matarazzo: Der Pate

Hand aufs Herz: Wer hätte nach der Derby-Niederlage von nicht mal einem Jahr geglaubt, dass Pellegrino Matarazzo der erste Coach seit Bruno Labbadia sein würde, der eine komplette Saison auf dem VfB-Chefsessel übersteht? Trotz der symbolischen Vertragsverlängerung vor dem Spitzenspiel gegen Hamburg sah es überhaupt nicht so aus, als ob der US-Italiener derjenige sein würde, der den Aus-Schalter des VfB-Trainer-Karussells findet. Zu uninspiriert waren die Auftritte seiner Mannschaft in der zweiten Liga, zu schwer tat sich die Mannschaft gegen weitaus schwächere Gegner wie Wiesbaden und Osnabrück. Rückblickend lässt sich sagen, dass die Verantwortlichen damals den Spagat wagten: Einerseits aufsteigen, andererseits eine Mannschaft entwickeln, die nach dem Aufstieg auch in der Bundesliga bestehen kann. Eine Mission, die fast scheiterte. Aber eben nur fast. Mit atemberaubenden Spielen gegen Sandhausen und Nürnberg ballerte sich der VfB Stuttgart in die erste Liga. Während wir uns in der Sommerpause fragten, wer beim VfB eigentlich die Tore schießen soll, formte Pellegrino Matarazzo in aller Ruhe sein Team. Mit Spielern wie Klimowicz und Coulibaly, die in der Saison kaum Zweitligaspielzeit bekommen hatten, …

Der VfB Stuttgart gibt nicht auf

Wir kennen das vom VfB aus der Vergangenheit: Gut mitspielen, ohne wirklich gefährlich zu sein. Defensiv weitgehend stabil stehen, ohne große Chancen zuzulassen. Um dann doch noch ein Tor zu bekommen. Ein blödes dazu. Das Spiel ist zu, der VfB kommt nicht zurück, ist zwar bemüht, aber frisst dann noch ein zweites und gar drittes Tor. Nicht so in dieser Saison. Die Mannschaft gibt nicht auf. Auch in der B- oder C-Besetzung nicht. Wir dürfen nicht vergessen: Der VfB hat mit vielen verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen und befindet sich im Niemandsland der Tabelle, eine Steilvorlage für einen Spannungsabfall für eine VfB-Mannschaft der letzten Jahr(zehnte)e. Trainer Pellegrino Matarazzo wechselt dann die Wende ein. Gonzalo Castro kommt für Erik Thommy und die Offensivaktionen werden durch den Kapitän zielstrebiger, strukturierter und gefährlicher. Die Hektik ist raus, die Ungenauigkeiten passé, Castro strahlt sofort Ruhe mit seiner Passsicherheit aus. Der Ausgleich ist eine überragende Einzelaktion von Wataru Endo, der der Spieler der Saison beim VfB ist. Er ist der Stabilisator im defensiven Mittelfeld, die Ruhe selbst, selbst wenn er in …