Alle Artikel in: VfB

Viel zu easy

Ich finde Christian Streich durchaus sympathisch. Wie einen entfernten Onkel, der bei einer Familienfeier Geschichten erzählt, die keiner so richtig versteht, über den man aber trotzdem nachsichtig lächelt. Wie sich Streich allerdings nach dem Schlusspfiff aufführte, ist wild und unangenehm: Mit einer agressiven Ausstrahlung umarmt er seine Spieler, fuchtelt mit den Fäusten in der Gegend herum und tut gerade so, als ob er den Klassenerhalt geschafft oder die Meisterschaft geholt hätte. Grund zum Jubeln hatte er allemal: Freiburg gewann wie letzte Saison 3:2. Wie letzte Saison nach 3:0-Führung und wie letzte Saison völlig verdient. Aber nochmal zur Einordnung, wer alles fehlt mit Startelf-Ambitionen: Orel Mangala, Chris Führich, Silas, Sasa Kalajdzic, dazu viele, die Interessante Optionen für Pellegrino Matarazzo darstellen würden. Letzte Saison machten wir uns nach dem Spiel weniger Sorgen um die Mentalität der Mannschaft – auch da hatte sie sich hervorragend zurück gekämpft – sondern vielmehr um die Defensive, die Freiburg Räume anbot, die sie nunmal nutzen. Same procedere this year. Dass Freiburg oft über die Außenpositionen angreift, dass Christian Günther gefährliche Flanken schlagen …

VertikalGIF #VfBSCF: Nein, doch, oooh!

5:1 gegen Fürth, 0:4 in Leipzig: Der bisherige Saisonverlauf des VfB Stuttgart gleicht einer Achterbahnfahrt. Gut, dass am dritten Spieltag mit Freiburg ein Gegner zu Gast war, den man auf Augenhöhe wähnte. Da würde sich schon zeigen, wo der verletzungsgeplagte VfB wirklich steht, oder?   Machen wir es nicht unnötig spannend. Nach 28 Minuten stand es 0:3. Null. Zu. Fucking. Drei. Weil die Zuordnung nicht stimmte. Weil Müller zu kurz abwehrte. Weil Kempf zögerte. Und wir dachten, unsere Probleme liegen in der Offensive?   Sind wir ehrlich: Die Stuttgarter Defensiv-Leistung in der ersten halben Stunde war nicht bundesligawürdig und Freiburg hatte obendrein das nötige Glück. Und deswegen war die Partie eigentlich auch schon entschieden. Eigentlich! Denn der vielleicht größte Verdienst der neuen sportlichen Führung ist der neue Spirit. Ein Rückstand ist nicht gleich eine Niederlage. Der VfB kann zurückschlagen. Und das zeigte das Team auch gegen Freiburg. Von 0:3 auf 2:3 in 115 Sekunden. Weil Mavropanos den Lucio machte und Al Ghaddioui zeigte, dass er auch in der Bundesliga knipsen kann, wenn er gut eingesetzt …

VertikalGIF #RBLVfB: Aufbauhilfe Ost

Vier Liga-Spiele am Stück hatte RasenballSport Leipzig saisonübergreifend nicht gewinnen können und auch der Saisonauftakt in Mainz ging in die Hose. Da kam der leicht euphorisierte Tabellenführer aus Stuttgart gerade recht. Denn der VfB konnte keine einzige der bisherigen sechs Partien gegen Leipzig gewinnen. Im Gegenteil: Man holte nur einen einzigen Punkt und erzielte nur ein einziges Tor. Oder besser gesagt: VfB-Legende Steven Zuber tat das. Übrigens: Das letzte Bundesligaspiel, das Leipzig gewinnen konnte, war am 31. Spieltag der vergangenen Saison. Der Gegner damals: der VfB Stuttgart.   Hatte der VfB nur sechs Tage zuvor die Fürther noch dominiert und ordentlich hergespielt, wurde am Freitag Abend schnell klar, dass die Rollenverteilung eine ganz andere sein würde. Leipzig entwickelte vom Anpfiff weg hohen Druck und ließ die VfB-Spieler kaum zu Atem kommen. Hauptleidtragender war Wataru Endo, der von Rasenballsport vermutlich härter gestresst wurde als seine vier Kinder es je könnten.   Nach 25 Minuten hatte der VfB zwar schon drei Torschüsse zu verzeichnen, die Leipziger allerdings zehn. Bereits jetzt war klar, dass das ersatzgeschwächte Stuttgarter Team …

VertikalGIF #VfBSGF: Stop the count!

Klar, alle feiern den Saisonauftakt des VfB Stuttgart. Kein Wunder, denn der erste Spieltag war einer der Superlative: Hamadi Al Ghaddioui mit seinem ersten Bundesligator, Borna Sosa mit gleich drei Vorlagen, Marc-Oliver Kempf mit exakt so vielen Treffern, wie er in der kompletten letzten Saison erzielt hat. Der VfB gewinnt mit 5:1 und ist damit zum ersten mal seit zehn Jahren Tabellenführer der Bundesliga. Aber, wenn wir die Sache mal ganz nüchtern betrachten, muss man sich fragen: Kann es überhaupt noch besser werden? Oder müssen wir die Sorge haben, dass dieses 5:1 bereits unser Saisonhöhepunkt war wie in der vergangenen Saison das 5:1 in Dortmund? Um kein Risiko einzugehen, sollten wir die Saison am besten umgehend beenden, oder? Nein, natürlich nur Spaß! Denn die Mannschaft, die Pellegrino Matarazzo gegen Fürth auf den Platz schickte, macht einfach viel zu viel zu Spaß, um sie nicht spielen sehen zu wollen. Und das ist ja auch endlich wieder live im Stadion möglich. Aber warum waren die 25.000 “Corona-Plätze” eigentlich nicht komplett ausverkauft? So waren es nur exakt 18.109 …

VertikalGIF #BFCVfB: Ganz großes Tennis!

Da sind wir wieder: Das erste Pflichtspiel der Saison stand an. Völlig überraschend ging es in der ersten Pokalrunde nicht nach Rostock, aber immerhn zum fünften Mal in Folge in den Osten der Republik. Und wir erinnern uns: Die letzten drei Erstrundenpartien im Ostseestadion wurden entweder nur knapp gewonnen und einmal sogar verloren, gegen Cottbus musste der VfB ins Elfmeterschießen. Man durfte also gespannt sein, wie sich der VfB im Sportforum Hohenschönhausen gegen Dynamo Berlin schlagen würde. Spannend war natürlich auch die Frage, mit welcher Formation Pellegrino Matarazzo antreten würde. Insbesondere auch deshalb, weil immer noch viele Spieler fehlen: Corona, Verletzungen, Olympia, dies das. Erkenntnis Nr 1: Fabian Bredlow bleibt der Copa-Keeper und darf sich über Einsätze im Pokal freuen. Florian Müller werden wir dann sicher gegen Fürth sehen, obwohl sein Stellvertreter im Pokal ein sehr gute Figur machte. Erkenntnis Nummer 2: In Abwesenheit von Sasa Kalajdzic heißt der Stürmer Nummer Eins Hamadi Al Ghaddioui. Kein Wunder, dass sich Matarazzo für ihn entschied, denn schließlich war es gewesen, der vor zwei Jahren dafür sorgte, dass …

Die neue Lässigkeit?

Es sieht nicht gut aus zum Saisonstart für den VfB Stuttgart. Sasa Kalajdzic ist zunächst corona-bedingt raus und hat bei seinem Wiedereinstieg gerade mal eine einwöchige Vorbereitung in den Beinen. Neu-Kapitän Wataru Endo stößt nach dem strapaziösen olympischen Turnier erst kurz vor dem ersten Spieltag zur Mannschaft, der neue Keeper Florian Müller kam zwar ein paar Tage früher aus Tokio zurück, konnte sich aber mit seiner Abwehr noch nicht wirklich einspielen. Orel Mangala ist ebenso verletzt wie Neuzugang Chris Führich und natürlich Silas, der vor November nicht zurückerwartet wird. Dazu gibt es zwei weitere Corona-Fälle (Tanguy Coulibaly und Nikolas Nartey) beim VfB, Trainer Pellegrino Matarazzo muss zum Saisonstart also stark improvisieren. Und muss vielleicht sogar Jungspund Jordan Meyer und Altrocker Hamadi Al Ghaddoui gleichzeitig reinwerfen. Bei beiden spielt die Hoffnung mit, dass sie sofort performen. Auf anderen Schultern, wie beispielsweise denen von Roberto Massimo, Teto Klimowicz, Philipp Förster, Atakan Karazor und Borna Sosa liegt deutlich mehr Verantwortung als noch in der vergangenen Saison. Kein Wunder, schließlich muss man im Kollektiv auch noch den Abgang von …

Zocker mit Vision

Wataru Endo kann alles: Zweikämpfe, Kopfbälle, Vertikalpässe, Tore.  Vielleicht ist er sogar dafür verantwortlich, dass der VfB aktuell dort steht, wo er ist. Rückblende in den Mai 2020: Für den VfB Stuttgart lief es im Aufstiegsrennen eher schlecht als recht. Trotzdem wurde der Vertrag mit Pellegrino Matarazzo vorzeitig verlängert. Sportvorstand Thomas Hitzlsperger damals: “Mit der seit mehreren Wochen geplanten Vertragsverlängerung möchten wir deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir Kontinuität leben wollen. Nach der bisherigen Zusammenarbeit mit Pellegrino Matarazzo sind wir der festen Überzeugung, dass er alle fachlichen und persönlichen Fähigkeiten in sich trägt, die eine lange Zusammenarbeit möglich machen.” Nicht wenige von frühzeitigen Vertragsverlängerungen traumatisierte VfB-Fans hielten diesen Move für unnötige Symbolpolitik und sahen sich nur einen Tag später bestätigt, als der VfB im vorentscheidenden Spiel gegen den HSV zur Halbzeit mit 0:2 zurücklag. Das Projekt “Mislintatarazzo-VfB” schien gescheitert. Aber wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Endo her. So auch in diesem Spiel, als der Japaner gleich nach der Pause den Anschluss-Treffer erzielte – sein einziges Tor in dieser Saison. …

VertikalGIF #VfBFCSG: Ali G. regelt

Irgendwie wäre es schön, wenn man St. Gallen als Bielefeld der Schweiz bezeichnen könnte, um den Bogen zum letzten “echten” Heimspiel zu spannen. Aber die Stadt unweit des südlichen Bodenseeufers hat gerade mal 75.000 Einwohner. Andererseits hat die Schweiz auch nur halb so viele Einwohner wie Nordrhein-Westfalen. Ach, worum es eigentlich geht: Erstmals seit Ende März spielte der VfB Stuttgart mal wieder vor vollem Haus!   Sind wir ehrlich: Das Spiel war den meisten erstmal egal. Viel wichtiger war es, zum ersten Mal seit ewigen Zeiten wieder gemeinsam den VfB kicken zu sehen. Bei bestem Sommerwetter im Robert-Schlienz-Stadion, mit einem Hofbräu in der Hand – und mit Menschen, die man schon ewig schon nicht mehr gesehen hatte.   Aber kommen wir zum Sportlichen: Die Abwehrreihe des VfB bestand aus Mavropanos, Anton, Ito und Mola. Im Mittelfeld tummelten sich u.a. Förster, Ahamada und Beyaz, ganz vorne wirbelte Mo Sankoh. Das Potenzial stets erkennbar, war der Ertrag meist überschaubar. Und das Team von Pellegrino Matarazzo hatte auch noch Glück, dass der Schiedsrichter kurz vor der Halbzeitpause auf …

Steiger vs. Vogt in der Schwemme

Es war das Wort des Abends. „Nochmal“. Pierre-Enric Steiger verwendete es in jedem zweiten Wortbeitrag, sichtlich genervt davon, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern seine Konzepte erneut zu erläutern. Und sicher auch von sich selbst genervt, weil ihm das mit zunehmender Veranstaltungsdauer nicht gelang. Das VfB-Fanprojekt hatte in den Gourmet-Tempel „Schwemme“ in Bad Cannstatt geladen, dort gab es ein sogenanntes „Duell“ zwischen Amtsinhaber Claus Vogt und Herausforderer Steiger. Überdies stellten sich die Präsidiumskandidaten Rainer Adrion, Hubert Deutsch, Christian Riethmüller und Markus Scheurer vor. Die Moderatoren des Abends, Autor Bernd Sautter und Vertikalpass-Blogger und STR-Podcaster Sebastian, hatten den Abend thematisch eingeteilt in die vier Blöcke „Stimmung“, Datenskandal“, “Gesellschaft“ und „Wahlprogramm“. Nach Steigers angriffslustigen Interview in der Stuttgarter Zeitung hatten nicht wenige einen harten Schlagabtausch zwischen Vogt und seinem Herausforderer erwartet. Ein bisschen in den Infight gingen die Kontrahenten jedoch erst in der zweiten Hälfte des Abends. „Ich weiß nicht, was Sie in Mathe hatten, bei mir war es gut bis sehr gut“, kommentierte Vogt die Ideen seines Widersachers zur Neubesetzung des Aufsichtsrats. „Sich flapsig als “Mindestlohn-Präsident“ zu bezeichnen, …

Silas bleibt Silas

Silas hatte den Traum vor Augen, in Europa Profi-Fußballer zu werden. Wollte aus seinem prekären Umfeld fliehen. Wollte als Profifußballer in Europa für seine Familie sorgen können. Eine einmalige Chance. Um seinen Traum wahr werden zu lassen, hat er seinem Berater vertraut. Sich sogar abhängig gemacht von ihm. So weit, dass er bereit war, seine Identität zu ändern, um die Chance seines Lebens nicht verstreichen zu lassen. Ein Fehler. Vermutlich sogar eine Straftat. In Anbetracht seines jungen Alters und seiner mangelnden Lebenserfahrung jedoch nachvollziehbar, zumal er von seinem Berater offenbar unter Druck gesetzt wurde. Silas hatte zeitweise keinen Zugriff auf seinen Reisepass und sein Bankkonto, war komplett abhängig von seinem damaligen Berater. Vermutlich kein Einzelfall, sondern die Regel. Das Transferbusiness im Fußball ist skrupellos. Junge Spieler werden oft nicht als Menschen betrachtet, sondern als Kapitalanlage. Sven Mislintat sagte dazu in einer Presserunde: “Er wurde unter falschen Versprechungen nach Frankreich gelockt und dort wurde ihm gesagt, dass es nur weitergehen könne, wenn er seinen Namen ändere und dann entsprechende Dokumente bekommen würde. Silas lebte im Haus …