Alle Artikel in: VfB

Der Trixxer

Im Fußball werden sie geliebt, die Fummler, Dribbler, Trickser und Schnickser. Ihr Geschäft sind die Übersteiger und die Hackentricks, das Tarnen und Täuschen, das ins Leere laufen lassen des Gegners. Sie sind die Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Die Zauberer auf dem Spielfeld. Der VfB-Präsident Wolfgang Dietrich ist auch so einer, nur kann seine Beliebtheit mit Spielern wie Leroy Sané, Kingsley Coman, Ante Rebic oder Jadon Sancho nicht mithalten. Und die Recherchen des kicker rund um sein Quattrex-Firmengeflecht haben sein Image auch nicht gerade positiv verändert. Völlig unverständlich, denn seine Kabinettstückchen sind weitaus komplizierter als die der zuvor erwähnten Rasenartisten. Im Vorfeld der Präsidentenwahl 2016 wurden Dietrichs Beteiligung an der Quattrex Sports AG von der DFL geprüft und letztlich für unbedenklich empfunden. Zur Erinnerung: Die Quattrex Sports AG vergibt Kredite an Fußballvereine. Zu den Kunden zähl(t)en Heidenheim, Kaiserslautern, Nürnberg und Union Berlin. Je erfolgreicher der Club agiert, desto stärker steigt der Kredit im Wert. Sollte es also zu einer Relegation zwischen dem VfB Stuttgart und Union Berlin kommen, wäre Dietrich auf jeden Fall der Gewinner: Entweder als …

So sehen Sieger aus!

Wir sollten in dieser schweren Stunde nach der unglücklichen Niederlage gegen Leverkusen nicht vergessen, was alles gut ist beim VfB Stuttgart. Wir haben einen sympathischen Sport-Vorstand, der den VfB gut zu repräsentieren weiß und wir haben seit neuestem einen Kaderplaner von internationalem Ruf. Die wohl beste Kombination für die zweite Liga in der nächsten Saison. Es wurden hervorragende Strukturen und Rahmenbedingungen nach der Ausgliederung geschaffen, die es möglich gemacht haben, dass Michael Reschke über 50 Millionen für Transfers und Gehälter ausgeben durfte, ohne dass ihn dabei jemand gebremst hätte. Wir haben einen Präsidenten mit großer Sportkompetenz. „Einfach alle Heimspiele gewinnen, fertig“, so seine Zielsetzung für den Klassenerhalt. Ich frage mich, warum sich niemand daran hält. Macht ja sonst jeder, was er sagt. Die Marketing-Abteilung glänzt mit kreativen Hashtags und motivierenden Kampagnen, die die Marke VfB mit gutaussehenden Hipstern mit Sick-of-it-all-Attitüde auflädt. Wir haben einen konsequenten Trainer, der konsequent auf einen eindimensionalen Matchplan (Defensive) setzt und ebenso konsequent auf ein strukturiertes Offensivspiel verzichtet. Er ist also einer, der wenig Wert auf Spielsysteme aber umso mehr auf …

Relegation olé!

Stuttgart ist nicht Augsburg (diesen Satz ein bisschen wirken lassen). Denn beim VfB wird nicht die letzte Option gezogen, um noch einmal einen Reiz zu setzen wie beim FCA mit den Entlassungen von Manuel Baum, Jens Lehmann und Stefan Schwarz. Aber machen wir uns nichts vor: es wäre ein Wunder, wenn der VfB gegen Leverkusen punktet. Denn anscheinend haben sich alle bereits mit der Relegation abgefunden. Der Trainer Markus Weinzierl, der sowieso nur noch auf seine Papiere zu warten scheint, während um ihn herum der VfB 2019/2020 gebaut wird. Die Spieler, was sich unschwer an deren Spielweise und Aussagen (zuletzt Ron-Robert Zieler und Andreas Beck) erkennen lässt. Beck: “Wir wollten dieses Spiel nicht verlieren, und das haben wir geschafft.” Fans lagen sich nach Abpfiff mit Freudentränen in den Armen bis schließlich alle Dämme brachen. Der Platz gestürmt und Stücke des Rasens gesichert angesichts dieser historischen Leistung. #VfB — Danny1893 (@DannyDan1893) 8. April 2019 Der Sportvorstand, der ansonsten Markus Weinzierl entlassen hätte, um noch einen Akzent im Abstiegskampf zu setzen. Aber Stuttgart ist nicht Augsburg und …

Der schlechteste VfB aller Zeiten

Low, lower, VfB: Die schlechteste Saison. Die schlechtesten Spieler. Der schlechteste Trainer. Der schlechteste Präsident. Ob direkt oder über den Umweg Relegation: Es wäre nur logisch, wenn der VfB erneut absteigen würde. Dass der VfB noch den 15. Platz erreicht, ist angesichts der Leistung gegen Nürnberg illusorisch. Kein Fanmarsch, keine coole Choreo, kein geiler Support – nichts hat etwas gebracht (auch mein Frottesana-Trikot nicht), denn von der Mannschaft kam nichts zurück und in diesem Entscheidungsspiel ingesamt viel zu wenig. Hätte der 1. FC Nürnberg ein bisschen mehr individuelle Klasse zu bieten als den wuseligen und technisch starken Matheus Pereira, dann hätten die Franken ihre Konterchancen so ausgespielt wie letzte Woche Eintracht Frankfurt und der VfB hätte fünf Kisten bekommen. Die schlechteste VfB-Mannschaft aller Zeiten? Statistisch gesehen: ja. Spieltaktisch: ja. Ein einziger guter Angriff, der zur Großchance von Mario Gomez in der 89. Minute führte, das ist einfach zu wenig. Es fehlt Geschwindigkeit, ein Spielaufbau existiert nicht, Mentalität musst Du in dieser Mannschaft mit der Lupe suchen. Der VfB ist da anderer Meinung und redet den …

VertikalGIF #VfBFCN

Disclaimer: Ich bin selten so schlecht gelaunt aus dem Stadion gegangen wie heute. Diese Ausgabe des VertikalGIF kann daher Spuren von Frustration enthalten. Die 2016 abgestiegene (nur ein Unfall!) und vor der aktuellen Saison für rund 40 Millionen verstärkte Traditionself trifft im April 2019 gegen den chronisch klammen Aufsteiger aus Nürnberg, den eigentlich alle schon abgeschrieben hatten. Das Wetter ist gut, das Stadion ausverkauft. Besser können die Voraussetzungen nicht sein, oder? Und dann das: Die Cannstatter Kurve mal wieder mit einer tollen Choreo, aber mit dem Anpfiff ist jede Leidenschaft vergessen – zumindestens auf dem Platz. Der VfB Stuttgart schafft es gegen – bei allem Respekt – sehr limitierte Nürnberger nicht einmal für Unruhe im Strafraum des Gegners zu sorgen. Sorry, aber das ist Angsthasen-Fußball. Dabei war Markus Weinzierl über seinen Schatten gesprungen und hatte anstatt von Nicolas Gonzalez nicht nur Mario Gomez, sondern auch Tassos Donis aufgeboten. Auf dem Papier las sich das ganz gut, aber man fragte sich schon, wer eigentlich den Spielaufbau übernehmen sollte. Fast forward: Nach 42 Minuten, einem Lattentreffer von …

Swabian Gladiator

Sieg oder Sarg, Tod oder Gladiolen, Daumen nach unten oder nach oben: Vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg geht nicht wenigen VfB-Fans das Zäpfle. Es muss ein Sieg her, das ist maximaler Druck und es gibt nicht wenige, die das Team des VfB nicht für stressresistent genug halten, um den vom Kessel zu nehmen. Angst vor diesem Gegner. Bei allem Respekt, ist das nicht ein wenig hasenfüßig? Da spielt schließlich ein gewisser Ewerton, aber nicht der übergewichtige Kugelblitz, den Horst Heldt einst nach der Meisterschaft 2007 verpflichtete, sondern ein Abwehrspieler, der aus Kaiserslautern kam. Eine erste Adresse für gute Abwehrspieler, man denke nur an Harry Koch. Ein X-beiniger Vorstopper, ehemals vom TSV Vestenbergsgreuth, dem man höchstens zutraute, Leadsänger bei den Flippers zu sein. Trotzdem schaffte er 1994 das, woran der FC Heidenheim in dieser Woche knapp scheiterte: die Bayern aus dem Pokal zu werfen. Im Tor steht Christian Mathenia, schon mal mit dem HSV abgestiegen, aber mit der kicker-Durchschnittsnote 2,7 auch viertbester Torhüter der aktuellen Saison. Und der Winterzugang heißt Ivo Ilicevic. Ihr …

Arithmetik der Angst

Schon erstaunlich: Keiner rechnete einem Sieg in Frankfurt. Der VfB verlor erwartungsgemäß – und trotzdem sind alle enttäuscht. Obwohl der VfB 44 Minuten ganz gut mitspielte. Doch warum ist das so? Weil wir uns mehr ausgerechnet hatten? Vielleicht eher, weil die Innenverteidigung mit Pavard, Kempf und Kabak personell hochklassig besetzt ist, aber trotzdem wieder drei Treffer kassierte – unter tatkräftiger Mithilfe von Andreas Beck und Ron-Robert Zieler. Kleine Zahlenkunde: Nach 27 Spieltagen hat der VfB Stuttgart 59 Gegentore kassiert. Das macht 2,185 pro Spiel. Geht das bis Saisonende so weiter, werden es am Ende 74. Zum Vergleich: In der vergangenen Spielzeit waren es 36, in der Abstiegssaison waren es 75. Vielleicht sind wir aber gar nicht wegen der klaren Niederlage frustriert, sondern wegen der Tatsache, dass die besten Stuttgarter Chancen aus Aktionen der Innenverteidiger resultierten. Kabak und Kempf waren vor dem Frankfurter Tor auffälliger als die Offensivkräfte. Steven Zuber hatte keinen guten Tag erwischt, Alexander Esswein fehlt grundsätzlich der Zug zum Tor und Nicolas Gonzalez schlichtweg die Physis, um Bälle festzumachen und die Cleverness, um …

VertikalGIF #SGEVfB

Bewährtes Format am neuen Sendeplatz: Ab sofort findet ihr das VertikalGIF direkt hier bei uns im Blog! So lange und lästig wie die Länderspielpause auch war: Irgendwie war es auch sehr schön, zwei Wochen ohne Bundesliga-Existenz-Ängste zu verbringen. Denn beim VfB Stuttgart ist die Laune immer dann am besten, wenn nicht gespielt wird. Da kann man sich in aller Ruhe über Werbevideos aufregen oder spekulieren, wer im nächsten Spiel Santi Ascacibar ersetzen soll. Achja, das nächste Spiel! Es ging nach Frankfurt. Dort, wo die Eintracht spielt, die in diesem Jahr noch unbesiegt in allen Pflichtspielen ist. Easy.   So erwartbar wie die Aufstellung (Gentner vertrat Ascacibar), so ungewohnt war die mutige Spielweise der Weinzierl-Truppe. Nach der ersten Frankfurter Großchance köpfte Kempf nach einer Ecke an die Latte und auch sonst kam der VfB zu der ein oder anderen Torchance. Grundsätzlich sah das besser aus als erwartet. Auch, weil Ron-Robert Zieler mit einer spektakulären Dreifach-Kombo das 0:0 festhielt.   Das änderte aber leider nichts daran, dass noch vor der Halbzeitpause das 1:0 fiel. Nach einem abgeblockten …

Bonus-Spiel oder Tilt?

Ein Bonus wird definiert als eine (finanzielle) Belohnung für gute Leistungen und für erreichte Ziele, ein Add-on, auf das sich nach erfolgreicher Arbeit jeder freut. Im Flipper- und Merkur-Spielautomaten-Business wird es auch als Frei-Spiel bezeichnet. Man spielte für den anerkennenden Blick der anderen Mitspieler, wenn beim Flippern dieses charakteristische „Klack“ kam. Man spielte für diesen magischen Augenblick, bei dem man möglichst lässig aussehen sollte mit einer Kippe im Mundwinkel, auch wenn der Zigarettenqualm höllisch in den Augen brannte. Beim VfB Stuttgart wurde bis vor kurzem von Bonus-Spielen gesprochen, wenn es gegen scheinbar übermächtige Gegner ging. Bayern München, Leipzig, Hoffenheim, Leverkusen, Frankfurt, Düsseldorf, Dortmund. Die Bezeichnung Bonus-Spiel konnte dechiffriert werden als „wir werden das Spiel abschenken, denn wir haben sowieso keine Chance“. Eine Mentalität, die sich der VfB nicht mehr leisten konnte. Seit der Partie gegen Borussia Dortmund gibt es eine andere Einstellung zu diesen angeblich unbezwingbaren Gegnern. “Wir haben keine Chance, lasst sie uns nutzen”. Seit Dortmund wird in Endspielen gedacht. Jetzt sind es noch acht. Inklusive Relegation – die sehr wahrscheinlich ist – sogar …

Die Ein-Mann-Dampfwalze

Entweder am Freitag oder spätestens an seinem 19. Geburtstag am Montag wird Ozan Kabak sein Debüt bei der türkischen A-Nationalmannschaft feiern. Auch wir believen den Hype um ihn und sind ein bisschen verliebt. Ein Hauch der 2000er Jahre weht durchs Neckarstadion, wenn Ozan Kabak zu einem seiner offensiven Läufe ansetzt. Er erinnert immer ein wenig an Lucio, was nicht nur an seinem Bürstenhaarschnitt liegt. Es sieht bei Kabak zwar nicht so brachial aus wie einst beim Brasilianer, der mit großen Schritten das Mittelfeld durchquerte und es immer so eilig hatte, dass es wirkte, als ob er auf Scherben laufen musste. Aber Kabak ist ebenso eine Ein-Mann-Dampfwalze: unaufhaltsam und unwiderstehlich, dynamisch, technisch stark und in der Vorwärtsbewegung mit gutem Spielverständnis. In der Dreierkette sieht er nicht so elegant aus wie Benjamin Pavard, im Zweikampf ist er nicht so leidenschaftlich wie Ascacibar, dafür aber deutlich abgezockter. Was gelbe Karten angeht, ist er dem Argentinier auf den Fersen: Vier Stück in acht Spielen, we call it eine Santi-Quote. kein Wunder, denn er ist ebenso grätschfreudig wie der Argentinier …