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Die Büffel gezähmt

Bei den letzten Duellen gegen Eintracht Frankfurt in der Saison 2018/2019 wurde der VfB von der sogenannten Büffelherde überrannt. Unter der Wucht von Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastian Haller sind die Stuttgarter regelrecht zusammen gebrochen. In der Saison 2020/2021 zeigt sich der VfB widerstandsfähiger: Im Hinspiel ein 2:2 nach 2:0-Führung, am 24. Spieltag ein 1:1 nach 1:0-Führung. Der VfB hat die Büffelherde 2.0 gezähmt.

Zugegeben, die Frankfurter Büffel haben nicht mehr ganz die Wucht wie vor zwei Jahren. Aber mit dem zurückgekehrten Jovic, dem Portugiesen André Silva, dem wuseligen Amin Younes und einem gewissen Filip Kostic verfügt die Eintracht immer noch über eine furchterregende Offensive. Dieser Kostic: Über ihn schrieben wir einst, er sei der George Best des Balkans, bezeichneten ihn als serbische Rennmaus und meinten, er bräuchte lediglich eine Lücke so groß wie der Hintern von Kim Kardashian, um sich Platz für seine ausufernden Flügelläufe zu verschaffen. Gegen den VfB schaffte er es, zwei identische Tore zu schießen, was sonst in der Bundesliga nur Wataru Endo beherrscht. Ein Tor kassierte ein Glück der VAR, weil Jovic zuvor mit dem Schnürsenkel im Abseits stand, was ganz erstaunlich war, denn er besitzt einen Hintern in der Größe von Kim Kardashian.

Kostic schlug gegen den VfB so viele Flanken wie an diesem Spieltag ganze Mannschaften. Auf der rechten VfB-Abwehrseite ließ ihm Dinos Mavropanos oft zu viel Platz, wobei man auch sagen muss, dass die Hereingaben Kostics meist von den Innenverteidigern gut verteidigt wurden. Einen Mann wie Kostic, VfB-Fans werden das vermutlich nicht gerne lesen, lässt sich nie ganz ausschalten. Wobei er gerade in der ersten Halbzeit schlecht gelaunt war. Der VfB zeigte sich widerstandsfähig, bissig in den Zweikämpfen, erzwang viele Fehlpässe und die Büffelherde schnaubte, kam aber sehr selten zum Zug. Die Agressivität beider Teams gegen den Ball führte zu schnellen Ballverlusten, echte Torchancen und Kombinationen im letzten Drittel blieben in der ersten Halbzeit weitgehend aus. Trotzdem machte es Spaß zuzusehen, wie sich beispielsweise Silas in die defensiven Zweikämpfe mit Kostic warf und sich auch von der harten Gangart gegen sich selbst nicht daran hindern ließ, seine Flügelläufe anzusetzen. Die sind noch deutlich roher als die von Kostic, aber zusammen mit Tanguy Coulibaly und Sasa Kalajdzic bildete er sowas wie einen Jungbüffelherde. Wobei Marc-Oliver Kempf und Waldemar Anton eher in der Abwehr ordentlich büffelten und ihre Sache gut machten. Jovic und Silva scharrten zwar mit den Hufen, aber ins galoppieren kamen sie nicht.

Der VfB also auf Augenhöhe mit einem Champions League-Kandidaten, bis auf die letzten fünf Minuten der ersten und die letzten 15 der zweiten Halbzeit. Da konnte sich der VfB kaum mehr befreien, verlor die Kontrolle und den Ball viel zu schnell und wackelte deutlich. Gregor Kobel, beim Tor von Kostic noch einen Schnürsenkel zu spät am Ball, gab allein durch seine beängstigende Präsenz Sicherheit. Ob Jovic, Silva, Stefan Ilsanker oder Martin Hinteregger: Kobel, dieses Alpha-Männchen im Tor des VfB, hatte alles im Griff und imponierte mit Paraden, die nie auf einen Showeffekt zielen, sondern immer so seriös sind wie Field-Interviews von Sven Mislintat.

Ausser vielversprechenden Ansätzen gelang dem VfB offensiv wenig. Außer einem brillanten Tor, natürlich. Kempf schritt in seinem unnachahmlichen, eckigen Stil durchs Mittelfeld und versuchte sich aus dem Halbfeld an einer Borna Sosa-Kopie. Mit Erfolg: Seine bornöse ( = genau getimete) Flanke landete bei Kalajdzic, dem österreichischen Harry Houdini des Strafraums. Dank seiner Technik und seiner bei zwei Metern Körpergröße geradezu sensationellen Gelenkigkeit, kann er sich aus fast allen engen Situationen befreien. Er ließ den Ball von der Brust tropfen, ein bisschen zu weit, aber er ist dank seines langen Beins vor Hinteregger und Kevin Trapp am Ball, spitzelte ihn durch beide hindurch. Kalajdzic, am Boden sitzend, konnte es selbst kaum glauben, dass der Ball den Weg ins Tor fand. Kalajdzic, im Moment der große Entfesselungskünstler in den Strafräumen der Bundesliga, es war sein siebtes Tor im sechsten Spiel hintereinander, only Lewandowski is the Limit.

Mit diesem Remis gegen die Eintracht ist der VfB in die erste Tabellenhälfte gerutscht, auf Platz neun, und hat einen weiteren Entwicklungsschritt gemacht: Der VfB kann auch Kampf, er kann unangenehm werden und – wer ins Gesicht von Jovic geschaut hat – er kann mächtig nerven. Im Gegensatz zu den Frankfurtern: Uns macht’s Spaß!

Zum Weiterlesen:
Hier findet Ihr unser VertikalGIF „Welcome to the Fight Club“
„Langes Bein und linke Klebe“ von Rund um den Brustring

Bild:
Imago

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2 Kommentare

  1. Fritzo62 sagt

    Ein wichtiger Fingerzeig: wir spielen noch gegen die Top-Mannschaften und jeder Punkt jetzt, und vor allem gegen Hoffe ist sehr wichtig. Bei Mavropanos. gehen mir viel zu viele Bälle durch die Beine, der sollte sich mal reinwerfen statt dieser sinnlosen “Übersteiger”

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