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Das Wunder der Vorweihnacht

Jetzt mal ehrlich: Wie viel hättet in der Halbzeitpause der Partie des VfB gegen die Hertha noch auf unser Team gesetzt?

Nach drei Schüssen, von denen keiner aufs Berliner Tor ging? Nach sage und schreibe zehn Ballkontakten von Mario Gomez, der einzigen Hoffnung, dass der VfB überhaupt mal ein Tor schießt? Nach einer Leistung von Gonzalo Castro, für die ihm der kicker die Note 5,5 verlieh? Nach einem Gegentor durch Maximilian Mittelstädt, der zuvor noch nie in der Liga getroffen hatte? Vor 47.860 Zuschauern, so wenig wie seit Zweitligazeiten nicht mehr?

Ihr hättet keinen Cent investiert? Ich auch nicht.
Denn mit dem 0:1 schien die Partie erledigt – wieder mal. Wer auf zwei Tore in 45 Minuten von der schwächsten Offensive der Liga hoffte, der glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann. Denn ganze drei Treffer in sechs Heimspielen waren es bislang im Neckarstadion gewesen.

Aber es ist kurz vor Weihnachten und eine gute Zeit für Wunder. Und wer in der Halbzeitpause das Stadion verlassen oder den Fernseher ausgeschaltet hat, der verpasste so einiges:

• Zwei Tore in zwölf Minuten (das sind 40% aller Heimspieltore der bisherigen Saison!)
• Den ersten Treffer von Mario Gomez nach sechs-hundert-ein-und-achtzig torlosen Minuten!
• Den allerersten Assist von Nico Gonzalez in der Bundesliga!
• Das erste Mal seit März 2013(!), dass der VfB einen Halbzeitrückstand in einen Sieg verwandeln konnte!
• Den besten Konter des VfB in der Hinrunde:

Solche Storys gibt’s sonst eigentlich nur am ersten Weihnachtsfeiertag im Fernsehen – bei den öffentlich-rechtlichen.

 

Wobei: War die zweite Halbzeit wirklich so märchenhaft? Nein, war sie nicht. Aber im Gegensatz zur totalen offensiven Ratlosigkeit in den ersten 45 Minuten zeigte der VfB nach der Pause nicht nur mehr Einsatz, sondern hatte auch einen simplen Plan: Flanken vor das Berliner Tor. Ja, das klingt in Zeiten von falschen Neunen, doppelten Sechsern und abkippenden Achtern nicht besonders innovativ. Aber die beiden Treffer von Mario Gomez belegen, dass das reichen kann – auch gegen den Tabellensechsten. Sogar dann, wenn die Flanken eine gefühlte Viertelstunde in der Luft sind.

Im Tabellenkeller tobt mal wieder ein Schneckenrennen: Hannover, Nürnberg, Düsseldorf, Stuttgart sind dick im Geschäft, aber auch Augsburg und Schalke kriechen fleißig mit. Die Konsequenz: Nach einer komplett verkorksten Hinrunde steht der VfB auf Platz 15 und hat mittlerweile vier Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten Hannover (Restprogramm: in Freiburg und gegen Düsseldorf) und tatsächlich nur einen Punkt Rückstand auf Schalke 04. Und überhaupt: Drei Siege aus den letzten fünf Spielen. Ho-ho-ho!

Zugegeben: Die Auswärtsaufgabe gegen formstarke Wolfsburger wird nicht einfach, aber wer weiß: vielleicht ist das Motto im letzten Heimspiel der Hinrunde tatsächlich: „Wir packen Schalke!“ Dann hoffentlich vor mehr als 47.000 Zuschauern. Wie heißt es im Trainersprech so gerne: „Alles raushauen!“ Das gilt auch für uns Fans.

P.S. Zum Tod von Herbert Gentner unmittelbar nach dem Spiel haben sich bereits viele geäußert. Fast alle respektvoll, einige wenige nicht. Wir verzichten an dieser Stelle im Text darauf und wünschen Christian Gentner und seiner Familie einfach viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Das „VertikalGIF“ zum Spiel gegen Berlin findet ihr hier.

Titelbild von Ute.

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1 Kommentare

  1. Sebastian sagt

    Toller Text, leider blieb ein weiteres Weihnachtswunder gegen VW Wolfsburg aus. Bleibt noch die Möglichkeit eines letzten gegen die Knappen von Schlacke 04. Wollen wir hoffen, dass uns das Christkind ein Geschenk zum Abschluss der Hinrunde macht, vielleicht indem die Mannschaft endlich ihre offensive Kreativität wiederfindet, gegen VW war es nach vorne ja ein Grauen!

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