Autor: @abiszet

Vertikalbuch 2.0

Dank Euch, unseren Leserinnen und Lesern, geht unsere VfB Stuttgart Fußballfibel in die zweite Auflage. Das könnt Ihr nicht nur lesen – sondern das gibt’s teilweise auch zum Hören! Denn wir haben ein neues Kapitel für die Fibel geschrieben und nicht verwendete Textabschnitte eingelesen. Meinen Teil der Fibel habe ich eigentlich für meinen Vater geschrieben. Es sollte ein positives Buch werden, deshalb „musste“ Sebastian auch die realistischen Einordnungen und Berichtigungen übernehmen. Denn bei meinem Vater war das Glas immer halb leer. Nach einem 4:1 Sieg ärgerte er sich maßlos über das Gegentor, während ich mehr so der Amore-Typ bin, die Mannschaft mag und immer versuche, das Gute zu sehen, selbst in einer 0:3 Niederlage. „Aber Du kennsch doch dr’ Lampa!“ entgegnete er mir immer, wenn ich es mit meinem Optimismus aus seiner Sicht zu sehr übertrieb. Jetzt gibt es endlich die zweite Auflage unserer VfB-Fibel, aktualisiert, berichtigt – und erweitert! Mein Vater erlebt sie nicht mehr. Wie auch schon die erste Auflage nicht. Womöglich ist es ganz gut, dass er das erneute Jahr in der …

VfB in Hell

Mir ist RB Leipzig völlig egal. Natürlich kann ich mich aufregen über deren „Businessmodell“ in der Bundesliga, über das als Club verkleidete Marketinginstrument, über den ekelhaften Besitzer und Hauptsponsor, über deren lächerliche 21 Vereinsmitglieder, aber ich möchte meine Energie sinnvoller einsetzen. Leipzig ignoriere ich noch nicht einmal. „Asoziale Arschlöcher“, sagte meine Freundin Moni, mit der ich während des Spiels telefonierte und die das Spiel ebenfalls bei Dazn verfolgte. Ich weiß nicht genau, wen sie meinte, aber ich muss ihr Recht geben. Das wäre eigentlich meine präferierte Überschrift für diesen Text gewesen, aber ich möchte kein schlechter Verlierer sein. pic.twitter.com/OpKuoBw68c — Seriouz (@Seriouz1893) April 25, 2021 Leipzig war eindeutig die bessere Mannschaft, der VfB so chancenlos wie in den bisherigen sechs Begegnungen mit dem Brause-Klub. Leipzig ist eine reine Pressing-Maschine und setzte den VfB pausenlos unter Druck. Purer Stress und die reine Hölle für die ersatzgeschwächte VfB-Elf. Es ist keine Überraschung und wir konnten es fast vermuten vor dem Spiel, aber: Leipzig ist nicht Fürth. klassenunterschied. leipzigs gegenpressing ist enorm und muss keine rücksicht nehmen auf …

Klement Clearwater Revival

Ich weiß, no Jokes with Names, aber: 5 Tore, 3 Sosa-Assists, 2 Tore von Kempf – aber 1 Treffer und 1 Super-Spiel von Philipp Klement. Er erlebt ein echtes Revival in seinem dritten Jahr beim VfB. Aber viel wichtiger: Mo Sankoh. Verdammter Scheiss. Ausser mir haben ihn viele wahrscheinlich ebenfalls ins Herz geschlossen. Wie er wenige Minuten nach seiner Einwechslung alleine aufs Tor zulief. Dann der Abschluss. Sascha Burchert kommt raus. Zusammenprall. Eine Szene, die beim Zuschauen unheimlich schmerzt. Mo weiss sofort, dass es eine schlimme Verletzung ist, winkt nach ärztlicher Versorgung. Daniel Didavi hält ihm die Hand. Dinos Mavropanos tröstet ihn. Er macht es für uns alle, wir wollen bei Mo sein, wollen ihm beistehen, wollen ihm sagen „Alles wird gut“. Und wir wissen, dass es nicht so ist. Es ist eine schwere Verletzung, Sven Mislintat spricht nach dem Spiel von sechs Monaten Verletzungspause. Tragisch. Nicht nur, dass er sich immer näher an den Profi-Kader heranspielte und er der heisse Scheiss beim VfB war, sondern weil er als 17-jähriger jetzt in ein emotionales Loch …

Warum es eine gute Saison wird

Ganz klar, Platz 9 wird schwierig zu wiederholen sein. Aber eine stabile Saison, ohne groß in die Bredouille und in Abstiegsgefahr zu geraten, das wird der VfB schaffen. Warum? Ganz kurz: wegen Sven Mislintat und Pellegrino Matarazzo, die M&M’s des VfB werden es richten. Ein bisschen länger: The Great Mislinbowski hat dem Trainer einen großen Kader hingestellt und streut damit das Risiko. Noch ein und noch ein und noch ein junger (französischer) Neuzugang? „Bien sûr“, antwortet der Sportdirektor. Denn einerseits weiss er nicht, ob und wann welches Talent performt und andererseits muss man den Nachwuchsspielern Zeit geben. Siehe Tanguy Coulibaly, der erst in der zweiten Mannschaft herangeführt wurde und dann in seinem ersten Bundesligajahr positiv überraschte. Siehe Teto Klimowicz und Roberto Massimo, die Stück für Stück mehr Spielzeit bekamen. In seinem zweiten Jahr könnte nun Naouirou Ahamada durchstarten, auch dem noch 17-jährigen Mo Sankoh sind die nächsten Schritte zuzutrauen, wie eben auch Klimowicz und Massimo und Darko Churlinov. Es kann in Ruhe abgewartet werden, ob Ömer Beyaz wirklich die Granate ist, für die ihn manche …

Sieht erstaunlich gut aus

Borna Sosa mit Kapitänsbinde sieht ungewohnt, aber erstaunlich gut aus. Wie auch seine Flanke auf Ali G. und dessen Kopfball zum 1:0. Und dann Bornas Lächeln nach seinem 2:0, pures Gold. Wie Hiroki Ito den Mittelmann in der Innenverteidigung für Waldemar Anton gab, sieht erstaunlich gut aus. Eigentlich für die zweite Mannschaft vorgesehen, spielte er seine Rolle souverän und unaufgeregt und bestätigt seine guten Testspielauftritte. Seine öffnenden Diagonalbälle – wie vor dem 1:0 – machen gleich einen guten Eindruck. Das Strahlen von Teto Klimowicz nach seinem Ballklau vor dem 4:0 sieht gut und befreiend aus, auch wenn er erneut ein fahriges Spiel macht. Das Kopfballtor von Mo Sankoh, neun Minuten nach seiner Einwechslung, sieht erstaunlich gut aus. Man merkt dem 17-Jährigen an: Ihm reicht es nicht bei den Profis dabei zu sein, er will mehr. Auch Copa-Keeper Fabian Bredlow präsentiert sich erstaunlich gut. Keine Wackler und Unsicherheiten wie sonst im Pokal. Im Gegenteil: Er strahlte einen bemerkenswerten Ehrgeiz aus, unbedingt zu Null spielen zu wollen. Ali G is in da House 🥰 #BFCVfB #VfB #AlGhaddioui …

Die neue Lässigkeit?

Es sieht nicht gut aus zum Saisonstart für den VfB Stuttgart. Sasa Kalajdzic ist zunächst corona-bedingt raus und hat bei seinem Wiedereinstieg gerade mal eine einwöchige Vorbereitung in den Beinen. Neu-Kapitän Wataru Endo stößt nach dem strapaziösen olympischen Turnier erst kurz vor dem ersten Spieltag zur Mannschaft, der neue Keeper Florian Müller kam zwar ein paar Tage früher aus Tokio zurück, konnte sich aber mit seiner Abwehr noch nicht wirklich einspielen. Orel Mangala ist ebenso verletzt wie Neuzugang Chris Führich und natürlich Silas, der vor November nicht zurückerwartet wird. Dazu gibt es zwei weitere Corona-Fälle (Tanguy Coulibaly und Nikolas Nartey) beim VfB, Trainer Pellegrino Matarazzo muss zum Saisonstart also stark improvisieren. Und muss vielleicht sogar Jungspund Jordan Meyer und Altrocker Hamadi Al Ghaddoui gleichzeitig reinwerfen. Bei beiden spielt die Hoffnung mit, dass sie sofort performen. Auf anderen Schultern, wie beispielsweise denen von Roberto Massimo, Teto Klimowicz, Philipp Förster, Atakan Karazor und Borna Sosa liegt deutlich mehr Verantwortung als noch in der vergangenen Saison. Kein Wunder, schließlich muss man im Kollektiv auch noch den Abgang von …

House of Ehrenmänners

ZEIT Online hat heute in einer effektheischenden Artikelserie für Aufsehen gesorgt. In vier Texten lässt sie alle schlecht aussehen: Claus Vogt, Thomas Hitzlsperger, Wilfried Porth, André Bühler, „rund 100 Leute, die auf Twitter das Meinungsbild in Stuttgart bestimmen“ und die aktuelle Mannschaft auch gleich mit. Nur die Ehrenmänner Rainer Mutschler und Bernd Gaiser kommen gut weg. Komisch eigentlich. Dabei hat ZEIT Online den eigentlichen Skandal gar nicht aufgedeckt: Die internen Dokumente, die uns von der kleinen digitalen Elite zugespielt wurden, und die vielen Gespräche, die wir über Monate mit der subversiven Gegenöffentlichkeit geführt haben, werfen Fragen auf, gar einen ungeheuren Verdacht. Wir haben Erkenntnisse, die vieles bisher Erzählte in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Wir wollten eigentlich eine mehrteilige Artikelserie machen, aber es hat dann doch nur zu diesem Text gereicht (sorry, aber es ist Freitag Abend!). Es geht dabei um nichts weniger als grundsätzliche Fragen, die sich in vielen Clubs stellen oder stellen werden: Was muss man mitbringen, um heutzutage einen Profiklub erfolgreich zu trainieren? Und wer entscheidet eigentlich darüber, was man als Trainer …

Steiger vs. Vogt in der Schwemme

Es war das Wort des Abends. „Nochmal“. Pierre-Enric Steiger verwendete es in jedem zweiten Wortbeitrag, sichtlich genervt davon, seinen Zuhörerinnen und Zuhörern seine Konzepte erneut zu erläutern. Und sicher auch von sich selbst genervt, weil ihm das mit zunehmender Veranstaltungsdauer nicht gelang. Das VfB-Fanprojekt hatte in den Gourmet-Tempel „Schwemme“ in Bad Cannstatt geladen, dort gab es ein sogenanntes „Duell“ zwischen Amtsinhaber Claus Vogt und Herausforderer Steiger. Überdies stellten sich die Präsidiumskandidaten Rainer Adrion, Hubert Deutsch, Christian Riethmüller und Markus Scheurer vor. Die Moderatoren des Abends, Autor Bernd Sautter und Vertikalpass-Blogger und STR-Podcaster Sebastian, hatten den Abend thematisch eingeteilt in die vier Blöcke „Stimmung“, Datenskandal“, “Gesellschaft“ und „Wahlprogramm“. Nach Steigers angriffslustigen Interview in der Stuttgarter Zeitung hatten nicht wenige einen harten Schlagabtausch zwischen Vogt und seinem Herausforderer erwartet. Ein bisschen in den Infight gingen die Kontrahenten jedoch erst in der zweiten Hälfte des Abends. „Ich weiß nicht, was Sie in Mathe hatten, bei mir war es gut bis sehr gut“, kommentierte Vogt die Ideen seines Widersachers zur Neubesetzung des Aufsichtsrats. „Sich flapsig als “Mindestlohn-Präsident“ zu bezeichnen, …

Im Style einer Betriebsmannschaft

Ein neues Trikot ist immer wie eine Fashion-Show. Die VfB-Fans sitzen in der Front Row und schauen mindestens so grimmig wie Vogue-Chefin Anna Wintour. Wird das neue VfB-Trikot eine Style-Sünde oder zum Fashion-Favourite? Regel 1 im Fashion-Guide: Um einen rosafarbenen Anzug zu tragen, muss man in Miami leben oder Don Johnson heißen (remember die Serie Miami Vice?). Regel 2: Ein Trikot mit einem roten Brustring und VfB-Logo ist immer ein schönes Trikot und kann zu jeder Gelegenheit und überall getragen werden. Das sogenannte „First“ (oder “Heimtrikot” wie wir älteren sagen) überraschte in der Vergangenheit selten mit ausgefallenen Looks: Weißes Trikot, roter Brustring, mehr braucht es nicht. Und 2021/2022? Der VfB präsentierte jetzt das neue Outfit und bezeichnet es selbst als “eine Verbindung zwischen traditionellen Farben und modernen Details“. Schauen wir mal im Detail drauf, wie so Mode-Blogger. Farben: Weiß und rot. Plus schwarz am Kragen, am Brustring und an den Ärmeln. Das gabs so ähnlich in der Saison 2017/2018. Damit wurde immerhin der siebte Platz erreicht. Würden wir nehmen. Roter Brustring: Klar, was sonst. Es …

Zu geil für diese Welt?

Eins hat Pierre-Enric Steiger seinem Mitbewerber Claus Vogt, dem Ex-Kandidaten Christian Riethmüller, dem abgelehnten Bewerber Volker Zeh und vielen Ex-Präsidenten voraus: Er hat ein Konzept. Schriftlich fixiert auf 18 Seiten, juristisch geprüft und abgesegnet und für jedermann nachlesbar veröffentlicht. Das ist weit mehr als ein schnell herunter gerotztes 11-Punkte-Programm und konkreter als wolkige Absichtserklärungen, die flüchtig in Interviews und Podcasts geäußert werden. Hier ist das Strategiepapier nachzulesen, damit sich alle ein Bild davon machen können. Steigers Kernpunkte: Er will die Mitgliederinteressen und das Mitbestimmungsrecht stärken. Das hört sich erst einmal gut und ein bisschen populistisch an. Sein Konzept erfüllt dies nicht unbedingt, im Gegenteil. Auch die Stärkung des Vereins im AG-Aufsichtsrat wirkt für mich wie eine Luftnummer. Oder verstehe ich es nur nicht? Das sagte Steiger bei Danny Galm und Simeon Kramer in deren Podcast des ZVW. Die Fans würden sein geiles Konzept nicht verstehen, er fühlt sich unverstanden, von Teilen der Fans und Mitglieder vorverurteilt, es scheint, als meine er, er sei zu geil für diese (VfB-)Welt. Dein Konzept ist Deine Party, die Dir …