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Momentum mal!

Dass dieser Text zur Partie des 1. FC Köln gegen den VfB Stuttgart mit etwas Verspätung erscheint, ist unter anderem der frisch entfachten Liebe des Autors zum American Football geschuldet. Neben unzähligen sportartspezifischen Begriffen begegnet man bei der NFL-Berichterstattung immer wieder einem Wort, das für die Amerikaner auch bei anderen Sportarten eine große Rolle spielt: Das Momentum. Die deutsche Übersetzung “Impuls” gibt leider nur unzureichend wieder, was das Momentum ist. Um es zu beschreiben, muss man eher zur schönen Formulierung “am Drücker sein” greifen. Was das mit dem VfB zu tun hat? Alles! Denn die Stuttgarter sind traditionell ein Team, das vom Momentum lebt. Schwimmen sie einmal auf der Welle des Erfolgs, sind sie nur schwer zu stoppen. Aber haben sie Scheiße am Fuß, dann haben sie aber eben auch richtig Scheiße am Fuß, wie man zu Beginn dieser Saison eindrucksvoll erleben durfte. Dabei hat das Phänomen Tradition. Man muss sich nur ein paar Jahre zurück erinnern, als man in Cannstatt regelmäßig nach einer verkorksten Hinrunde im Herbst den Trainer entließ, um dann in der Rückrunde …

Die große Rückrunden-Vorschau

Pep Guardiola muss vor Saisonende gehen, Daniel Ginczek feiert ein wichtiges Comeback, Lord Hlousek wird Maskottchen, Jürgen Kramny sitzt auch am 34. Spieltag auf der VfB-Bank und Kevin Großkreutz fährt zur EM. Wir wissen, wie die Rückrunde läuft.  18. Spieltag Zum Rückrundenstart hat der VfB keinen neuen Innenverteidiger, nachdem Kandidaten wie Gouweleeuw, Romagnoli, Djilobodji und Wimmer zu Mondpreisen (siehe hier) von den direkten Konkurrenten Augsburg, Bremen, Hannover und Hoffenheim verpflichtet werden. Anstatt dessen spielt Kevin Großkreutz rechter Verteidiger. Das macht die Abwehr leider nicht stabiler, der VfB verliert gegen Köln mit 1:0. Wenn es so etwas wie gute Stimmung in Stuttgart gab, dann ist sie jetzt wie weggeblasen. Der HSV geht zum Rückrundenauftakt mit 2:9 gegen Bayern unter. Manche HSV-Fans fragen sich, ob es stimmt, dass Bruno Labbadia als Trainer nur ein halbes Jahr funktioniert. Der FC Bayern München steuert einen knüppelharten Erfolgskurs, alles wird dem „Triple oder nix“ untergeordnet. Manuel Neuer beklagt sich über die kalte Atmosphäre an der Säbener Straße, „Pep Guardiola hat mich noch nie in den Arm genommen!“. In Wolfsburg sitzt …

Der VfB als Gute-Laune-Meister

Neulich habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, mit Robin Dutt ein Bier zu trinken. Es ist so gelaufen: Ich trink’ nen Helles, er rührt in einem Tee, wahrscheinlich weil er so wirken will wie Felix Magath. Dutt hat gefährlich gute Laune, er will sich niemanden schlecht reden lassen, schon gar nicht Toni Sunjic und Lord Hlousek, die so gut im Testspiel gegen Hannover verteidigt haben. Kevin Großkreutz stellt sich zu uns, er ist froh, dass er wieder in Deutschland ist und Fußball spielen kann. Im Arm hat er Serey Dié, der strahlt, weil mit Großkreutz endlich einer da ist, der wie er tickt. Bald wird Kevin auch so einen Iro tragen. Artem Kravets prostet uns zu, er ist schon zufrieden, dass er deutsch lernen darf. Jürgen Kramny ist glücklich, dass er endlich Cheftrainer ist und gibt allerlei optimistische Interviews. Daniel Schwaab und Georg Niedermeier sind froh, dass sie wieder spielen dürfen. Bernd Wahler lacht breit, gehts doch endlich los mit der Vereinsentwicklung und den Workshops und den Regionalversammlungen. Da ist er in einem Element. …

Endlich wieder Fußball!

Es gab mal eine Zeit, da war Hallenfußball richtig fresh. Kurz zuvor hatten Cool & The Gang ihren gleichnamigen Hit und Foreigner sangen „I Wanna Know What Love Is“, was mich wirklich brennend interessierte. Ich riss mir an den Knien und am Hintern die Jeans auf, um in den „Club Tropicana“ von Wham! zu kommen, in dem die Drinks umsonst waren. Als ich mich fragte, wie ich aus meinen dünnen Locken so eine steile Friese machen kann wie bei den Jungs von Depeche Mode, gründete Mercedes-Benz das erste internationale Hallenfußball-Turnier in Stuttgart. War für mich eher so die zweitwichtigste Nachricht, aber ein paar Jahre später ging ich mit meinem Vater in die Schleyer Halle und da gab’s mehr zu sehen als im Pop Rocky-Heftle. Jürgen Klinsmann, Asgeir Sigurvinsson, Karl Allgöwer, Günther Schäfer, Guido Buchwald; mir wird gerade schlecht vor Wut, wenn ich an die heutige Mannschaft denke. Auch ein gewisser Hansi Müller lief auf – allerdings für Wacker Innsbruck und er wurde abgefeiert. Welcher ehemalige VfB’ler würde denn heute bejubelt bei seiner Rückkehr nach Stuttgart? …

Everybody’s Darling

Alle haben sich in Jürgen Kramny verliebt: Zunächst einmal sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss, der ihn während des Wolfsburg-Spiels sicher 50 Mal zum neuen VfB-Cheftrainer macht und sich vor Begeisterung regelrecht überschlug. Die Stuttgarter Medien haben sich auch in Kramny verguckt; stärken sie ihm den Rücken, weil er so ein angenehmer und zurückhaltender Gesprächspartner und damit also das genaue Gegenteil von Alexander Zorniger ist? Robin Dutt ist natürlich auch schwer verliebt, nimmt ihm Kramny doch die Entscheidung ab, wer neuer Trainer werden soll. Das Zaudern und die Angst vor einer Entscheidung haben sich also für Sportvorstand gelohnt. Der Ablauf der Trainersuche wirft kein besonders gutes Licht auf Dutt, auch wenn er verbal stets überzeugend auftritt, eine gewisse Hilflosigkeit ist ihm nicht abzusprechen. Schließlich muss ich zugeben, auch ein wenig verschossen in den neuen VfB-Trainer zu sein. Mir hats sein Grinsen angetan nach dem 3:1, es war so voller Stolz. So schauen Väter, wenn ihre Kinder zum ersten Mal aufs Klo gegangen sind statt in die Windel zu machen. Und seine Augen: Sie sind groß und strahlen wie bei …

Die große Ernüchterung

Am Saisonanfang haben wir uns am alternativlosen Offensivfußball von Party-Zorni berauscht. Wir waren trunken vor lauter hohem Pressing und  haufenweise ausgelassener Torchancen. Und so besoffen, dass wir tatsächlich glaubten, das Problem in der Innenverteidigung ließe sich lösen, indem man “Lord” Hlousek umschult. Die Partystimmung ist längst verflogen, der VfB will nun auch ohne Zorniger Spaß haben und wir alle wissen jetzt, dass das gerne zitierte Konzept auch keine Lösung war. Jürgen Kramny hat die undankbare Aufgabe übernommen, den verkaterten Haufen wieder flott zu machen. Und mittlerweile glaube ich, dass er genau der richtige für diesen Job sein könnte. Die Spiele gegen Bremen und Mainz waren unansehnlich und mäßig erfolgreich. Aber Kramny scheint erkannt zu haben, dass ein 0:0 in Mainz ein gutes Resultat ist, wenn man in den letzten drei Auswärtsspielen jeweils vier Gegentore bekommen hat. Kramny hat vielleicht auch realisiert, dass der VfB Stuttgart eben nicht an einem guten Tag jeden schlagen kann, sondern eher an einem nicht so guten Tag gegen jeden verliert. Vielleicht bringt der von vielen (auch von uns) als “farblos” charakterisierte …

Lieber Herr Dutt, haben Sie Angst zu entscheiden?

Das Spiel gegen Bremen war so ziemlich das Schlimmste, was passieren konnte: Ein (klarer) Sieg hätte Jürgen Kramny Rückenwind gegeben, eine verheerende Leistung inklusive Niederlage hätte den Handlungsdruck erhöht, sofort eine neue Trainer-Lösung zu finden. So bekommen Sie die Gelegenheit, das zu tun, was ich auf keinen Fall tun würde: Abwarten. Auf was warten Sie, Herr Dutt? Auf den niederrheinischen Schubert-Effekt, der auf wundersame Weise auf den schwäbischen Kramny überspringt? Ich befürchte, das wird nicht funktionieren. Die Spiele gegen Dortmund und Bremen waren Rückfälle in den biedersten Labbadia-Fußball seiner Stuttgarter Spätzeit: ängstlich, uninspiriert und mit zwei Viererketten, zwischen denen riesige Lücken klafften, so dass sich der Aufbau von hinten immer wieder mit langen Bällen behelfen musste. Die Abwehr flattert immer noch, Daniel Didavi und Alexandru Maxim erkennt man nur daran, dass sie ihren Namen auf dem Rücken (spazieren) tragen und der Kapitän hat seine stärksten Szenen bei der Platzwahl. Ich denke, besser wird es mit Kramny nicht. Was sicher auch am Kader liegt, den Sie zusammen gestellt haben. Ob es mit einem anderen Trainer besser funktioniert? Ja, …

Tu’ mir weh, VfB

Knapp vier Stunden nach dem Abpfiff der Partie des VfB Stuttgarts gegen Werder Bremen erklangen nur wenige Kilometer vom Stadion entfernt die ersten Akkorde der von uns hoch geschätzten Band Wanda. Der vertikalpass-Betriebsausflug zum Konzert der Österreicher sollte eigentlich der Abschluss eines perfekten Wochenendes sein. In Zeiten, in denen meine Wochenenden von Umzügen, Krippenspielproben der Kinder und Laufveranstaltungen geprägt werden, habe ich mich davon frei gemacht, mich von den Resultaten des VfBs runterziehen zu lassen. Aber, wenn sogar meine Arminia ihren ersten Heimsieg holt, hätte doch auch der VfB einen Dreier landen können. Hat er aber nicht. Mal wieder. “Leidenschaft heißt leiden und es lässt sich nicht vermeiden dass die Wunde klafft.” Sein wir ehrlich. Wir hätten uns so sehr gewünscht, dass die Partie 1:0 ausgeht. Den nicht gegebenen Elfer für Bremen, den Lattenschuss von Öztunali und das Chancenplus der Werderaner in der zweiten Hälfte hätten wir einfach weggelächelt. Ein biederer und fehlerarmer Auftritt hätte schon genügt, um uns zufrieden zu stellen. Hauptsache gewonnen, Hauptsache keine vier Gegentore. Mittlerweile sind wir so demütig, dass es eigentlich egal ist, …

Eine Frage der Ehre

Das Spiel gegen Werder Bremen ist wegweisend: Für Jürgen Kramny, der bei einem Sieg weitere Spiele auf Bewährung bekommt. Für Robin Dutt, der bei einer weiteren Niederlage unter extremem Druck stehen würde. Für die Spieler, die beweisen müssen, dass sie Mentalität und Qualität mitbringen, um für den VfB spielen zu können. Nur so gewinnen sie die Herzen der Fans (zurück). Fehlt Qualität oder Mentalität? Oder beides? In der Offensive ist grundsätzlich Qualität vorhanden. Wenn Daniel Didavi und Filip Kostic Bock haben, zu spielen. Wenn Timo Werner nicht alleine gelassen wird und er seine Hektik am Ball in den Griff bekommt. Wenn Martin Harnik sich seine geradezu grotesken Fehlschüsse sparen würde. Wenn Alexandru Maxim wieder dahin zurückkehrt, wo er mal war: zu exzellenten Standards, zu Spielfreude und überraschenden Ideen. Ja, dann ist Qualität vorhanden. Aber diese Qualität wird zu wenig abgerufen, wobei wir bei der Mentalität sind. Abgehobene Träume (Kostic, Didavi, Harnik), Frustrationen (Maxim) und Unerfahrenheit & Überforderung (Werner) sorgen dafür, dass das vorhandene Potential nicht auf den Platz kommt. In der Retrospektive erscheinen manche Entscheidungen …

Wäre Guardiola beim VfB erfolgreich?

Dass Alexander Zorniger seinen Dreijahres-Vertrag nicht erfüllen würde, dazu musste man angesichts der letzten Wochen kein Prophet sein. Die Trennung vor dem Dortmund-Spiel kam dann doch überraschend. Während schon Namen für die Zorni-Nachfolge genannt werden, wird noch nach Gründen für das Scheitern Zornigers gesucht. Eine Übersicht: Zorni als Person Der ehemalige Leipziger Trainer war schon sehr von sich überzeugt. Und ließ an dieser Überzeugung alle und zu jeder Zeit teilhaben. Damit machte er sich nicht unbedingt Freunde. Bei den Mitarbeitern in der VfB-Geschäftsstelle nicht, bei den Journalisten nicht und auch bei den Spielern nicht. Gut, ein Trainer ist nicht dazu da, sich Freunde zu machen. Aber wenn man weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Erfolge vorzuweisen hat, dann macht man sich angreifbar und fordert Kritik und Häme geradezu heraus. Die Fans Zorniger hat das Fan-Lager gespalten. Die einen hielten ihn für einen Maulhelden, der noch nichts in seiner Karriere erreicht hat. Die anderen für den einzigen, der in Cannstatt aufräumen könnte. Auch nach dem desaströsen 0:4 gegen Augsburg gab es keine “Zorniger raus!”-Rufe. …