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Die Totengräber des VfB

Warum bin ich VfB-Fan? Der Verein kam zu mir durch meinen Vater, der mich als ganz kloiner Junge mit ins Neckarstadion genommen hat. So ein riesiges Stadion, es roch nach Bratwurst, man konnte so laut schreien wie man wollte und dann trugen die Spieler so ein schönes Trikot. Mein erstes Idol war Hermann Ohlicher, natürlich weil er viele Tore schoß, aber auch weil ich glaubte, er ist wie ich: Er liebt den VfB. Der Verein ist wie ein warmes Herz, eine heiße Liebe, aber auch eine wehmütige Erinnerung. Das kann das Geräusch des Jubels, der Schmerz einer vergebenen Chance, der rhythmische Gesang von 1893-hey-hey sein. Der VfB gehört für mich zur Familie. Ist mal der große Bruder, zu dem ich aufsehe. Mal der Opa, wenn er von Tradition und alten Zeiten spricht. Mal die zickige Schwester, wenn der Club wieder eine Pussy ist. Es muss schon viel passieren, ehe man jemand aus der Familie verstößt. Vertrauensbruch. Hinterhältigkeit. Betrug. Eine wehrlose Mannschaft. Ein überforderter Trainer. Ein planloser Manager. Ein unbeholfener Präsident. Und schließlich Fans, für die …

This Club is on fire!

Es wird über guten und bösen Fußball diskutiert in diesen Tagen. Auslöser ist Pep Guardiola, der für das schöne Spiel steht, aber mit Bayern München „nur“ dreimal hintereinander Meister geworden ist. Es gibt wirklich Leute, die so überheblich sind und Guardiolas Fußball über den von Klopp, Rangnick, Schmidt, Schuster oder Simeone stellen. Weil Pep Fußball “spielen” läßt und die anderen eher auf die Fehler des Gegners warten oder sie erzwingen wollen. Ich bin da ganz einfach gestrickt: Für mich spielt der VfB bösen Fußball – und warum? Weil er nicht erfolgreich ist. So gesehen gibt es nicht gut und böse, sondern erfolgreich und den VfB. Und wie man zum Erfolg kommt, dafür gibt es verschiedene Wege. Nicht nur den Pep-Way und den Halunken-Style von Diego Simeone. Der VfB hat den Weg in den Mißerfolg genommen. Von diesem Weg läßt er sich seit rund fünf Jahren nicht abbringen, ganz so wie die Weinwanderer am Vatertag. Jetzt brennt es lichterloh in der Mercedes Straße. Und zwar überall. Trainerstab Jürgen Kramny saß wie das reine Elend in Bremen …

Verein für Bequemlichkeit

Auf meinen Freund Sammy konnte ich mich immer verlassen: Wenn ich am VfB zweifelte, wenn ich vor Spielen Angst hatte und wenn es um alles ging, gab er mir mit seinem Optimismus Hoffnung. Ich sah mit ihm das Bochum-Spiel 2007, er sagte das 2:1 gegen Cottbus voraus und war sich letzte Saison absolut sicher, dass gegen Mainz und den HSV gewonnen wird. Vor dem Bremen-Spiel schüttelte er allerdings den Kopf: “Des wird heut’ nix!” Damit war der Abend eigentlich gelaufen. Warum habe ich mir das Spiel noch angetan? “Zwei Tore auswärts, das ist eine gute Leistung, vor allem ohne unsere Fans. Und das auswärts in diesem Hexenkessel in Bremen. Ja gut, wir müssen die individuellen Fehler abstellen, insbesondere in der Abwehr, aber die anderen haben jetzt den Druck: Die können etwas verlieren, während wir aus einer komfortablen Situation kommen. In der fühlen wir uns am wohlsten. Von uns erwartet niemand etwas, es gibt noch sechs Punkte und die können wir uns holen”. Ein absolut lächerliches Statement? Ja – und ein frei erfundenes. Aber es wäre …

Judgement Day

Trauer oder Triumph. Sieg oder Sarg. Vollhorst oder voll geil. Das Abstiegs-Endspiel wird kein Fight Light, es wird ein Drama, Baby. Bremen gegen VfB, Werdinator vs. VfBallermann, Tag der Abrechnung, das Spiel um die Big Points, eine Art vorgezogenes Relegationsspiel. Hier kann sich jeder unsterblich machen, es können Legenden entstehen, über die noch in 25 Jahren gesprochen wird. Auch wenn es kein Kampf Mann gegen Mann wird, machen wir den großen Head-to-Head-Vergleich. Trainer Viktor Skripnik und Jürgen Kramny stehen sich beide an Farblosigkeit in nichts nach. Beide standen und stehen in der Kritik wegen Ihrer Art der Mannschaftsführung. Am Anfang wurde dieses Ruhige, Zurückhaltende und Bodenständige beiden noch als Vorteil ausgelegt. Remis der tristen Sorte. Torhüter Pommes Tyton und Felix Wiedwald, beides Hauptdarsteller der Serie Pleiten, Pech und Pannen und in der Torhüter-Rangliste des Kicker auf den Plätzen 16 und 17. Remis. Aber kein gutes. Außenverteidigung Emiliano Insua läuft Furchen in seine Außenbahn. Sein Laufstil sieht immer nach harter Arbeit aus. Solide kann man ihn nennen, wobei er zuletzt weniger konsequent in den Zweikämpfen war und …

Abstiegs-Ghostbusters

abiszet hat Angst. Ute hat Angst. Franky hat Angst. Benjamin hat Angst. Georg Preiß hat Angst. Und wer das Spiel gegen Augsburg gesehen hat, kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass auch die Spieler Angst haben. Ganz Stuttgart hat Angst. Wovor? Natürlich vor dem Abstiegsgespenst. Ich finde, diese kollektive Angst ist völlig unbegründet. Denn, wenn es um Gespenster geht: “Who you gonna call?” Na klar: Die Abstiegs-Ghostbusters! (An dieser Stelle bitte an die Titelmelodie denken. Nänänänänänä!) Was wir jetzt brauchen, ist eine geniale Idee von Robin Dutt. So wie in der vergangenen Saison, als er die drei Finalspiele ausrief. Okay, seine neue Schöpfung “Achter-Liga” ist jetzt nicht ganz so geil, aber besser als nichts. Ich dachte übrigens erst, dass die Achter-Liga nur eine neue Bezeichnung für das Team Marktwert ist, aber das stimmt natürlich nicht. Bestimmt ist es purer Zufall, dass außer Hertha BSC alle Mitglieder des Team Marktwert im Abstiegs-Schlamassel stecken und die zweifelhafte Ehre haben, in der Duttschen Achter-Liga mitspielen zu dürfen. Das Abstiegsgespenst ist genauso wie der riesige Marshmallow-Mann. Es zieht seine Kraft …

Being Daniel Didavi

Ich weiß gar nicht, was die Kinder heutzutage werden wollen. Astronaut und Lokomotivführer sind wahrscheinlich nicht mehr so angesagt, oder? Und Fußballprofi möchte wahrscheinlich auch niemand mehr werden. Spätestens seit bekannt ist, dass man nicht mal 75.000 Euro im Taxi vergessen kann, ohne dass es ein Riesentheater darum gibt. Dann doch lieber Youtube-Star oder irgendwas mit Offshore. Ich würde mich mit einer Profifußballerkarriere übrigens immer noch zufrieden geben. Am besten ohne Verantwortung und mit viel Freizeit. Das Ulreich-Modell sozusagen. Oder noch besser: Die Tasci-Variante. Allerdings habe ich mich gefragt: Was ist, wenn ich nicht Sven Ulreich oder Serdar Tasci wäre, sondern Daniel Didavi? Ich hätte gerade meinen Wechsel zum VfL Wolfsburg publik gemacht und sähe mich aufgrund all der Häme und Beschimpfungen gezwungen, ein Statement abzugeben. Was würde ich schreiben? Ich glaube, es wäre ungefähr das folgende: Servus Leute. Ich kann verstehen, dass Ihr frustriert seid. Aber hat sich auch nur einer von Euch in meine Lage versetzt? Viele schreiben, ich hätte keinen Charakter. Blödsinn! Wahrscheinlich habe ich mehr Charakter als all ihr Facebook-Hater zusammen …

We can be heroes, just for one day!

Liebe VfB-Spieler, in letzter Zeit hatte ich den Eindruck, Ihr kommt’ nicht mehr richtig aus dem Shit. Alles läuft ein bisschen langsamer, weniger motiviert, sieht fast ein bisschen distanziert aus, wie Ihr da auf dem Platz steht. Man könnte glauben, Ihr fühlt Euch schon sicher. Mal ehrlich: Stimmt das? Macht Ihr es Euch wieder in der Komfortzone gemütlich? Geht Ihr wirklich nicht mehr den letzten Schritt, zieht den Fuß lieber im Zweikampf zurück und denkt an die nächste Trüffelpizza im H’ugo’s? Das wäre wirklich achtlos, denn es gibt ziemlich viele da draußen, deren Wochenende versaut ist, wenn Ihr einen Trash zusammenspielt. Die die Kränkung, die Wut und den Schmerz einer Niederlage lange nicht vergessen. Jetzt gehts gegen Bayern. Tormaschine Lewandowski, Raumdeuter Müller, Ribery, Götze, King Coman, Costa, klar, da kann man abschenken. Ein VfB-Sieg ist auch so Old School, das ist so 2010! Wer weit vorne sein will, der muss gegen Bayern verlieren, am besten mit einer fancy fluiden Aufstellung. Dann den Pep umarmen, der nach dem Spiel von einem super-super Gegner spricht. Glaubt diesen …

Der Didavi Code

Im Life-Style-Magazin “Tempo” – so eine Art 80er Jahre Print-Version von kessel.tv – gab es die Rubrik “100 Zeilen Hass” von Maxim Biller, in der das heutige Literaturquartett-Mitglied gegen alles und jeden ablederte. Biller war immer mies drauf, genau so wie ich nach dem schauderhaften 2:2 in Darmstadt, deshalb kommen jetzt 3.500 Zeichen schlechte Laune. Wo soll ich anfangen? Mit dem positiven. Der VfB hat mit dem Remis am Böllenfalltor seinen Vorsprung auf die Abstiegsränge ausgebaut. So, das wars. Text aus. Danke, tschüss. Da es mir aber nach einer langen Geburtstagsfeier draußen zu hell ist, schreibe ich mal weiter. Über wen? Über Daniel Didavi. Er ist ein Rätsel für mich. Er kann so viel. Nicht nur, dass er mit seinem linken Fuß Konservendosen öffnen kann, er kann mit seinen Pässen Räume schaffen, mit seiner Schusstechnik begeistern und er kann auch mal einen Gegenspieler umholzen, Dida ist sich auch für Grätschen nicht zu schade. Und was macht er in Darmstadt? Nichts. Er schont sich. Womöglich für die neue Saison, für einen neuen Arbeitgeber, der gerüchteweise Wolfsburg …

Team Marktwert: Darf’s etwas mehr sein?

Ich bin kein Fußball-Romantiker. Ganz bestimmt nicht. Ich hatte kein Problem damit, als Hoffenheim in die Bundesliga aufgestiegen ist und ich werde kein Problem damit haben, wenn Red Bull Leipzig ihnen bald nachfolgt. Selbstverständlich steht den handelnden Personen dort mehr Geld zur Verfügung als anderswo. Dennoch müssen sie gute Arbeit leisten, um aus diesen finanziellen Vorteilen sportlichen Erfolg zu generieren. Dass das kein Selbstläufer ist, sieht man in Hoffenheim. Oder in Manchester. Und dass man auch mit weniger Geld viel erreichen kann, sieht man nicht nur in Leicester. Doch darum soll es auch gar nicht gehen. Sondern vielmehr um das Thema, das letzte Woche in aller Munde war. Reden wir kurz über das “Team Marktwert“. Die “Traditionsvereine” Hertha BSC, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, 1. FC Köln und VfB Stuttgart habe sich zusammengetan und fordern eine Änderung der Kriterien zur Verteilung der TV-Gelder. Statt des bisherigen “2-Säulen-Modells” aus fixem Sockelbetrag (rund 65 Prozent) und der 5-Jahreswertung (rund 35 Prozent) soll eine weitere Säule hinzugefügt werden: Der “tatsächliche Marktwert”. Wie sich der vielleicht errechnen könnte, wissen die Verantwortlichen natürlich …

Call me Aufbaugegner!

Am Freitag vormittag läutet das Telefon bei uns. Rudi Völler ist dran. Natürlich große Aufregung, so oft kommt das ja nicht vor. Rudi will mit Sebastian sprechen. “Sag’ mal, was haste denn am Wochenende vor?”, fragt der Weltmeister. “Am Samstag habe ich meinen langen Lauf mit 30 km und am Sonntag arbeitet meine Frau, da hab’ ich die Kinder!” “Ja klar, muss auch mal sein, Deine Kleinen sind aber auch süß. Aber Du weisst ja, wir haben große Verletzungsprobleme und da dachten wir an Dich, Du kannst doch hinten rechts verteidigen, oder?” “Na ja, aber eigentlich …” “Siehste, wusste ich es doch, hab’ nur Gutes gehört von Dir. Du könnest uns echt helfen, sonst muss ein Jungendspieler ran!” “Herr Völler, ehrlich, das ehrt mich wirklich, aber ich muss doch die Kinder …” “Ach, Du willst doch nur wieder gemütlich drei Weißbier trinken!” “Nein, wirklich …” “Du hast den Fußball nie geliebt” Rumms, legt der Rudi auf. Wird wohl nix mehr mit der Bundesligakarriere von Sebastian. Es gibt keine Bundesligaspiele in die wir als Favorit gehen. …