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From Russia with love!

Nicht erst das Engagement von Huub Stevens in Gelsenkirchen oder die Verpflichtung von Armin Veh bei Eintracht Frankfurt zeigen: Nur allzu gerne greifen die Verantwortlichen der Bundesliga auf bewährte Lösungen zurück. Das klappt mal hervorragend wie zum Beispiel Jupp Heynckes zweite Amtszeit bei den Bayern, mal mittelmäßig wie Christoph Daums Comeback in Köln oder die von Nuri Sahin und Shinji Kagawa in Dortmund, und manchmal auch gar nicht wie Teil Zwei der Liaison zwischen dem HSV und Rafael van der Vaart eindrucksvoll zeigte. In Stuttgart sitzen ebenfalls Spezialisten für so genannte Retrolösungen: Mit Veh und Stevens waren in der vergangenen Saison gleich zwei ehemalige Trainer für die verheerende Saison mit glimpflichen Ende verantwortlich. Und auch in der Vergangenheit verließ man sich gerne auf Bewährtes. Meist leider mit mäßigem Erfolg. Nur ungern erinnern wir uns Alexander Hleb, der in seiner zweiten VfB-Zeit nur noch ein Schatten seiner selbst war. Und dann gibt es da noch die Retrotransfers zweiter Klasse: Spieler, die in der Bundesliga funktionierten, dann durch einen Wechsel ins Ausland vom Radar verschwanden und anschließend von einem anderen Bundesligaverein …

Troy, so vereins-troy!

Let’s talk about Vereinstreue: In Stuttgart ist man troy, so troy: Die Fantastischen Vier findet man in deren Rentenalter noch ganz ok und man geht auch noch mit über 40 in den Perkins Park und die Boa. “Bisch oimol beim Doimler, haschs g’schafft“, hat mein Vater mir mal vor langer, langer Zeit gesagt und heute verstehe ich ihn: 13 und mehr Monatsgehälter, Urlaub hat man in Möhringen und Untertürkheim auch nicht wenig, überraschende Prämien, weil es dem Daimler gut geht, 35-Stunden-Woche, Konfirmationsgeld und immer den neusten Karren vor dem Haus. Warum soll man da weggehen? Komfortabel war es lange Jahre beim VfB, wenn man alles so glaubt, was man zum Thema Leistungskultur, Jahresgehälter und Wohlfühl-Atmosphäre beim Verein so liest. Die Vereinstreue finden die Stuttgarter Fans bei Spielern wie Koka Rausch, Vedad Ibisevic, Adam Hlousek nicht so prall, obwohl sich diese Spieler außer durchaus diskutablen Leistungen nichts zu Schulden kommen ließen. Nicht mal zu schnell gefahren sind sie. Bei einem Verein zu bleiben, hat aber nicht immer nur finanzielle Gründe. Wie beim Doimler auch. Einmal Daimler, immer …

Ich weiß, was ich letzten Sommer getan habe.

Ich werde nie vergessen, wo ich am 8. Juli 1990 war, als Edgardo Codesal Méndez das WM-Finale in Rom abpfiff: In einer Kneipe in Gilching, denn meine wenig fußballverrückten Eltern hatten bei der Urlaubsplanung die Weltmeisterschaft nicht berücksichtigt und wir befanden uns auf der Rückreise aus dem Sommerurlaub, den wir am Balaton in Ungarn verbracht hatten. Ich weiß auch, wo ich am 30. Juni 1996 war, als Petr Kouba den harmlosen Kopfball von Oliver Bierhoff in Tor trudeln ließ: Angetrunken im heimischen Wohnzimmer mit einem Haufen noch stärker angetrunkener Austausch-Schüler aus Utah, die ihre temporäre Volljährigkeit in Deutschland ein letztes Mal genossen, bevor sie am nächsten Morgen völlig verkatert wieder Richtung Salt Lake City flogen. Und natürlich weiß ich, wo ich am 13. Juli des vergangenen Jahres war, als André Schürrle von links flankte und Mario “Ausgerechnet” Götze den Ball ins argentinische Tor spitzelte: In einem großen Wohnzimmer mit vielen Menschen, von denen ich nur die Hälfte kannte und Kindern, die in der Halbzeitpause im Regen barfuß draußen kickten und dabei auf Nacktschnecken traten. Erstaunlicherweise kann ich …

„Das wird schon, meen Jong’!“

Nach vier Minuten, das erste Bier war eigentlich erst halb getrunken, schien alles vorbei. Paderborn trifft mit dem ersten Torschuss, der VfB ist abgestiegen. Wie es wohl meinem Vater geht, der mit meiner Mutter und meinem Freund Thomas in einer Kneipe das Spiel verfolgt? Mein Vater hat schon alles gesehen, er hat Robert Schlienz erlebt, er war 1976 mit anderen 1.999 Zuschauern beim 2:3 gegen Reutlingen im Neckarstadion dabei, er saß neben mir beim 2:1 gegen Manchester United. Ich sehe ihn jetzt vor mir, wie er im Ski-Club von Bad Cannstatt kopfschüttelnd in sein Glas Trollinger schaut. Ich bin äußerlich so ruhig wie der Neckar, der ahnungslos hinter der Kneipe vor sich hinschwappt. Ich würde gerne am Ufer sitzen, ein Bier in der Hand und nur auf das sanfte Hin und Her starren. Gluck-Gluck und dazwischen ein bisschen Vögelgezwitscher und die schweren Schritte eines Joggers. Mein Puls geht im Sitzen genau so hoch wie beim Joggen. Da hilft auch das 1:1 nicht. Die Aufregung ist nicht nur für meinen Vater nix. So richtig lachen konnte …

The Fight Club

“Ein Saison-Finale, das wo man schwer beschreiben kann”, so oder so ähnlich hätte es Jürgen Klinsmann gesagt. Nach 2:2 und 2:3 gegen Freiburg und Schalke war die Sache eigentlich g’schwätzt: Dr’ Lampen steigt ab. Aber dann kam Dutt, ohne Helm und ohne Gurt, einfach Dutt, der nicht quengelt und nicht murrt. Es war Dutt der Coole, das Generve macht ihn krank, während andre unten wurschteln, geht er locker oben lang. „Ich weiss gar nicht, wo das Problem ist: Es ist doch nicht zu viel verlangt, erst einen Sieg gegen Mainz, dann gegen den HSV und dann gegen Paderborn zu fordern. Wir sprechen hier bei allem Respekt nicht von Chelsea oder Barcelona“. Dutt hat diese Vorgaben intern noch mit Argumenten unterfüttert, er muss es in Abstimmung mit Huub Stevens so gut gemacht haben, dass die Spieler daran glauben. Dass im letzten Spiel der Klassenerhalt aus eigener Kraft noch möglich war, verdankt der VfB Dutts Mischung aus Kampflust, Selbstbewusstsein und Strategie, nur von Spiel zu Spiel zu schauen. Das hat schon 2007 funktioniert, als Armin Veh immer …

Ja, ist der VfB denn Meister geworden?

Es liegt eine Anspannung vor dem Spiel gegen den HSV in der Luft, aber nichts Negatives, eher Vorfreude, ein Funkeln in den Augen, man kann das sehen: Väter laufen mit Ihren Kindern ins Stadion, lächeln, schwenken Fahnen, ein Kind hält sogar eine Papp-Meisterschale hoch. Die Fans lachen atemlos, den Rücken selbstbewusst durchgedrückt, Autos hupen fröhlich, in den Fenstern wird immer wieder mit den Fingern eine drei geformt, ich weiss nicht, was das heissen soll, drei Punkte oder drei Tore, beides wäre mir Recht. 20.000 Leute gehen ganz in weiß gemeinsam vom Bad Cannstatter Bahnhof zum Stadion. Nicht nur wegen des Wetters, es ist eine Stimmung, wie … ja, wie 2007. Nicht zu fassen. Da ist der VfB Letzter und Stuttgart ist bestens gelaunt, geradezu euphorisch. Was hat der VfB aus dieser Stadt gemacht? Ein sehr schöner Text der StZ findet sich dazu hier. #VfBHSV #aufmarsch via @Reimi0501 https://t.co/9zVMAeNYDv — Kessel.TV (@kesseltv) May 17, 2015 Nicht nur die äußeren Umstände erinnern mich an 2007, ich werde den Thrilla im Kella erleben wie vor acht Jahren die …

Wie aus Ginni mal so einer wie Gomez wird

Bier, gröhl, viel zu enges Trikot mit Senfflecken drauf – nicht nur auf dem Killesberg ist das das Bild, was man von einem gemeinen Fussballfan hat. Am besten die Straßenseite wechseln, wenn man so einen Typ sieht. Aber tief im Innern sind die Fans doch ganz anders. Grölen macht Spaß, aber eigentlich nur im Stadion und inner verrauchten Sky-Kneipe. Es soll gar Fans geben, die lesen können. Echt jetzt! Ich zum Beispiel habe zuletzt erst “7:1 – das Jahrhundertspiel” gelesen. Das Minutenprotokoll des Halbfinales gegen Brasilien mit einer Unmenge an Erkenntnissen (wichtigster Mann in den ersten 30 Minuten: Sami Khedira) und Fakten von Christian Eichler habe ich regelrecht verschlungen. Dachte, danach könnte ich gleich noch ein Buch lesen, aber die Bestseller-Listen gaben so gar nichts her. Bei dem Wetter mixte ich mir einen funky Hugo und tagträumte so ein wenig vor mich hin. Ich schloß die Augen und plötzlich sah ich Bücher, die ich lesen möchte. Da ist Daniel Ginczek mit seinem Bestseller „Das Jahr, in dem ich traf“. Es berichtet davon, wie er den …

Ist der VfB wieder die schnellste Schnecke?

Didi Hamann mag Huub Stevens. Christoph Metzelder respektiert Huub Stevens. Lothar Matthäus glaubt an Huub Stevens. Ich bewundere Huub Stevens. Wie er nach außen immer ruhig bleibt, stets lobt, nie verzweifelt ist, immer das Positive sieht, das ist außergewöhnlich. Ich könnte das nicht. Klar, I’m a natural born Bruddler, aber wie kann man bei dem Spiel des VfB ruhig bleiben? Da spielt das Team nicht zum ersten Mal richtig gut (mit), hat sich Punkte verdient, nur um sich dann die Tore selbst einzuschenken. Und Huub? Er lenkt den Blick auf die guten Seiten des Spiels, versucht seine Spieler aufzubauen, redet sie stark und pusht sie weiter nach vorne. Mir fällt es immer schwerer, die positiven Dinge zu sehen. Zu oft habe ich Spiele wie gegen den FC Augsburg gesehen, in denen gepunktet werden muss. Zu oft war ich frustriert nach 90 Minuten. Es gibt ja nicht wenige, die glauben, dass der Huub Stevens beim VfB gar nicht der echte Huub Stevens ist. Beim VfB steht die Null so gut wie nie und im Umgang mit …

Drama galore gegen Werder Bremen

Schönes Wetter. Toller Lauf vom Vogelsang zum PSV. Das wird heute was, das spüre ich beim Laufen. Rüdi wieder in der Start11. Gentner mit einem Kehl-Moment. Klein und Rüdi schlafen. Harnik. Einmal. Zweimal. Gibts doch gar nicht. Ginczek. Kiiischteee. Nein. Vestergaard. Ich habe keine Lust mehr. Doch. Ah. Dié mit einem Messi-Moment. Ginczek. Das Stadion ruft Kiiischteee. Schwung. Wahnsinn. Das kommt Euch ein bisschen Gaga vor, im besten Fall ein bisschen Dada? Nach dem Spiel gegen Bremen kann ich nur stammeln, wie so oft gegen Werder, der VfB macht mich fertig: Das in der Rückrunde noch unbesiegte Bremen geschlagen, zum ersten Mal seit zwei Monaten nicht Letzter. Geil, Vorletzter. #bestdayinmylife — Kessel.TV (@kesseltv) April 12, 2015 Während woanders Sportdirektoren zu überforderten Trainern berufen werden und sich Spieler in der Kabine prügeln, während es woanders einen tiefen Graben zwischen Verein, Mannschaft und Fans gibt, bleibt der VfB souverän. Ja, zugegeben, diese Erkenntnis kommt in erster Linie retrospektiv. Aber immerhin, sie kommt: Huub wurde wund geschossen, bei Robin Dutt jedes Wort im Mund herumgedreht, aber er blieb …

Khediras Signale gehen ins Leere*

Stuttgart im Aufruhr. Facebookgruppen werden gegründet, Petitionen gestartet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Demos auf dem Schlossplatz stattfinden und die Daimler-Arbeiter aus Protest streiken. Wutbürger war gestern, jetzt sind die Protest-Fans am Zug. Der Grund für das alles: Trainertalent Thomas Tuchel will zum VfB Stuttgart. Aber dort will man ihn nicht. So schreibt es zumindest Marko Schumacher in der Stuttgarter Zeitung. Während in Stuttgart also die Fanseele kocht und man im Pressehaus mit einem Piccolöchen auf das bundesweite Medienecho anstößt, übersieht man eine viel entscheidendere Personalie. Denn, mal ehrlich: Was hat Thomas Tuchel denn schon geleistet? Okay, er isst mit Pep Guardiola zu Mittag und war quasi der Dieter Bohlen der Bruchweg Boys. Was ist aus denen eigentlich geworden? Ach ja: Schürrle spielt nicht in Wolfsburg, Szalai nicht in Hoffenheim und Holtby nicht in Hamburg. Wir hingegen reden über einen Mann, der nicht nur deutscher und spanischer Meister war, sondern auch amtierender Weltmeister ist: Wir reden von Sami Khedira, der im Sommer ablösefrei zu haben ist. Unverständlich also, dass …