Autor: @abiszet

From Sasa with Love

Nach der Gala gegen Dortmund hatte Pellegrino Matarazzo davon gesprochen, dass die Partie gegen Union Berlin ein Charaktertest sei. Nach dem sehr späten 2:2 kann man sagen, sein Team hat ihn bestanden, nachdem es sich mühsam in das Spiel hinein gekämpft hatte und weil es der VfB schaffte, auch in einem suboptimalen Spiel noch zu punkten. Der VfB-Trainer stellte seine 5:1-Erfolgsmannschaft um, brachte statt Orel Mangala und Tanguy Coulibaly in der Startelf Gonzalo Castro und Nicolas Gonzalez. Was zunächst arrogant wirkte nach dem Motto „Union schaffen wir auch ohne die beiden“, hatte triftige Gründe: Mangala hatte sich beim Aufwärmen verletzt, Coulibaly leichte muskuläre Probleme, so hieß es. Es sah ein bisschen nach Hangover aus, was der VfB am Anfang bot. Nach der Riesen-Party bei den Schwarz-Gelben waren der Kopf und die Beine schwer, zudem präsentierte sich Union als ekelhafter Gegner. Frühes Anlaufen, viele Zweikämpfe, kaum Räume, also das genaue Gegenteil zum Dortmund-Spiel. Dass ein Standard den 0:1-Rückstand bringt, ist Standard beim VfB. Es ist bekannt, dass Union bei ruhenden Bällen durch Christopher Trimmel (by the …

Präsident auf Abruf?

Wird Claus Vogt der Präsident mit den größten Sympathiewerten und der kürzesten Amtszeit in der VfB-Geschichte? Hört sich absurd an, aber der VfB ist und bleibt der VfB, und eine weitere, vollwertige, Amtszeit von Vogt ist anscheinend nicht so selbstverständlich, wie man meinen könnte. Wir sind misstrauisch geworden über die letzten Jahre. Wir Mitglieder wurden belogen und verarscht. Immer wieder wurde uns vollmundig eine Verbesserung versprochen, es gab viel Selbstlob für die optimalen Rahmenbedingungen, ausgeklügelten Konzepte und Strategien. Das alles on repeat von Leuten, die heute schon längst nicht mehr für den VfB tätig sind. Aber auch von solchen, die noch heute in Führungspositionen tätig sind. Und wir? Haben schmerzvoll gelernt, ganz genau hinzuschauen. So gut es sportlich läuft, so sehr knirscht es ganz offensichtlich hinter den Kulissen. Es herrscht beim VfB Stuttgart ein Richtungsstreit, vielleicht sogar ein Kampf der Kulturen: Zwischen denen, die den Status Quo bewahren wollen und weiter so arbeiten wollen, wie es sich in den letzten zehn bis zwanzig Jahren “bewährt hat”. Die Ergebnisse sind bekannt und wenig überzeugend. Aber den …

New Kids on the Blöckle

Boybands haben beim VfB Tradition: In den 90ern hießen sie „Das magische Dreieck“, Anfang dieses Jahrtausends feierte eine Gruppe namens „Die jungen Wilden“ große Erfolge. Sie begeisterten tausende Fans und Zuschauer und brachen mindestens so viele Herzen. Als der VfB Stuttgart noch eine Boygroup war pic.twitter.com/3IRavtkx8Q — Kitto (@KittoDario) October 6, 2020 Boybands sind beim VfB ein echtes Phänomen, denn sie bedienen die Sehnsucht, sich wieder mit einer jungen, motivierten, womöglich selbst ausgebildeten Truppe identifizieren zu können, der man auch Fehler zugesteht und verzeiht. Die aktuellen New Kids On The Block beim VfB heißen Mangala, Coulibaly, Klimowicz und Silas, kurz MC-KS (gesprochen: Em-si Kay-es). Wären Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion erlaubt: MC-KS wären der Garant für fliegende Teddys und BHs, Kreischalarm und ohnmächtige Fans. Denn im Vergleich zu den atemberaubenden Choreografien von MC-KS wirken selbst die Mitglieder des magischen Dreiecks wie Grobmotoriker. Aber warum sind die neuen VfB-Posterboys eigentlich so erfolgreich? Wir stellen euch die Bandmitglieder vor, nichts fällt ihnen leichter als cool zu sein: Orel Mangala Der junge Belgier spielt schon im dritten Jahr …

Der VfB reißt Dortmund den Arsch auf

Sorry, für die Überschrift, aber das wollte Mats Hummels auch im Interview nach dem Spiel sagen. „Wir haben keine gute erste Halbzeit gespielt, gehen glücklich mit 1:1 in die Pause und dann reißt uns … macht das der VfB richtig gut” Und ja: Hummels hat Recht. Punkt. Natürlich erwischt der VfB die Dortmunder in einer guten (aus Stuttgarter Sicht) bzw. schlechten (aus Dortmunder Sicht) Phase. Durch viele Spiele kommen sie auf dem Zahnfleisch daher, unter der Woche noch in St. Petersburg auf dem Platz, die Formkurve am Sinken und Top-Scorer Erling Haaland ist auch noch verletzt. Wie der VfB allerdings den BVB herspielt, ist sensationell. Wenn man die vergebenen Chancen von Matteo Klimowicz dazu zählt, geht das Ding 1:8 aus! Schützenfest! Schützenfest! Das wirklich aberwitzige am 5:1 Sieg beim #BVB ist eigentlich, dass er noch deutlich höher hätte ausfallen können#VfB — Admiral_Iblis (@Admiral_Iblis) December 12, 2020 Ich glaube, ich hatte gerade zum ersten Mal im Leben 90 Minuten Sex. @VfB — MEBO (@mebo___) December 12, 2020 Philipp Förster sagte nach dem Spiel: „Wir hatten einfach …

Keine Frage von Moral und Anstand

Das „Trödel-Tor“ von Silas Wamangituka zur Frage von Moral und Anstand im Profi-Fußball zu machen, ist deutlich übertrieben. Was ist passiert? Ein Tor entstand aus der Dummheit der Bremer Jiri Pavlenka und Ömer Toprak: Silas schnappte sich den Ball und hatte sich nach seinem Steal ein bisschen zu lange Zeit gelassen, den Ball über die Linie zu drücken. Es hat sich dabei keiner verletzt, aber die Bremer und viele Fans fühlen sich beleidigt. Soundtrack to the cleets!#SVWVfB #VfB #SVW @VfB pic.twitter.com/qM4DEdyevp — mcbruddaal (@mcbruddaal) December 7, 2020 Die Silas-Verteidiger berufen sich auf Karl-Heinz Rummenigge (siehe Video). Das ist allein wegen Rummenigge schon komplett daneben und auch die 80er Jahre waren nicht nur in Mode- und Musik-Themen speziell: Die Fußballer trugen Bärte und Frisuren, die gegen Moral und Anstand verstießen und brutalste Fouls nicht nur an Diego Maradona oder Bernd Schuster waren an der Tagesordnung. Es war eine andere Zeit, in jeder Hinsicht, da war vieles möglich, was heute undenkbar ist. Aber es gibt Schwalben, es gibt Zeitspiel, es gibt versteckte Fouls, es gibt Notbremsen, taktische …

Förster on fire!

Zugegeben: Die Bayern spielen alle drei Tage, haben verletzte und angeschlagene Spieler zu beklagen, kommen auf dem Zahnfleisch daher, aber trotzdem: dass der VfB so ein tolles Spiel hinlegt, wer hätte das gedacht? Pellegrino Matarazzo überrascht mit seiner Aufstellung: Philipp Förster steht in der Anfangself, was nicht wenige direkt dazu verleitet, ein Bierchen zu verhaften. Wie soll man es sonst aushalten? Aber was soll man sagen: Förster macht das Spiel seines Lebens. Zumindest eine Halbzeit lang. Nach gutem Beginn der Mannschaft, nur ein Pfostenkopfball von Lewandowski lässt den Puls nach drei Minuten steigen, läuft ein Konter über eben diesen Förster. Er treibt den Ball in seiner unnachahmlichen Art und er verpasst diesmal nicht den richtigen Zeitpunkt für das Abspiel auf Silas. Der dribbelt nicht, der macht keinen Übersteiger oder sonstige Fisimatenten, womit sein Gegenspieler Lucas Hernandez vermutlich rechnet, sondern passt perfekt temperiert in die Mitte. Manuel Neuer fällt wie eine Bahnschranke und verpasst den Ball, so dass Tanguy Coulibaly den Ball ins Tor stecken kann. Sein Tordebüt! Überhaupt Coulibaly: Er ist überraschend nicht außen, sondern …

Jetzt fehlt nur noch ein Erfolg gegen die Bayern

Was ist bitte mit dem VfB los? Vorausschauend agieren und pro-aktiv kommuzieren, das waren in der Vergangenheit nicht unbedingt die Kernkompetenzen des Clubs aus Cannstatt. Aktionismus, Kurzfristigkeit und eine Prise Dilettantismus dominierten das Handeln der Verantwortlichen. Und jetzt? Zuerst melden sich AG-CEO Thomas Hitzlsperger und e. V.-Präsident Claus Vogt mit Videobotschaften. Auch wenn sie manchmal ein bisschen hölzern wirken, es ist zu erkennen, dass sie in diesen schwierigen Zeiten mit Fans und Mitgliedern kommunizieren und den Kontakt zur Basis nicht verlieren wollen. Tenor: Ihr fehlt uns, die Situation ist nicht einfach, aber wir wissen, was wir tun. Zur Abwechslung und im Gegensatz zu ihren Vorgängern wirkt das durchaus glaubhaft, ganz ohne Großspurigkeit, ganz ohne Selbstzufriedenheit anlässlich des respektablen Saisonstarts. Dann verlängert Sven Mislintat erst mit Nicolas Gonzalez und kurz danach mit Wataru Endo jeweils bis 2024. Einfach so, im Fußballersprech würde man sagen „aus dem Nichts“. Das ist ein Zeichen der Wertschätzung, dass sich Leistung lohnt. Das sieht fast nach einem Plan aus: Mit Weitblick zwei Leistungsträger zu binden – dem Vernehmen nach ohne Ausstiegsklausel …

Zwei Punkte verloren oder einen gewonnen?

Remis gegen Köln, Schalke, Frankfurt, Hoffenheim. Die Frage nach jedem Spiel ist: Hat der VfB einen Punkt gewonnen oder zwei verloren? Bei einem Ausgleichstor in der 93. Minute muss man klar sagen: Punkt gewonnen. So, wie Hoffenheim dem VfB in der zweiten Halbzeit taktisch und spielerisch überlegen war: Punkt gewonnen. Aber liegt die Freude über den späten Ausgleich nicht eher daran, dass wir so etwas nicht mehr gewohnt sind? Späte, entscheidende Tore, die Punkte bringen: Nicht unbedingt die Trademark des VfB. Und gerade nach einem frühen Gegentor folgte nach dem Gesetz der VfB-Serie meist das nächste Gegentor (und das nächste). Nach dem 3:2 durch Andrej Kramaric hätte der VfB, wie wir ihn bisher kannten, nach einigen halbherzigen Alibi-Angriffen noch einen Konter zum 4:2 gefangen. Die Freude über den Ausgleich ist die Freude über das Auftreten der Mannschaft. Widerstände und Rückschläge scheinen sie nicht aus der Bahn zu werfen, sondern im Gegenteil: zu motivieren. Die Freude über den Ausgleich ist auch die Freude über das ungewohnte attraktive Spiel des VfB. Schnell, flüssig, mutig. Das sind wir …

Der deutsche Fußball ist mehr als Bayern München!

Zusammen mit seinem Dortmunder Kollegen Aki Watzke sprach Karl-Heinz Rummenigge in der tiefsten Corona-Krise im Frühjahr von Zusammenhalt und Solidarität. Heute erinnert er sich natürlich nicht mehr daran. Denn es geht um sein Geld. Es geht um eine alternative Verteilung der Fernsehgelder, um in der Bundesliga mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Also keine zementierte Tabelle, die aus den immer gleichen fünf Clubs an der Spitze besteht. Der VfB Stuttgart mit seinem CEO Thomas Hitzlsperger hat sich erlaubt, zusammen mit drei Erst- und vielen Zweitligisten eine andere Idee der Verteilung vorzuschlagen. Dafür wurde der VfB bestraft, indem er nicht zur „Geheim“-Tagung in Frankfurt eingeladen wurde. Und Hitzlsperger muss sich auch noch belehrende Worte von Rummenigge gefallen lassen, die “erstaunlicherweise” brühwarm an die Presse durchgesteckt werden. Wenn der Bundesliga-CEO mit Vorstrafe seinem Kollegen mit Bundesverdienstkreuz erklären möchte, was Solidarität ist. Man muss es einfach lieben. pic.twitter.com/bzOXiQoYp4 — Vertikalpass (@_vertikalpass) November 11, 2020 Er halte es für möglich, dass aus einem Saulus ein Paulus werden kann, meinte er in Richtung Hitzlsperger nach einem Telefonat mit dem VfB-Boss. Was will …

Kann der VfB nicht mehr gewinnen?

Schon das dritte Spiel in Folge ohne Dreier. Bei allen drei Spielen wäre der Sieg drin gewesen. Und zwar ohne Probleme, Köln und Schalke waren am Boden, moralisch sowieso. Eintracht Frankfurt war nach einer 2:0-Halbzeitführung eigentlich schon besiegt. Woran liegt es, dass der VfB den Sack in den drei Spielen nicht zu gemacht hat? Zumindest in Frankfurt war es das In-Game-Coaching von Adi Hütter und die mangelnde Bereitschaft von Pellegrino Matarazzo darauf zu reagieren, dass über die Neubesetzung der Außenpositionen der Eintracht ein ganz anderes Spiel entstand. Silas, Stenzel und Sosa taten ihr Bestes, aber die Statik des Spiels hatte sich durch die Einwechslung von Amin Younes und Aymen Barkok komplett geändert. Okay das mit den Unentschieden haben wir jetzt geübt, dann auch gerne mal wieder ein Sieg. Aufgrund der zwei unterschiedlichen Halbzeiten geht das auch heute leider wieder in Ordnung. Wie auch die zwei Wochen davor ist's schade, dass es nicht zu drei Punkten gereicht hat. #VfB — twofourtwo (@two_four_two) November 7, 2020 Im Einzelfall kannst mit nem 2:2 gegen Frankfurt leben. Drei Unentschieden …