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Wie habe ich es vermisst!

Endlich wieder ein VfB-Spiel. Mit Freunden in der Kälte im Stadion. Der Geruch von verbrannter roter Wurscht. Das charakteristische Grummeln im Stadion. Ein überzeugender, ungefährdeter Sieg. Ein Spiel, das richtig Spaß macht. Gegen die bis dahin beste Defensive der zweiten Liga dreimal genetzt. Wie habe ich es vermisst, den Überall-Spieler Wataru Endo zu sehen, den japanischen Ascacibar (sorry Sebastian, vermisst ausser Dir jemand Santi?) und hinter ihm der extrem raumsensible, fehlerlose und tacklingfreudige Ata Karazor, für mich der beste Mann auf dem Platz. Wie habe ich es vermisst, einen selbstbewussten, befreiten, pressing-, risiko- und lauffreudigen VfB zu sehen. Auch wenn in der ersten Halbzeit nicht alles klappt, so hat man gesehen, dass deutlich schneller gespielt wird, dass versucht wird, vertikal zu spielen und dass der Ball mit möglichst wenig Ballkontakten nach vorne getragen werden soll. Kein Larifari-Fußball mehr, mit Ballbesitz als Selbstzweck. Gut, die 20 Minuten nach der Pause haben sicher Pellegrino Matarazzo auch nicht gefallen, aber echte Torchancen hat Heidenheim nicht, denn die Defensive ist deutlich stabiler als unter Tim Walter – was ehrlicherweise …

VertikalGIF #VfBFCH: Restrunden-Tabellenführer!

Neues Jahr, neuer Trainer, neues System. Endlich wieder Fußball! Und dann gleich so ein wichtiges Spiel. Schließlich lagen die Heidenheimer in Schlagdistanz und hätten den VfB mit einem Sieg in Stuttgart überholen können. Kein Wunder, dass die Fans mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität ins Stadion pilgerten. Eine der großen Fragen im Vorfeld war gewesen: Wird man auf dem Platz sehen, dass ein neuer Trainer an der Seitenlinie steht? Um es kurz zu machen: ja. Denn es standen zwar vertraute Gesichter auf dem Rasen, aber irgendwie spielten sie nicht auf den gewohnten Positionen. Atakan Karazor feierte sein Startelf-Comeback in der Innenverteidigung, Marc-Oliver-Kempf war Linksverteidiger, Nicolas Gonzalez lief im Mittelfeld auf und Daniel Didavi war oft zweite Spitze neben Hamadi Al-Ghaddioui. Erstaunlicherweise klappte das Ganze relativ gut und der VfB war in der ersten halben Stunde das klar dominierende Team. Offensivaktionen waren zwar noch Mangelware, aber dafür stand das Matarazzo-Team hinten bombensicher. Das soll ja auch schon mal anders gewesen sein. Und nach 32 Minuten war es dann soweit! Didavi spielte ein Ecke flach zu: …

Rock ‘n’ Rückrunde!

Wir sind uns einig: Das erste halbe Jahr in der zweiten Liga hat bei weitem nicht das gehalten, was wir uns erhofft hatten. Auch, wenn wir nicht wie Mario Gomez davon ausgingen, dass der VfB “durch die Liga marschiert”: Das war einfach zu wenig. Zu wenig Tore, zu wenig überzeugende Spiele, zu wenig Siege, zu wenig Mut, zu wenig Vertikalpässe, zu wenig Selbstkritik. In der Winterpause wurde der unerfahrene Trainer gegen einen ausgetauscht, der noch weniger Erfahrung hat, mit Insua der dienstälteste Spieler abgegeben, mit Ascacibar ging ein sehr wichtiger (okay, ich bin befangen) ebenfalls. Geholt wurde mir Churlinov ein U19-Spieler aus Köln, über dessen Abgang dort offenbar nicht alle traurig sind. Absoluter Ehren-Santi. https://t.co/az1NGMtZK6 — Vertikalpass (@vertikalpass) January 21, 2020 Doch auch Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat haben erkannt, dass Begriffe wie “Kontinuität” und “Entwicklung” sich zwar wunderbar an Flipcharts und in Powerpoint-Präsis machen, den VfB aber kurzfristig nicht dorthin bringen, wo er seinen Platz hat: in die Bundesliga. Deswegen ist es in den nächsten 16 Spielen vollkommen egal, ob Pellegrino Matarazzo mit Dreier-, …

80 ist das neue 75: Alles Gute, Jürgen Sundermann!

Jürgen Sundermann, für viele Fans im fortgeschrittenen Alter immer noch der Wundermann wegen seiner Verdienste um den Aufstieg 1977, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Da können wir schon ein bisschen nostalgisch werden, oder? Dass wir dazu einen Text nahezu unverändert veröffentlichen, der exakt fünf Jahre alt ist, darf nicht als Zeichen mangelnder Wertschätzung verstanden werden. Ganz im Gegenteil: Was kann schöner sein, als mit 80 Jahren noch genauso fit zu sein wie mit 75. Oder wie Sundermann es selbst im aktuellen Interview sagt: „Allet wunderbar. Bei meinem 75. hat mir mein Arzt gesagt, dass ich 135 Jahre alt werde. Jetzt meint er, es werden noch ein paar mehr.“ Meine Erinnerungen an den Aufstieg 1977 sind altersbedingt ein bisschen nebulös. Drei Dinge sind mir aber noch sehr präsent: Die schönen Trikots mit dem Frottesana-Schriftzug (erster Trikotsponsor von 1976 bis 1979). Egal ob weiss oder rot, kurz oder langärmelig – wenn schon Werbung, dann ist das für mich das beste Trikot; nichts im Brustring platziert, der Schriftzug überzeugt mit perfekter Größe und optimalem Stand, es stört kein …

Fußball ist Mathematik!

Seit dem Trainerwechsel von Tim Walter zu Pellegrino Matarazzo wissen wir: Der VfB wird auf Jahre hinaus unschlagbar sein. Denn Ottmar Hitzfeld ist als Mathematik-Lehrer siebenfacher deutscher Meister und zweifacher Champions League-Sieger geworden, Matarazzo hat an der Columbia University in New York Mathematik studiert – was soll uns da noch passieren? Die Besetzung der Trainerposition durch den Italo-Amerikaner ist nur logisch, denn er hat die restlichen 16 Spiele der Rückrunde bereits vorausberechnet. Das Ergebnis präsentierte er bei seinem Vorstellungsgespräch: Aufstieg als Zweitliga-Meister. Ganz ehrlich, wie Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat hätte ich mich damit auch gegen Ludovic Magnin, Markus Anfang, Sandro Schwarz, Zsolt Löw und Bruno Labbadia entschieden. Lehnen wir uns also zurück und genießen die Rückrunde. Was erwartet uns also, abgesehen vom nachhaltigen Erfolg? Auch wenn ein Trainerwechsel beim VfB so etwas ähnliches ist wie die Periode in der Mathematik – ein Vorgang, der sich stets wiederholt – so beherrscht der neue Coach die Mengenlehre, er weiß, wo und wann Räume auf dem Spielfeld besetzt werden sollen. Das beinhaltet sowohl das Verhalten beim Pressing …

Feiner Fußball & gute Gespräche: der Mercedes-Benz JuniorCup 2020

Wer hier schon länger mitliest, der weiß: Das Fußballjahr beginnt für uns traditionell beim Mercedes-Benz Juniorcup. Dort treffen sich seit 30 Jahren die U19-Teams namhafter Clubs aus dem In- und Ausland zum Kräftemessen. Obwohl wir schon einige Jahre dabei sind, konnten wir noch keinen Heimsieg der VfB U19 bejubeln – der letzte Turniersieg liegt nämlich schon 14 Jahre zurück. Und obwohl das Team von Nico Willig auch in der Saison nach dem Pokalsieg und der Vizemannschaft wieder bockstark unterwegs ist, reichte es leider auch 2020 nicht: Nach einem torlosen Remis im Halbfinale gegen Leipzig verschoss im Neunmeterschießen ausgerechnet David Hummel, der zuvor bereits sechs mal getroffen hatte und am Ende sogar mit sieben Treffern Torschützenkönig des Turniers wurde. Turniersieger wurde nach einem souveränen 4:0 Sieg Rapid Wien, das bereits 2016 gewann, 2017 Platz drei belegte, und im vergangenen Jahr erst im Finale gegen Liverpool unterlag. Man kann getrost sagen, dass die Österreicher Juniorcup-Experten sind. Alles wie immer also im Glaspalast? Mitnichten! Denn im Laufe der Jahre gibt es durchaus Veränderungen. Die eine ist für alle …

Adiós Santi!

“Du betratst den Raum Wir wussten Bescheid Ich und mein Stolz wussten, gleich Ist es vorbei Du hast die Sätze einstudiert Das musst du doch verstehen So eine Chance kommt nie wieder Du gehst tränenreich in eine höhere Liga” (Kettcar, 48 Stunden) Dass aufstrebende junge Talente nach Berlin gehen, um dort den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu machen, ist nicht ungewöhnlich. Dass Spieler des VfB Stuttgart diesen Move machen, zeigt allerdings auch, wie sehr das sportliche Standing und die Reputation in den letzten Jahren mit zwei Abstiegen gelitten haben. Spieler mit höheren Ansprüchen können es sich kaum noch erlauben, über längere Zeit im Trikot mit dem Brustring aufzulaufen. Nun ist es Santiago Ascacibar, der dem Lockruf aus der Hauptstadt folgt, und künftig unter Jürgen Klinsmann spielen wird und mit ihm von der Champions League powered by Windhorst-Millionen träumt. Mal sehen, ob das bei der Hertha besser endet als die Europa-Fantasien von Wolfgang Dietrich. Dass “Santi” geht, schmerzt. Nicht, weil er spielerisch nicht zu ersetzen wäre, denn hier hat der neue Trainer Matarazzo mit Orel …

Eat. Sleep. Insua-Flanke. Terodde-Tor. Repeat!

Er war ein Transfer von Robin Dutt. Er war der dienstälteste Spieler des VfB. Er stand bei den drei bittersten Niederlagen der letzten viereinhalb Jahre auf dem Platz (2016 gegen Bremen 2:6, 2019 gegen Augsburg 0:6, 2019 gegen HSV 2:6). Er war wirklich nicht der Schnellste und manchmal turnte er an Stellen des Platzes herum, an denen er nichts zu suchen hatte. Sein Stellungsspiel war gelegentlich schwieriger zu entschlüsseln als das Rätsel der New York Times in der Wochenendausgabe und der Adventskalender von Heinz Kamke. Trotzdem schmerzt der Abgang von Emiliano Insua. Er fehlt als Sympathieträger, er fehlt als einer, der sich ganz offensichtlich mit dem VfB und der Stadt identifiziert hat. Es fehlen seine putzigen Posts auf Instagram, Facebook oder Twitter, gerne mal mit Schreibfehlern in den Vereinsnamen. Es fehlen seine gute Laune und sein ansteckendes Lachen. Es sind vor allem seine Flanken, die in Erinnerung bleiben. Insbesondere die auf Simon Terodde in der Aufstiegssaison, die eigentlich immer zu einem Tor führten. Die, die zu weit geschlagen waren oder hinter dem Tor landeten. Stets …

VfB mit Herz

The Power of Love

Ich habe ein Auskunftsgesicht. Überall, in Stuttgart sowieso, werde ich nach dem Weg gefragt, wie der Fahrkartenautomat funktioniert oder nach der Uhrzeit. Einmal wurde ich sogar darum gebeten, jemanden zu umarmen. Aber ich habe wohl nicht nur ein Auskunftsgesicht, sondern auch ein VfB-Gesicht. Ich stehe in meinem Businessoutfit in Frankfurt am Bahnhof, es ist Montag, 9 Dezember, ca. 18 Uhr. Ich warte auf meinen Zug und möchte dringend zurück nach Stuttgart, um mir das Heimspiel gegen Nürnberg im Neckarstadion anzuschauen. Da werde ich mal wieder angesprochen. Von einem VfB-Fan im aktuellen, roten Auswärts-Trikot. Er fragt mich auf Englisch, auf welchem Gleis der Zug nach Stuttgart fährt. Da ich denselben Weg habe, bitte ich ihn, mich zu begleiten und natürlich kommen wir ins Gespräch. Pedro ist Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln, er arbeitet in Deutschland für ein Projekt bei HP – und er ist VfB-Fan „since 2007, remember Pardo and Osorio“ – und natürlich remembere ich mich. Wie sollte ich das vergessen, ich erspare Pedro aber, dass ich über 2007 ein Buch geschrieben habe. Immer wenn er …

VfB-Krise: Trainerwechsel is a must

Thomas Hitzlsperger ist unzufrieden, weil das Projekt Aufstieg in Gefahr ist. Sven Mislintat ist unzufrieden, weil er sich sicher ist, dass mit „seinem“ Kader mehr herauszuholen ist als 31 Punkte nach 18 Spielen. Tim Walter ist unzufrieden, weil sein Fußball nicht so funktioniert (und erfolgreich ist), wie er es gerne hätte. Teile des Teams sind unzufrieden, weil sie nicht an den Walterball glauben und er ihnen zu angestrengend ist. Natürlich ist auch der Aufsichtsrat unzufrieden und das ist immer gefährlich, sind da ja auch Mitglieder dabei, die vieles besser wissen und die teilweise die Manieren eines unerzogenen Rauhaardackels mit Beissreflex haben. Und was passiert: Der Trainer wird entlassen. Wenn VfB-Krise, dann ist die Trainer-Entlassung offensichtlich ein Muss. Es gibt nicht nur einen Schuldigen am enttäuschenden Abschneiden in den ersten 18 Spielen. Da sind der rechte und linke Pfosten sowie die Querlatte des gegnerischen Tores, der Videoschiedsrichter und das Unvermögen, den Ball ins Tor zu schießen. Aber es ist auch die deutliche Rückwärtsentwicklung im Verlauf der Hinrunde und die Erkenntnis, dass das sogenannte Walter-System von den …