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Bölle, Borna, Ballbesitz

Alles Banane. Born to be Breitbandfußball. Auch gegen Darmstadt 98 ist das Spiel des VfB Stuttgart bedürftig und bedächtig, überhaupt nicht beflügelt, wie wir es beim Saisonauftakt gegen Hannover 96 noch gesehen haben. Same procedure as last Auswärtsspiel: Das Stuttgarter Team läuft einem Rückstand hinterher und es fehlen ihm die Mittel, gegen einen biederen Gegner Tore zu schießen. Die Taktik von Walter ist so flexibel wie ein Baum. Am Stamm bewegt er sich keinen Millimeter, während die Zweige sich ein bisschen im Wind bewegen. Ballbesitz? Interessiert auch Tim Walter nicht. Es geht um Spielkontrolle. Und die hat der Trainer der Mannschaft so eingeimpft, dass sie immer vorsichtig agiert. Zu vorsichtig. Eckbälle werden deshalb kurz gespielt, um mit einer Flanke keinen Konter zu riskieren. Vertikales Spiel wird vermieden, um dem Gegner bei Ballverlust keine Räume zu eröffnen. Statt den direkten Weg zu suchen mit einem risikoreichen Pass wird hinten rum gespielt, auch wenn man sich zuvor bis zum 16-Meter-Raum kombiniert hat. Dadurch spielt der VfB gehemmt, uninspiriert, ohne Tempo und ohne Risiko. Sowohl spieltaktisch, als auch …

Präsident mit Probezeit

„Hey, alles glänzt, so schön neu. Hey, wenn’s Dir nicht gefällt, mach’ neu!“ Der VfB muss Fan von Peter Fox sein, denn alles neu zu machen und Neuanfänge auszurufen, darin ist der Club gut. Nach der bleiernen Zeit unter Gerd E. Mäuser, die triumphale Wahl von Bernd Wahler. Nach dem deprimierenden Abstieg die Installation des „Machers” Wolfgang Dietrich. Von Sport-Vorständen einmal ganz abgesehen: Fredi Bobic, Robin Dutt, Jan Schindelmeiser, Michael Reschke, Thomas Hitzlsperger. Immer wenn der Neue kam, sollte alles besser werden. Aber der VfB spielt in der zweiten Liga und das nicht einmal besonders gut, auch wenn er in der Spitzengruppe der Tabelle steht. Jetzt also der neue VfB-Präsident Claus Vogt, unter dem alles besser werden soll. Die Fallhöhe nach dem ungeliebten Wolfgang Dietrich ist nicht sehr hoch, die Erwartungen allerdings schon. Vogt hat nicht gerade gesagt, „Ich seh’ besser aus als Bono und bin ‘nen Mann des Volkes. Bereit die Welt zu retten, auch wenn das zu viel gewollt ist!“ (Peter Fox), aber er hat die VfB-Mitglieder mit seiner präsidialen, aber auch leicht …

VfB Stuttgart Fußballfibel: das Vertikalbuch

Fußballfans sind unverbesserliche Romantiker und sie schwelgen gerne in Erinnerungen.Schließlich war früher alles besser. Für den VfB Stuttgart trifft das auch zu: Ausser dem Gewinn des UI Cups und des 3-Ligen-Cups schmücken drei Pokalsiege und fünf Meistertitel den Briefkopf des Clubs aus Cannstatt. Gut, der letzte Titel liegt über zehn Jahre zurück, aber die Erinnerungen daran sind noch so frisch wie die Weißwürste der Metzgerei Schneider im Stuttgarter Westen. Andreas Zweigle lässt diesen 19. Mai 2007, als eine junge Euphorie- Mannschaft auf der Welle des Erfolgs zum Sieg ritt, genüsslich Revue passieren. Dabei hat er auch die Vorgeschichte im Blick, während Sebastian Rose kommentiert, wie es seitdem weiter ging. Es entsteht ein spannender Dialog, in dem Rose nicht selten Zweigle berichtigt. Es ist also keine klassische Chronik, eher eine Chronik des 19. Mai 2007 von 9 Uhr morgen bis 4 Uhr nachts, es ist ein großer Liveticker. Auch wenn der Frauenarzt von Bischofsbrück auftaucht und die Autoren im Verlauf des Buches auf Elfriede Schneider von der Metzgerei Schneider treffen, auf den Mode-Unternehmer Winni Klenk, auf …

Der Mann, der sich für den VfB kaputt machte

Seit jeher gibt es immer wieder VfB-Spieler, zu denen ich mich seltsam hingezogen fühle. Jürgen Klinsmann gehörte dazu, an dem ich das Sonnyboy-hafte und Unangepasste gut fand. Natürlich Karl Allgöwer, weil er so hart schießen und sich so herrlich mit Gerhard Mayer-Vorfelder streiten konnte. Meine Vorliebe für Spieler mit langen Haaren zeigte sich in der großen Zuneigung zu Maurizio Gaudino und Frank Verlaat. Seit seinem ersten Profi-Einsatz bin ich Fan von Sami Khedira, zunächst weil alle Spieler aus der VfB-Jugend etwas Besonderes sind, aber in erster Linie weil Khedira Kriterien wie Spiel-Intelligenz, Selbstbewusstsein und Bodenständigkeit in sich vereint. In der aktuellen Saison ist es Santi Ascacibar, weil er der legitime Nachfolger von Günther Schäfer ist, der größten Grätsche aller Zeiten. Und dann ist da noch Orel Mangala, hat es etwas mit seiner Eleganz und seiner schnellen Auffassungsgabe zu tun? Ich weiss es nicht, ich freue mich jedenfalls, wenn ich ihn in der Aufstellung sehe. In der letzten Zweitliga-Saison 2016/2017 empfand ich von Anfang an eine große Verbundenheit mit Carlos Mané. Das mag auch an seinem …

Die richtige Reaktion!

Nach der 2:6-Klatsche im Liga-Spiel waren wir alle gespannt, wie der VfB im „Rückspiel“ im Pokal auftreten würde. Und der VfB hat geliefert: griffiger, bissiger und mit deutlich weniger Fehlern als drei Tage zuvor. Wobei natürlich auch der verwandelte Elfmeter von Nicolas Gonzalez in der 2. Minute ein dankbarer Spielbeginn ist. Dass die Mannschaft nach dem 1:1 nicht unsicher wird: Respekt. Dass das Team im Verlauf des Spiels immer souveräner wird und dem HSV kaum Möglichkeiten gibt: hätten wohl die wenigsten so erwartet. “Ich glaube, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, weil die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, sehr gut ist.” That’s all folks, @HSV. https://t.co/iPQkdZZ5Wb — VfBFilmRoom (@VfBFilmRoom) October 29, 2019 Wirkte diese Aussage von Tim Walter nach dem 2:6 noch irrwitzig, so ist in der zweiten Runde des DFB-Pokals zu erahnen, welcher Fußball ihm vorschwebt. Alleine, dass in der 113. Minute in der Umschaltsituation vor dem 1:2 sechs VfB-Spieler im Strafraum auftauchen, dokumentiert den von ihm immer wieder geforderten Mut zur Offensive. Wobei im Aufbauspiel immer wieder der lange …

Update oder Neustart?

“Der Impuls im Fußballgeschäft, nach Rückschlägen ins Bekannte zu flüchten, ist groß”. Das schreibt der geschätzte Tobias Escher als Abschluss seiner taktischen Analyse des Walterballs in der aktuellen 11 Freunde Ausgabe. Auch bei vielen Fans scheint dieser Wunsch inzwischen recht groß zu sein. Kein Wunder, nach der dritten Niederlage in Folge mit einem Torverhältnis von 3:9(!). Dabei geht es gar nicht darum, dass man dem Trainer nicht Zeit und Rückschläge eingesteht, sondern eher darum, dass es immer schlimmer statt besser wird. Vor ziemlich genau drei Monaten bestritt der VfB sein erstes Heimspiel der Saison gegen Hannover 96. Okay, mittlerweile wissen wir, wie es um die wahre Leistungsfähigkeit der Slomka-Truppe bestellt ist, aber dennoch: Die Stimmung war elektrisierend, 52.000 Zuschauer waren gespannt auf den “Walterball” unter Ergebnisdruck, ein Raunen ging durch die Schüssel, als Gregor Kobel immer wieder – mehr oder weniger riskant – ins Aufbauspiel eingebunden wurde. Nach der schweren Verletzung von Marcin Kaminksi kam ein junger Abwehrspieler in die Mannschaft – und erzielte prompt ein spektakuläres Eigentor. Die Reaktion: Aufmunterung durch das Team, Applaus …

Das “Vertikalbuch”

Mein Blog, meine Bäbber, meine Tasse, mein Buch. Ja, mit dem VfB kann man es weit bringen und braucht dazu nicht mal eine kurvige Spielerfrau, ‘ne tiefergelegte G-Klasse oder einen eigenen Deckel im selbsternannten „Edelitaliener“ Vivaldi. Nicht mal kicken muss man können. Viel besser ist es doch, das eigene Buch beim Wittwer, Osiander und bei Amazon zu bestellen. 140 eng beschriebene Seiten, mit ein paar peinlichen Bildern drin. VfB Stuttgart Fußballfibel, Band 25 der Bibliothek des Deutschen Fußballs heißt das Ding. Das hört sich spießiger an als es ist, wir haben es zu unserem „VertikalBuch“ gemacht, mit eigenem Sound(track) inklusive Andrea Berg, Dire Straits und den Yung Hurn. Unser Buch ist keine klassische Chronik, es ist eher eine Chronik des 19. Mai 2007 von 9 Uhr morgen bis 4 Uhr nachts, es ist ein großer Liveticker. Auch wenn der Frauenarzt von Bischofsbrück auftaucht und wir im Verlauf des Buches auf Elfriede Schneider von der Metzgerei Schneider treffen, auf die Fashion-Ikone Winnie Klenk, auf den schwäbischen Sänger Wolle Kriwanek, auf Pferde, Hunde und Hirsche, so steht …

Super-Hitz: Bad Cannstatts Bester?

Eines vorweg: Natürlich ist Thomas Hitzlsperger das Beste, was dem VfB Stuttgart passieren konnte. Er ist eine Bereicherung für unseren Club. Er hatte den Mut, den Kader auf links zu drehen, was nicht ohne Risiko war und nach wie vor ist. Wir hoffen, dass sein Plan aufgeht, auch wenn wir nicht wissen, wie groß sein Anteil daran war und ist. Hitzlsperger ist eine Bereicherung für den VfB, denn er ist fan-nah, integrativ, empathisch, feinfühlig, diskussionsfreudig und meinungsstark. Seine Stärke ist nicht nur die Kommunikation sondern alle, alle Beteiligten bei der Entscheidungsfindung mitzunehmen … okay, von Christian Gentner einmal abgesehen. Dem Vernehmen nach war er kein Freund von der Idee, Jürgen Klinsmann zum Vorstandsvorsitzenden der VfB 1893 AG zu machen, er fürchtete womöglich um seine Position. Verständlich. Aber wird dem Meister von 2007 nicht zu viel zugemutet? Vom Meisterhelden zum “Beauftragten des Vorstands in der Schnittstelle zwischen dem Lizenzspielerbereich und der Vereinsführung“ zum Präsidiumsmitglied zum NLZ-Leiter zum Sport-Vorstand (seit Februar 2019!) zum Vorstandsvorsitzenden zum Cannstatter Supermann innerhalb von etwa drei Jahren. Eine steile Karriere. Dass er …

Typisch VfB

Wenn in die Scheisse, dann richtig mit Vollgas. Der VfB als sein eigenes Abrisskommando. Wenn, dann als bisher unbesiegter Tabellenführer gegen den Tabellenletzten die erste Niederlage kassieren, nach vier Pfostentreffern und Scheibenschießen am Spielende. Typisch VfB. Wenn Du mit Mario Gomez und Hamadi Al Ghaddioui zwei Ochsen im Sturm hast, dann brauchen die Flanken und Vorlagen, im wesentlichen von den Außenpositionen. Wenn die aber einzig mit einem indisponierten Borna Sosa und einem deplatzierten Santi Ascacibar besetzt sind, dann geht der Matchplan von Trainer Tim Walter nicht auf (er korrigiert dies später mit den Einwechslungen von Silas und Massimo). Aber selbst mit einer beschissenen Aufstellung und Einstellung muss der VfB gegen Wehen Wiesbaden gewinnen. Von einem Kader, der 100 mal teurer ist, kann man das erwarten. Millionarios verlieren gegen eine, sorry, Thekentruppe. Typisch VfB. Zugegeben, Doppeltorschütze Manuel Schäffler ist in der Form seines Lebens. Der würde im Moment auch barfuss, mit verbundenen Augen und drei Maß vom Wasen intus die Kisten machen und seine Tore resultieren aus geradezu grotesken individuellen Fehlern. Sosa verhindert die Flanke beim …

Hamadi Al(m) Ghaddioui: der Schrecken von Bielefeld

Na klar: auch wir waren skeptisch als wir die Stuttgarter Aufstellung kurz vor dem Bielefeld-Spiel sahen: Karazor, Ascacibar, Förster und Mangala? Das roch ein wenig nach Ochsenraute als Reaktion auf das Mimimimittelfeld aus dem Fürthspiel. Der VfB wollte augenscheinlich robust und kämpferisch auf der Alm antreten. Okay, das klang gut. Aber durch das Fehlen von Gonzalez und Wamangituka stand vorne sowohl auf dem Spielberichtsbogen wie später auch auf der Alm nur Hamadi Al Ghaddioui. Wie sollte das funktionieren? Und mal ganz ehrlich: über weite Strecken gar nicht. Al Ghaddioui, als Stürmer-Schnäppchen aus Regensburg gekommen, und in der internen Stürmerrangliste mittlerweile offenbar vor Mario Gomez positioniert, hing über weite Teile des Spiels in der Luft. Aber das schöne an einem klassischen Mittelstürmer: All das ist vergessen, wenn er trifft. Gerne zum 1:0 und noch besser: in der 91. Minute. Wenn du das schwerste Auswärtsspiel der Saison in der 91. Minute für dich entschieden hast. #DSCVfB pic.twitter.com/0j0wvZT6Fe — Vertikalpass (@vertikalpass) September 27, 2019 Wer gewinnt, hat Recht. Und am Ende hatte Trainer Tim Walter also mal wieder …