Autor: @buzze

Silas bleibt Silas

Silas hatte den Traum vor Augen, in Europa Profi-Fußballer zu werden. Wollte aus seinem prekären Umfeld fliehen. Wollte als Profifußballer in Europa für seine Familie sorgen können. Eine einmalige Chance. Um seinen Traum wahr werden zu lassen, hat er seinem Berater vertraut. Sich sogar abhängig gemacht von ihm. So weit, dass er bereit war, seine Identität zu ändern, um die Chance seines Lebens nicht verstreichen zu lassen. Ein Fehler. Vermutlich sogar eine Straftat. In Anbetracht seines jungen Alters und seiner mangelnden Lebenserfahrung jedoch nachvollziehbar, zumal er von seinem Berater offenbar unter Druck gesetzt wurde. Silas hatte zeitweise keinen Zugriff auf seinen Reisepass und sein Bankkonto, war komplett abhängig von seinem damaligen Berater. Vermutlich kein Einzelfall, sondern die Regel. Das Transferbusiness im Fußball ist skrupellos. Junge Spieler werden oft nicht als Menschen betrachtet, sondern als Kapitalanlage. Sven Mislintat sagte dazu in einer Presserunde: “Er wurde unter falschen Versprechungen nach Frankreich gelockt und dort wurde ihm gesagt, dass es nur weitergehen könne, wenn er seinen Namen ändere und dann entsprechende Dokumente bekommen würde. Silas lebte im Haus …

Sven Mislintat: Der Zocker mit dem Diamantenauge

Ob Sven Mislintat von Wolfgang Dietrich oder doch von Thomas Hitzlsperger zum VfB Stuttgart geholt, wurde, variiert je nach nach Erzählung und Erzähler. Nach zwei Spielzeiten kann man festhalten: Hauptsache, er ist da! In Bad Cannstatt wurde viel zu lange nach Gutsherren-Art gehandelt: Schnell wechselnde Sportdirektoren holten Spieler, mit denen die noch schneller wechselnden Trainer viel zu oft nichts anfangen konnten. Entwicklung? Nachhaltigkeit? Keine Chance. Das änderte sich mit Sven Mislintat. Vom Sportvorstand Hitzlsperger mit allen Freiheiten ausgestattet, hat er es sich zum Projekt gemacht, den neuen VfB zu bauen. Dabei hat sich schnell gezeigt, dass der nice Dude nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschreckt. Für Andreas Beck, Dennis Aogo, Christian Gentner und Holger Badstuber war kein Platz auf Mislintats Baustelle. Für Tim Walter auch nicht. Riskante Entscheidungen, die belohnt wurden. Sven Mislintat ist ein Zocker: Er wettete darauf, dass der unbekannte Matarazzo der richtige Coach sei, um das junge Team in der zweiten Liga weiterzuentwickeln und gleichzeitig aufzusteigen. Er gewann diese Wette denkbar knapp. Man denke da nur an seinen Auftritt bei SWR Sport nach …

Philipp Förster: Der Spalter mit dem Schnauzer

Was spaltet die VfB-Fans am meisten? Wolfgang Dietrich? Hitz vs. Vogt? Linsen vs. Spätzle? Nein, es ist natürlich Philipp Förster! Die einen halten ihn nach wie vor für nicht bundesligatauglich, die anderen feiern seine Laufstärke, sein Pressingverhalten und den vorletzten Pass vor dem Torabschluss. Klar ist: Philipp Förster hat sich im Windschatten von Überfliegern wie Silas, Sosa und Sasa heimlich, still und leise von einem unauffälligen Zweitliga-Kicker zu einem Spieler entwickelt, der zweifelsohne Bundesliga-Startelf-Potenzial hat. 24 Spiele, 3 Tore und 200 Laufkilometer stehen für den Mann zubuche, der schon früh vom KSC in die Stuttgarter Jugend flüchtete wechselte und über die Stationen Waldhof Mannheim, Nürnberg und Sandhausen wieder dort gelandet ist, wo er schon von 2010 bis 2014 für die U17 und U19 spielte. Förster ist kein Mittelfeldstratege wie Endo und Mangala, kein Spektakelspieler wie Silas, kein Vollstrecker wie Sasa Kalajdzic. Philipp Förster ist genau der Spieler, der in Matarazzos Ensemble noch fehlt: Ein fleißiger Arbeiter, der die taktischen Anweisungen des Trainers zuverlässig umsetzt. Sind Endo und Mangala die Kommandozentrale, ist Förster der Maschinenraum. An …

Pellegrino Matarazzo: Der Pate

Hand aufs Herz: Wer hätte nach der Derby-Niederlage von nicht mal einem Jahr geglaubt, dass Pellegrino Matarazzo der erste Coach seit Bruno Labbadia sein würde, der eine komplette Saison auf dem VfB-Chefsessel übersteht? Trotz der symbolischen Vertragsverlängerung vor dem Spitzenspiel gegen Hamburg sah es überhaupt nicht so aus, als ob der US-Italiener derjenige sein würde, der den Aus-Schalter des VfB-Trainer-Karussells findet. Zu uninspiriert waren die Auftritte seiner Mannschaft in der zweiten Liga, zu schwer tat sich die Mannschaft gegen weitaus schwächere Gegner wie Wiesbaden und Osnabrück. Rückblickend lässt sich sagen, dass die Verantwortlichen damals den Spagat wagten: Einerseits aufsteigen, andererseits eine Mannschaft entwickeln, die nach dem Aufstieg auch in der Bundesliga bestehen kann. Eine Mission, die fast scheiterte. Aber eben nur fast. Mit atemberaubenden Spielen gegen Sandhausen und Nürnberg ballerte sich der VfB Stuttgart in die erste Liga. Während wir uns in der Sommerpause fragten, wer beim VfB eigentlich die Tore schießen soll, formte Pellegrino Matarazzo in aller Ruhe sein Team. Mit Spielern wie Klimowicz und Coulibaly, die in der Saison kaum Zweitligaspielzeit bekommen hatten, …

VertikalGIF #BMGVfB: You have a grandios Saison gespielt!

Im siebzehnten Auswärtsspiel der Saison der siebte Sieg. Spiel gedreht, Marco Rose den Abschied versaut. Und das alles in einem Spiel, in dem es für den VfB Stuttgart um nichts mehr ging. Mehr muss man über den VfB der Saison 20/21 eigentlich nicht wissen. Dabei waren die VfB-Fans schon vor Anpfiff absolut glücklich. Während Fans aus Köln, Bremen, Bielefeld , Mainz und Berlin um ihre Teams bangen mussten, gingen die Stuttgarter Anhänger tiefenentspannt in den 33. Spieltag.   Und hätte man neben der Partie in Mönchengladbach nicht auch noch die Konferenz geschaut, hätte man vermutlich Probleme gehabt, wach zu bleiben. Das Spiel war ehrlich gesagt nicht besonders spannend.   Ein “Highlight” gab es dann aber doch noch vor der Halbzeitpause. Leider muss man aus Stuttgarter Sicht sagen, denn der ewige Lars Stindl bestrafte die Schlafmützigkeit in der Stuttgarter Defensive mit dem Führungstreffer.   Erwähnenswert war in den ersten 45 Minuten nur noch das verletzungsbedingte Aus von Dinos Mavropanos, für den Pascal Stenzel kam. Und wie viele Defensivspieler saßen danach noch auf der Stuttgarter Bank?   …

VertikalGIF #VfBFCA: Ex-Angstgegner

Da ist er endlich: der vierzigste Punkt. Und Nummer 41 und 42 noch dazu. Erzielt mit einem 2:1 gegen Ex-Angstgegner Augsburg mit dem Trainer, der mit dafür verantwortlich war, dass der VfB 2019 abgestiegen ist. Es gab schon schlechtere Freitagabende. Dass es so kommen würde, war allerdings ungewiss. Schließlich kämpfte der FCA mit seinen 33 Punkten noch gegen den Abstieg und das Brustring-Lazarett wurde immer größer. Neuester Patient auf Station 1893: Gregor Kobel mit Rückenproblemen. Für ihn stand “Copa-Keeper” Fabian Bredlow im Tor, doch dazu später mehr. Fast noch erstaunlicher war die Tatsache, dass statt Atakan Karazor auf einmal Philipp Klement in der Startelf auftauchte. Die VfB-Fans rieben sich verwundert die Augen und fragten sich: Markus Weinzierl wollte bei Augsburg den Geist von 2016 beschwören und tatsächlich legte sein Team extrem druckvoll los. Und der VfB? Der blieb erstaunlich abgeklärt. Ziemlich abgeklärt war auch der Angriff der Stuttgarter in der 11. Minute: Massimo flankte den Ball in den Sechzehner, Sasa Kalajdzic legte perfekt ab und Philipp Förster erzielte das 1:0. Was für ein herrlicher Spielzug. …

VertikalGIF #RBLVfB: Die Null muss stehen

Dortmund, bei Union Berlin, Wolfsburg, in Leipzig: die Spieltage 28 bis 31 hatten es für den VfB wirklich in sich. Und nachdem man in der Hinrunde noch vier Punkte aus diesen Partien holte, sind es diesmal wie viele?   Die Gründe dafür waren zum Teil immer die gleichen (unfassbares Verletzungspech und starke Gegner), teilweise aber auch von Spiel zu Spiel verschieden (individuelle Fehler, katastrophale Chancenverwertung). Gegen den Tabellenzweiten hatten sich die meisten Fans ohnehin nicht viel ausgerechnet, doch der VfB zeigte in den ersten zehn Minuten mit den Startelfrückkehrern Castro und Mavropanos eine vielversprechende Leistung.   Grund dafür waren auch gute Aktionen von Ahamada, der erneut in der Startelf stand. Der 19-jährige war bereits gegen Wolfsburg aufgefallen. Durch eine gute Ballbehandlung und viel Tempo einerseits, aber auch durch eine sehr ungeschickte Zweikampfführung andererseits. Und beide Aspekte stellte er in der Anfangsphase eindrucksvoll unter Beweis – bis er in der 13. Minute vom Feld musste, weil er mit offener Sohle das Schienbein sein Gegenspielers traktiert hatte.   80 Minuten in Unterzahl gegen Leipzig: Schlimmer geht’s eigentlich …

VertikalGIF #VfBWOB: Schlagerparade mit Heavy Rotation

Beim VfB Stuttgart geht’s aktuell rund. Keine Sorge, es geht (noch) nicht um Vereinspolitik, sondern um die Heavy Rotation, die Pellegrino Matarazzo seinem Team verordnet hat. Gleich fünf neue Spieler kamen im Vergleich zur Niederlage gegen Union Berlin in die Startelf. Besonders spannend war die Situation in der Innenverteidigung. Marc-Oliver Kempf kehrte zwar zurück, aber dafür fehlten der gesperrte Dinos Mavropanos und Marcin Kaminski, der Aufgrund eines Corona-Falls im Kindergarten seines Nachwuchs in Quarantäne musste. Eine Veränderung gab es auch auf der Bank: Pellegrino Matarazzo trug Brille! Das war in Pressekonferenzen und Interviews zwar schon häufiger der Fall gewesen, aber an der Seitenlinie hatte man ihn so noch nie gesehen. Vermutlich ein genialer Kniff, um bei den vielen Umstellungen den Überblick zu behalten! Apropos Überblick: Den hatte auch Philipp Förster – zumindest in der 9. Minute. Denn da spielte er den freistehenden Kalajdzic an, doch dessen Abschluss war ungewohnt kraftlos. Nur vier Minuten später klingelte es auf der anderen Seite. Weil Kempf eine ungefährliche Flanke von der linken Seite völlig unbedrängt in die Mitte klärte …

VertikalGIF #FCUVfB: LeGente & der Förster

Es war der erste Auftritt des VfB Stuttgart in Köpenick seit dem 0:0 am 27. Mai 2019, das den Abstieg besiegelte. Aus der Stuttgarter Startelf von damals stand am 29. Spieltag nur ein einziger Spieler auf dem Platz. Und das auch noch auf Berliner Seite. Wir wissen mittlerweile, dass Pellegrino Matarazzo immer einen Plan hat. Was wir nicht wissen: Was sein Plan gegen Union Berlin war. Was wir wissen: Der Plan funktionierte nicht. Den gesperrten Marc-Oliver Kempf ersetzte Marcin Kaminski, zusätzlich rotierten Pascal Stenzel, Erik Thommy und Daniel Didavi in die Startelf. “Marcin wer” fragen sich jetzt bestimmt einige, denn der polnische Innenverteidiger hatte zuletzt am 5. Spieltag auf dem Platz gestanden. Dass es kein Spaziergang für den VfB Stuttgart werden würde, war bereits nach wenigen Minuten klar. Das Team von Matarazzo hatte seine Probleme mit dem körperlich robusten Spiel und der Entschlossenheit von Union. Während die Berliner immer wieder über die Flügel kamen, fehlte dem VfB die Schnelligkeit in den Aktionen und die nötige Kreativität. Folgerichtig dauerte es auch nur bis zur 20. Minute …

“Der Klischee-Brecher”: Eine Doku über Timo Hildebrand

Zugegeben: Als die Mail mit dem Betreff “Dokumentation über Timo Hildebrand” ins Postfach flatterte, war ich erstmal wenig geflashed. Schließlich wissen wir VfB-Fans doch eigentlich schon alles über ihn: 220 Spiele für die VfB Profis zwischen 1999 und 2007, dritter Keeper bei der WM 2006, die Jahrhundert-Parade in Bochum, deutscher Meister 2007, eine furchtbar schlechte Entscheidung kombiniert mit miesem Timing und der Wechsel nach Valencia. Hoffenheim, ohne Einsatz in Lissabon, Champions League(!) mit Schalke(!!) und schließlich noch drei Einsätze bei Eintracht Frankfurt. Doch in den 30 Minuten (Video am Ende des Beitrags) erfährt man auch viel über die Person Timo Hildebrand abseits des Platzes. Zum Beispiel über seine Kindheit, die nicht ganz einfach war, den Druck als Jugendspieler und die Selbstzweifel während der Achterbahnfahrt zwischen Deutscher Meister und Arbeitslosigkeit. “Ich habe so viele begnadete Spieler gesehen, die es alle nicht geschafft haben. Die Jungs, die nur Talent haben, werden einfach überholt.” Timo Hildebrand ist nach Sankt Pauli Keeper Benedikt Pliquett der zweite Protagonist der Dokureihe “Ausherzspiel”. Die Macher begleiten den Keeper chronologisch durch seine Karriere als …