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Die Null steht (Teil 5)

Ok, sagen wir mal ganz offen, wie es ist: Alexander Zorniger ist schuld. Sein System ist schuld, dass Schalkes Keeper Ralf Fährmann eine Weltklasse-Leistung zeigt. Zorniger ist schuld, dass Martin Harnik aus drei Metern übers Tor schießt. Zorniger ist schuld, dass Daniel Ginczek aus sechs Metern Fährmann ins Gesicht schießt. Zorniger ist schuld, dass Christian Gentner zweimal aufs kurze Ecke zielt. Zorniger ist schuld, dass sich Florian Klein im Zweikampf extrem dümmlich anstellt. Zorniger ist schuld, dass Ginczek ein Ball über den Schlappen rutscht, den er letzte Saison blind reingemacht hätte. Zorniger ist schuld, dass der schlechteste Schalker – Leroy Sané – das entscheidende Tor schießt. Robin Dutt ist schuld, dass Pommes Tyton nicht Manuel Neuer ist. Und Präsident Bernd Wahler, der ist sowieso schuld. Irgendeinen Grund werden wir dafür schon finden. Und dann stellt sich auch noch Schalkes Coach André Breitenreiter hin und sagt, dass die Knappen das Spiel völlig unverdient gewonnen hätten. Ja, was soll das denn? Will der die VfB-Fans ärgern, hätte er sich nicht mal so richtig hämisch freuen können, zusammen …

Auf der Jagd nach einem Innenverteidiger

Alexander Zorniger spricht gerne von „Wir wollen wild sein“ und sein Team solle „den Gegner jagen“. Er hat nicht nur auf dem Spielfeld zur Jagd geblasen, sondern auch seinen Vorstand Robin Dutt auf die Pirsch geschickt. Ihm sollte möglichst ein hochkarätiger Innenverteidiger vor die Flinte laufen. Das war schon so, als Antonio Rüdiger noch in Schonzeit war, erst recht aber, nachdem ihn der AS Rom aufs Korn genommen hat. Zorniger macht den VfB auf und neben dem Feld zum Hunting Club, zum Verein für Jagdspiele. Aber bei V J D S I V („VfB jagt den Super Innenverteidiger“) gingen Moreno, Astori, Douglas und andere in Deckung, keiner wollte kommen, was wohl weniger an Dutt lag, als vielmehr an der gesunkenen Attraktivität des Vereins. Zwei Jahre fetter Abstiegskampf, jetzt auch schon wieder am Tabellenende – wer will sich das schon geben? Jetzt also Toni Sunjic, er ist ein Dutt-Transfer der Marke Caldirola, Garcia, Galvez – wenn wir ehrlich sind, kannte doch keiner von uns den Bosnier, oder? Der 26-jährige geht tendenziell in Richtung Wundertüte: Dass er …

10 Fragen nach dem 1:3 gegen Köln

77. Minute im Spiel VfB Stuttgart gegen Köln: Gerade hat Simon Zoller das 0:2 für Köln erzielt. Kölns Trainer Peter Stöger steht in seiner Coaching-Zone mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck, er lehnt Glückwünsche ab, es ist unklar, ob er überrascht oder peinlich berührt ist. Sein Team hat soeben das Spiel entschieden. Es war deutlich unterlegen, es hat lediglich auf die Fehler des VfB gewartet, der ein mitreissendes Spiel geliefert hat, aber seine Torchancen nicht nutzte. 1893 davon hatte der VfB, Köln vielleicht drei. Das passive Team, das gut organisierte, das taktisch reifere Team blieb cool und abgezockt und das reichte, um in Stuttgart drei Punkte mitzunehmen. Gegen den 1. FC Köln, den der VfB im eigenen Stadion zum letzten Mal mit Jogi Löw auf der Bank besiegt hat, sahen die Zuschauer ein Spiel, das teilweise von der Sitzen riß. Emotional war es, es läßt aber einige Fragen offen: Keiner kann's wie Jogi. #vfbkoe — Christian Prechtl (@ChrisPrech) August 16, 2015 Gibt es noch jemand, der Sorge hat, dass im neuen taktischen System von Alexander Zorniger ein Platz …

Abgezockt oder fahrlässig?

„Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ Was klingt wie eine potenzielle Zeile aus einem Cro-Song, ist in Wirklichkeit ein uraltes Zitat von Georg Christoph Lichtenberg, seines Zeichens Schriftsteller und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik. Wir wissen nicht, ob auch Robin Dutt die erhellenden Worte des guten Lichtenbergs kennt, aber es hat ganz den Anschein, als ob er nach ihnen handeln würde. Neuer Trainer, neuer Keeper, neues System, neues Trikot und Transfers, die keiner auf dem Zettel hatte. Wer kennt den schon Tyton, Heise oder Insua? Ich denke, solche “Wundertütentransfers” wie Kollege abiszet sie nennt, sind der richtige Weg. Aber ich bin ja auch ein Fan des Lichtenberg-Zitats. Robin Dutt kärchert ordentlich durch und geht damit ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. Ist das noch höhere Transferphysik oder schon Gezocke? Denn nüchtern betrachtet wurde ein Team, das knapp dem Abstieg entronnen ist, auf keiner Position zwingend verbessert. Aber die vergangenen Saisons haben gezeigt, dass sich etwas ändern muss. Nicht nur …

Ich weiß, was ich letzten Sommer getan habe.

Ich werde nie vergessen, wo ich am 8. Juli 1990 war, als Edgardo Codesal Méndez das WM-Finale in Rom abpfiff: In einer Kneipe in Gilching, denn meine wenig fußballverrückten Eltern hatten bei der Urlaubsplanung die Weltmeisterschaft nicht berücksichtigt und wir befanden uns auf der Rückreise aus dem Sommerurlaub, den wir am Balaton in Ungarn verbracht hatten. Ich weiß auch, wo ich am 30. Juni 1996 war, als Petr Kouba den harmlosen Kopfball von Oliver Bierhoff in Tor trudeln ließ: Angetrunken im heimischen Wohnzimmer mit einem Haufen noch stärker angetrunkener Austausch-Schüler aus Utah, die ihre temporäre Volljährigkeit in Deutschland ein letztes Mal genossen, bevor sie am nächsten Morgen völlig verkatert wieder Richtung Salt Lake City flogen. Und natürlich weiß ich, wo ich am 13. Juli des vergangenen Jahres war, als André Schürrle von links flankte und Mario “Ausgerechnet” Götze den Ball ins argentinische Tor spitzelte: In einem großen Wohnzimmer mit vielen Menschen, von denen ich nur die Hälfte kannte und Kindern, die in der Halbzeitpause im Regen barfuß draußen kickten und dabei auf Nacktschnecken traten. Erstaunlicherweise kann ich …

Rüdiger weg, Maxim weg, Didavi weg

Und Harnik weg, kann ich auch gleich ergänzen. Und, ach ja, Kostic geht zu den Bayern, wie man mir ganz atemlos übermittelte. Alles natürlich nur, wenn man den aufgeregten Wechselgerüchten Glauben schenkt. Ich weiss nicht, wie es Euch geht, aber die spielfreie Zeit ist für mich genauso spannend wie ein Relegationsspiel. Wenn es darum geht, welcher Spieler wo im Gespräch ist und angeblich irgendwohin wechselt, dann fange ich sogar an, L’Equipe zu lesen und mich durch die Gazzetta dello Sport zu kämpfen. Aber nicht dass ich italienisch oder französisch könnte. Es war wohl 2009, als der VfB einen Nachfolger von Mario Gomez suchte und mit 30 Millionen wedelte, als ich wochenlang im Browser refresh drückte und nach dem Sommer die Tastatur ausgetauscht werden musste. Klaas-Jan Huntelaar war im Gespräch, eigentlich war es so gut wie sicher, dass er kommt, manche hatten ihn am Flughafen oder im Amici gesehen. Alles war geklärt: Ablöse, Gehalt, Laufzeit, Mercedes-Modell, alles. Da platzte der Wechsel, wenn ich mich recht erinnere, war sich der Holländer dann doch zu fein für Stuttgart …

„Das wird schon, meen Jong’!“

Nach vier Minuten, das erste Bier war eigentlich erst halb getrunken, schien alles vorbei. Paderborn trifft mit dem ersten Torschuss, der VfB ist abgestiegen. Wie es wohl meinem Vater geht, der mit meiner Mutter und meinem Freund Thomas in einer Kneipe das Spiel verfolgt? Mein Vater hat schon alles gesehen, er hat Robert Schlienz erlebt, er war 1976 mit anderen 1.999 Zuschauern beim 2:3 gegen Reutlingen im Neckarstadion dabei, er saß neben mir beim 2:1 gegen Manchester United. Ich sehe ihn jetzt vor mir, wie er im Ski-Club von Bad Cannstatt kopfschüttelnd in sein Glas Trollinger schaut. Ich bin äußerlich so ruhig wie der Neckar, der ahnungslos hinter der Kneipe vor sich hinschwappt. Ich würde gerne am Ufer sitzen, ein Bier in der Hand und nur auf das sanfte Hin und Her starren. Gluck-Gluck und dazwischen ein bisschen Vögelgezwitscher und die schweren Schritte eines Joggers. Mein Puls geht im Sitzen genau so hoch wie beim Joggen. Da hilft auch das 1:1 nicht. Die Aufregung ist nicht nur für meinen Vater nix. So richtig lachen konnte …

Das dynamische Duo

Niemand weiß genau, wann Huub Stevens sich vom “Knurrer aus Kerkrade” in eine niederländische Frohnatur verwandelt hat. Doch wie schon bei seinem ersten Engagement am Neckar heißt sein Credo im Abstiegskampf auch in dieser Saison (nach Stotterstart) : Wir geben Gas, wir haben Spaß. Aber über Humor kann man ja bekanntlich trefflich streiten und die Vermutung liegt nahe, dass nicht alle Spieler die Spaßoffensive des Trainers lustig finden. Vor allem Vedad Ibisevic und Moritz Leitner wird nachgesagt, seit einiger Zeit zum Lachen in die Katakomben zu gehen. Doch wie schafft es Huub Stevens trotz der nach wie vor prekären sportlichen Lage stets für gute Laune zu sorgen? Da sind natürlich zum einen seine bewährten Geheimwaffen: Der niederländische Akzent, das schelmische Lächeln und die Tatsache, dass seine Antworten auch auf offen gestellte Fragen zuerst mit einem langgezogenen “Nein” beginnen, brechen sofort jedes Eis. Doch das kann nicht alles sein. Und richtig: Seine volle Wirkung kann der huubsche Hurmor erst durch seinen genialen Sidekick entfachen. Denn Sportdirektor Dutt wirkt in den vergangenen Wochen so sehr fokussiert auf …

Ja, ist der VfB denn Meister geworden?

Es liegt eine Anspannung vor dem Spiel gegen den HSV in der Luft, aber nichts Negatives, eher Vorfreude, ein Funkeln in den Augen, man kann das sehen: Väter laufen mit Ihren Kindern ins Stadion, lächeln, schwenken Fahnen, ein Kind hält sogar eine Papp-Meisterschale hoch. Die Fans lachen atemlos, den Rücken selbstbewusst durchgedrückt, Autos hupen fröhlich, in den Fenstern wird immer wieder mit den Fingern eine drei geformt, ich weiss nicht, was das heissen soll, drei Punkte oder drei Tore, beides wäre mir Recht. 20.000 Leute gehen ganz in weiß gemeinsam vom Bad Cannstatter Bahnhof zum Stadion. Nicht nur wegen des Wetters, es ist eine Stimmung, wie … ja, wie 2007. Nicht zu fassen. Da ist der VfB Letzter und Stuttgart ist bestens gelaunt, geradezu euphorisch. Was hat der VfB aus dieser Stadt gemacht? Ein sehr schöner Text der StZ findet sich dazu hier. #VfBHSV #aufmarsch via @Reimi0501 https://t.co/9zVMAeNYDv — Kessel.TV (@kesseltv) May 17, 2015 Nicht nur die äußeren Umstände erinnern mich an 2007, ich werde den Thrilla im Kella erleben wie vor acht Jahren die …

VfB vs. HSV: Thrilla im Kella

VfB gegen HSV. Das Jahrhundertspiel. Die Mutter aller Abstiegsduelle. Total epic game. Sieg oder Sarg. Thriumph oder Tränen. Held oder Hanswurst. Ex oder Arschloch. Klar, es kommt noch das allerletzte Spiel, aber gegen Hamburg werden die Weichen gestellt. Wir machen den großen Head-to-Head-Vergleich. Pro Duell gibt es einen Punkt. Wenn kein direktes Duell auf dem Platz ersichtlich ist, haben wir positionsgetreu verglichen. Die Ergebnisse werden direkt nach dem Spielervergleich addiert. Huub Stevens gegen Bruno Labbadia Huub Stevens ist der Noel Gallagher der Bundesliga: Obwohl seine beste Zeit vorbei ist, gilt er als unumstrittene Instanz in der Szene. Tendenziell schlecht gelaunt, scheut er sich nicht davor, unangenehme Wahrheiten unverblümt auszusprechen. Und wenn das nicht reicht, kann er gucken wie Jack Nicholson. Damit hat der Holländer sein Team auf der Zielgeraden wieder in Form gebracht, schweißte es zusammen und sortierte Leitner, Hlousek, Ibisevic aus. Motivieren, heiß machen, Optimismus predigen, das ist der Labbadia-Style. Der Ex-Trainer des VfB kann Teams innnerhalb kürzester Zeit stabilisieren und nach vorne pushen. Und Bruno hat das Glück zurück nach Hamburg gebracht. Ob …