Monate: Dezember 2020

Dinner for one

Silvester 2021. Im TV lief wie immer „Dinner for one“. „Wie passend“ dachte sich der Sportvorstand und Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger. Es war ein gutes Jahr für den VfB Stuttgart gewesen. Ja, der Start war etwas holprig gewesen, nachdem seine Pläne, das Präsidentenamt zu übernehmen, durchgesickert waren. Aber nur drei Tage später gewann das Team überraschend mit 4:0 gegen Leipzig und keiner fragte mehr nach Gewaltenteilung zwischen e.V. und AG oder dem Mitspracherecht der Mitglieder. Auch sein Plan, den amtierenden Präsidenten frontal anzugreifen, war aufgegangen. Nach anfänglicher Gegenwehr hatte Vogt seine Kandidatur zurückgezogen. „Zum Wohle des Vereins“ hieß es offiziell. Intern klang es eher nach „dann macht euren Scheiß doch alleine!“ Wie auch immer. Der Rest war ein Kinderspiel gewesen. Am 18. März wurde Hitzlsperger mit 99 % zum neuen Präsidenten des VfB Stuttgart e.V. gewählt. Alles andere wäre gegen diese Fridi Miller allerdings auch peinlich gewesen. So richtig perfekt wurde der Triumph allerdings erst durch seinen zweiten Coup: Da sich aufgrund der hohen Anforderungen kein geeigneter Kandidat für den vakanten Posten im Vereinsbeirat finden ließ, …

Eine Mannschaft zum Verlieben

Wäre dieser Text ein Instagram-Post, er würde nur aus Herzleaugen und Love-Emojis bestehen. Damit wäre fast alles gesagt. Aber eben nur fast. Als VfB-Fans haben wir viel erlebt. Aber diese 102 Tage? Kann mich nicht erinnern, dass der VfB einmal 13 Bundesligaspiele und zwei Pokalrunden gespielt hätte, ohne ein einziges schlechtes Spiel absolviert zu haben. Von Mitte September bis Ende Dezember machte der VfB auf dem Platz nur Freude. An Heiligabend sprach ich mit meinem Vater immer über den VfB. Das ergab sich meist von selbst, wenn er statt Würstchen mit Kartoffelsalat eine der französischen, griechischen oder italienischen Spezialitäten von mir aufgedrängt bekam, die wir zusätzlich zum Weihnachtsklassiker reichten. Da bekam mein Vater automatisch schlechte Laune und das brachte ihn wie von selbst zum VfB. Hätte mein Vater Twitter gekannt, er hätte mit seinem Bruddeln viele Follower begeistert. Was hätte er zu dieser Mannschaft gesagt, zur Rumpfhinrunde der Saison 2020/2021? Selbst er, der zwar alle VfB-Spieler liebte, aber doch immer bei jedem Verbesserungsbedarf sah, hätte nicht meckern können. Der arschcoole Sportdirektor Sven Mislintat hat zusammen …

VertikalGIF #VfBSCF: Driving home for Achtelfinale

Was für ein schöner Jahresabschluss: Der VfB Stuttgart beschenkt sich selbst und seine Fans mit dem Achtelfinale des DFB-Pokals. Nachdem es in der bisherigen Saison nicht mit einem Heimsieg geklappt hatte, kam das 1:0 zum perfekten Zeitpunkt, um mit einem guten Gefühl ins „Winterpäusle“ zu gehen. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Im Gegensatz zum 0:1 in Wolfsburg schonte Matarazzo Stammkeeper Kobel und Silas, die sich schon in die Weihnachtsferien verabschieden durften. Ebenfalls nicht in der Startelf: Sosa und Didavi. Stattdessen starteten Klimowicz, Castro und Kalajdzic. Abgesehen vom „Copa-Keeper“ sah es aber auf beiden Seiten nicht so aus, als würde man das Spiel auf die leichte Schulter nehmen. Beide Teams wollten die Partie unbedingt gewinnen. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Und tatsächlich: Der VfB übernahm von Anfang an das Kommando und ließ Freiburg kaum Platz zu Entfaltung. Kein Vergleich zur letzten Partie, in der sich das Matarazzo-Team in den ersten Minuten sehr schwer tat. Fast genauso überraschend: Die …

„Schiri, bitte gucken!“

Als Nicolas Gonzalez nach einem vermeintlichen Foul an ihm aufstand, murmelte er dies in Richtung Schiedsrichter Florian Badstübner. Das war Mitte der zweiten Halbzeit und ja, hätte der Schiri nur hingeschaut. Hätte er in der 9. Minute so hingeschaut wie in der 86. Minute. In der rempelte Orel Mangala seinen Gegenspieler im Mittelfeld um, ein klares taktisches Foul und auch die gelbe Karte absolut berechtigt. Zu dieser Bewertung hätte Badstübner auch in der Anfangsphase kommen müssen. Ridle Baku checkte Gonzalez im Strafraum rustikal um. So rustikal, dass er sich nicht wundern sollte, wenn er demnächst eine Einladung vom Deutschen Eishockey Bund im Briefkasten findet. Es war das nahezu identische Foul wie von Mangala kurz vor Schluss. Nur: Die Pfeife des Schiris blieb in der 9. Minute stumm, auch der VAR Günter Perl sah keine Veranlassung einzugreifen. Entweder, weil er in Bakus Aktion ebenfalls kein Foul sah oder weil er es für keine „klare Fehlentscheidung“ hielt, den Elfmeter nicht zu geben. Es gibt auf der Welt wenige Konstanten. Unsere Auswärtsauftritte in Wolfsburg gehören dazu. Die Spiele …

VertikalGIF #WOBVfB: Das Kacktor des Jahres

Es war das vielleicht einzige Spiel des Jahres, bei dem Allesfahrer froh darüber waren, dass sie nicht dabei sein mussten durften. An einem verregneten Sonntagabend im Dezember beim zuhause ungeschlagenem Tabellenfünften antreten zu müssen, ist ja schon schlimm genug. Aber, wenn es sich dann auch noch um den VfL Wolfsburg handelt! Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content Aber wie schon meine Oma sagte: Was muss, das muss. Und schließlich war auch der VfB vor dem Spiel ohne Auswärtsniederlage. Zudem mussten die Wolfsburger coronabedingt auf mehrere Spieler verzichten. Die zwei positiv getesteten Spieler hatten aber zum Glück nur zu drei weiteren Teamkollegen Kontakt. Na klar! Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content Beim VfB Stuttgart gab es zum Glück keine Coronafälle, aber Pellegrino Matarazzo tauschte trotzdem gleich auf vier Positionen. Unter anderem fand sich auch Kapitän Castro auf der Bank wieder. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content Wer die Hoffnung hatte, der VfB würde die ersatzgeschwächten …

From Sasa with Love

Nach der Gala gegen Dortmund hatte Pellegrino Matarazzo davon gesprochen, dass die Partie gegen Union Berlin ein Charaktertest sei. Nach dem sehr späten 2:2 kann man sagen, sein Team hat ihn bestanden, nachdem es sich mühsam in das Spiel hinein gekämpft hatte und weil es der VfB schaffte, auch in einem suboptimalen Spiel noch zu punkten. Der VfB-Trainer stellte seine 5:1-Erfolgsmannschaft um, brachte statt Orel Mangala und Tanguy Coulibaly in der Startelf Gonzalo Castro und Nicolas Gonzalez. Was zunächst arrogant wirkte nach dem Motto „Union schaffen wir auch ohne die beiden“, hatte triftige Gründe: Mangala hatte sich beim Aufwärmen verletzt, Coulibaly leichte muskuläre Probleme, so hieß es. Es sah ein bisschen nach Hangover aus, was der VfB am Anfang bot. Nach der Riesen-Party bei den Schwarz-Gelben waren der Kopf und die Beine schwer, zudem präsentierte sich Union als ekelhafter Gegner. Frühes Anlaufen, viele Zweikämpfe, kaum Räume, also das genaue Gegenteil zum Dortmund-Spiel. Dass ein Standard den 0:1-Rückstand bringt, ist Standard beim VfB. Es ist bekannt, dass Union bei ruhenden Bällen durch Christopher Trimmel (by the …

Präsident auf Abruf?

Wird Claus Vogt der Präsident mit den größten Sympathiewerten und der kürzesten Amtszeit in der VfB-Geschichte? Hört sich absurd an, aber der VfB ist und bleibt der VfB, und eine weitere, vollwertige, Amtszeit von Vogt ist anscheinend nicht so selbstverständlich, wie man meinen könnte. Wir sind misstrauisch geworden über die letzten Jahre. Wir Mitglieder wurden belogen und verarscht. Immer wieder wurde uns vollmundig eine Verbesserung versprochen, es gab viel Selbstlob für die optimalen Rahmenbedingungen, ausgeklügelten Konzepte und Strategien. Das alles on repeat von Leuten, die heute schon längst nicht mehr für den VfB tätig sind. Aber auch von solchen, die noch heute in Führungspositionen tätig sind. Und wir? Haben schmerzvoll gelernt, ganz genau hinzuschauen. So gut es sportlich läuft, so sehr knirscht es ganz offensichtlich hinter den Kulissen. Es herrscht beim VfB Stuttgart ein Richtungsstreit, vielleicht sogar ein Kampf der Kulturen: Zwischen denen, die den Status Quo bewahren wollen und weiter so arbeiten wollen, wie es sich in den letzten zehn bis zwanzig Jahren „bewährt hat“. Die Ergebnisse sind bekannt und wenig überzeugend. Aber den …

New Kids on the Blöckle

Boybands haben beim VfB Tradition: In den 90ern hießen sie „Das magische Dreieck“, Anfang dieses Jahrtausends feierte eine Gruppe namens „Die jungen Wilden“ große Erfolge. Sie begeisterten tausende Fans und Zuschauer und brachen mindestens so viele Herzen. Als der VfB Stuttgart noch eine Boygroup war pic.twitter.com/3IRavtkx8Q — Kitto (@KittoDario) October 6, 2020 Boybands sind beim VfB ein echtes Phänomen, denn sie bedienen die Sehnsucht, sich wieder mit einer jungen, motivierten, womöglich selbst ausgebildeten Truppe identifizieren zu können, der man auch Fehler zugesteht und verzeiht. Die aktuellen New Kids On The Block beim VfB heißen Mangala, Coulibaly, Klimowicz und Silas, kurz MC-KS (gesprochen: Em-si Kay-es). Wären Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion erlaubt: MC-KS wären der Garant für fliegende Teddys und BHs, Kreischalarm und ohnmächtige Fans. Denn im Vergleich zu den atemberaubenden Choreografien von MC-KS wirken selbst die Mitglieder des magischen Dreiecks wie Grobmotoriker. Aber warum sind die neuen VfB-Posterboys eigentlich so erfolgreich? Wir stellen euch die Bandmitglieder vor, nichts fällt ihnen leichter als cool zu sein: Orel Mangala Der junge Belgier spielt schon im dritten Jahr …

VertikalGIF #BVBVfB: Ja, ist denn schon Weihnachten?

„Was kann man getrost vergessen? Das Offensivspiel des VfB. Die Abstände sind immer noch zu groß und es wirkt manchmal so, als ob sich die VfB-Spieler auf dem Feld zum ersten Mal sehen. „So, Du bist also der Maxim?“ „Ja, ich schieß‘ hier Freistöße.“ „Sei froh, ich muss hinten rechts verteidigen.“ Das macht Florian Klein sehr solide, im Zusammenspiel mit Martin Harnik findet die rechte Seite allerdings offensiv so gut wie nicht statt.“ So geschrieben am 24. August 2014 nach dem 1:1 am ersten Spieltag der Saison 2014/2015. Seitdem haben wir das ein oder andere Spiel aktiv begleitet. Verdiente Niederlagen, unnötige Unentschieden, glückliche Siege: es war alles dabei. Aber vielleicht noch nie ein Spiel wie das in Dortmund. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Nach dem Kantersieg des Aufsteigers gegen den Champions League Achtelfinalisten weiß man gar nicht, wo man anfangen soll: Platz 7 in der Tabelle, beste Auswärtsmannschaft der Liga, zweitbeste Offensive der Liga, höchste Heimniederlage der Dortmunder seit 2009. Ist das wirklich passiert? Click on …