Monate: Mai 2022

Wunder gibt es immer wieder

Wir haben uns nur von weitem in der Calwer Straße gesehen. Er im neuen 1992er Remake, ich im Regenbogentrikot. Wir kannten uns nicht, blickten uns von Ferne in die Augen und ballten nur die Fäuste. Der Trottwar-Verkäufer im VfB-Shirt rief mir am Vormittag zu: „Schönes Ding, Bello“ und zeigte auf mein Trikot. Ein Junge ging mit seinem Vater einkaufen, beide im Trikot, und der kleine Sohn gab mir im Vorbeigehen fünf. In der S-Bahn blickte eine junge Frau im Cannstatt-Shirt von ihrem Handy auf, wir sahen uns nur an und nickten. Das alles und noch viel mehr zeigt, was der VfB ist, drückt die Verbundenheit, die Erinnerungen, die Sehnsüchte, die Leidenschaft, die Hingabe, kurz: die Liebe zum Club aus. Zu hören und zu sehen ist das im Stadion. Vor dem Spiel, während des Spiels, ganz besonders dann, wenn die Spielstände in Dortmund durchgegeben werden. Ja, und natürlich nach den Toren und auch nach dem Spiel. Die Fans stemmen sich merklich gegen die Relegation, entfachen einen Sound, der auf dem Spielfeld als Sturm ankommt. Jede gute …

Der VfB spielt nur gegen sich selbst

Der VfB kann (praktisch) nicht mehr direkt absteigen. Er kann nur gewinnen gegen Köln. Das Spiel und womöglich dadurch den Klassenerhalt, sogar ohne Relegation. Das ist die Ausgangssituation vom dem 34. Spieltag. Der VfB kann also Vollgas geben. Kann ohne Rücksicht auf Sieg spielen, denn die Relegation ist schon sicher, wenn wir nicht von einer hohen Niederlage gegen Köln und gleichzeitig einem Kantersieg der Bielefelder gegen Leipzig ausgehen. Auch wenn Steffen Baumgart den 1. FC Köln wiederbelebt hat und die Rheinländer auf eine ausgezeichnete Saison blicken: Der VfB spielt im letzten Spiel der regulären Saison nur gegen sich selbst. Gegen seine Lethargie, gegen seine Angst, gegen die eigene Selbstzufriedenheit, gegen seine Wundertütenhaftigkeit und gegen seine DNA, dass nach einem guten Spiel nicht selten ein schlechtes folgt. Die Geißböcke überzeugen in dieser Saison zwar durch Laufstärke, Engagement, Zweikampfstärke, Emotionalität und Offensivgeist. Der Tabellensiebte ist in der Lage, fast jede Bundesliga-Mannschaft auseinander zu spielen, mit Vollgas-Fußball und mit Risikobereitschaft. Dennoch besitzt der VfB genug Qualitäten, um gegen Köln zu gewinnen. Die Frage wird sein: Wer will es …

(Fast) mehr Trikots als Siege

Klar, über Geschmack lässt sich streiten. Auch über das neue Sondertrikot, das sich am Meistertrikot von 1992 orientiert. Manchen fällt nur geil ein, andere verdrehen die Augen. Die Frage ist aber: Warum gerade jetzt? Was will der VfB mit dem Sondertrikot bewirken? Einen Zusammenhalt herzustellen, das kann es nicht sein, denn die Trikots werden nicht rechtzeitig zum letzten regulären Saisonspiel gegen Köln ausgeliefert. Erinnerungen an 1992 wach halten? Das ist wohl im augenblicklichen Abstiegskampf nicht die erste Priorität. Niemand sollte bis Samstag an die Vergangenheit denken, es zählt ausschließlich das hier und jetzt. Alexander Wehrle bemüht den Aberglauben: „Das Trikot knüpft an den Geist von 1992 an, der uns auch am Samstag gegen den 1. FC Köln beflügeln und Glück bringen soll. Wir haben in den bisherigen JAKO-Sondertrikots immer gewonnen und hoffen, dass es so bleibt.“ Der Geist von 1992? Wenn es ihn wirklich gibt, sollte er vor dem Spiel gegen die Geißböcke in die Kabine gehen und den Spielern davon erzählen, wie der VfB überraschend die Meisterschaft gewann. Der Triumph vor 30 Jahren war …

Es ist noch nichts erreicht

2:2 gegen Bayern München – wer hätte das gedacht? Aber kein Grund zum Feiern. Der VfB steht zwar so gut wie sicher auf dem Relegationsplatz und hat sogar noch Chancen auf den direkten Klassenerhalt. Aber das Saisonfinale gegen Köln und eine mögliche Relegation gegen Bremen, den HSV oder Darmstadt gilt es noch zu spielen. Und zwar mit derselben Energie und Leidenschaft wie gegen den Rekordmeister. Das war übrigens das zweite Spiel seit dem 2:1 am 27.03.2010 bei dem wir gegen die Bayern punkten konnten. 🙈🥹 — __1893Seahawk__ (@blackXXseven) May 8, 2022 Pellegrino Matarazzo hatte vor dem Spiel den Ton verschärft. Er sprach bei Hertha und Wolfsburg von zwei „Kackspielen“ und zeigte sich schwer enttäuscht von seiner Mannschaft. Vielleicht hätten er und Sven Mislintat den Kuschelkurs früher verlassen sollen und mehr Energie darauf verwendet, die Mannschaft richtig anzupacken statt demonstrativ Ruhe auszustrahlen. Warum nicht immer so? Trat der VfB zaudernd gegen Mainz auf, lethargisch gegen Hertha und wirkte müde und ausgepowert gegen Wolfsburg, zeigt die Mannschaft eine unerwartet forsche Leistung. Sich gegenseitig unterstützend und motivierend stemmen …

VertikalGIF #FCBVfB: Das Sensatiönle

Die Aufschieber vom Neckar hatten die Hausaufgaben so lange vor sich hergeschoben, dass sie die dringend benötigten Punkte gegen den Abstieg nun in München und gegen Köln holen mussten. Und wie hoch schätzten die Fans die Chancen in München ein? Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Kein Wunder, schließlich waren die äußeren Umstände bei den Bayern etwas ungemütlich: Gegen Mainz verloren, von Felix Magath der Wettbewerbsverzerrung bezichtigt, kurz mal nach Ibiza gejettet und dann war da ja auch noch die Schalenübergabe, die sich die Bayern sicherlich nicht ein zweites Mal vom VfB versauen lassen wollten. Und so schickte Julian Nagelsmann auch seine beste Elf aufs Feld. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Trainer Matarazzo hatte angekündigt, in München angreifen zu wollen. Und diesmal blieb es nicht wie so oft zuvor bei leeren Worten. Der VfB ging tatsächlich gleich in die Offensive und stresste die Bayern. Mit Erfolg, denn nach nur acht Minuten konnte Stuttgart nicht nur drei gute Chancen …

Die Aufschieber

Was machen wir mit dem Spiel gegen Bayern München? Gar nicht erst schauen, um eine mögliche Klatsche nicht miterleben zu müssen? Die Erwartungen so weit runter schrauben, dass man jeden Rückpass oder einen Befreiungsschlag feiern kann? Oder einfach ironisch gucken? Mein Freund Kai sagte immer zu mir, wenn ich zauderte: „Schmerz, ja sofort!“ und meinte damit, (unangenehme) Dinge immer sofort anzugehen und nicht aufzuschieben. Im Fremdwörterlexikon steht allerdings unter “Prokrastination”: “Der VfB leidet an Prokrastination. Also am „extremen Aufschieben“, einer pathologischen Störung, die durch ein unnötiges Vertagen des Beginns oder durch Unterbrechen von Aufgaben gekennzeichnet ist, so dass ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustande kommt.“ Der VfB, Meister der Ausreden, King im Aufschieben, Experte fürs Schönreden. Der VfB hat seine Erfolge so lange verschoben, in dem er auf die Rückkehr verletzter Spieler setzte oder auf die kommenden Spiele verwies, dass er im Saisonfinale plötzlich gegen Bayern München punkten sollte. Das haben schon andere geschafft, in dieser Saison gewannen Frankfurt, Gladbach, Augsburg, Bochum und Mainz gegen den Rekordmeister. Aber es muss einiges zusammen kommen: …

Die Furcht vor der Relegation

Nach Berlin durften wir so etwas wie eine Trotzreaktion erwarten. Gerade zu Spielbeginn. Aber was da kommt, ist merkwürdig wenig. Nichts, was die Zuschauer mitnimmt. Es sieht aus wie ein Spiel zweier Mittelfeldmannschaften am 25. Spieltag. Bemüht sind sie beim VfB. Aber auch gehemmt, planlos, mutlos, ideenlos, verzweifelt. Sieht so eine Mannschaft nach einer „knallharten Analyse“ aus? „Wir wollen ein anderes Gesicht zeigen“. “Wir wollen von der ersten Minute an voll da sein, Vollgas geben und die Fans mit unserer Leistung energetisieren.“ Es bleiben Worte. Wie so oft in dieser Saison. Die Fans geben jedenfalls mehr Gas als die Mannschaft. “Der Klassenerhalt, egal ob direkt oder über die Relegation, ist ein Erfolg für diesen Club“, sagt Sven Mislintat nach dem Spiel. Echt? Wird da nicht die verheerende Situation und die eigene Leistung schön geredet? Wenn Du nach bisher zwei Siegen und zwölf Punkten in der Rückrunde (und nach einer beschissenen Hinrunde) den Klassenerhalt schaffst, dann ist das ein Geschenk. Die Mannschaft macht aber nicht den Eindruck, als ob sie es sich verdienen möchte. Die Relegation …

VertikalGIF #VfBWOB: Besser, aber nicht gut genug

Zugegeben: Es war für den VfB nicht schwer, die Leistung von der letzten Woche zu toppen. Mit Thommy, Karazor und Marmoush statt Stenzel, Mangala und Führich sollte der sechste Heimsieg der Saison gelingen. Wichtig dabei: Trotz des desolaten Auftritts aus der Vorwoche standen die VfB-Fans von Beginn an bedingungslos hinter dem Team. Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Daran konnte auch die 13. Minute nichts ändern, als Brooks nach einer Wolfsburger Ecke relativ unbedrängt und unhaltbar für Müller zum 0:1 einköpfte. Und so fühlte sich der Auftakt für alle Fans an, die mit Vorfreude ins Spiel gegangen waren: Click on the button below to load the content of giphy.com. Load content   Nach dem Treffer waren die Wolfsburger zufrieden und zogen sich zurück. Der VfB versuchte sich weiterhin im Offensivspiel, aber die Resultate waren in der Regel viel zu harm- und kraftlos, um die Wolfsburger Defensive auch nur irgendwie in Gefahr zu bringen. Der VfB streckte sich, aber nicht genug. Click on the button below to load …