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Kann der VfB nicht mehr verlieren?

Der VfB ist der heiße Scheiß in der Bundesliga und wird von FAZ, 11Freunde, Spiegel Online völlig zurecht gelobt und gehyped. Was wir da in der ersten Halbzeit gesehen haben, das ist der beste VfB seit vielen Jahren. Alleine die verschiedenen und kreativen Varianten bei den Standards – und das ganz ohne speziellen Standardtrainer. Flüssige Kombinationen, schnelles, direktes Spiel, jung, ein bisschen wild, aber auch vielfach ungestüm. Da kommt dann der letzte Pass oft nicht an, da werden Umschaltmomente nicht optimal ausgespielt. Aber was macht es? Spaß macht es. Denn den VfB 2020 zeichnet Mut aus. Mut, die spielerische Lösung zu suchen und nicht einfach den Ball lang und weit nach vorne zu kloppen und hinterher zu schauen. Wenn es kein Corona gäbe, lägen wir uns alle in den Armen, würden diesen neuen, mutigen VfB feiern. Wenn Zuschauer zugelassen wären, würde das Stadion abheben und auf einem Champions League Platz landen. Denn die Fans waren schon immer Champions League. Wir spielen es wieder sehr stark, nur der letzte Pass ist maximal unclever. — Seriouz (@Seriouz1893) …

Was ist nur aus dem VfB geworden?

Ob man will oder nicht: Als Fan des VfB Stuttgart – Traditionsverein seit 1893 – wird man auch selbst zunehmend zum Traditionalisten und schaut mehr in die Vergangenheit als nach vorn. Kein Wunder, schließlich liegen die richtig guten Jahren unseres Herzensclubs schon gut ein Jahrzehnt zurück. Gerade wieder in die erste Liga aufgestiegen und das Schlimmste befürchtend, flüchten wir uns in das vermeintlich Verlässliche und definieren uns über Historie und Statistiken. Und dann das: der VfB liefert einfach nicht mehr! Erster Spieltag: Der SC Freiburg ist zu Gast. Und gewinnt zum ersten Mal seit 2012 im Neckarstadion. Zweiter Spieltag: Der VfB fährt nach Mainz und siegt mit 4:1. Der erste Sieg bei den Rheinhessen seit 2005! Dritter Spieltag: Angstgegner Leverkusen ist zu Gast. Das Ergebnis: 1:1 und damit der erste Punktgewinn im heimischen Stadion gegen die Werkself seit 2014. Vierter Spieltag: Auch in Berlin ist für den VfB traditionell eher wenig zu holen. Aber in dieser Saison scheint alles anders: Der VfB gewinnt mit 2:0 – der erste Sieg im Olympiastadion seit 2013! Nicht mal …

Der neue und der alte VfB

“Der lupft gerne“, das sagte mein Vater oft. Weniger im Fußballumfeld, er meinte eher jemand, der stark am Glas war. Tanguy Coulibaly lupft auch gerne, ich denke, nur auf dem Spielfeld. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatte er nach einer sasa-tyischen Ablage von Kalajdzic die Chance zum 2:1. Er lupfte, Timo Horn brachte die Fingerspitzen dran und nix war es mit der Pausenführung. Da hätte ich mir den verschmitzten Matteo Klimowicz gewünscht: Der hätte den Ball am Keeper vorbei gelegt und locker eingeschoben. Das Spiel wäre ganz anders gelaufen. Ganz anders gelaufen wäre das Spiel auch, wenn Daniel Didavis Freistoss von der Latte ins Tor und nicht ins Feld gegangen wäre. Didavi hält sich ja für einen begnadeten Freistossschützen und das ist die einzige Parallele zu Cristiano Ronaldo: Auch der meint, jeden Freistoss verwandeln zu können und versucht es immer wieder, mit immer weniger Erfolg. Statt 2:0 nach 2 Minuten stand es 1:1 nach 22 Minuten. Ein saublöder Elfer und ein verletzter Marc-Oliver Kempf brachten Köln ins Spiel und den VfB aus dem Tritt. Coulibaly hätte …

Leichtes Spiel gegen den schönen Bruno

Berlin ist ja sowas wie eine Außenstelle von Stuttgart. Bruno Labbadia, Vedad Ibisevic, Santi Ascacibar, bis vor wenigen Monaten noch Jürgen Klinsmann. Am 4. Spieltag ist Stuttgart das bessere Berlin. Das wussten wir zwar schon vorher, aber die Souveränität des zweiten Auswärtssieges ist schon erstaunlich. Bruno Labbadia hat in Stuttgart nicht den besten Ruf. Er klagte gerne über die (finanziellen) Umstände, ließ unattraktiven Fußball spielen, hatte meist kein Offensivkonzept und seine ersten Spielerwechsel vollzog er erst ab der 80. Minute, nachdem er sich ewig mit seinen Co Eddy Sözer abgesprochen hatte. Trotzdem ist er der Trainer mit der längsten Amtszeit beim VfB in den letzten zehn Jahren. In Berlin hat er es auch nicht leicht: Hohe Erwartungen, ein spät zusammen gestellter Kader und ein Spieler wie Cunha, der sich selbst für Neymar hält, die einzigen Ähnlichkeiten aber der akkurat gestutzte Bart, die fein gezogenen Augenbrauen und die geschmacklosen Tätowierungen sind. Er hätte sich ein Beispiel an Tanguy Coulibaly nehmen sollen. Er ist die pain in the ass für die Berliner. Spiel- und lauffreudig, giftig im …

Gegen Leverkusen muss man nicht gewinnen

Die gute Nachricht vor dem Spiel: Stefan Kießling sitzt nur auf der Tribüne. Er war es in den letzten Jahren, der immer sein Tor gemacht hat gegen den VfB. Die schlechte Nachricht kurz nach Spielbeginn: Der VfB setzt seine Serie der frühen Gegentore fort. Die Lernkurve beim VfB erscheint nicht besonders steil. Die wenig überraschende Nachricht: Der Champions League-Kandidat Bayer Leverkusen ist besser als der Aufsteiger VfB Stuttgart. Den Qualitätsunterschied macht der VfB mit enormem Einsatz wett und holt sich damit einen hochverdienten Punkt. Apropos Lernkurve: Das 0:1 ist bereits das dritte Gegentor in dieser Saison nach einer Flanke. Und es ist ja nicht so, dass es unbekannt wäre, dass Patrik Schick ein sehr guter Kopfballspieler wäre. In der 60. Minute fast das 0:2 nach demselben Muster: Alario kommt völlig frei zum Kopfball, Waldemar Anton und Konstantinos Mavropanos schauen zu. Der Grieche feierte dennoch ein gelungenes Debüt: autoritär in der Defensive, mit angedeuteten Lucio-Ansätzen bei seinen Offensivaktionen, durchsetzungsstark im fremden Strafraum, unter anderem mit einem Lattenkopfball. An Einsatz und Willen mangelt es dem VfB gegen …

Hitz und die Mitglieder-Verarsche

Seit Februar 2019 habe ich Angst um Thomas Hitzlsperger. Zu diesem Zeitpunkt wurde er von Wolfgang Dietrich zum Sport-Vorstand und Nachfolger von Michael Reschke berufen. Zum ersten Mal bekam er damals wirklich operative Verantwortung beim VfB Stuttgart und wurde so abhängig vom Erfolg des Clubs aus Cannstatt. Das kann bekanntlich schnell zum Schleudersitz werden. Dabei wünsche ich mir, dass Hitzlsperger beim VfB langfristig wirken kann und so etwas wie das Gesicht meines Herzensvereins wird. Bei seiner Antrittspressekonferenz im Februar letzten Jahres als Sport-Vorstand hätte ich ihm ewig zuhören können. Da war nichts Großspuriges in ihm, wie beispielsweise bei seinem Vorgänger Reschke, er trat das Amt demütig, dankbar und voller Tatendrang an. Immer mit dem Hinweis, dass er nicht alles besser wisse. Auch das ein großer Unterschied zum „Perlentaucher” und natürlich zu seinem damaligen Vorgesetzten Dietrich. Die Funktionärskarriere von „The Hammer“ verlief steil beim VfB. Innerhalb kürzester Zeit wurde er zum wichtigsten Mann im Club, zum Vorstandsvorsitzenden der VfB Stuttgart 1893 AG. Wäre ich beim VfB, hätte ich es nicht anders gemacht, gleichwohl mir die Doppelfunktion …

Alles im grünen Bereich

Am vergangenen Freitag stellte der VfB Stuttgart sein drittes Trikot, aka Ausweichtrikot aka “Third” vor. Traditionell ist dieses Jersey mehr ein Marketing-Gag als ein ernstzunehmendes Trikot (remember Stadttrikot oder Fantastische 4 Trikot). In dieser Saison ist das dritte Trikot tatsächlich grün, was vielen nicht gefällt, aber vor allem ist es zu 100 % aus alten PET-Flaschen erstellt – und welcher Bundesligist kann das schon von sich behaupten? Wir finden es chic, auch weil auf dem grünen Dress ein VfB-Wappen in den “richtigen” Farben prangt. Apropos Recycling: Beim Gastspiel in Mainz sah sah es 44 Minuten so aus, als würde der VfB das Spiel gegen Freiburg wiederverwerten. Gute Leistung, aber kein Ertrag. Das Team von Matarazzo legte los wie die viel besagte Feuerwehr, nach zehn Minuten hatte der VfB 76 % Ballbesitz und 5 Ecken herausgespielt. Trotzdem stand es nach nur 13 Minuten 1:0, nachdem die Mainzer ihren ersten brauchbaren Angriff zur Führung genutzt hatten. Classic VfB. Auch, wenn Mainz 05 in den kommenden Minuten stärker wurde, konnte man zwei Dinge feststellen: Die Irritationen rund um …

Castro als Kapitän: Eine logische Wahl

Gonzalo Castro zum neuen Mannschaftskapitän des VfB zu machen, scheint eine logische Entscheidung von Trainer Pellegrino Matarazzo zu sein. Mit 33 Jahren ist er der Älteste im blutjungen Kader und verfügt mit 383 Bundesliga-Spielen mit Abstand über die meiste Erfahrung. Zusammen mit Sami Khedira, Mesut Özil, Mats Hummels, Manuel Neuer und Benedikt Höwedes wurde er 2009 zudem U21-Europameister. Gibt es in diesem Kader keinen geeigneteren Kapitän als Castro? Scheint so. Denn es ist auch deshalb eine logische Wahl, weil sich kein anderer aufgedrängt hat: Pascal Stenzel? Wataru Endo? Gregor Kobel? Marc-Oliver Kempf? Mal scheint es das Naturell, mal sind es die Sprachkenntnisse, mal die Position, mal die unsichere Situation, Stammspieler zu sein. Und beim zweiterfahrensten Spieler im Team, Daniel Didavi, entspricht dessen Standing im Verein wohl in etwa der Zuverlässigkeit seines Körpers. Als Lautsprecher ist Castro bisher nicht aufgefallen. “Ich halte mich lieber im Hin­ter­grund.“ sagte er einmal im Interview mit 11 Freunde. Er ist eher der Typ „stiller Techniker“, der auf dem Platz jedoch durchaus temperamentvoll sein kann. Allerdings in erster Linie bei Diskussionen …

Das Prinzip Hoffnung

„Das könnte sein Jahr werden!“ Sven Mislintat ist im „kicker“ optimistisch, dass Borna Sosa nach diversen Verletzungen und Formkrisen in seiner dritten Saison den Durchbruch beim VfB schafft. Der junge Kroate ist nicht der Einzige, bei dem der VfB hoffen muss, dass er den nächsten Entwicklungschritt macht. „Das könnte sein Jahr werden!“ Das könnte Mislintat auch über Silas Wamangituka sagen. Für den schnellen und manchmal überdrehten Übersteigerkönig könnte es durchaus mehr Raum geben für seine raumgreifenden Sprints und Soli. Wenn er dann noch an seinem ersten Kontakt arbeitet und öfter die richtige Entscheidung trifft, wann er ins 1:1 gehen und wann er abspielen sollte, ja dann könnte es zu seinem Jahr werden. Es könnte auch das Jahr des Sasa Kalajdzic werden. Das muss es fast. Der Österreicher, wie sein Sturmkollege Hamadi Al Ghaddoui bisher ohne eine einzige Bundesligaminute, sollte schon wissen, wo das Tor steht. Denn, wer sonst soll die Buden machen – vor allem dann, wenn Nicolas Gonzalez den VfB verlassen sollte? Selbst er wäre keine Garantie. Auch wenn sich Gonzalez nach der Corona-Spielpause …

“Schorschi, Schorschi noch einmal, …

… es war so wunderschön. Schorschi, Schorschi noch einmal, wir wollen Tore sehn!“ Leser unserer VfB-Fibel wissen: Wir sind Fans von Georg Volkert, dort schrieben wir unter anderem über ihn: Erst mit knapp 33 Jahren wechselte der gebürtige Franke zum VfB, nachdem er mit dem 1. FC Nürnberg Deutscher Meister und 1977 mit dem Hamburger SV Europapokalsieger geworden war und längst nicht mehr so flink auf den Beinen wie zu Anfang seiner Karriere. 75.000 Mark betrug 1978 die Ablösesumme für Volkert. Eine selbst für damalige Verhältnisse geradezu lächerliche Summe für einen, der lange Zeit als bester Linksaußen Deutschlands galt, den sogar Juventus Turin verpflichten wollte. Volkert hatte seine Launen, er war ein guter Orgelspieler und Sänger, aber am wichtigsten: an guten Tagen war er unwiderstehlich. Würde man einen Film über ihn drehen, so müsste er “Der Trixxer” heißen. Volkert hatte alles drauf, er war ein Fopper, ein Fummler, aber kein Ego-Shooter. Dribbeln bedeutete bei ihm nicht Eigensinn, sondern Raumgewinn. Er konnte Tricks im Stehen, im Laufen und wahrscheinlich auch im Sitzen, er schnickste mit dem …