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Der Bodenständige: Silvio Meißner

Otto Baric und Bernd Förster haben wir euch schon ins Nest gelegt. Heute steigen wir in die Zeitmaschine und jetten zwei Jahrzehnte in die Zukunft, die aber auch schon wieder zwanzig Jahre in der Vergangenheit liegt. Aber egal! Reden wir über das Jahr 1999. Reden wir über Silvio Meißner. Und das nicht (nur), weil der ehemalige defensive Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart aktuell in aller Munde ist. Kein Wunder, schließlich geht er einen ganz anderen Weg als viele seiner ehemaligen Kollegen: Meißner ist und beschäftigt mittlerweile “Alltagshelfer”: Menschen, die anderen Menschen helfen. Die Einkäufe erledigen, im Haushalt helfen, und schlicht und ergreifend andere im Alltag begleiten. Und das nicht erst seit der „Corona-Krise“. Geboren im Jahr 1973 in Halle an der Saale war Meißner ein so called “Kind der DDR”. Über den FC Halle landete er beim Chemnitzer FC und nach drei guten Spielzeiten in der zweiten Liga wechselte er 1996 schließlich zu Arminia Bielefeld. Und hier komme ich ins Spiel – irgendwie jedenfalls. Denn im Gegensatz zu @abiszet habe ich meine Jugend nicht im VfB-Umfeld …

Mir fehlt etwas

Mir fehlt sogar ganz viel. Ausgelassen zu sein, gedankenlos zu sein. Freiheit. Die Freiheit machen zu können, was ich will. Liebe Leute zu treffen, die Unbeschwertheit, in der Sonne in einem Cafe zu sitzen und Leute zu beobachten, eine spontane Umarmung oder einfach meine Mutter zu sehen. Im Augenblick werden bei mir Dinge ganz laut, die bisher leise waren. Es sind Sorgen, die sonst verdrängt werden von scheinbar dringenden, aber meist banalen Problemen. Die Banalität ist gewichen der Sorge um die Gesundheit von Freunden und Familie und einem selbst. Die Sorge um die eigene berufliche Zukunft, die Unsicherheit der nahen und fernen Zukunft, ich fühle mich im Existenzkampfmodus. Und wo bekomme ich das nächste Klopapier her, verdammt? Ich lerne den alten Alltag schätzen, denn der ließ es kaum zu, über diese Dinge nachzudenken. Routinen bestimmten bisher meinen Tag, es ging ums Funktionieren und am Ende des Tages um Ablenkung von den schweren und komplizierten Dingen und dazu gehörte auch der VfB. Als kleine Erinnerung an den bisherigen Tagesablauf fange ich meinen Bürotag im Homeoffice mit …

Well, that escalated quickly …

Schon bemerkenswert: Vor nicht mal zwei Wochen hielt ich es für vertretbar, das VfB-Spiel gegen Bielefeld zu besuchen. Heute halte ich es für eine meiner dümmsten Entscheidungen der letzten Jahre. Es kommt einem vor, als sei das vorerst letzte Heimspiel des VfB Stuttgart schon eine Ewigkeit her. Unsere größte Sorge Anfang März war schließlich, dass das Spitzen- auch ein Geisterspiel wird. Elf Tage später hat die zweite Liga wie alle anderen auch längst ihren Betrieb eingestellt. Mannschaftssport findet – egal auf welcher Ebene – nicht mehr statt, Sport-, Spiel- und Bolzplätze sind deutschlandweit geschlossen. Und die anfänglichen Überlegungen, ob der VfB Stuttgart mit dem aktuell zweiten Platz eventuell bereits aufgestiegen ist, sind mittlerweile komplett irrelevant geworden. Denn während wir (und ihr hoffentlich auch) zuhause ausharren, damit nicht noch mehr Menschen an dem Coronavirus sterben, sorgen sich Arbeitnehmer um ihre Jobs und Unternehmen um ihre Existenz. Aktuell steht definitiv mehr auf dem Spiel als ein Aufstieg. Viel mehr. Denn, machen wir uns nichts vor, auch die Clubs mit ihren Multi-Millionen-Etats werden um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen …

Spielbetrieb aussetzen!

Paris, Valencia, Gladbach: Bei den Spielen der Champions League und dem Bundesliga-Nachholspiel wurde deutlich, da fehlte etwas. Die Emotion. Fußball ist mehr als das Ausspielen eines Ergebnisses, ist mehr als Sieg und Niederlage, mehr als Aufstieg und Abstieg. Es ist Kultur. Und das Publikum in den Stadien macht das Spiel dazu. Zu einem Ereignis, zu einem Gemeinschaftserlebnis. Denn das Publikum interagiert mit den Spielern, in nicht wenigen Spielen beeinflusst es die Partie. Es fehlen das Singen, das Stöhnen, das Schreien, das Jubeln, das Ärgern. „Without fans, football is nothing.“, sagte der berühmte schottische Trainer Jock Stein. Die Zuschauer sind die Seele des Spiels, ohne sie wird Fußball auf seinen Kern reduziert: auf ein Millionenbusiness. Gianni Infantino gefällt das, aber womöglich gibt es etwas, was größer ist als die FIFA. Das Corona-Virus bringt alles in Gefahr, natürlich auch dieses Millionenbusiness. Deshalb gibt es bis auf weiteres Spiele ohne Publikum, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, denn für DFL-Geschäftsführer Christian Seifert steht es „außer Frage, dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden …