Alle Artikel in: VfB

Verein für Belanglosigkeit

Die Champions League Ambitionen von Holger Badstuber: interessieren mich nicht. Die immer gleichen Aufstellungen und vorhersehbaren (Nicht-)Wechsel von Tayfun Korkut: ermüden mich. Dennis Aogos Aufzugs-Selfies: ringen mir nicht mal mehr ein Lächeln ab. Michael Reschkes Play-off-Phantasien: regen mich nicht mal mehr auf. Die fehlende Konsequenz, ein Spiel einmal mit einem zweiten Tor zuzumachen: nervt mich immer noch. Immerhin. Denn es gibt im Moment wirklich wenig, was mich rund um den VfB Stuttgart überhaupt noch aus dem Sattel holt. Zu langweilig, zu bieder, zu graumäusig ist alles geworden. Der VfB ist ein bisschen zum VfL Bochum der 80er Jahre geworden. Da fühlen sich drei Spiele ohne Sieg auch nicht so viel anders an als sieben Spiele ohne Niederlage. Da ertappt man sich bei Frage, ob man einen herrlichen Samstag Nachmittag wirklich für ein Heimspiel opfern soll. Und immer mehr verfestigt sich aktuell Eindruck, die Spieler sind – bis auf wenige Ausnahmen – am Spiel des VfBs ähnlich uninteressiert wie ich derzeit. Die Luft ist raus. Die Luft ist sogar so raus, dass auch das späte 1:1 von …

Langweilig ist das neue aufregend.

Herrliches Wetter, der VfB Stuttgart seit sieben Spielen ungeschlagen. Zu Gast: der Tabellenletzte. Laien fragten: Was soll da noch schief gehen? Leidgeprüfte Fans ahnten schon, was vermutlich auf sie zukommen würde: Ein bisschen weniger laufen würde schon nicht schaden. Und, was sollte schon passieren, wenn man den fehlerhaften HSV ein wenig kombinieren lässt? Die spielten mit Waldschmidt im Sturm (mit Waldschmidt!), mit einem gewissen Gouaida, einem Debütanten namens Ambrosius und mit Kostic auf rechts, wie sollten die je ein Tor schießen? Fast hatte man den Eindruck, die Spieler des VfB wollten diese vermeintlich letzte Tour durch den Jurassic Park nochmal in aller Konsequenz genießen. Es wurde viel zugeschaut, aber wenig gekämpft. Den unbedingten Siegeswillen, den Tayfun Korkut bei seinem Team gesehen haben wollte, suchten die 60.000 im Stadion jedenfalls vergebens. Das Spiel gegen des HSV war das erste unter Tayfun Korkut, das die Bissigkeit und Konsequenz vermissen ließ, die wir mal als die “Darmstadtisierung des VfB” bezeichnet haben. Ob es ein Ausrutscher war oder richtungsweisend für die restliche Saison, wird sich zeigen. Im Hinspiel in …

Die unheimlichen Fälle des VfB

Freiburg. Auswärtssieg. Schon wieder. Der dritte in Folge! Insgesamt ist der VfB Stuttgart jetzt sieben Spiele in Folge ungeschlagen. 37 Punkte. Zu 99% den Klassenerhalt in der Tasche. Jetzt mal ehrlich: Bin ich der einzige, dem das merkwürdig vorkommt? Klar, Tayfun Korkut hat an den richtigen Stellschrauben gedreht und generell einen klasse Job gemacht. Er lässt jetzt einfach, hoch und weit spielen, was perfekt funktioniert, weil mit Mario Gomez ein exzellenter Wandspieler vorne drin steht. Sein Kader besteht aus 15 Spielern, der Rest ist außen vor. Wagenburg-Mentalität. Und das klappt hervorragend wie man sieht. Dennoch erklärt das nicht den unheimlichen Erfolg des VfB, seit Korkut hier Trainer ist. Denn eine derartige Serie hätte vermutlich nicht mal Pep Guardiola mit diesem Kader geschafft. Und überhaupt: Wenn das alles auf die Korkut’schen Maßnahmen zurückzuführen wäre, frage ich mich, warum er auf seinen bisherigen Stationen einen Punkteschnitt von 1,0 und nicht von 2,6 hatte. Das ist doch alles nicht mehr normal. Aber vielleicht paranormal? Ehrlich, es muss doch mehr dahinterstecken als eine einfache Taktik, die die Spieler nicht überfordert …

Böser Fußball, gute Ergebnisse?

Jetzt ist wieder die Zeit, in der über die Schönheit des Spiels diskutiert wird. Mourinhos 2:1 gegen Klopp. Juves 2:1 bei Tottenham. Schalke duselt sich im Minimalistenmodus auf Platz zwei. Pal Dardais Hertha ist seit Jahren extrem eklig zu bespielen. Die Erfolgsserie des VfB Stuttgart mit Anti-Fußball (wie es DIE ZEIT nennt). Weder in Turin, noch auf Schalke und in Berlin, noch in Augsburg, Freiburg, Hannover und Mainz, wo angeblich auch hässlicher Fußball gespielt wird, beklagt sich jemand darüber. Nur in Stuttgart, da wird vereinzelt gebruddelt. Nicht aus Gewohnheit, wie man es den Schwaben klischeehaft nachsagt, eher aus Nostalgie. Der VfB stand mal für Offensivfußball mit Klinsmann, Bobic, Elber, Balakov, Hleb und Kuranyi, mit dem frühen Gomez und Cacau, der VfB stand mal für jung und wild, und lief gegen Leipzig mit der ältesten Startelf seit 12 Jahren auf und ist dabei bieder, unansehnlich – aber erfolgreich. Tayfun Korkut ist mit seiner Herangehensweise an der Spitze einer Bewegung: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Er ist ein Vertreter des “einfachen Fußballs“ – doch ist dieser auch …

Die neuen Abenteuer des Captain Kork

Die Bundesliga, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018. Dies sind die neuen Abenteuer des Captain Kork, der mit dem VfB 1893 unterwegs ist, um fremde Bundesligastadien zu erforschen und neue Taktiken und Herausforderungen zu entdecken. Er ist den anderen Trainerkollegen dabei Lichtjahre voraus und übernimmt auch Missionen, die nie zuvor ein Bundesligatrainer angenommen hat. Captain Kork zeichnet sich durch großen Mut und edlen Charakter aus, er ist der Erfinder der außerirdischen Sternenflotte Gomez-Ginczek-Thommy. Er gilt als Anti-Guardiola, als der neue Trapattoni, sein Matchplan lässt die Gegner aussehen wie Flasche leer, zuletzt Köln. Nirgendwo lag so viel Leere als im Blick von Keeper Timo Horn. Captain Kork, den manche schon Korky nennen, hat die Teamdynamik und Hierarchie im Kader messerscharf analysiert und erkannt, dass er nur mit den Routiniers gewinnen kann. Sie sind es, die die Statik im Team verändern können, im Guten wie im Schlechten. Seine oberste Direktive: Keine Rotation. Das Ergebnis: 4 Siege, 1 Unentschieden, eine astronomische Bilanz. Nicht mal ein Weltklasse-Trainer hätte das geschafft. So wie er viel zu früh kritisiert wurde, …

Die Glücksritter

Das Spiel in Köln lief eigentlich genau so ab, wie leidgeprüfte Fans es erwartet hatten: Der VfB spielte mit dem 12. Mann. Sein Name: Schlendrian. Nach drei Siegen in Folge fehlte den Stuttgarter Spielern die nötige Konzentration und Bissigkeit, die sie in den letzten Partien gezeigt hatten. Während Sky-Kommentator Fuss die Versetzung von Holger Badstuber ins defensive Mittelfeld als entscheidende Maßnahme Korkuts lobte, verlor die Nummer 28 einen Ball nach dem anderen und zeigte vermutlich seine schlechteste Leistung im VfB-Trikot. Und er war keine Ausnahme: Da gab es schlampige Spieleröffnungen von Ron-Robert Zieler, die postwendend zurück kamen und eben jenen leichtfertigen Ballverlust von Emiliano Insua, der zum 1:0 führte. Aber nicht nur Einstellung ließ zu wünschen übrig. Es schien, als hätten sich die Kölner perfekt auf das Korkut-Gameplay eingestellt, das sich wenig überraschend nicht von den letzten Wochen unterschied. Warum auch? Dass es zur Halbzeit dann trotzdem 2:1 für den VfB stand, ist nur schwer zu erklären. “Aus dem Nichts” hat soeben eine neue Bedeutung erhalten #KOEVfB — Tobias Escher (@TobiasEscher) 4. März 2018 Glück …

Stuggi*. Ginni. Love.

Er ist ein mächtiger Mann. Über 1,90 Meter groß, Litfasssäule für flächendeckende Tattoos, und doch umweht ihn immer ein Hauch von Melancholie. Denn Daniel Ginczek ist der Don Quijote des VfB. Sein Kampf gegen die Windmühlen seiner Verletzungen ist Symbol dafür, nie aufzugeben, und trotz vieler Rückschläge immer positiv zu bleiben. Nach zwei Kreuzbandrissen, einem Bandscheibenvorfall und unzähligen Muskelverletzungen hat der Schmerzensmann des VfB nun drei Spiele am Stück absolviert (insgesamt 269 Minuten), er hat sieben von 13 Torschüssen beim Spiel gegen Frankfurt abgegeben, ein Tor vorbereitet (Frankfurt), eines selbst geschossen (Gladbach). Er ist zu einem absoluten ErfolgsfakTOR unter Tayfun Korkut geworden. Ginczek: „Das klappt gerade sehr gut. Mario legt für mich auf. Dann Erik für Mario. Und jetzt ich für Erik. Nun müssen wir schauen, dass wir mal noch ein paar Tore nachlegen“ #VfBSGE #VfB — Markus Merz (@merzerrama) February 24, 2018 Daniel Ginczek ist jemand, der Menschen mitnimmt und für sich einnimmt. Die VfB-Fans leiden stets mit dem bulligen Stürmer mit, sie haben ihn ins Herz geschlossen wegen seines entscheidenden Tores gegen Paderborn …

Bei Geburt getrennt.

Tayfun Korkut erinnert an Jürgen Kramny. Beide sehr spröde im Auftritt, beide keine großen Kommunikatoren, beide keine Innovatoren, sondern sehr pragmatisch bei Spieltaktik und Mannschaftsaufstellung. Sie machen das, was sie können und was die Mannschaft kann. Kramny hatte lange noch dieses verschmitzte Lächeln, als ob er es gar nicht fassen konnte, Bundesligatrainer zu sein. Korkut dagegen freut sich mehr nach innen, selbst bei Toren. Die Ergebnisse ähneln sich ebenfalls. Kramny begann mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen, Korkut mit zehn. Es ist kein komplizierter Fußball, den Korkut spielen lässt, aber einer, den der Gegner furchtbar anstrengend und nervig finden kann. Genervt war auch Niko Kovac und stocksauer, dass der VfB die Eintracht auf sein Niveau hinunter gezogen hat. Korkut hat das „kompakt stehen“ erfunden, er ist Mister Kompakt. Und wenn dann doch mal einer durchkommt, dann wirft sich jemand aufopfernd in die Schussbahn wie die deutschen Eishockeyspieler in Pyeongyang. Benschamäh Pavard kann nicht nur elegant, sondern auch spektakulär, wie übrigens auch Timo Baumgartl. Beide haben unter Korkut einen Qualitätssprung gemacht.   Während andere …

Das neue TK Maxx-Prinzip beim VfB Stuttgart

Einst hieß es, der VfB sei keine normaler Absteiger. Dann hieß es, er sei kein normaler Aufsteiger. Und vielleicht stimmte das sogar. Doch unter Tayfun Korkut ist das anders: Endlich spielt der VfB so wie ein Aufsteiger nun mal spielt. Spielverzögerungen, taktische Fouls, Spielunterbrechnungen ohne Ende, Diskussionen mit dem Schiri, Standardsituationen ziehen. Der Korkut-VfB ist unangenehm zu spielen, er ist ein ekliger Gegner, manchmal wirkt es fast so, als ob da 11 Santi Ascacibars auf dem Feld stehen. Beim Gegner und seinen Fans löst diese Spielweise jedenfalls Brechreiz aus. Spätestens, wenn der Schiedsrichter zum 27. Mal auf Foul an Gomez entscheidet. Und das ist gut so. Denn aus nur drei Toren hat der VfB so sieben Punkte geholt. Dank der Qualität von Gomez und Daniel Ginczek, vorne aus wenig viel zu machen. Und wenn man sich wünscht, dass nach 65 Minuten Donis oder Akolo zur Entlastung kommen, parkt Korkut den VfB-Bus im Strafraum und macht die Vierer- zur Achterkette. Das ist das neue TK Maxx Prinzip beim VfB. Selten schön, aber aktuell ziemlich erfolgreich. Santiago …

VfBeziehungskrise

Seit wir hier 2014 angefangen haben, mussten durften wir schon so einiges mit dem VfB Stuttgart erleben: Einen Fastabstieg, die wilde Zorniger-Zeit, die Kramny-Katastrophe, das Dutt-Desaster und den unnötigsten Abstieg aller Zeiten. Die kurze Luhukay-Ära, die überraschenden Engagements von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf. Die  Großkreutz-Affäre, den Aufstieg, die Ausgliederung, den Rauswurf von Schindelmeiser und vieles mehr. Wahnsinn eigentlich. Aber alles andere wäre ja auch langweilig. Jedenfalls ist es nicht das erste Mal, dass sich die VfB-Fans in zwei Lager teilen. Und verglichen mit den Anfeindungen rund um die Ausgliederung ist der Ton unter ihnen diesmal sogar sehr gemäßigt. Aber vielleicht ist genau das das Problem. Ist aus einer leidenschaftlichen Affäre ein pragmatische Zweckehe geworden? Dieses Gefühl konnte man jedenfalls am vergangenen Sonntag im Stadion bekommen. Dass der VfB Stuttgart selbst entweder völlig unsensibel gegenüber den Befindlichkeiten seiner Fans ist, oder dass es den Verantwortlichen schlichtweg egal ist, ist auch nichts neues.  Und wurde auch in der vergangenen Woche wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Während die Fans am “Deadline Day” flehentlich auf dringend benötigte Neuzugänge …