Alle Artikel in: VfB

“Steh auf, Du Memme!”

Samstag, 14 Uhr, Fellbach, rund 4 km Luftlinie vom Daimler Stadion entfernt. Ein Garten, zwei kleine Tore. Ich hatte mich mit meinem Freund Sammy auf ein Spiel zwei gegen zwei eingelassen, Gewinner sollte das Team sein, das als Erster zehn Punkte hat. Gegner waren die beiden Söhne Sammys: Sieben und zehn Jahre alt, beide bevorzugen das robuste Spiel. Sammy schoss einst die zweite Mannschaft des TSV Westhausen zum Aufstieg, Höhepunkt meiner “Karriere” war ein Einsatz als Balljunge (siehe hier). Sammy und ich führten schnell 5:1, wir agierten clever, spielten unsere Größenvorteile aus. Die beiden Jungs hielten gut dagegen und das Spiel begann sich zu drehen. Hinten grätschte der eine wie Maik Franz, vorne netzte der andere wie Mario Gomez in seinen besten Zeiten. Franz und Gomez in einer Mannschaft? Undenkbar? In Fellbach nicht. Das Spiel wurde härter, Sammy wurde von hinten umgemäht, mich traf ein Tritt voll ans Schienbein. Als ich mich beschwerte und ein pädagogisch wertvolles Gespräch führen wollte, erhielt ich als Antwort: “Stell Dich nicht so an, Du Memme!” und Maik Franz’ seine …

Danke, Armin Veh!

Wir Stuttgarter sind Freunde von Kontinuität, Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit: Wir hören seit 25 Jahren die Fantastischen Vier, fahren unseren Doimler, trinken draußen schon immer in der Kälte unser Bier im ehemaligen Klohäusle “Palast” und wenn wir zappeln und feiern wollen, dann fällt unsere Wahl seit ewigen Zeiten auf die “Boa” und den “Perkins Park”. Deshalb kommen wir mit Armin Veh derzeit nur schwer zurecht. Jede Woche eine neue Aufstellung, neue Spieler, ein neues System, “so goht’s doch net!” Und was sollte das jetzt in Frankfurt? Timo Werner und Antonio Rüdiger auf der Bank, dafür der ausgemuserte Sercan Sararer von der U23 direkt in die Startformation. Das kann doch nicht gut gehen. Doch, das kann. Danke, Herr Veh, was haben Sie mit der Mannschaft gemacht, dass sie innerhalb von einer Woche zwei Spiele des Jahres abliefert? Zehn Tore in drei Spielen? Das müssen Sie mir erklären und dann sagen ich Ihnen mal was zu Ihrem Styling. Denn, bei allem Respekt, so wie in Frankfurt können Sie nicht rumlaufen. Wirklich nicht. Herr Veh, Ihr Coaching ist auf …

Jugendspieler

Wild Boys: Der VfB und ich in den 80er-Jahren

Die Aufholjagd des VfB nach 3 Toren Rückstand führt uns zurück in die 80er, als es noch Ascheplätze gab, Hansi Müller spielte und ich David Bowies “Heroes” zum ersten Mal hörte. Inklusive nostalgischem Blick zurück auf die eigene Karriere als rechter Verteidiger, Libero und Sechser. Mega! Meine Frage im letzten Text, wann der VfB zuletzt einmal einen 3-Tore-Rückstand aufgeholt hat und ob dies vor dem Mauerfall war, wurde flux drüben bei Facebook beantwortet: Ja, das war vor der Wende, in der Saison 1980/1981, gegen Borussia Dortmund, Endstand ebenfalls 3:3. Auf beiden Seiten ein schönes Line-up, an das sich mein Freund Sammy und ich sogar in großen Teilen ungestützt erinnern: Immel, Burgsmüller, Votava, die Förster-Brüder, Holcer (Dragan Holcer!), Hattenberger (Roland Hattenberger!), heute würde man sagen “Mega”, mir entgleitet da ein seliges “Ach”. Nicht weil in den 80ern alles besser war, aber es war eben meine Zeit des jugendlichen Übermuts, die Zeit von Depeche Mode, David Bowie, Ultravox und Duran Duran, die Zeit von “Remington Steele”, “Ein Trio mit 4 Fäusten”, “Ein Colt für alle Fälle”, Serien, …

Rot weiß Pinsel

Schöne, neue Welt?

Ich weiss nicht, ob Ihr Bob Ross kennt. Ich habe ihn vor zwei oder drei Jahren kennen gelernt. Da sah ich ihn nachts auf Bayern 3 (und danach noch viele alte Folgen “Disco” mit Ilja Richter). Ich war bei Freunden in Nürnberg zu Besuch, wir wollten nach einem turbulenten Abend noch einen Absacker nehmen und der Fernseher lief. Und ein älterer Typ, mit wilder Frisur und sanfter Stimme malte im TV. Ich kenne mich mit Malerei nicht so aus und möchte Bob nicht zu nahe treten, aber ich würde seine Malerei naiv nennen. Die Sendung hieß “The Joy of Painting” und er erklärte, was er malte. Großflächig trug er Farbe auf, dann fing er an zu tupfen und nach und nach entstand ein Bild. Er tupfte hier und tupfte da und es wuchs ein Berg mit einem See davor. Dann fing er an, aus diesem Bild ein neues Motiv zu entwickeln. Wolken kamen hinzu (“Let’s make some happy little clouds”), Vögel, Bäume (“Everyone needs a friend”) und plötzlich wurde es eine neue Welt. Ein malerischer …

Geschenk

Wie der VfB die Punkte herschenkt

Es geht aufwärts! Der VfB verbessert sich kontinuierlich: Erneut kein Gegentor in den letzten zehn Minuten und sieben Spiele schon kein Tor eines Ex-Stuttgarters in dieser Saison: Traore, Schipplock, Bicakcic, Schieber, keiner traf (gut, dass die meisten von ihnen gar nicht auf dem Feld waren). Nach dem 3:2 der Berliner sind es die ganz kleinen Erfolge, über die man sich freuen kann. Aber: Wenn der VfB gegen eine solche Mannschaft nicht gewinnt, gegen wen dann? Eine völlig verunsicherte, strukturlose Berliner Mannschaft gegen die der VfB nach fünf Minuten nach einer traumhaften Kombination sogar in Führung geht. “A gmahte Wiesn”, würde der Bayer sagen. “Heiligx Blechle”, murmelt der Stuttgart-Fan kopfschüttelnd nach dem Spiel. Michael Preetz wie Jos Luhukay sprechen einhellig davon, dass es das beste Berliner Spiel der Saison war und das ist eine Watschn’ für den VfB. Berlin hat sich durch einige neue Spieler bei weitem nicht gefunden, macht aber weniger Fehler und nutzt die des VfBs gnadenlos aus. Wenn ein Spieler wie Änis Ben-Hatira neben Salomon Kalou der beste Berliner Spieler ist, dann ist …

Der Nächste, bitte! Wie eine Krise beim VfB abläuft

Innerhalb von 18 Monaten wurden alle von Fans und Medien kritisierten Personen entfernt: Gerhard Mäuser, Dieter Hundt, Bruno Labbadia und jetzt Fredi Bobic. Wen erwischt es als Nächsten? Den Busfahrer? Seit 2010 hat sich der VfB vom Dauergast in den internationalen Wettbewerben zum Abstiegskandidat entwickelt. Die Krisen laufen dabei immer gleich ab. Es sind stets vier Stufen, nach denen alles ein bisschen schlechter ist als vorher. Eskalationsstufe 1: Ein Sündenbock muss her “Kräfte freisetzen”, “Bock umstoßen”, “Sperre im Kopf lösen”, damit werden Spieler, Trainer und Funktionäre in dieser Phase zitiert. In der Vergangenheit war immer der Trainer dran, das Gesetz der Serie reisst nun mit der Entlassung Fredi Bobics, der als Hemmschuh für ein leistungsförderndes Umfeld galt und Spieler verpflichtete, die sich nicht weiter entwickeln und offensichtlich nicht zueinander passen. Ob dies zu einer sofortigen Verbesserung des Teams und der Ergebnisse führt? Armin Veh scheint sich nicht so sicher zu sein und hat gleich die Stufe 2 gezündet. Früher als sonst in einer VfB-Krise. Eskalationsstufe 2: Personelle Konsequenzen in der Mannschaft Die Frage war: Wen …

Stallgeruch

Frischer Wind statt Stallgeruch!

Fredi Bobic ist also weg, die medial unterhaltsame Nachfolgersuche in vollem Gange. Auf der Liste angeblich: Ralf Rangnick, Jens Todt, Michael Zeyer und Jens Lehmann. Die ersten davon haben bereits abgesagt, bevor die Stuttgarter Verantwortlichen überhaupt die Gelegenheit hatten, bei ihnen anzufragen. Aber es wäre auch sehr befremdlich, wenn ein Ralf Rangnick zu einem Traditionsclub wechselt, nur wenige Tage nachdem er sagte, das ihm genau diese Vereine Leid tun. Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, aus wessen Feder diese Kandidatenliste keine 24 Stunden nach der Bobic-Demission stammt. Aber man sieht an den kursierenden Namen erneut: Beim VfB greift man gerne auf Bewährtes zurück. Das gilt nicht nur für die Neubesetzung des Sportdirektorpostens, sondern auch für die Trainersuche und Spielertransfers. “Stallgeruch” wird das dann gerne genannt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Person beim VfB schon mal funktioniert hat. Das kann auch gerne schon ein paar Jahre her sein oder in völlig anderer Position geschehen sein. Aber jemand, der für den VfB Tore geschossen hat, wird sicher auch bei den Transfers den einen oder anderen …

VfB Jung und wild

Verkehrte Welt beim VfB

Es ist Herbst, der VfB ist schlecht in die Saison gestartet, er tut das immer, seit Ewigkeiten. Es dauert nicht lange, bis dann über den Trainer diskutiert wird. Armin Veh, Markus Babbel, Christan Groß, Bruno Labbadia mussten gehen. Dieser Herbst ist anders. Auf den VfB Stuttgart kann man sich verlassen: Immer im Herbst wird der Trainer entlassen, das ist so sicher wie sich die Farben der Blätter rot färben. Aber gut, Präsident Bernd Wahler ist noch nicht so lange dabei, da kann man schon mal im Eifer des Gefechts Trainer und Manager verwechseln. Oder lags an diesem Dialog? “Ich kann so nicht arbeiten” “Wieso, was ist denn los, Ärger mit den Spielern?” (jovial lachend) “Neee, diese miese Stimmung belastet uns.” “Du meinst wegen dem Bobic?” (lacht, unsicher) “Ja, die Wut, die fiesen Sprech-Chöre, die gemeinen Spruchbänder, die Briefe und die bösen Blogs, das alles ist nicht gut für uns!” “Schon klar, aber deshalb macht doch der Schwaab nicht seine Leichtsinnsfehler und der Harnik schießt deshalb nicht nebens Tor, oder?” (lacht breit) “Natürlich nicht, aber wie …

Die Angst, Dein bester Freund

#455365284 / gettyimages.com Das Süd-Derby als Langweiler – und das liegt nicht am FC Bayern. Das Spiel erinnert fatal an das Testspiel gegen Schwaikheim, mit anderer Rollenverteilung: Die VfB-Spieler sind froh, dass sie keinen auf die Mütze bekommen haben, es fehlt nur noch, dass sie sich beim Trikottausch auch noch Autogramme geholt hätten.