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Domino-Days beim VfB Stuttgart

Auf dem Platz gibt es so etwas wie einen “neuen VfB”. Die ersten Früchte des zarten Pflänzchens: Bei Rückständen wird nicht aufgegeben, es gibt keinen Alibifußball mehr, es wird immer die spielerische Lösung gesucht wird. Gelungenes Change Management by Mislintat & Matarazzo. Aber wie sieht es diesbezüglich in der Führungsetage bei e.V. und AG aus? Aufgrund der Ereignisse vom Samstag, Sonntag und Montag kann man auch dort die leise Hoffnung haben, dass sich etwas ändert und auch hier ein neuer VfB entsteht. Dass Begriffe wie “Ehrlichkeit” und “Integrität” nicht nur als Phrasen in fast jedem VfB-Statement gedroppt werden, sondern dass es endlich Werte sind, die auch konsequent gelebt werden. Der Sonntag war ein guter Tag für Claus Vogt, denn der Amtsinhaber wurde als Präsidentschaftskandidat nominiert. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Nicht so beim VfB, wo im Vereinsbeirat acht Personen darüber entscheiden und es lange Zeit so aussah, als hätte sich eine Mehrheit das Motto „Raus mit Claus“ auf die Fahnen geschrieben? Wieso also jetzt die überraschende Wendung? Einerseits scheint es ein zunehmendes Gefühl der …

Kein Platz für einen Weltmeister

Sami Khedira kehrt mit Hertha BSC zum VfB zurück. Welchen Empfang hätte er wohl in einem vollen Neckarstadion bekommen? Es gibt Spieler für die besonderen Momente: Chadrac Akolos 2:1 in der Nachspielzeit gegen Köln (Eskalation), Florian Kleins 3:2 in Nürnberg (komplette Eskalation), Gonzalo Castros 3:2 gegen den HSV (zumindest vor dem TV: Voll-Eskalation). Und dann gibt es Spieler für die ganz besonderen Momente: Hermann Ohlichers 2:1 in Bremen (für die älteren), Guido Buchwalds 2:1 in Leverkusen, Sami Khediras 2:1 gegen Cottbus. Sie alle haben sich Einträge in der VfB-Geschichte verdient. Ich habe Sami Khedira schon immer gemocht. Und ihn gegen alle verteidigt (ich schaue Dich an, Holger!), die ihn für technisch limitiert, zu langsam, zu hölzern, zu irgendwas hielten. Aber das wäre gar nicht notwendig gewesen, seine unglaublichen Erfolge und seine Stammplätze bei Trainern wie Jose Mourinho, Carlo Ancelotti, Massimiliano Allegri und … äh, … Jogi Löw sprechen für sich. Bin ich jetzt traurig, dass Sami zu Hertha BSC wechselt? In dem blauen Dress sieht der Oeffinger schon komisch aus und ein Wechsel in die …

Der einsame Präsident

Es gibt die schöne Geschichte von Bayern-Trainer Louis van Gaal, wie er in der Halbzeitpause eines Spiels vor seiner Mannschaft die Hose herunter lässt und von ihr forderte, sie solle im Spiel Eier zeigen. VfB-Präsident Claus Vogt hat mit seinem Statement zur Verschiebung der Mitgliederversammlung (ursprünglich geplant: 18. März 2021) blank gezogen und Eier gezeigt. Denn er begründet nicht nur die Verschiebung (sehr ausführlich), sondern liefert auch Insights aus der Mercedestraße. Dass seine beiden Präsidiumskollegen Rainer Mutscher und Dr. Bernd Gaiser sowie der Vereinsbeiratsvorsitzende Wolf-Dietrich Erhard keinerlei Interesse am Austausch von Argumenten haben, dass sie sich für Meinungen der Mitglieder offensichtlich nicht interessieren. Dass auf ihn massiv Druck ausgeübt wird, bis hin zur Androhung von Schadensersatz. Man erkennt: Vogt ist völlig isoliert beim VfB und er entschied sich letztlich “gegen den erklärten Willen meiner beiden weiteren Präsidiumsmitglieder“ für eine Verschiebung, was den Anschein eines Alleingangs hat, aber ein Indiz dafür ist, dass er ganz alleine ist. Er wirkt dabei – und das wird Vogt nicht ungelegen kommen – als “einsamer Ritter im Kampf für Gerechtigkeit“, …

Army of Spalters

Unseren täglichen VfB-Eklat gib uns heute: Am Mittwoch war es eine Email des Präsidenten Claus Vogt an die Mitglieder, die für Aufsehen sorgte. Vogt kündigte darin an, die Frist für die Einladung zur Mitgliederversammlung verstreichen zu lassen. Bedeutet: Er hat die Mitgliederversammlung vom 18. März bis zum 5. September verschoben – gegen den Willen seiner Präsidiumskollegen Gaiser und Mutschler, die auch sonst nicht besonders gut wegkamen. Nicht nur die Botschaft des Präsidenten, sondern die Entwicklungen im Januar generell machen deutlich: Es geht hier nicht um Hitz vs. Vogt, es geht um Establishment vs. Mitgliederrechte. Hitzlsperger war nur Plan A, um Vogt möglichst schnell loszuwerden. Ein Plan, der offenbar gescheitert ist. Oder glaubt jemand ernsthaft, Hitzlsperger brenne drauf, sich neben seinem höchst anspruchsvollen Fulltime-Double-Job als Sportvorstand und Vorstandsvorsitzender auch noch um Faustball, die Garde und unzähligen Jubilare zu kümmern? Warum ist es dann überhaupt soweit gekommen? Thomas Hitzlsperger hat es nach eigenen Worten sehr getroffen, was er erfahren, hören oder lesen musste. Verständlich. In gerade mal drei Wochen vom Brustring-Halbgott zum Spalter – und das einzig …

Die große Enttäuschung

Ist es wirklich ein Aufreger, dass offenbar Vorstand und Teile des Präsidiums die Aufklärung des Datenskandals behindern und an der Weitergabe der Daten beteiligt waren oder zumindest davon gewusst haben könnten? Also Stefan Heim, der als Finanzvorstand wohl keine 700.000,- EUR freigibt, ohne zu wissen, wofür. Also Jochen Röttgermann, in dessen Marketingressort die Ausgliederungskommunikation fiel. Also Rainer Mutschler, der damalige Projektverantwortliche der Ausgliederung. Und Dr. Bernd Gaiser, der womöglich als Intimus von Wolfgang Dietrich Einblick in alle Vorgänge gehabt haben könnte. Nein, der Aufreger ist, dass Fehlverhalten vertuscht werden soll, wobei wir dies befürchten mussten nach den Erfahrungen der letzten Jahre, in denen wir belogen wurden. Aber eins wurde nun durch die Veröffentlichung von Marko Schumacher in der Stuttgarter Zeitung/Nachrichten und im kicker mehr als deutlich: Die eigene Position ist den Verantwortlichen wichtiger als die Mitglieder des VfB. Das Verhalten ist nicht nur Betrug an den Mitgliedern, das ist Betrug an der Wahrheit, das ist der Verrat an den Werten des VfB. Wut. Enttäuschung. Scham. Dinge, die ich nach WD nie mehr für meinen Verein …

Was der Vereinsbeirat wirklich meint …

Die Entscheidung im Spiel des VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach fiel am Samstag Abend in letzter Sekunde. Eine andere Entscheidung, die man spätestens am Montag erwartet hatte, fiel hingegen nicht: Das Votum des Vereinsbeirats, wer am 18. März für das Amt des Präsidenten des VfB Stuttgart e.V. kandidieren darf. Stattdessen: ein Brief. Mal wieder. Aber die VfB-Fans sind es mittlerweile gewohnt. Dass die Botschaft des Vereinsbeirats an die Mitglieder in der lokalen Boulevardzeitung erschien, bevor er in den digitalen Postfächern der Mitglieder lag, ist dann allerdings doch einigermaßen befremdlich. Da der Brief recht kompliziert und unverbindlich formuliert ist, möchten wir unseren Lesern eine einfach zu verstehende Übersetzung anbieten. Denn uns liegt vielleicht ein früher Entwurf des Schreibens vor: Es ist dem Vereinsbeirat ein Anliegen, den Findungs- und Auswahlprozess so undurchsichtig wie möglich zu halten. Wir nennen das aber „so transparent wie möglich“, denn das hört sich einfach besser an. Insgesamt ist festzuhalten, dass uns die beiden internen Kandidaten in große Schwierigkeiten gebracht haben. Wir suchen deshalb nach bequemen Lösungen und wollen etwas Zeit gewinnen. Deshalb …

Sie geben einfach nicht auf

Wie gegen Hoffenheim und Union Berlin schafft der VfB in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Interessant: Immer waren der Kopf oder die Füße von Sasa Kalajdzic beteiligt. Er ist der Mann für die Crunchtime, so etwas wie die laufende Zweimeter-Brechstange, wenn Spiele noch einmal gedreht werden sollen. Der VfB ist wie Borna Sosa: Es gelingt nicht alles, es passieren Fehler, aber von Rückschlägen lässt sich der Kroate nicht entmutigen. In der 34. Minute begeht Sosa ein selten dämliches Foul an Stefan Lainer, das zu einem Strafstoß und zum 0:1-Rückstand führt. Aber Sosa lässt den Kopf nicht hängen, ist vor allem in der zweiten Halbzeit auf seiner linken Seite offensiv deutlich aktiver und gefährlicher als Kollege Silas auf rechts. Sosa geht weiter mutig ins Dribbling, schlägt viele Flanken in den Strafraum und ist defensiv nicht etwa zaghaft und unsicher, sondern solide und ernsthaft. Dass man das einmal über den 22-jährigen sagen würde, war vor einem halben Jahr wirklich nicht abzusehen. Borna und ernsthaft? Das schien sich bis vor kurzem noch auszuschließen. Für das 3.000 Bundesligator des …

VertikalGIF #VfBBMG: Punkt oder Spielabbrych!

Es ist das Wochenende der großen Entscheidungen: Während der Vereinsbeirat angeblich entscheidet, welche Kandidaten im März zur Wahl des VfB-Präsidenten antreten dürfen, hatte das Team von Pellegrino Matarazzo die letzte Chance auf einen Heimsieg in der Hinrunde. Kleines Problem: Der Gegner hieß Borussia Mönchengladbach und hatte zuletzt die Super-Bayern besiegt.   Um es doch irgendwie zu schaffen, schickte Matarazzo die gleichen Spieler aufs Feld, die auch in Augsburg in der Startelf standen. Unveränderte Startelf, aber neues Geläuf: Der Rasen war endlich ausgetauscht worden! Der alte hatte im Spiel gegen Leipzig diese Bezeichnung auch kaum noch verdient.   Trotz des frischen Rasens war die erste Halbzeit eher von der ereignisarmen Sorte: Der VfB hatte durch Mangala und Gonzalez zwei gute Chancen, die Gladbacher tauchten mit Embolo gefährlich vor dem Tor von Kobel auf. In der 34. Minute kam es dann mal wieder zu einem dieser typischen VfB-Elfer: Lainer startete in den Strafraum und Sportsfreund Sosa … ja was machte der eigentlich? Viel klarere Elfmeter werden wir in dieser Saison jedenfalls nicht mehr sehen.   Nachdem Stindl …

VertikalGIF #FCAVfB: Das Ende der Angstgegner

Dass VfB-Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg ihren Job los sind, hat mittlerweile mehr Tradition als RB Leipzig. Völlig ungewohnt, dass Pellegrino Matarazzo völlig relaxed zu den bayerischen Schwaben reisen konnte – und das trotz zwei torloser Niederlagen im Gepäck! Dafür, dass erst gar eine Nervosität aufkam, sorgte schon nach zehn Minuten der Augsburger Oxford, der Klimowicz foulte, der für Kalajdzic in die Startelf gerutscht war. Ein klarer Fall für Nicolas Gonzalez. Und wie der seine Elfer verwandelt, wissen wir ja alle. Und danach lief der VfB-Express, der vor allem auswärts immer wieder begeistert. Ballgewinn Kempf, Traumvertikalpass auf Sosa, clevere Ablage auf Silas, überlegter Abschluss. Ding-gong, 2:0, das achte Saisontor des “Rookie of the month” November und Dezember. Und wie erlebte die Augsburger Defensive den Angriff? Aber, dass eine 2:0 Führung nach starker erster Halbzeit nichts heißen muss, mussten die VfB-Fans schon gegen Frankfurt und Hoffenheim erleben. Und tatsächlich dauerte es nur 30 Sekunden in der zweiten Halbzeit bis das Augsburger Anschlusstor fiel. Unsere Bitte an Pellegrino Matarazzo: Die Spieler nächstes Mal in der Kabine …

Sie wollen einfach nur spielen

Angstgegner? Trainerkiller? In dieser Saison ist so vieles anders beim VfB. Eine Mischung aus Widerstandsfähigkeit und Spielfreude bringt dem in grün spielenden VfB nach dem Sieg beim FC Augsburg Platz 1 in der Auswärtstabelle. Auf den Spielzug in der 29. Minute ist sogar Usain Bolt neidisch: Einem Traumpass von Marc-Oliver Kempf folgt ein unwiderstehlicher Sturmlauf von Borna Sosa und ein wunderbares Zuspiel des Kroaten auf Silas, der cool zum 0:2 einschiebt. 11 Sekunden dauerte das, schneller ist nur der jamaikanische Olympiasieger – ohne Ball wohlgemerkt. Eine schnörkellose Kombination, die symbolisch für den VfB in der Saison 2020/2021 steht. Schnell, direkt, selbstbewusst. Ich würde den Pass von Kempf gern heiraten. — Philipp Maisel (@philmaisel) January 10, 2021 Bis auf ein paar Situationen seriös in der Abwehr mit einem einmal mehr überzeugenden Waldemar Anton und offensiv heißt das Motto beim VfB „Ich geb’ Gas, ich will Spaß!“. Es ist die reine Spielfreude, die dann letztlich auch weitere Tore verhindert. Manchmal hat man den Eindruck, der VfB spiele extra-schön für die Fans, die nicht im Stadion sind, um …