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Das ist alles a bissle zu wenig

Bissle spielen, bissle passen, bissle schießen, bissle verteidigen. Ergebnis: Platz 3 nach 26 Spielspieltagen, mit dem vermeintlich höchsten Budget und besten Kader der zweiten Bundesliga. In der Saison 1995/1996 gab es eine der vielgerühmten VfB-Kampagnen: Krassimir Balakov schaute ernst von einer unbeholfen gestalteten Großfläche und ihm wurde in den Mund gelegt „Was heißt ‚a bissle‘? Ich will alles!“ Das Ganze lief unter dem Kampagnenmotto „Kämpfen für die Fans“. Vor 25 Jahren waren die Fans offensichtlich noch wichtig. Viel wichtiger allerdings: Die Einstellung, die sich durch dieses Motiv ausdrückte. Sich durchaus über die eigenen Qualitäten im Klaren zu sein – im Kader damals neben Weltstar Balakov unter anderem Weltmeister Thomas Berthold, Frank Verlaat und Giovane Elber – aber auch zu wissen, dass der Erfolg mit Arbeit verbunden ist und man sich nicht mit dem Erstbesten zufrieden geben wollte. Was für ein Unterschied zu heute. Da spricht nicht nur Mario Gomez davon, dass der VfB ein Spitzenteam sei. Auch wenn sich offensichtlich mehr Spitzenverdiener als Spitzenspieler im Kader befinden. Das führt zu Frage: Können sie es nicht …

Die gute Seele des VfB Stuttgart

Gerhard Wörn, der seit 30 Jahren Waden und Oberschenkel knetet und sich nebenbei die Sorgen der Spieler anhört (und schweigt). Peter Reichert, das Multitalent: Fanbetreuer, Übersetzer, Best Buddy von Pavard, Teamanager. Günther Schäfer, der seine Grätschen-Kompetenz seit Jahrzehnten weiter gibt. Jochen Rücker, Chauffeur von Mayer-Vorfelder, Torwarttrainer und lange Jahre Teammanger in kurzen Hosen und mit O-Beinen, durch die ein Rudel Dobermänner laufen konnte. Und Jochen Seitz: Schiedsrichter, Sanitäter, Platzwart, Zeugwart und Betreuer. Die gute Seele des VfB. Einer, dessen Herz stets im Takt des Brustrings schlug. Am Freitag hat es aufgehört zu schlagen. Er wird fehlen. Spieler kommen, Spieler gehen, Trainer, Manager und Präsidenten sowieso. Es sind Menschen wie Wörn und Reichert und Schäfer und Seitz, die den VfB prägten und prägen, die im Hintergrund wirken, fernab der Öffentlichkeit, und die die Konstanten beim VfB bilden. Jochen Seitz war einmalig, ein Unikum im besten Wortsinne, verschmitzter Blick, herzlicher Humor und wohl der einzige Zeugwart der Welt, der nach einem Spiel eine eigene Benotung in der Zeitung erhielt. 6. Oktober 1984: Der VfB spielt in Köln. …

Der Corona-Knigge

Besondere Zeiten brauchen besondere Maßnahmen. Nachdem sich schon Salomon Kalou und Birger Verstraete daneben benommen haben, nachdem Werder Bremen und Unions Neven Subotic doch allen Ernstes Kritik am schnellen Re-Start äußerten und auch nicht gerade wenige Fans sich ebenfalls nicht allzu begeistert zeigten, braucht es dringend einen Corona-Knigge für Spieler, Fans und Funktionäre. Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen! Nicht, dass die Wiederaufnahme der Saison 2019/2020, dieses grandiose Projekt der DFL, durch Fehlverhalten in Misskredit gerät oder gar misslingt. Der Corona-Knigge oder die Kunst, das Produkt nicht zu schädigen. Hier sind die 11 goldenen Regeln: 1.) Mindestens 1,5 Klicks Abstand zu allen Medien, Blogs und Podcasts, die sich mit dem Produkt Fußball und dem Re-Start kritisch auseinander setzen. Fettes Like auf allen Plattformen hingegen für BILD, Sky und kicker, Armin Laschet und Markus Söder. Kurz: die Retter des Fußball-Produkts. 2.) Flüssig bleiben! Bitte vor Anpfiff mit reichlich dünnem Fernsehbier versorgen. Ausnahmsweise ist es auch erlaubt, auf den Trainer- und Ersatzbänken Bier des Sponsors zu trinken – aber bitte nur aus der Flasche! (Drosten-Voice) …

Warum regt ihr euch eigentlich auf?

Ich verstehe gar nicht, warum ihr Euch so aufregt, dass die Saison ab 15. Mai unter besonderen Bedingungen mit allen Mitteln zu Ende gespielt werden soll. Was habt ihr erwartet von einem Business, dass seine eigene „Kundschaft“ wahlweise als „hässliche Fratze des Fußballs“, als „Krakeeler“, als „Totengräber des Fußballs“, als „Ewiggestrige” oder als „hirnlose Idioten“ bezeichnet? Was habt ihr von einem Geschäftsbereich erwartet, in dem mitten in der Corona-Krise über Millionentransfers schwadroniert und der Vertrag von Thomas Müller ungeniert verlängert wird – selbstverständlich zu einem Jahressalär im deutlich zweistelligen Millionenbereich – aber gleichzeitig BVB-Boss Joachim Watzke den Untergang des deutschen Fußballs prognostiziert, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt wird? Was habt ihr von einer Branche erwartet, die glaubt, systemrelevant zu sein. Nur, weil ihre Akteure und Profiteure von einem Millionenpublikum bejubelt werden und sich deshalb für unantastbar und unersetzlich halten? Was habt ihr von Leuten erwartet, die anscheinend völlig die Bodenhaftung verloren haben, die Werte nur kennen als Zahlen auf ihrem Bankkonto und Moral nur einfordern, wenn der eigene Club in einem Spiel scheinbar …

Fußball 21

Mai 2021, Karlheinz Rummenigge lächelt: das neunte Mal Meister in Folge. Seine Spieler toben wie Kinder übers Spielfeld und übergießen sich vor leeren Rängen mit lauwarmem Weißbier. Er hatte es ja immer gesagt: “The show must go on.” Und was ist schon eine Pandemie gegen den FC Bayern München? Wer hätte außerdem gedacht, dass die “Geisterspiele” sogar einen angenehmen Nebeneffekt haben würden? Ohne die lästigen aktive Fan-Szenen, die sich sozial engagieren und der bigotten Fußballszene den Spiegel vorhalten, war endlich alles so, wie es sich die Funktionäre wünschten. Und Zuschauereinnahmen sind für Bayern München wirklich nicht entscheidend. Durch die Geisterspiele und Distanz zu den Fans waren sogar die Merchandising-Einnahmen gewachsen. Auch „Mister Sportstudio“, der ewig nette Dieter Kürten, war begeistert: „So gefällt mir der Fußball besser, ohne diesen Fanatismus und die Anfeindungen von der Tribüne!“ Rummenigge machte ihn sofort zum Ehrenmitglied des FC Bayern. Anderen ging es allerdings nicht so gut blendend wie dem Rekordmeister: Der FC Augsburg und Werder Bremen mussten während der “Corona-Saison” den Spielbetrieb aufgrund finanzieller Schwierigkeiten beenden. Solidarität unter den Bundesliga-Clubs? …

Der Rumpel-Russe: Pavel Pogrebnyak

Wir schreiben den Sommer 2009: Mario Gomez ist für die Rekordsumme von ca. 30 Millionen nach München gewechselt und im VfB-Angriff klafft ein riesige Lücke. Manager Horst Heldt muss einen Stürmer ersetzen, der in 121 Spielen 63 Mal getroffen hatte. Und so begann es. Stuttgart suchte den Stürmerstar. Eine erste heiße Spur führte nach Sinsheim, wo der Aufsteiger als Herbstmeister für Furore gesorgt hatte. Allen voran Demba Ba. Dass er bei den Stuttgarter Verantwortlichen ganz oben auf dem Zettel stand, war kein Wunder. Beim 3:3 der Hoffenheimer in Stuttgart hatte Gomez zwar doppelt getroffen, der Franko-Senegalese aber gleich dreimal. Wochenlang wurde verhandelt, spekuliert, gestreikt (Demba Ba wollte nicht mit ins Trainingslager der Hoffenheimer reisen). Und als sich Demba Ba, Horst Heldt und die Verantwortlichen von Hoffenheim – Jan Schindelmeiser und Ralf Rangnick – endlich einig waren, scheiterte der 16-Millionen-Transfer doch noch: Demba Ba war im Mai ein 41 Zentimeter langer Titannagel aus dem linken Schienbein entfernt worden, der nach einem Beinbruch zwei Jahre zuvor eingesetzt werden musste. Die Heilung nach der OP verlief nicht wie …

Der Spieler, der aus der Kälte kam: Eyjölfur Sverrisson

Das “ö” hatte es mir angetan. Wer ein ö im Vornamen hat, der muss rocken, so ähnlich wie Motörhead, dachte ich mir. Ich hatte gelesen, dass der VfB in der Winterpause 1989/1990 Eyjölfur Sverrisson (über die Schreibweise seines Vornamens existieren im Internet etwa drölf Versionen, ich mag die mit ö) verpflichtete. Nicht nur das ö weckte bei mir große Erwartungen, sondern auch sein isländischer Landsmann Asgeir Sigurvinsson. Der trug die Haare wie Johan Cruyff, hatte die Socken herunter gerollt wie Socrates und besaß den Blick für den freien Raum wie Bernd Schuster. Am 21. April 1990 siegte der VfB 3:1 zu Hause gegen Werder Bremen und Sverrisson feierte sein Bundesligadebüt. Sein erstes Tor schoss Jolly, wie er bald ohne mein ö zu meiner großen Enttäuschung genannt wurde, zwei Spieltage später, als er beim 4:0 Heimerfolg gegen Nürnberg in der 53. Minute eingewechselt wurde. Das Line-up des VfB sah so aus: Eike Immel – Guido Buchwald, Michael Frontzeck, Günther Schäfer – Karl Allgöwer, Maurizio Gaudino, Jürgen Hartmann, Manfred Schnalke, Ásgeir Sigurvinsson – Peter Rasmussen, Fritz Walter. …

Das Teilzeitgenie: Cristian Molinaro

Ich liebe Italien, mit Ausnahme von Gianna Nannini und Eros Ramazzotti. Prosecco, Grappa, die Küche, Brunetti, Alfa Romeo. Das liegt nicht nur daran, dass ich über viele Jahre jeden Sommer in Terracina verbrachte, einem kleinen Ort rund 100 Kilometer südlich von Rom. In einem Strandhaus, in dem irgendwann mal Curd Jürgens, Uschi Glas und Helmut Dietl feierten, jedenfalls hingen Bilder davon an der Wand. Mit meinem Freund Phulp trank ich dort ab Nachmittag Bier aus diesen kleinen Flaschen von Peroni und dazu spielten wir Ping-Pong. Einmal schafften wir 200 Ballwechsel, ohne dass der Ball auf den Boden fiel und tranken nebenher jeder zwei Nastro Azzurro. Am Abend aßen wir riesige Pizzen, Pasta mit unfassbar viel Knoblauch und konnten uns meist nicht entscheiden, welchen Prosecco wir trinken sollten. Wir entschieden überwiegend nach dem Preis. In San Felice, einem Nachbarort Terracinas, erfragten wir den Preis von 3 Marken und bekamen die Antwort „Otto! Otto! Otto!“, während der Cameriere auf die drei verschiedenen Flaschenetiketten zeigte. Wir nahmen den für acht Euro. Weit vor den Sommern in Terracina entwickelte …

Der Bodenständige: Silvio Meißner

Otto Baric und Bernd Förster haben wir euch schon ins Nest gelegt. Heute steigen wir in die Zeitmaschine und jetten zwei Jahrzehnte in die Zukunft, die aber auch schon wieder zwanzig Jahre in der Vergangenheit liegt. Aber egal! Reden wir über das Jahr 1999. Reden wir über Silvio Meißner. Und das nicht (nur), weil der ehemalige defensive Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart aktuell in aller Munde ist. Kein Wunder, schließlich geht er einen ganz anderen Weg als viele seiner ehemaligen Kollegen: Meißner ist und beschäftigt mittlerweile “Alltagshelfer”: Menschen, die anderen Menschen helfen. Die Einkäufe erledigen, im Haushalt helfen, und schlicht und ergreifend andere im Alltag begleiten. Und das nicht erst seit der “Corona-Krise”. Geboren im Jahr 1973 in Halle an der Saale war Meißner ein so called “Kind der DDR”. Über den FC Halle landete er beim Chemnitzer FC und nach drei guten Spielzeiten in der zweiten Liga wechselte er 1996 schließlich zu Arminia Bielefeld. Und hier komme ich ins Spiel – irgendwie jedenfalls. Denn im Gegensatz zu @abiszet habe ich meine Jugend nicht im VfB-Umfeld …

Der Schattenmann: Bernd Förster

Brüder, die beim VfB aktiv waren? Die Schmäler-Zwillinge, klar! Die Allgöwers, Karl und Ralf, sie standen gleichzeitig auf dem Platz für die Profimannschaft beim VfB. Dann die Khediras, die Yakins, die allerdings nie gemeinsam aufliefen. Was ist mit den Caliguris? Den Vlachodimos’? Und zählen die Hlebs? Das berühmteste und erfolgreichste Brüderpaar beim VfB war allerdings Bernd und Karlheinz Förster. Wobei der große Bruder Bernd immer im Schatten des jüngeren Karlheinz stand, von „Le Kaiser“, dem Treter mit dem Engelsgesicht. Einen gemeinsamen EM-Titel errangen sie 1980 mit der Nationalmannschaft. Die beiden Schwarzacher sind sowieso erst das zweite Bruderpaar neben 54er-Weltmeistern Fritz und Ottmar Walter, das gemeinsam einen Titel mit der Nationalmannschaft holte. Bernd und Karlheinz haben gemeinsam sogar die meisten Länderspiele aller Brüderpaare ever auf dem Konto. Beim Suchen nach einem Bild für diesen Text habe ich völlig die Zeit vergessen. Bernd mit Franz Beckenbauer. Bernd mit Gerd Müller. Bernd mit Jupp Derwall. Bernd mit Bernd Schuster. Bernd mit Paul Breitner. Bernd mit Felix Magath. Bernd mit Calle del Haye. Bernd mit Walter Kelsch, mit Bernd …